Archiv der Kategorie: Pfau und Co

Letztes aus der Kinderstube

Seit dem letzten Kinderstubeneintrag mied ich das Büro, weil ich Angst zatte, die kleinen könnten aus dem Nest flüchten, wenn sich drin was regt. Sie waren mobil und hockten auf dem Nestrand. Also keine unbegründete Befürchtung. Als ich heimkehrte, lebte von vier Miniterroristen nur noch eines. Als heute morgen gar nichts mehr zu hören war, sah ich nach. Auch der letzte Schwalbennachwuchs starb letzte Nacht. Ich ahnte es schon, weil das Nest nur halbfertig wurde, die Nestwände mir für Schwalben zu niedrig schienen, und die Brut so nicht warm genug blieb, wenn Frau S. unterwegs war. Trotzdem bin ich betrübt.

Hungerhilfe

Ich denke darüber nach, im Garten nach Würmern zu graben, und diese portioniert auf der Außenfensterbank bereitzustellen. Das Hungergebrüll kann einem ja das Herz brechen. Frau Schwalbe muss erschöpft sein, bei dem Pensum, das sie ablegt.

Niemand hat vor, eine Mauer zu errichten

Sagte einst Ulbricht.

Ich glaube, wenn man Herrn und Frau S. fragen würde, täten sie ähnlich schamlos lügen.
Die Schlitze oben, an den auf Kipp stehenden Fenstern, sind seit geraumer Zeit mit Handtuchwürsten ausgestopft. In der Hoffnung, dass seitlich genug Luftaustausch stattfinden kann. Ich habe immer mal wieder versucht, die Würste wegzunehmen. Mit dem Ergebnis, dass nach spätestens fünf Minuten ein Schwalbenpaar kreuz und quer durch die oberen Räume kackte flog und sich einen Platz für ein neues Nest suchten. Nach diesem Sommer wird es heißen: Renovieren. Kaum eine Wand, an der sie sich noch nicht versucht haben. Überall Vogeldreck an den Wänden und (!) Decken.
Im Büro gibt es diese Handtuchwürste nicht. Da hängen aber kleine Häkelgardinchen, die Herrn und Frau S. den Hausfriedensbruch schwermachen. Sie kommen genau bis zur Gardine und nicht einen Flügelschlag weiter, weil ich die Gardinenstange schlauerweise in der Fensterleibung anbrachte, und nicht darüber, wie man es gemeinhin macht.
Nun kam ich gestern nach der Arbeit die Treppen hoch und wunderte mich, was da im Gardinchen hängt.
Ich glaube, die Viecher mögen mich nicht, und das unsinnige Unterfangen (sie kommen da nicht rein, kleistern aber die Gardine aus irgendeinem Grund am Fensterrahmen fest), das sie jetzt am linken der Bürofenster betreiben, ist ihre Rache dafür, dass ich sie nicht reinlasse. Reiner Vandalenbau, den sie da betreiben. Frei nach dem Motto: Wenn wir nicht reinkommen, kommst du nicht mehr raus.
Die Kackvögeln mauern mir doch tatsächlich die Fenster dicht.

 

Edit: Ihr seht mich ratlos …

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Noch mehr Vogelcontest

Wir haben Probleme in der Nachbarschaft.
So richtige Probleme. Herr und Frau S. interessieren sich heiß für das Innere des Hauses und gucken durch alle Fenster. Neulich erwischte ich sie sogar im Bad. Drinnen!
Und nicht nur da. Im Schlafzimmer waren sie und im Büro. Alles, wirklich alles haben sie mir zugeschissen. Und nicht nur das. Die Decke im Badezimmer war gesprenkelt.
Die beiden wollten doch tatsächlich auf dem Kopf dieses Regenduschendingens ein Nest bauen. Darauf klebte schon reichlich verspeichelte Erde.
Ich fing an mich selbst einzusperren und stellte die Fenster auf Kipp. Herr S. fand das unlustig und flog vor dem Badezimmerfenster Angriffe. Irgendwann stellte er fest, dass er auch durch das auf Kipp gestellte Fenster kommt. Der Nestbau im Bad ging weiter. Seitdem liegen überall zu Würsten gerollte Handtücher auf den oberen Schlitzen. An den Seiten kommen die Vögel nicht durch. Ich hatte gewonnen. Dachte ich.
Aber da hatte ich die Rechnung ohne Herrn und Frau S. gemacht. Denn nun haben sie in der Badezimmerfensterleibung gebaut, und die Fenster werden den Sommer über geschlossen bleiben müssen, respektive müssen diese Handtuchwürste bleiben. Und ich muss damit leben, dass Familie S. Ablenkangriffe fliegt, wenn ich unter dem Fenster vorbeigehe. Womit ich leben kann, nur der Hund ist immer recht irritiert.

Alte Bauernregel: Schwalbennester entfernen bringt Unglück ins Haus!

„Sach mal, was macht eigentlich Gaylord?“

Kaum saß der Kapitän im Auto, als ich ihn vom Flieger abholte, fragte er nach dem Vogel.
Der lebt selbstverständlich noch, ebenso, wie seine Brüder und Schwestern. Auch wenn ich lange nichts über sie erzählt habe, ist alles beim Alten.
Allabendlich steht der Herr auf der Terrasse und fordert sein Futter ein.
Ich reagiere nur auf die erste Aufforderung, wogegen der Kapitän ihm auch immer einen Nachschlag gibt. Der Nachschlag ist nötig, weil der Herr Pfau sich die „Rosinen“ rauspickt und das Futter, das ihm nicht schmeckt, einfach liegen lässt. Was dazu führt, dass der Kapitän mehrmals aufstehen muss.
Neuerdings scheint es auch so zu sein, dass der Vogel lieber in Gesellschaft isst. Sprich, er trötet, ruft damit „seine“ Menschen raus, und isst erst richtig weiter, wenn man sich hingesetzt hat.
Ich wundere mich immer wieder. Der Rest der Bande ist dermaßen scheu (was in der Natur der Pfauen liegt), die hauen ab, sobald ich die Terrassentür öffne und das wird sich auch nicht mehr ändern. Aber Gaylord, der steht voll auf Menschen. Wie er abends so vor der Tür steht und reinglotzt, bevor er anfängt zu rufen … zum dahinschmelzen!

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