Archiv der Kategorie: Tierisches

Don’t kiss

23Uhr. Ich lasse den Hund ein letztes Mal in den Garten. Er geht pullern, springt wie von der Tarantel gestochen auf die Terrasse und im Kreis. Hüpft zurück ins Wohnzimmer und dreht weiter rund. Bis er sich vor der zum Tisch umgebauten Überseekiste ablegt. Winselnd. Ich schaue unter die Kiste. Ne Kröte, mittelgroß.
Ich setze den Hund aufs Sofa, hole Pappe und eine klarsichtige Dose, rolle die Truhe ein Stück zur Seite, Kröte springt raus, Hund vom Sofa hinterher. Ich bin kein Krötenexperte und weiß nicht, ob es eine von denen ist, die dem Hund gefährlich werden können. Glücklicherweise habe ich die Dose schneller über das Krötentier gestülpt, als der Hund an sie rankommt.
Ich schiebe die Pappe unter die Dose, soweit es geht. Warte, dass die Kröte die Einladung annimmt. Stattdessen pinkelt sie mehrfach für, wie ich finde, Kröten riesige Mengen. Es dauert, bis sie auf die mittlerweile durchgeweichte Pappe geht.
Der Hund steht derweil zitternd aber vorgestellt und die Kröte nicht aus dem Auge lassend … Noch lange nachdem ich sie wieder in den Garten entlasse, dreht der Hund weiter durch.
Letzte Nacht war der Hund es, der jammernd träumte.

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Letztes aus der Kinderstube

Seit dem letzten Kinderstubeneintrag mied ich das Büro, weil ich Angst zatte, die kleinen könnten aus dem Nest flüchten, wenn sich drin was regt. Sie waren mobil und hockten auf dem Nestrand. Also keine unbegründete Befürchtung. Als ich heimkehrte, lebte von vier Miniterroristen nur noch eines. Als heute morgen gar nichts mehr zu hören war, sah ich nach. Auch der letzte Schwalbennachwuchs starb letzte Nacht. Ich ahnte es schon, weil das Nest nur halbfertig wurde, die Nestwände mir für Schwalben zu niedrig schienen, und die Brut so nicht warm genug blieb, wenn Frau S. unterwegs war. Trotzdem bin ich betrübt.

Chewie, the little Terrorist

Um halb acht heute Früh, stand ich vor der Tierarztpraxis und lieferte den Hund ab. Gegen elf Uhr wachte er auf, war aber nicht wach genug, um vor der Mittagspause nach Hause zu dürfen. Um 16.30 Uhr stand ich wieder vor der Praxis und hörte, kaum hatte ich die Tür geöffnet, mein Tier jammern, winseln, jaulen, kläffen.
Es dauerte eine weitere Stunde, bis ich zu ihm konnte. Der Hund jammerte, winselte, jaulte und kläffte ohne Unterbrechung weiter.
Das ging so, sagte die Ärztin, seit er aus der Narkose aufwachte. Ohne Unterlass. Erst als er mich sah, war Ende. Dafür klammerte er sich an mir fest, als ich ihn aufgehoben und vor den bösenbösenbösen Kittelträgern gerettet hatte.
Schon schön, wenn man so vermisst wird. Sünde aber, dass das Tier sechs Stunden am Stück darunter litt. Jetzt liegt er platt danieder, und ich bin mir nicht sicher, ob es noch von der Narkose kommt, oder von dem sechs Stunden dauernden Terror, den er veranstaltete. Wer in so einer Tierarztpraxis arbeitet, sollte gute Nerven haben.
Dafür hat er die Zähne schön. Keiner musste gezogen werden. Perfekt! Am Ende machte nur eine Zahntasche den ganzen Ärger. Bei dem, was er vorletzte Woche an Blut verlor, ging ich von weit Schlimmeren aus …

