Archiv der Kategorie: Kappeln

Ham’wer denn scho wieder?

Kappeln ist – und wir schreiben erst den 4. November – tatsächlich schon weihnachtlich geschmückt. Letzten Freitag schon fing man an, die Weihnachtsbeleuchtungen über die Straßen zu ziehen. Gut, man spart sich das Anleuchten noch auf – außer in der „Landarztkneipe“, da leuchtete es schon recht hell auf. Echt. Und heute flog der Flyer ins Geschäft, mit dem Datum fürs große Weihnachtsbaumaufstellen. Hallo? Hatten wir nicht erst gestern noch fast zwanzig Grad? War vor sechsmal schlafen nicht erst Sommeranfang? Bin ich nicht erst vor ein paar Tagen umgezogen? Doch, doch. Ich erinnere mich genau. Februar kann noch keine neun Monate her sein. Ich weiß nicht, wo das Jahr geblieben ist. Ich hab schon unterm Bett nachgesehen, und im Kühlschrank. Selbst im Trockenkeller war ich, wähnte ich Teile des Jahres irgendwo im Klammereimer. Zumindest war ich da im Laufe des „Jahres“ mal dran,  und manchmal verlegt man wichtige Dinge ja an recht absonderlichen Orten. Nichts zu finden. Sollte jemand die Monate Januar bis Oktober 2014 bei sich rumliegen haben, ich würde mich freuen, wenn derjenige meine Bestandteile dessen an mich senden würde. Mir ging das zu schnell. Ich bin alt, und brauche Zeit zum Reflektieren.

Bitte. Danke.

Ich halte mich ja meist aus allem raus. Aber das, was jetzt kommt, liegt mir am Herzen. Darum mache ich eine Ausnahme.
Es geht mal wieder um den Tourismus. Nein, um es nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen, ich habe nichts gegen Touristen. Wenn sie sich denn benehmen. Aber darum geht es nicht wirklich. Es geht darum, dass man direkt am Nordhafen – zwischen die schönen alten Bauten – einen vierstöckigen Betonklotz setzen will. Ferienappartments. Direkt vor eines von Kappelns Wahrzeichen, den Aaltürmen
Ein Betonklotz, der Kappelns wirklich wunderschöne Skyline richtig verschandeln wird.
Derzeit wurde wohl ein Baustopp erwirkt, aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.
Wer gerade mal zwei Minuten Zeit hat. Wir Kappelaner würden uns freuen, würde sich der Eine oder Andere finden, der sein Zeichen unter die Petition zum Erhalt von Kappelns Skyline setzt. Hier wird gerade eine Großbaustelle nach der Nächsten aufgemacht. Ich finde, es reicht. Wenn genug ist, ist genug, und dass es zu wenig Betten hier gibt, das halte ich für ein Gerücht. Und wenn ich da irre, ist das noch immer kein Grund. So!
Ach so. Man kann seine Unterschrift selbstverständlich anonymisieren, damit die eigene Persönlichkeit geschützt bleibt.

Besserwisserei

Seit dem 15.02. diesen Jahres habe ich das Zwergenreihenhaus angemeldet. Es gab die eine oder andere Diskussion. Grund dafür: Fernsehen. Satelitenschüsseln sind verboten, Kabelfernsehen wollte ich nicht. Seh ich ja nicht ein … Für das Bisschen, was ich fernsehe auch noch doppelt und dreifach bezahlen? Also Antenne. Antennenempfang aber gibt es in ganz Kappeln nicht. „Hast du schon mal versucht, den Fernseher einfach an die Kabelbuchse anzuschließen?“, fragte el Capitano.  Hatte ich nicht, und bestand einfach weiterhin darauf, dass ich keine Kabelgebühren zu bezahlen bereit bin. So ging das eine ganze Weile, bis der Kapitän die Faxen dicke hatte, und gestern im Kabelshop in der Landeshauptstadt anhielt, woraufhin er mich gleich anrief und mir mitteilte: „Du hast eine Kabelgrundversorgung. Was ich dir die ganze Zeit schon sage. Ich muss ja schließlich auch mal Recht haben.“ Was auch immer er mit der letzten Bemerkung meinte … Er grub heute ein Antennenkabel aus seinem Fundus aus. Und was soll ich sagen? Er hatte „auch mal“ Recht.

