Archiv der Kategorie: Politisiertes

Sorry, liebes Christkind

Ich hab den ersten Advent verpasst. Einfach vergessen. Mir ist auch überhaupt nicht weihnachtlich. Scheiß Weltschmerz. Scheiß Syrienkrieg. Scheiß AfD. Scheiß Nazis. Scheiß dauerunzufriedene Dummdeutsche. Selbst bei uns, im beschaulichen Angeln, finden sich mittlerweile an Laternenmasten Aufkleber der Identitären Bewegung. Wtf? Nichts ist`s, mit heiler Welt.
Neulich vor dem Laden: Eine behindertes Pärchen. Sie kognitiv eingeschränkt, er augenscheinlich stumm. Sie redet auf eine ältere Dame ein: „Was sagen Sie dazu, dass Angela Merkel uns Behinderte wieder in Heime einsperren will? Dass wir nicht mehr alleine in eigenen Wohnungen leben dürfen? Finden Sie das gut? Merkel muss weg!“ Der alten Dame fehlen die Worte, sie lenkt vom Thema ab, während sich auf der anderen Seite weiter echauffiert wird. Ich arbeite, habe Kunden. Kann nicht vor die Tür und intervenieren. Was ich am liebsten getan hätte. Menschen an ihrer Angst packen, ist zum kotzen.
Woher sie solch krude Geschichten hat, dürften diese Aufkleber erklären. Wenn „normale“ Menschen sich nicht einfangen lassen, dann geht man eben auf Menschen zu, die sich durch Hetze beeindrucken lassen, weil es ihnen woanders fehlt. Wohnen in Sachsen und Mecklenburg eigentlich auch nur kognitiv eingeschränkte Menschen?
Vor zwei Wochen circa war ich in Bergen Belsen. Es ist dort anders, als in Auschwitz oder anderen Lagern, die man noch als solche erkennen kann. Das KZ Bergen Belsen wurde dem Erdboden gleichgemacht. Was blieb, sind die Massengräber. Hügel, in denen 1000, 2000, 2500 oder 3000 Menschen liegen. Ein Gräberfeld. Vor meinen Augen sah ich die Bilder, wie man sie dort verscharrte und mir wurde übel. Und wie das mit Gräberfeldern so ist, machen sie mir eine Gänsehaut, treiben Tränen in die Augen und lassen mich vor Fassungslosigkeit starr werden. Wie damals, als ich die Kriegsgräber von Verdun vor mir liegen sah. Wir waren nicht erpicht darauf, dort hinzufahren. Wir fuhren einfach so durch Frankreich und dann sah ich sie, all die weißen Kreuze. Kreuze, soweit man gucken kann. „Halt an“, sagte ich zum Mister …
Ich weiß nicht, was schlimmer ist. 2000 Menschen in einem Grab, wobei Grabhügel neben Grabhügel liegt, oder weiße Holzkreuze soweit das Auge reicht.  Krieg ist Krieg und tot ist tot. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man sich gegenseitig abmetzelt – auch wenn die wenigsten freiwillig dort waren -, oder ob man wehrlose Menschen vergast. Am symbolischen Grab der Anne Frank liegen Teddys, verpackte Geschenke, viele Blumen und brennen mehr Kerzen, als an den Massengräbern. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich habe keine Kerzen dabei, aber ein Feuerzeug, mit denen ich die erloschenen Kerzen an den Massengräbern wieder entzünde. Meine Wut auf die neuen Nazis wird unermesslich.
Nein, ich habe dies Jahr wirklich keine Lust auf Weihnachten.

 

Ich weiß, dass es nächstes Jahr zeitlich eng wird,
lieber Kapitän, aber 2018 ist mehr Luft.
Da möchte ich mit dir gerne nach Oradour.
Die Gräuel nicht vergessen ist die Grundvoraussetzung,
sich gegen neue aufzulehnen. 

Schland den Schlandingern

Oder: ein Selbsttest. Bis an den Rand dessen, was erträglich ist.

