Archiv der Kategorie: Selbstgemachtes

Etwas wenig Blut im Adrenalin

Es gibt so Arbeiten, die möchte man nicht unbedingt wiederholen müssen.
Dazu gehört das Ansetzen von Sumpfkalk. Ich wollte es aber nicht anders.
Ging mir der Puls! Man kommt offensichtlich nicht grundlos schwer an das Zeug.
Schutzbrille, Ganzkörperkondom, Atemschutzmaske und das freundliche Lächeln bitte bewusst vergessen, denn es ist scheiße heiß darunter (man beachte bitte den roten Teint) und man bekommt nicht wirklich gut Luft.

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Mut zur Hässlichkeit

Und dann kippst du, wissend, dass es gleich einen Höllenlärm geben wird, wenn du den Weißfeinkalk in die mit Wasser gefüllten Regentonnen gibst, Selbigen in Selbige. Tapfer stehst du vor der spontan und laut brodelnden Masse und rührst und rührst und … hast ein kleines Bisschen Angst. Vor dir hast du immerhin zwei Hundert-Liter-Tonnen voll richtig heißer und ätzender Suppe. Darum hoffst du, dass die Tonnen der Hitze, wie angegeben, standhalten können, und dein Keller nicht am Ende einen Bodenbelag aus gesumpften Kalk bekommt …
Solche Aktionen sind nichts für Weicheier, und ich hoffe, dass ich mit den jetzt angesetzten 200 Litern die nächsten Jahrzehnte hinkomme.
Das Zeug hat kein Verfallsdatum, und wird besser, je länger es steht. In zwanzig Jahren ist es quasi unbezahlbar. Allein dadurch, dass ich den Kalk in Wasser kippte, hat sich sein Wert verzehnfacht. In sechs Wochen dann verdreißigfacht, und er wird wertvoller, je länger er steht. Da hat sich der Kackstift, wie man bei uns sagt, wenigstens gelohnt.
Wann hat man eigentlich damit aufgehört, Althergebrachtes (und dazu günstiges) zu nutzen und angefangen sich die Wände mit teuren Giftstoffen vollzuklatschen? Nur um Jahrzehnte später festzustellen, dass das doch gar nicht so schlecht war, und dann bei einer handvoll (!) Hersteller völlig überteuert das kaufen zu müssen, was früher jeder selbst machte. Für’n Appel und ’n Ei. Das muss gewesen sein, als ganz Deutschland sich isolierverglaste Fenster einbaute. Das machte richtig Sinn, dann zu Farben zu greifen, die für Schimmel ein Paradies sind … Aber das ist ein anderes Thema.

Was ich dazu richtig gut finde (ich werd echt noch zum Öko), ist, dass man das Zeug, wird es mal hart, weil man den Deckel vergessen hat, einfach auf den Kompost kippen kann und dem Garten damit auch noch was Gutes tut. Genial, oder?

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In der linken Tonne brodelt es noch.

Gutes Gefühl, mehr als ausreichend Farbe auf Lebzeiten (dafür reichen 200 Liter nicht, ne, aber es ist die Basis für ausreichend Caseinfarbe, die dann auch nicht mehr so abfärbt, wie Omas Kellerwand früher) griffbereit zu haben, und das Bisschen Adrenalin ist hoffentlich bald wieder raus, aus`m Körper.

Überaus dankbar bin ich für den Tipp, nur die Hälfte des Kalks in der vorgeschriebenen Menge Wasser für die ganze Masse abzulöschen, und den Rest erst am Tag darauf dazuzugeben. Ich möchte nicht wissen, wie heiß es wird, wenn man alles in einem Rutsch ansetzt … Wie getan reichte es schon, den Keller in eine Sauna zu verwandeln.

Ja ne, is klar!