Eiswinde und wie sie den Hund sprechen lassen

Es heult ums Haus. Seit einer Woche eisiger Ostwind, und so langsam mürbt es nicht nur den Menschen. Der Hund (er hat kein Unterfell) rennt im Schweinsgalopp zur Kackstelle, dreht, nach dem Verrichten des Geschäfts, auf dem Absatz um und rennt zurück. Ich – ihn gerade so eingeholt – bin nicht schnell genug. Er bleibt stehen, guckt, wo ich bleibe und fordert mich auf hinne zu machen (in dem er sich auf die Hinterbeine stellt, und sich zum Haus umdreht). Ich fange an zu laufen, er rennt auf mich zu, umkreist mich, stubst mich an (was als Meckern zu deuten ist: mach mal schneller) und rennt wieder ein Stück vor. Wieder bleibt er stehen und „sagt“, ich solle mich beeilen. Das spielen wir dreimal durch, dann sind wir am Haus. Er steht vor mir vor der Tür, und geht wieder auf die Hinterbeine. Dabei in Richtung Tür deutend.
Sag mir nochmal einer, dass Tiere nicht kommunizieren.

Schwanenflug

Die Vielfalt der Tiere ist hier echt riesig. Alles scheint in Angeln überwintern zu wollen. Neben Tausenden von Gänsen (Grau-,Kanada- und Weißwangengänse), rotten sich hier alljährlich die Schwäne zum Überwintern zusammen. Um die 200 – 300 Schwäne, schätze ich mal, sind es wohl. Verteilt auf kleinere Gruppen zu circa sechzig Tieren.
Hinterm Deich ist, wo die großen Federviecher sind.

Wenn ich nun noch rauskriegen würde, wie ich die Bilder von der Kamera bekomme, die nicht auf der Speicherkarte sind, sondern auf der Cam selbst, könnte ich auch noch angeberische (da war es noch hell genug, nicht so düster wie bei den Schwänen) Rehfotos zeigen. Die Rehe scheinen hier keine Angst vor Menschen zu haben, so nah kommt man ran.
Hätte, wäre, wenn …

Pfauennews in traurig

Ich kann mit natürlicher Auslese umgehen. Es gibt nun mal das Gesetz des Stärkeren. Aber wenn Idioten durch eine Siebzigerzone (Durchfahrtsortschaft) mit mehr als hundert Stundenkilometer jagen, und ihr Auto der Stärkere ist …
Nun liegt ein Junghahn mit gebrochenem Genick am Straßenrand.
Ich könnte kotzen.

Dreifaches Autsch

Der Hund hat Rücken, und der Tierarzt damit genau die 65,- Euro mehr, die dem Hundehalterkonto nun fehlen.
Zu den 19,95€, die die Hundewinterjacke im Tierbedarfhandel gekostet hat.
Ich finde Hundekleidung ja doof, wie auch immer angezogene Hunde sehen schlicht kacke aus, aber das Tier scheint es – je älter er wird – nicht mehr so mit schlechtem Wetter zu haben. Nass und kalt, ist gleich Hund am Stock.
Ich hoffe jetzt, dass das gemeinschaftliche Zumaffenmachen wenigstens hilft, und die Jacke vor weiteren Rückleiden schützt.
Wenigstens passt seine Jacke zu meiner Wintermütze.

Was geschah, bevor ich bemerkte, dass ich meinen eigenen Geburtstag vergessen habe

Während ich auf dem Sofa lümmelte, saß der Kapitän neben mir und klimperte auf seiner Klampfe. Der Hund begann derweil den ich-will-jetzt-sofort-Aufmerksamkeitsaffen zu machen. Sprang mir auf den Bauch. Tanzte auf den Hinterbeinen. Wühlte sich grunzend durch die Sofakissen. Winselte. Setzte diesen einen Blick auf, der keine Fragen offen lässt. Begann mit uns zu sprechen, wie er eben „spricht“, wenn er etwas will. Wir amüsierten uns, aber der Kapitän klimperte weiter, und ich hatte meinen Kaffee schließlich noch nicht aus. Prioritäten und so, denn der Hund war kurz zuvor erst draußen gewesen. Ich aber hatte den ersten Kaffee des Tages. Der Hund – völlig unbeeindruckt von der menschlichen Ignoranz, setzte sich vor dem Kapitän auf den Hintern, kam vorne hoch, und was machte er wohl? Strich mit seinen Vorderpfoten über die Saiten und spielte Gitarre. Mitnichten schön, aber er brachte durchaus Töne aus dem Instrument.
Ich ließ den Kaffee Kaffee sein, schnappte das Tier und wir gingen zum Strand. Wo mir dann einfiel, dass da ja noch was war.

