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„Wo geht es denn hier nach Dekelsen?“

Fragten mich gestern in der City zwei Damen um die sechzig.
Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Sie sind hier in Dekelsen.“
„Nein, wir sind doch jetzt in Kappeln.“, sagte eine der Damen dann.
„Was in etwa dasselbe ist. Irgendein Filmemacher meinte wohl, dass Kappeln kein guter Ortsname sei und hat es umbenannt in Dekelsen“, klärte ich die beiden nun sichtbar enttäuschten Damen auf und wies auf das Schild an einem Haus ein paar Häuser weiter, auf dem da steht „Dekelsens Friseur“.
„Oh“, war alles, was man zur geplatzten Illusion noch zu sagen wusste.
„Und wo ist das Landarzthaus dann?“, versuchte die zweite Dame die Situation zu retten.
„Das ist nicht in Kappeln, das steht in Lindaunis.“
„Nein, der Landarzt wohnt doch in Dekelsen! In diesem wundervollen weißen Landhaus mit den grünen Fensterläden.“ Mittlerweile schienen die Damen nicht nur desillusioniert, sondern dachten auch, ich wolle sie auf den Arm nehmen.
„Im Fernsehen schon, aber in der Realität waren ja der Carpendale, der Quadflieg, oder wer da sonst noch den Mediziner gab, nie wirklich Arzt hier. Man hat sich aber für die Drehaufnahmen zur Serie großteils außerhalb Kappelns bewegt und einfach alle Drehorte Dekelsen zugeordnet.“

Das ging noch etwas weiter so. Ich sagte nicht, was ich dachte. Was gewesen wäre: „Boah ey! Das einzig Gute, was der gebracht hat, sind Touristen (<-> wobei wir gleich beim Schlechten wären), die eine Wirtschaft beleben, die es sonst nicht gäbe. Wenn ich sehe, wie sich die Touristen vor dem Schild mit der Aufschrift „Die Landarztkneipe“, welche in Wirklichkeit das Hotel Aurora ist, fotografieren lassen, wie vorm schiefen Turm von Pisa oder vor der Chinesischen Mauer, bekomme ich spontan Fußpilz und Plaque.“ Nein, ich war nett. Ich erzählte ihnen, wie sie zum Tourismusbüro kommen und erklärte ihnen auch, warum sie dort hingehen sollten. Weil es dort das Prospekt „Auf den Spuren des Landarztes“ gibt, das sie zu den Orten führen könne, die sie sehen wollten.
Ich selbst weiß zwar, wie ich nach Lindaunis komme und war dort auch schon hier und da mal, aber Interesse daran, mir das Landarzthaus ansehen zu müssen, das hatte ich bisher nicht. Was ich so nicht sagte. Die Damen waren mittlerweile schon enttäuscht genug. „Ich kam noch nicht dazu …“, sagte ich, glaube ich, und wünschte ihnen abschließend viel Spaß bei ihrer Spurensuche.

Irgendwie fragwürdig, wenn Menschen Realität und Fiktion nicht auseinanderhalten können.

Der Landarzt, die zweitlangweiligstelebigste Arztserie im Deutschen Fernsehen.
Auch wenn ich mir nur zwei von dreihundert (oder so) Folgen angesehen habe (die Landschaftsaufnahmen sind echt klasse, aber inhaltlich …). Er gehört zu einem pseudohalblokalpatriotischen Leben – wie ich mittlerweile gelernt habe – dazu.
Wer für mich also gucken und hinterher meine Bildungslücken schließen mag: Bitteschön. Die aktuellen Sendetermine der Wiederundwiederundwiederwiederholungen findet ihr hier.