Letztlich habe ich mich auf AfD-Seiten herumgetrieben. Neben mir auf dem Tisch, der Becher Kaffee, darunter ein KotzSpuckeimer.
Ich wollte wissen, wer diesen Kegelverein wählt. Ich schwöre: Es ist das nackte Grauen.
Deutsche, also richtig echte Deutsche, beschweren sich in schlechtem, also richtig schlechtem Deutsch darüber, dass man um die eigene Kultur, das Vaterland und die Muttersprache bange. Ich konstatiere: Das mit der Muttersprache kann so schwerwiegend nicht sein.
Wie steht es also um den Rest?
Aber das ist noch harmlos. AfD-Anhänger rufen zum Bürgerkrieg auf (kein Witz!). Man solle sich zu Tausenden vor dem Reichstag einfinden, diesen stürzen und Lynchjustiz sollte man eh wieder einführen. Merkel und Co gehörten an den Strick. Der Holocaust habe nie stattgefunden. Der Hooton-Plan erlebt eine Renaissance. Man beruft sich auf diese tatterige Greisin, die vor dem Gericht als „unbelehrbar“ eingestuft wurde, ehe sie wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung zehn Monate einsitzen musste. Die Dame stellt derzeit gerne Videos von sich ins Netz stellt, um für die neue „Volkspartei“ Werbung zu machen. Wahlweise dürfe man die NPD wählen.
Ich nenne hier keine Namen, und binde keine Links ein. Ihr müsst das einfach so glauben oder eigens einen Selbsttest machen.
Also weiter. Die Juden haben sich selbst vernichtet. Dazu, ich weiß ja nicht, ob ihr es wusstet: Die Erde ist doch eine Scheibe. Ne, das war was Anderes … Der zweite Weltkrieg wurde nicht von den Rechten, sondern von den Linken provoziert. Das „S“ in NSDAP stünde schließlich für „sozial“. Ich las, überlegte kurz, ob ich den Eimer zu meinen Füßen bräuchte – mein Kopf wollte derweil mit Gewalt auf die Tischplatte schlagen – und plötzlich ging mir ein Licht auf: Klar, das „D“ in DDR stand ja ganz in echt auch für Demokratie. Darum sind – logischerweise – die Linken und die Sozialdemokraten die Schuldigen und die Rechten die Guten. Wie da der Hooton-Plan reinpasst, habe ich am Ende nicht wirklich verstanden.
Der Kragen drohte mir zu platzen, als die AfD ein Bild von Willy Brandt vertonte, um ihm Worte in den Mund zu legen, die die AfD ins – ahäm – rechte Licht rücken sollten … Hallo? Wer war linker angesiedelt als the good old Herbert Frahm? Ich dachte, die Linken waren die pösen Puben. Andererseits. Wenn die Linken die echten Rechten waren, müssen die echten Rechten die Linken sein. Man kann einfach niemandem mehr trauen. Danke, Frau Merkel!
Sei es drum. Weiter im Text.
Nachdem ich so hier und da las (wer hat den Strochenvogel eigentlich auf die Menschheit losgelassen?), dachte ich mir: Sagste da mal was zu.
Beim Vogel flog ich im hohen Bogen raus. Dabei war nicht ich es, die unsachlich und beleidigend wurde. Auch egal. Irgendwo fand ich einen Gesprächspartner. Seines Zeichens Politiker bei der AfD Hamburg. Ich fragte – so rein interessehalber, und weil ich dachte, ich lasse die sogenannte Flüchtlingskrise mal außen vor -, wie man denn gedenkt, Inklusion einzudämmen und die Gleichstellung einzustampfen, ohne dabei gegen das Grundgesetz zu verstoßen. Und wie die AfD meint, die Renten retten zu können. Man verwies mich auf das Programm – das ich da schon, unter Zuhilfenahme des KotzSpuckeimers gelesen hatte, und in dem nichts dazu stand. Ich trieb es auf die Spitze und wiederholte meine Fragen, die wie folgt – nicht – beantwortet wurden:

cats123
Die Festung Europa bauen?! Wie das, wenn man doch den Dexit will? Klingt ein Bisschen nach Groß-Deutschland. Hat aber noch immer nichts mit Nichts zu tun. Ebenso, wie Folgendes nur rein zufällig das Nomen zu dem ist, was der Herr, der hier offiziell für die AfD spricht, vor hat zu tun.

De·por·ta·ti·o̱n
Substantiv [die]
der Vorgang, dass einzelne Menschen oder ganze Volksgruppen aus ihrem Lebensraum zwangsweise an einen anderen Ort verschleppt werden.

Echt jetzt mal. Ich, als bekenndende Alitsche-S´-Dogma-Verachterin, bin alles, aber keine Frauenrechtlerin. Trotzdem, oder gerade deswegen: Wie viel Angst muss ein Mann vor Frauen haben …? Mal davon abgesehen, ist Deutschland, was die Frauenquote angeht, eines der Schlusslichter. Nochmal: Ich wollte nicht über Flüchtlinge sprechen, sondern über das AfD-Parteiprogramm, respektive die Fragen, die es aufwirft.