Von Backen auf Arschbacken

Ich bin ja – um mein alter Ego mal auszugraben – Frau Neunmalklug. Und so belehre ich derzeit jeden, der es wagt sich über das Wetter zu beschweren, wie folgt: „Hier wird nicht gejammert. Wir hatten einen so geilen Sommer, ein mildes Frühjahr und einen lauen Herbst. Wenn wir jetzt jammern, zeigt Petrus uns den Stinkefinger, und nächstes Jahr haben wir dann die Arschkarte.“
Damit verstummt jedes Wettergejammere zu hundert Prozent. Zumindest in meine Richtung.
Eben las ich nun, dass der eisige Winter noch bis nach Neujahr anhalten soll.
Häh? Was denn für’n eisiger Winter, bitte? Drei Tage haben wir es jetzt ganz knapp unter null Grad, und das nennt sich dann eisiger Winter? Beim Strandspaziergang heute (bei strahlendem Sonnenschein, ohne auch nur eine Miniwolke am Himmel) musste ich mir die Mütze vom Kopf und die Handschuhe von den Fingern reißen. Fünf Plusgrade waren es wohl.
Sollte Petrus nun also angepisst sein, ob des „eisigen Winters“ (ich komm da gar nicht mit zurecht, habt ihr einen Solchen?), werde ich rauskriegen, wer diesen Artikel geschrieben hat und ihm/r mal zeigen, was ein eisig ist.

Apropos Winter und lesen. Ich las vor zwei, drei Tagen einen Artikel, in dem berichtet wurde, dass Flüchtlinge aus dem noch höheren Norden hier gesichtet wurden. Der Elch kehrt zurück. Das finde ich ja wohl mal nur famos.

Apropos Elche. Diese plöde Lampe mit Bewegungsmelder, direkt unter meinem Schlafzimmerfenster! Irgendwann guckt man halt, welcher Idiot da umherschleicht, dass die Lampe die halbe Nacht leuchtet. Rehe sind es die mich nachts neuerdings wecken und sich darüber freuen, dass ich es mit dem letzten Grasschnitt nicht so ernstgenommen habe. Kein Witz! Rehe. Vielleicht aber sind das gar keine Rehe, sondern als Reh verkleidete Babyelche, oder so.
Egal. Selbst Rehe finde ich erstaunlich. Kappeln nennt sich schließlich Stadt.

Apropos Wildtiere in Städten. Neulich war da die Wildsau (in Größe eines Elefanten!!!) die genau mittig auf einer vierspurigen Straße mitten in Eckernförde stand. Völlig unbeeindruckt vom Verkehr. Hab ich mich verjagt. So im Smart sitzend, ist man da schnell auf Augenhöhe … Sie sah ein, dass ich sie unmöglich mitnehmen konnte.
Aber zurück zum Wetter und den Elchen. Wenn es also eisige Winter braucht, um Elche herzubekommen. Bitte. Aber ich denke ja eher, dass die kommen, weil es hier wärmer ist. So warm, dass sogar die Pfauen wieder auf dem Pfauenbaum schlafen. Das tun sie im Winter nicht!

Apropos Strandspaziergang. Ich geh da so und drömmel för mi hin, da hör ich im Vorbeigehen (das Wetter lockte den Wintertourismus an M.E.I.N.E.N. Strand …) wie einer einen anderen nach dem Datum fragte.
Habe ich nicht – ernsthaft! – meinen eigenen Geburtstag vergessen? Hätte ich mal aufs Handy geschaut und die Glückwünsche gelesen, wäre mir das vorher aufgefallen. Ich also zurück zum Kapitän und ihm erstmal eine Szene gemacht. Er hat es nämlich auch vergessen. Sowas passiert, wenn Frau ihr Geburtstagsgeschenk schon zu Weihnachten weghat.
Echt. Dabei sinniere ich seit Wochen darüber, den Zenit bald zu überschreiten …