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Gestern

Erntezeit hat für mich immer etwas von Herbstbeginn. Doof, ich weiß, denn mit Glück haben wir noch zwei schöne Monate vor uns. Und doch … gefühlte Assoziationen.
Die Rapsernte ist im vollen Gang, und der Baron von und zu Schlossgraben war so nett, als erstes den ebenerdigen Blick aufs Meer wieder freizugeben.
Mähdrescher vor Großsegler. Eine, wie ich finde, großartige Kulisse.

Ein Gespräch mit dem Kapitänsnachbarn am Rande der Mäharbeiten ergab, dass er mich für eine Alternative hält. Ob das da – wobei er gen Mähdrescher nickte – nicht eher etwas für mich wäre, statt irgendwo in einem Laden zu stehen. Und das alte Fahrrad, dieser ganze Retrokram und so. Ich hätte was von einem Aussteiger.
Na ja, dafür bin ich wohl doch zu sehr mittendrin.
Noch.
Ist man eigentlich alternativ, nur weil man versucht, sich auf das Wesentliche zu beschränken? Weil man nicht konsumgeil ist? Weil man alte Sachen lieber mag, als Neue? Weil man Natur sein lässt, versucht auf sie zu achten, und selbst schreiende Pfauen liebt? Weil man es nicht schlimm findet, wenn Rehe im Garten stehen? Weil man stundenlang nur dasitzen und Vögel beobachten kann? Mehr weiß er eigentlich nicht von mir. Und für mich ist das normal.
So bildet man sich seine Meinung. Meine von ihm ist im Umkehrschluss auch festgelegt. Nackerter Steinebleicher, der en Detail festgelegte Abläufe braucht und darum stieselig und spießig wirkt. Apropos Spießertum.
Der Kapitän erlaubte sich einen Spaß. Der Nachbar hat den Weg um den Garten herum beschnitten. Der Kapitän sah das, stürmte gen Bad, holte seine Nagelschere, klapperte kurz damit grinsend vor meiner Nase und begab sich zum Nachbarn. Die Worte „heute ist er dran“ trällernd.
Was wohl der Grund war, warum der Nachbar mir zum Abschied sagte, ich solle kein Wort dazu sagen, als er meinte, er würde nun weiter den Weg beschneiden. Das hätte der Kapitän schon gemacht.
Sachen gibt’s.