An anderer Stelle griff ich die Rentenfrage auch noch mal auf. Es kann ja nicht sein, dass AfD-Wähler die AfD wirklich nur ob ihrer „Flüchtlingspolitik“ wählen. Oder? Schließlich betont die Anhängerschaft ja gerne, wie sehr man hinter der AfD und ihrem ganzen Programm stünde.
De Facto hat die AfD null Plan, wie sie insbesondere die Rentenfrage angehen könnte, und hofft einfach, der Dummdeutsche würde das nicht merken und sie quasi „blind“ wählen.
Man habe, so schrieb mir Frau KePetrys Admin (den ich in den Tagen, da ich mitlas, nicht einmal eingreifen sah), das Schweizer Rentenmodell im Kopf und prüfe dessen Umsetzbarkeit. Ich erklärte dann freundlich aber mit faktisch fundamentiertem Halbwissen, warum das in Deutschland nicht funktionieren würde. Worauf man mich dann des Hauses verwies.
Und wie ich plötzlich vor verschlossener Türe stand, zeigte Facebook am … ahäm … rechten Rand Themen, die mich interessieren könnten. Der Oberfuzzi der NPD Meckpomm deklarierte dort ein Plagiat. Die AfD habe sein Programm Punkt für Punkt abgekupfert und sich nicht mal die Mühe gemacht, große Teile umzuschreiben, sondern habe diese eins zu eins übernommen.
Was tat ich dann? Richtig, ich las (im Eimer war noch etwas Platz) das Parteiprogramm der NDP. Was soll ich sagen? Die AfD hat abgeschrieben. Sechs, setzen!

Ich habe es gerade eben so überlebt. Und wenn ihr mal Bock auf richtig schlechte Laune habt, schaut euch an, wie und mit welchen Parolen die AfD gerade und insbesondere auf Facebook auf Rattenfang (und da nehme ich die Ratte wörtlich. Denn wer sich so benimmt, und Menschen anderer Herkunft derart verunglimpft, und jeden, der anderer Meinung ist, aufs Übelste diffamiert, ist für mich kein menschliches Wesen) geht.
Ich habe mich lange mit der Geschichte rund um das Dritte Reich befasst. Ich wollte vor vielen Jahren mal verstehen, wie das passieren konnte. Wirklich angekommen war das bei mir nicht. Jetzt aber, jetzt bekomme ich langsam ein Gefühl dafür. Es geht um nichts weiter, als Angst zu schüren. Das eint den Teil des „Volkes“, der sich ohnehin andauernd zurückgesetzt fühlt.

Ach so. Den Titel hab ich geklaut. Mit vorher Fragen selbstverständlich. Ich heiße ja nicht Frau KePetry.

Über „Gott“ und die Welt

Ich würde ja gerne Rumseiern. Mich über den Baron echauffieren, der die Felder kalkte, nachdem er die Gerste eingefahren hatte, was mir irgendwie arg früh dünkte. Okay, wo kein Sommer … ich könnte darüber schimpfen, dass sich der Kalk durchs ganze Haus zieht und sich überall legt. Schlimmer als der schlimmste Baustaub. Es sieht aus, als hätte ich Wochen kein Staub gewischt. Dass das Auto nicht mehr grün, sondern weiß ist. Dass der Vollmond das bisschen Schlaf, das mir der Baron bei der Nachtschicht auf dem Feld nicht nehmen konnte, boykottierte. Dass die Schalben zwar süß (das ist zu putzig, wie Frau Schwalbes Kopf oberhalb der Gardine wippt) aber unartig sind, und auch nichts weiter als Dreck machen. Dass ich das Radio Tag und Nacht laufen haben muss, damit die Tiere kapieren, dass sie nicht allein hier leben. Frau Schwalbe kriegt sonst nämlich immer einen hysterischen Anfall, wenn ich das Büro betrete … Neulich wagte ich es nur kurz aus dem Badezimmerfenster zu spähen und wurde von einem halben Dutzend (die scheinen sich bei Gefahr zusammenzurotten) angegriffen. Dass das Wetter nach zwei fantastischen Tagen (okay, ich schrieb ja, dass mir ein Paar reicht) wieder kippt. Dass es so feucht ist im Haus, dass jetzt in jedem Raum ein Luftentfeuchter steht. Der Kamin brannte trotz der Wärme täglich, weil wirklich alles klamm war.
Aber nein, ich mag mich darüber nicht aufregen. Auch nicht über die Deppen von der AfD, denn die sind Kleinvieh, wenn man sieht, was gerade in der Welt passiert. Die spinnen doch alle völlig. Erdogan vorneweg. Der ist dermaßen größenwahnsinnig, dass ich ihn mit dem Hitolf Adler vergleichen mag. Von wegen Putschversuch. Fragt mich, und ich erzähle euch meine These: Das war fingiert. Der hat sich eine Handvoll Leute genommen, die sollten das Militär aufwiegeln, einen Putsch anleieren, und darum weiß er auch genau, wo er jetzt zu suchen hat, um Leute zu inhaftieren. Wie sonst konnte er nach wenigen Tagen x zehntausend Lehrer, Professoren und Co. absetzen? Soll er doch die Todesstrafe wieder einführen. Kommt er wenigstens mit Sicherheit nicht in die EU. Soll er doch die Grenzen öffnen und alle in die EU schieben. Was man ihm nicht zahlt, dass er das nicht tut, kann man dann hierfür verwenden. Nein, ich korrigiere! Das ist der Mut der Verzweiflung, wenn ich sage: Soll er doch. Es gibt Dinge, die gehen gar nicht, wozu die Todesstrafe gehört. Aber er wird sich von niemanden abhalten lassen. Wer glaubt, dass Erdogan den Ausnahmezustand jemals wieder aufheben wird, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Die türkische Demokratie ist tot. Und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, meint der Trump, dass er Erdogans Handeln gut findet. Von seinen sonstigen Aussagen mal abgesehen, das mit der Nato finde ich gefährlich.
Vor fünfzwanzig – dreißig Jahren hörte man viel von Trump, weil er damals der reichste Mann der Welt war, und die Boulevardpresse (die musste ich berufsbedingt lesen) es wichtig genug fand, andauernd über ihn zu berichten. Ich empfand ihn immer als dummen Proletarier. Dummheit ist gefährlich, Dummheit in Verbindung mit Macht, ist richtig scheiße.  In welch dummen Kreisen er sich bewegt, hat seine Madame ja gut zur Schau gestellt.
Tja, und dann sitze ich da und frage mich, warum man letztzeitig nichts mehr von Putin hört. Es gibt offensichtlich immer einen, der noch böser ist.
Das wird absehbar knallen. Irgendwer von den Idioten wird mit der Macht nicht umgehen können und einen Krieg anzetteln. Was Trump vom Natobündnis hält, hat er kundgetan, und dass man immer einen Grund findet, um in den Krieg zu ziehen, hat Bush Junior der Welt bewiesen. Denn wenn es keinen Grund gibt, erfindet man einen. Das macht mir Angst.