Mittlerweile bringe ich es auf Tag zehn, elf oder sogar zwölf, den ich nahezu komplett damit verschwende, mir einen Wolf zu googlen und mir Blasen ans Ohr zu telefonieren. Dieser Eintrag zeigt auf, wie ich abseits des virtuellen Lebens Ähnliches erlebte und wie lange ich schon suche.
Dabei möchte ich gar nichts Unmögliches. Nur einen althergebrachten Baustoff mit dem schlichten Namen Weißfeinkalk.
„Wat woll`nse?“ ist zu neunzig Prozent die Antwort auf meine Frage, ob ich das bei dem jeweiligen Gesprächspartner beziehen könnte.
„W.e.i.ß.f.e.i.n.k.a.l.k.!“
Ich beginne dem Fachpersonal auf Nachfrage zu erklären, was das ist. Branntkalk. Untergelöschter Kalk. Calciumoxid.
Was ich damit wollen würde. Sumpfkalk herstellen.
„Man nimmt heute doch Calciumhydrat!“
Ich möchte – bitte, danke – kein Calciumhydrat. Ich möchte Weißfeinkalk. Schlicht und ergreifend einfaches CaO! Sicher kann man mit Hydrat auch putzen, aber keine Farben herstellen. Letzteres gedenke ich hauptsächlich zu tun. Kein Sumpfkalk, keine selbstgemachte Kalkfarbe.
Irgendwer wollte mir dann fertigen Sumpfkalk verkaufen. Zehn Liter zu 40,-€.
Ich öffne kurz den implantierten Taschenrechner im obersten Stockwerk. Zwei Säcke Branntkalk gemahlen zu je fünfzehn Euro, ergeben eine Menge von 250 Litern Sumpfkalk. Ich lehne dankend ab, nachdem ich die Summe 1,2 Euro für zehn Liter selbst gemachten Sumpfkalk ablas.
Eine Gewinnspanne von sage und schreibe 38,8 Euro auf zehn Liter für nix. Außer, dass man das Zeug einmal mit Wasser ansetzen und dann sechs Wochen irgendwo parken (sumpfen lassen) muss. Daraus könnte man ein Geschäft machen, wenn man denn an Weißfeinkalk kommt.
Nächste Telefonnummer: Raab Karcher. Eine nette Dame meldet sich am Telefon.
Ich antworte (O-Ton): „Schönen guten Tag. Mein Name ist Jane Blond, ich bin die Verzweiflung pur, und wünsche mir – bitte, bitte, bitte -, dass Sie mir helfen können.“
Ein glockenklares Lachen dringt in mein Ohr.
Mir ist nicht zum Lachen, aber das behalte ich für mich.
Ich erkläre mein Begehren und die Dame erinnert sich. Erst kürzlich hatte sie dasselbe Problem. Ein Herr brauchte auch das, was ich jetzt von ihr wollte.
„Das kriegen Sie nicht mehr so einfach, weil man damit böse Sachen basteln kann!“
Ich versicherte ihr, dass ich nur ein Stückchen Wand verputzen, und aus dem Rest so hochwertige Farbe herstellen zu gedenke, wie man sie nirgends zu kaufen bekommt. Nutschnix anderes damit zu tun gedenke.
Irgendwo, 1200km weiter, in einem schweizerischen Kanton, hatte ich mittlerweile den Kapitän wild gemacht. Er durchforstete google und fand viele viele Kalkgruben, aber nur einen Anbieter, der auch 25kg-Säcke verkauft und (!) versendet.
Ich hüpfte höchst beglückt auf der Couch hoch und runter, wie Heidi Kabel es einst tat, beim sonntäglichen Ohnsorgtheater.
13,30€ pro Sack. Ein Schnäppchen! Freiverkäuflich und ohne einen Nachweis darüber erbringen zu müssen, dass ich wirklich nur Gutes im Schilde führe.
Ich lege zwei Säcke in den Warenkorb und gehe weiter zum Versand. Schreie innerlich wie auch real auf. 33,-€ Versandkosten. Pro Sack! What the fuck?!
Ich werfe einen Blick ins Impressum, überlege kurz, ob ich vier Säcke kaufen, und die persönlich im Württembergischen abholen soll. Das käme mich an Spritkosten nämlich deutlich günstiger. Ich mag nicht mehr.

Tbc.

Die Kücken sind los

Und ich bin über alle Maßen entzückt. Lange haben wir darauf warten müssen, dass die Pfauendamen ihren Nachwuchs vorstellen. Die Erste zeigte ihn nun und der Brut dabei gleich den Futterplatz im Kapitän`schen Garten.
Sind die nicht herzallerliebst?

Diese Minikrönchen, auf diesen Miniköpfchen … hach!
„Drei auf einmal, so viel hat eine Henne allein noch nie durchgebracht hier“, kommentierte der Vorarbeiter des Baronen den Familienausflug. Demnach, was ich mittlerweile über Pfauen weiß, wird der Bombensommer für diesen Erfolg mitverantwortlich sein. Viel Regen ist für Pfauenkücken gerade in den ersten drei Monaten nahezu tödlich, belas ich mich. Viel Regen hatten wir sehr wenig.
Mal schauen, wann die anderen vier Damen ihren Nachwuchs präsentieren, und ob das trockene Wetter ihnen auch dabei half viele viele viele Kücken durchzubringen.
Dann dürfte es absehbar eng und laut im Garten werden, weil dann keine acht Pfauen Futter fordern, sondern (nehme ich drei durchgebrachte Kücken pro Henne als Grundlage) dreiundzwanzig.
Ups.
Der arme Nachbar. Der wird dann ganz schön dicke Backen bekommen, vom vielen Blasrohr blasen müssen.
Apropos Federvieh.
Heute musste für Nachschub gesorgt werden. Erst auf die letzte Tasse hin, löste ich vorhin Fett auf, was so viel heißt, wie: Es hängt kein Futter mehr im Baum. Das erste Mal, dass eine solche Nachlässigkeit meinerseits passierte. Was ich bitte wohlwollend zur Kenntnis genommen wissen möchte. Jetzt gibt es leider einen Specht, der erst die Birne und dann den Apfel nach Futtertassen absuchte, und nun – ungläubig starrend und offensichtlich verzweifelt – in der Birne hockt, und dorthin starrt, wo sonst seine Tasse hängt.
Tut mir leid, Redhat (ich glaube zumindest, dass es Redhat ist. Ich kann die nicht so auseinanderhalten, wie der Kapitän es kann, zumal sich die Anzahl der zu versorgenden Spechte mittlerweile – Dank eines nicht minder erfolgreichen Geleges – mehr als verdoppelt hat. Waren es erst zwei, später drei, sind es nun sechs oder sieben, oder so …), nächstes Mal koche ich Nachschub, bevor die letzte Tasse leer ist. Versprochen.
Nun muss der Arme noch warten, bis das Fett wieder fest ist, damit ich die Tassen aufhängen kann.


