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Who the fuck, is Frau Thomas?

Vor drei oder vier Wochen, ich ging die Straße in der ich wohne entlang, an den Laubengängen vorbei, als aus einem von diesen ein „Frau Thomas?!“ zu hören war.
Der rufende Mann kam näher und wedelte mit einer Zeitung. Weiterhin eine Frau Thomas rufend. Ich ging am Laubengang vorbei, an dessen Ende der Mann nun stand, nickte freundlich lächelnd und gut.
„Frau Thomas?“, kam es nun leiser. „Sind Sie nicht Frau Thomas?“
Ich entschuldigte mich, als ich merkte, dass er mit mir redet. „Sorry, nein. Ich bin nicht Frau Thomas. “
„Aber“, er schien ein wenig enttäuscht zu sein, „Sie sehen aus, wie Frau Thomas.“

Gut, man ist freundlich in Kappeln. Egal, ob man will, man grüßt und wird gegrüßt. Immer. Außer man trifft auf Touristen, woran man sie eindeutig als Tourist festmachen kann, am Nicht-grüßen. Bisweilen schien mir der eine oder andere Gruß vertrauter, wie vor ein paar Tagen der, des mir unbekannten Mannes auf dem Fahrrad. Er war noch sehr weit weg, aber brüllte laut „MoinMoin“ und winkte heftig, ehe er in eine Seitenstraße weiter vorne einbog, aber ich gab nichts drauf. Außer mir war weit und breit niemand auf der Straße, also musste ich gemeint gewesen sein. Sind eben nette Menschen hier.
Bis gestern dachte ich das.
Gestern Abend aber: Dieselbe eingangs erwähnte Straße, der Garten hinter demselben Laubengang. Ein Junge von vielleicht acht Jahren flötete mir ein freundliches „Hallo Frau Thomas“ über die Hecke zu. Ich schaute leicht irritiert, als ich mich in einem Deja vu wähnte. Nochmal erklang die Stimme des Kindes: „Hallohoo, Frau Thooomaaas.“ Ich sagte, nachdem ich mich umgeschaut und somit versichert hatte, dass wirklich ich gemeint sein muss: „Ich bin nicht Frau Thomas aber trotzdem Hallo!“
„Sie sind nicht Frau Thomas?“
Ich schüttelte den Kopf.

Ich bin irritiert. Hielt ich mich für eine einmalige Schönheit unnachahmliches Unikum, stelle ich nun fest, dass es mich zwei Mal gibt. Hier irgendwo – in unmittelbarer Nachbarschaft – gibt es eine Frau, namens Frau Thomas (eine offensichtlich beliebte Dame), die so aussieht wie ich. Oder ich wie sie. Was auch immer. Ich werde sie hoffentlich auch erkennen, wenn ich ihr über den Weg laufe. Ohne zu arg enttäuscht zu sein. Man weiß ja nie, mit wem man wirklich verwechselt wird.