Ich bin echt pappensatt und könnte im Kreis kotzen. Kann mir irgendwer den Fernseher klauen? Bitte!

Die spinnen, die Briten

Einerseits besorgt mich das Ergebnis des Referedums: Was nach Umfragen die Mehrheit sein sollte, war sie am Ende nicht. Die stillen Stimmen, die, die sich öffentlich nie äußerten, waren wohl die gefährlichen. Eben diese beunruhigen mich in Bezug auf die AfD und die rechte Ecke im Allgmeinen. Wenn selbst die Wettkönige sich so verhauen, und die Quoten waren wohl mehr als eindeutig, trau ich keiner Umfrage mehr.
Andererseits sinkt der Pfund rasant auf Rekordwerte – ich empfinde etwas Schadenfreude dabei – und ich frage mich, ob das den Briten nicht klar war?
Vorbei die Zeiten der Extrawürste.
Das UK stellt einen – soviel ist klar; man lässt kein Volk abstimmen, um dann zu sagen: „Mir doch egal, was die Mehrheit will“ – Scheidungsantrag. Den wird Schottland – in logischer Schlussfolge –  dann sicher auch stellen, sich wieder mal vom vereinigten Königreich trennen wollen und es diesmal auch tun, um sich später allein mit der EU zu vermählen. So wird aus Great Britain Small Inselanien. Dazu haben die Iren wohl (das hab ich noch nicht ganz verstanden) auch für den Verbleib gestimmt. Bye, Baby bye?

Ich verstehe nicht allzu viel von Europapolitik, aber ich kann, auf die Vergangenheit schielend, eins und eins zusammenrechnen, und manchmal frage ich mich, ob denken und vorab schlussfolgern tatsächlich eine so schwere Sache ist. Ich bin gespannt, was das gibt. Nicht morgen, aber in zwei, drei Jahren, wenn der Stempel auf dem Scheidungspapier getrocknet und das Ganze rechtskräftig ist. Wird Small Inselanien irgendwann später dann doch wieder an die Tür der Union klopfen? Wie schon damals, als den Unionsstaaten gutging, aber den Briten, die auf sich allein gestellt waren, nicht? Mit einer Lastwagenladung voll mit wunderbarster englischer Rosen bewaffnet, sehe ich sie vor meinem inneren Auge und höre die Worte: „Es tut mir leid, ich war in der Mitlifecrises! Ich hab dich doch lieb, nimmst du mich zurück; darf ich wieder einziehen?“.
Ich sehe auch Schotten. Viele, vor Genugtuung überquellende Schotten. Und einen Cameron, der aus Grambeugung in Siegerpose wächst.
Ich persönlich lebe gerne grenzenlos und finde die Möglichkeiten, die ein geeinigtes Europa allen Menschen in ihm bietet, schon ziemlich genial.  Aber, aber ... Nichts aber! Am Ende ist es mir wurscht, ob die EU uns Dinge aufdiktiert, die wir als unsinnig erachten, oder – ohne EU – der eigene Vater Staat ähnlichen Blödsinn …