Ich hoffe, er wird mir zwischenzeitlich nicht verhungern, der Specht. Ich wüsste nicht, wie ich das el Capitano erklären sollte …

Bank mit Meerblick

Als ich hier einzog, stand sie schon da. Im Garten. Drauf gesessen hat sicher Jahre niemand. Morsch, morscher, am morschesten. So morsch, dass man mit den Fingern Löcher ins Holz bohren konnte. Aber das Eiserne war noch intakt. Aus alt und kaputt, mach neu und schön. „Das mach ich bei dir fertig“, informierte ich den Kapitän.
Gesagt, das Eiserne ins Auto geschmissen, getan.
Konnte ich denn ahnen, dass er das fertige Werkstück konfisziert?
Sie würde so schön unter den Apfelbaum passen und als der Freundesfreund vorgestern zu Besuch war, saß dieser das gute Stück ein und murmelte, den Blick gen Ostsee gerichtet, immer ein und denselben Satz in seinen Bart: „Was eine Weite … waaaas eine Weite.“ Was el Capitano als Totschlagargument aus dem Ärmel zog, damit die Bank bleiben kann, wo sie ist.


Jane Blond. Für einen kurzen Moment Besitzerin einer schönen alten neu hergerichteten Bank. Immerhin.

Fresssäcke

Ich habe gekocht. An für sich nichts Außergewöhnliches, wäre es nicht so arg fettig gewesen und hätte der Fett verweigernde Kapitän das nicht gut gefunden.
Die Meisenknödel waren mal wieder aus. Mittlerweile picken die beiden Spechte einen dieser Riesenknödel täglich weg.
Da alle meine die-kommen-auch-ohne-derartig-viel-Zufüttern-aus-Predigten im Nichts endeten (das ist wie diese Nein-es-gibt-keine-Pflanzen-mehr-weil-der-Garten-übervoll-ist-Diskussionen, da geht er dann nämlich alleine los und vergräbt Blümerantes in meiner Abwesenheit, in der Hoffnung, ich würde Neues nicht bemerken …), dachte ich um.
Herrn Google gefragt und er wusste mal wieder Rat. Meisenknödel selbst machen for Beginners.
Ich las eben übers Rezept und los ging es.
2kg Kokosfett. Ungesalzen, wichtig.
3Liter Vogelfutter. Schätzungsweise. Ich habe drei Schüsseln aus dem Sack geschaufelt. Das Futter aus dem Futterhandel, weil das Billige aus dem Supermarkt zum Schimmeln neigt, also auch wichtig.
500g kernige Haferflocken
500g zarte Haferflocken
Fett schmelzen (nur schmelzen, nicht kochen), restliche Zutaten unterrühren und dann ging der Ästhet mit mir durch, ist klar. Dazu hatte ich keine große Lust mir die Finger beim Knödel rollen fettig zu machen. So ging ich den Porzellanbestand durchforsten und siehe da. Tassen en Gros. Ich habe Draht zu Schlaufen gebunden und an den Henkeln der Tassen befestigt, dann die Fettfutterpampe in die Tassen verteilt (die Menge reicht für zirka dreißig Tassen) bin dann kurz im Knick verschwunden, Äste sammeln und so. Die habe ich auf gute 15cm gekürzt und mittig in die Tassen, in die nicht weiche Masse, gesteckt. Alles mit einem Teelöffel angedrückt und et voila …

Jaja, wieder nur ein mäßiges Handyfoto. Ich gelobe Besserung. Irgendwann.

Nicht dass irgendwer auf die Idee kommt, dass man mit dreißig Tassen länger hinkommt. Die fallen darüber her … Unglaublich.