Düt und dat

Ich will nicht von den großen Dramen wie Berlin oder Stuttgart reden. Aber seit fünf Jahren versucht (!) Rendsburg den Kanaltunnel auf einer Strecke von 650 Metern zu sanieren.
Ende nicht absehbar.
Das darf man keinem Schweizer erzählen. Die haben pro Jahr drei-komma-irgendwas Kilometer in den Gotthard gekloppt, vergleist, be- und entlüftet, verkabelt und was weiß ich nicht noch alles.
Vielleicht sollten wir darüber nachdenken von ihnen zu lernen. Da gäbe es einiges mehr als nur Straßenbau … beispielsweise – und das fand ich faszinierend als ich dort war – lebt man dort hauptsächlich – gesetzmäßig festgelegt meine ich – von regionalen Produkten, wodurch der ansässigen Landwirtschaft es weit besser geht, als der bei uns. Ich habe echt eine Abneigung gegen diese Geiz-ist-geil-Mentalität von uns Deutschen, und da ist es nicht so, dass ich nicht auf mein Geld achten müsste. Mitnichten.
Ich stand gestern im Supermarkt an der Kasse und haderte – als ich weniger zahlen musste als geglaubt – mit meinem Magen, der keine nicht entfettete Milch verträgt. Zu gerne würde ich industrialisierte Milchprodukte boykottieren! 0,42€ für den Liter Milch. Unfassbar! Wie kann man das aufhalten?
Ich hab mittlerweile meine Mühe mit Politik. Ne, heute gehts nicht um die AfD. Die demontieren sich suksessive selbst, da bin ich zuversichtlich. Deren verbalen Entgleisungen sind derart lächerlich, dass es mir schwerfällt zu glauben, dass irgendwer das längerfristig nicht durchschaut.
Aber der Trump. Ich kann mir nicht erklären, wie er nun wirklich zum Präsidentschaftskandidaten aufgestiegen ist. Was läuft da falsch? Und im Gegensatz zur Lage mit der AfD hat der keine so schlechten Chancen Präsi zu werden. Der haut da Bolzen raus, einer unsachlicher als der andere, dass man denkt, der könnte Mitglied bei der AfD sein.
Und dann die Sache mit dem nun so deklarierten Völkermord im Osmanischen Reich, und der Schelte der Türken für uns, mit dem Hinweis, dass wir selbst Dreck am stecken haben. Da gibt es nur einen Unterschied. Wir wissen es, geben es zu und haben – zumindest großteils – daraus gelernt, wogegen der Türke nichts gemacht haben will.
In der Türkei ist das gerade wie bei den Russen. Nein, bei uns ist kein Atomreaktor in die Luft geflogen. Oh doch, aber es ist nichts Schlimmes passiert … Das ist nicht unser abgesoffenes Atom-UBoot, keine Ahnung, warum da was in kyrillischer Schrift draufsteht. Wobei die AfD da dann wieder gut reinpasst. Was soll ich gesagt haben?
Manchmal komme ich mir verarscht vor. Son Büschen. Ich verstehe die Welt nicht wirklich.
Und bei uns in Deutschland so?
Ich bin gespannt, ob die schnelle Hilfe für die Flutopfer im Süden Deutschlands tatsächlich so unkompliziert vonstatten geht, wie versprochen. Das ist echt gruselig, was da passiert ist.
1500,-€ für Einzelpersonen, 5000,-€ für Familien sollten spontan und unbürokratisch ausgezahlt werden; und irgendein Politiker (ich bekam das nur am Rande aufdem Weg zur Arbeit mit) sagte wohl auch, dass man sogar die Häuser auf Kosten des Staates ersetzen wird, wenn die Versicherungen ausfallen. Ganz ohne dass ein Herr Schröder zur Wahl stünde und ohne großen Trommelwirbel.
Wenn das stimmt, mecker mir keiner mehr, wenn wir Auslandsnothilfe leisten, von wegen, uns hilft auch keiner. Wir sind die Reichen und können uns scheinbar doch auf unseren Staat verlassen. Auch wenn das die Allzeitjammerer gerne anders sehen.
Wie man merkt, der Kapitän hat mich wieder verlassen. Ich habe Zeit für andere Gedanken und zum Bloggen 😉

Raus aus meinem Kopf!

Mal wieder – Auslöser sind diesmal die Wahlen im Ösiland, die ja nicht erst seit Kurzem Zeitgenossen hervorbringen, die meinen, sie seien Mittelpunkt der ultimativen Rasse – mache ich mir Gedanken über den allgemeinen Rechtsruck in Europa, und wie so etwas möglich ist.
Das ist absurd. Einerseits greift der um sich, andererseits aber dürften wir Deutschen ratzfatz im Fokus der Welt stehen, sollten Rechtsextremisten (für mich ist die AfD das ohne Wenn und Aber) bei uns an Macht gewinnen. Die Welt lässt kein zweites Mal zu, dass „wir“ eskalieren. Der Russe haut uns schneller auf den Kopf, als wir das Wort Umdenken auch nur denken könnten. Hand in Hand mit dem Ami. Darauf verwette ich meinen Arsch. Sollte der dann noch was Wert sein …
Man mag kotzen. Ich mag kotzen. Im Kreis, im Quadrat, oder einfach nur an die Wand. Was auch meinem Fernsehkonsum geschuldet ist. Ich habe mir heute auf Phoenix den AfD-Parteitag angesehen. Was war ich doch tapfer!
Was, und man möge mir verzeihen, dass ich nicht anders kann, als die Worte heute beim Namen zu nennen, für eine saublöde und affektierte Kuh ist diese Petry? Ich könnte glatt meine sonst so sichere Fassung verlieren.
Ich versuche das mal zusammenzufassen.
Zugeschaltet hab ich bei: Die AfD sieht sich als liberale Partei. Sagte die Dame. Ich wäre fast hintenüber gefallen und mein Finger zuckte auf der Fernbedienung. Übelkeit hin oder her, ich wollte es wissen, live hören, ehe man wieder aus zweiter Hand bombadiert wird, und einer den Anderen Lügen straft. Frau Petry freute sich über den Rechtsruck (den sie anders nannte, ich komme gerade nicht drauf …) in Österreich, und hoffte, dass das Beispiel bei uns Schule macht.
Das Gewaltmonopol soll beim Staat bleiben und sie verspricht unseren „Gesetzeshütern“, ihnen den Rücken freizuhalten. Leidtragene eines irregeleiteten Staates ist nämlich die Polizei.
Sie „bat“ (verlangte … Bitten im Imperativ sind de fakto keine Bitten.) die Presse umzudenken und der AfD auf Augenhöhe, und auf einer menschlich (!) fairen (!) Ebene zu begegnen. Nachtragend erklärte sie in einem Interview, was sie damit meinte. „Dass man uns nicht immer Worte in den Mund legt, und falsch schlussfolgert, was dazu führt, dass wir gar nicht anders können, als uns zu verteitigen und somit in Interviews an Sachlickeit verlieren.“ What the fuck?! Nur mal so: Das macht die Presse generell. Beispielsweise uns Angie lächelt sowas entgleisungsfrei weg. Wobei ich nicht sehe, was die Presse aus dem Gesagten machen sollte. Es ist kacke. Wer den heutigen Parteitag verfolge, braucht keine „Lügenpresse“, um zu erkennen, was für ein Haufen Idioten da sitzt und sich gegenseitig beklatscht. Okay, sich gegenseitig beklatschen tun die anderen Parteien auch … Trotzdem. Btw: Die anderen Parteien sind (!) nur neidisch auf Frau Petrys Erfolg und statt sich um die eigenen Wahlprogramme zu kümmern, sind die 24/7 ausschließlich damit beschäftigt auszubaldowern, wie sie der AfD schaden könnten. Sagte Frau Petry.
Die AfD hat übrigens beschlossen, einen Kanditaten für die Wahl des Bundespräsidenten zu stellen. Ahäm. Zumindest in der nächsten Periode ist die Gefahr, dass sich da ein Unheil raufbeschwören könnte, noch recht klein.
Die AfD ist natürlich (!) nicht (!) dafür, dass alle Ausländer das Land zu verlassen haben. Die gut Integrierten, die ihren Glauben still für sich in ihrem Zuhause (interpretiere nur ich da Kopftuchverbot hinein?) leben, die dürften bleiben. Das war damals (und die AfD gibt es ja erst knappe drei Jahre, wovon man sie zumindest das erste Jahr nicht ernsthaft als Gefahr ansah) anfänglich auch so, ehe man begann, alle, die nicht nach Hitolf Adlers Oberlippenbart waren, zu vergasen. Egal ob Juden, Zeugen Jehovas oder sonstwie Andersgläubige. Ich will der AfD nun nichts unterstellen, aber wenn ich mir diese Vergleiche ansehe/höre … Ey, so weit her hole ich meine Befürchtungen nicht. Und wie ich eingangs schrieb, verliere ich gerade die Fassung. Man möge es mir also nachsehen. Unsachlichkeit passiert schließlich auch dem besten AfDler, wenn er nicht weiter weiß.
Die AfD sei lediglich, hieß es weiter, eine konservative (später auch bezeichnet als) prodeutsche Partei (Ich dachte liberal? Was sich, legt man das Programm zugrunde, beißt, denn „frei“ ist anders …), die dafür sorgen würde, dass die Manipulation, unter der das Deutsche Volk zu leiden habe, beendet werden würde. Der Deutsche solle unter der AfD einen gesunden Patriotismus leben lernen. Die Erklärung, was gesund sei, war: Ungesund sei Nationalismus. Das sei die AfD nicht. Ich Dummerchen, ich.
Wir Deutschen seien unterjocht.
Ach so, und der Austritt Deutschlands aus dem Euro ist bei/für der/die AfD beschlossene Sache. Als ob die D-Markt (sooft ich sie zurückwünschte anfänglich) uns heute, 15 Jahre nach dem Euro, noch wieder stärker machen würde? Man möge sich nun vorstellen, wie ich darüber nachdenkend, mein Kinn auf Daumen und Zeigefinger abgestützt, den rechten Ellenbogen dabei in der linken Handfläche liegend, in die obere rechte Raumecke schaue.
Geil war auch Petrys Einwurf, dass sie vor einigen Tagen etwas ganz ganz ganz Tolles erlebt habe. Ihr Rechtschreibprogramm habe das englische Wort Age automatisch gegen AfD austauschen wollen. Und das, wo das (ich zitiere) Age der AfD doch noch so jung ist. Das fand sie richtig gut. Zufrieden aber sei sie erst, wenn eben dieses Programm das Kürzel ARD gegen AfD tauschen wird wollen. Ei, was hat sie sich gefreut! Kopf->Tisch->Kopf->Wand!
Apropos Fernsehen. Die GEZ und mit ihr die öffentlich rechtlichen Sender sollen abgeschafft werden. Klar. Doofdeutsche brauchen privatliberal konservatives Fernsehen. Eine naheliegende Mutmaßung meinerseits wäre aber auch staatlich kontrolliertes Fernsehen.
Ich sehe vor meinem inneren Auge Frauen, die am Herd stehen, und darauf warten, dass der Gemahl von der Arbeit kommt (wie auch immer das gehen soll. Mit einem einzigen Verdienst auszukommen, ist heute – in der sogenannten Mittelschicht, die es nicht mehr wirklich gibt – nahezu utopisch), während das Kind eben aus dem – nach dem Nazi Steiner konzipierten – Kindergarten (oh, jetzt oute ich mich aber …) gekommen ist und nun am Tisch sitzend bunte Bilder von Frau Petry malt. Im Fernsehen laufen nebenher Bilder, die – wie auch immer – deutsch sind. Strike. Überzogen. Einstweilen zumindest, aber manchmal worstcase ich gern etwas. Außerdem hatten wir es genau so schon mal.
Wobei anzunehmen ist, dass die AfD dann sicher was in petto hat, was das Thema Journalismus angeht. Mit der Pressefreiheit hat die gute Frau Petry es ja nicht wirklich.
Noch mehr Platz für Werbung wird es geben, denn die AfD ist was? Eine Wirtschaftspartei, denen im Grunde egal ist, was „der kleine Mann“ hat oder nicht. Ich überlege noch, was die AfD mit den Geldern vorhaben könnte, die sie als Führungspartei sparen würden, weil es kein Sozialsystem mehr geben wird, wie wir es kennen. Sozialleistungen wird es nicht mehr geben. Was immerhin darauf hoffen lässt, dass die AfD keine einzige Legistaturperiode überstehen könnte. Damit sägen sie schließlich am Ast, auf dem sie sitzen.
Arbeit für alle gab es nie und wird es nie geben.
Schön ist auch Frau Petrys Bescheidenheit, wie sie sich bei ihren Parteimitgliedern bedankte, und meinte: „Ich brauche euch und freue mich, dass ihr hinter mir steht. Aber ihr braucht mich als Leitperson der Partei ebenso.“
Die Grenzen Deutschlands sollen gewahrt und verteidigt werden. Was auch immer das heißt. Ich überlege schon mal prophylaktisch mich als Einzelperson von den Däneländern annektieren zu lassen.

Edit: Statt eines Kommentars hat der Kapitän mir diesen Link geschickt.
Vor dem Standing des Herrn Petry kann ich mich nur verneigen.

Von Doppelmoralisten, anderen, die es wenigstens versuchen und dem eigenen Denken

Es gibt Menschen, die sind gut zu Tieren.
Es gibt Menschen, die sind so gut zu Tieren, dass sie diese weltweit versuchen zu retten. Sie aus Tötungsstationen nach Deutschland holen. Find ich gut. Wirklich. Jedes Lebewesen ist es wert gerettet zu werden. Auch wenn ich mich manchmal wundere, dass Tiere dafür in deutschen Tierheimen sicher länger verbleiben. Was okay ist, denn sie werden in deutschen Tierheimen versorgt und es geht ihnen verhältnismäßig gut.
Wo ich dann aber nicht mehr hinterherkomme, ist, wenn diese Tierschützer, Tierfreunde, Tierretter sich, was Menschen anbelangt, deutlich rechts äußern. Tiere, die in Not sind retten und herholen ist ihre Lebensaufgabe, aber Menschen, die vor Mord und Totschlag fliehen im eigenen Land aufnehmen? Um Gottes Willen! Und dann wird argumentiert, was das Zeug hält. Die eigenen Kinder würden deswegen zurückstecken müssen. Man selbst auch. Und was das alles kostet. Und wo sollen die denn alle untergebracht werden.
In diesem Fall war das ein Mensch, der gut dasteht. Bestens situiert ist, wohlgemerkt.  Also kein wirklich schlechter Mensch.
Wenn Menschen aber anfangen, das Wohl von Tieren über das von Menschen zu stellen, dann komme ich an meine Grenzen. Ich kann es weder vom Intellekt her, noch auf Gefühlsebene nachvollziehen. Tiere retten, unbedingt, bei Menschen aber wird das große Herz dann klein? Da bin ich draußen …

Wo wir gerade beim Thema wohlsituiert sind. Ich habe den Schweiger, wie ich schon erwähnte, ja nie wirklich für voll genommen. Das hat sich geändert. Nicht nur wegen der Sache mit Honig im Kopf, so einfach kann man mich nicht von sich überzeugen, sondern weil er seinen Status, seinen Bekanntheitsgrad nutzt, um zu helfen. Selbst wenn es da dann auch Stimmen gibt, die meinen, dass er das nicht gerade in der Art tun sollte, und nicht mit den Menschen, die er sich ins Boot holte. Leute? Besser das als gar nichts tun. Ende.

Und nun lese ich noch etwas, von einem Menschen, die ich ebenso wenig auf dem Zettel hatte, weil mich ihre Musik nie erreichte, und ich darum mit ihr nichts anzufangen wusste. Zumal mich Menschen irritieren, die ihr Privates so in die Öffentlich trugen, wie eben Sarah Connor es tat.
Und nun das hier … Sie bekommt dafür von mir einen großen Sack voll Sympathiepluspunkte, und hätte ich den Raum und die Mittel, würde ich es ihr gleichtun.

Ich bin weder links noch rechts, noch schwarz oder rot. Aber ich muss hier einfach mal – wenn ich mich denn schon moralisch-politisch gebe – unsere Mutti der Nation lobend in Schutz nehmen. Weil sie keine Angst mehr vor Machtverlust hat, und einfach macht, was sie meint tun zu müssen; nur ihrem Gewissen folgt, und sich eben nirgends mehr reindrücken lässt. Und ernsthaft … was haben wir denn für eine Alternative? Wenn uns nicht das letzte Bisschen Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Zäune errichten, oder gar Mauern bauen, damit ja kein Flüchtling mehr reinkommt? Bewaffnete Grenzpatrouillen aufstellen? Wohlmöglich mit Schießbefehl, weil es sonst ja keinen Sinn machen würde, da sich Menschen, die auf der Flucht sind, nicht allein davon abhalten lassen, dass man ihnen sagt: „Du kümmst hier nit rein!“
Ich mag unser Land, und ich finde es gut, dass es keine Grenzen mehr gibt. Dass wir mehr und mehr eins werden in Europa. Auch wenn viele europäische Staaten das in Krisenzeiten anders sehen, und meinen, sie könnten ihr eigenes Ding machen.
Wie Mutter schon immer sagte, wenn ich meinte, dass andere dieses oder jenes ja auch dürften oder machen würden: „Springst du auch vom Hochhaus, weil andere es tun?“
Wäre der olle Neuexkettenraucher heute noch Kanzler … dann würde vielen Mäulern rechtzeitig die Klappe gestopft werden. Der war nicht so zärtlich im Umgang mit Kritikern, wie uns Angie es ist.

Bevor ich mich in Rage schreibe, ende ich mit einer selbstgewonnen Weisheit aus Zwölfunddreißigplusdrei Lebensjahren: In schwierigen Zeiten war schon immer und überall der Weg das Ziel.