Sachen gibts.

Die Ruhe nach dem Sturm

Ein dreifach Hoch auf die Bäderregelung, die besagt, dass Jane Blond in den Monaten 11 – 4 auch so etwas wie Wochenende hat, weil Sonntagsarbeit außerhalb der Saison verboten ist.
Es ist schon arg ruhig geworden. Außer ein paar radfahrenden Touries, bei denen man sich fragt, wie sie einen Führerschein haben machen können. Sie rügten uns, weil wir auf der, ihrer Meinung nach, falschen Straßenseite liefen. „Musst du auf der Straße gehen, musst du der Gefahr ins Auge sehen“, haben zumindest wir Dorfkinder schon in der Schule gelernt. Was willst machen? Touries buchen halt all inclusive, und das beinhaltet auch, dass sie Recht haben, egal, ob das dann auch wirklich so ist oder nur in ihrer ureigenen Wahrnehmung.
Da muss man es Hunden gleichtun. Einmal schütteln und weitergehen. Was leicht fällt, weil es nurmehr die Nachzügler derer sind, die Angeln überschwemmten.
Ich für meinen Teil freue mich auf die noch ruhiger werdenden Tage, freie Sonntage, und ein Bisschen auch auf die Vorweihnachtszeit, weil Kappeln dann ziemlich schön geschmückt ist, und die Ruhe dann, etwas von echter Ruhe hat, weil man nicht mehr von Touriemassen totgetrampelt zu werden droht.
Jaha! Ich denke sogar ernsthaft darüber nach, dies Jahr mal wieder Weihnachten ins eigene Haus zu holen, und das soll etwas heißen …

Schönen Dank auch

Kaum, dass man das Schwimmen für sich wiederentdeckt hat, passiert was? Richtig, da kommt irgend so ein Investorfuzzi, kauft das Bundeswehrgelände nebst Schwimmhalle, reißt alles ab, und baut den nächsten Tourietempel drauf.
Sicher für die Region wirtschaftlich betrachtet von Wert, aber echt jetzt mal … Das dritte Großprojekt, – um noch mehr zwar zahlende, aber nichtsdestotrotz nervtötende Touries anzulocken – neben Olpeniz und Sandkoppel, das die Touriezahl absehbar nicht unwesentlich in die Höhe schnellen lässt, und wir dürfen dann über dreißig Kilometer fahren, um Schwimmen zu können. Saubande, blöde.

Wochenabriss

Dienstagabend. Kapitän: „Wann wollen wir morgen aufstehen? Um fünf Uhr?“
Ich schaute drein, wie ich immer dreinschaue, wenn mir irgendwas nicht passt: „Ich finde, dass sechs Uhr reicht.“
Am Ende einigen wir uns auf 6:30 Uhr.
Arbeiten musste ich schließlich erst ab Mittag und das einzige, was sonst anlag, war bereits erwähntes Schwimmen. Ich würde wieder wie ein unsportliches Etwas aussehen, soweit meine Befürchtungen, da der Kapitän zu der Nichtzumspaßbadertruppe derer gehörte, die das Vaterland im Zweifel auch zu Wasser zu verteidigen hätten.
Passt irgendwie zur örtlichen Schwimmhalle, die sich inmitten einer leerstehenden Kaserne befindet, die einen glauben lässt, in einer Geisterstadt gestrandet zu sein. Überall Hallen und Wohnblöcke, mit vernagelten Fenstern und einer Natur, die versucht, sich das zurückzuholen, was der Mensch ihr mal geraubt hat. Als Ortsfremder wird man hier nie ein Schwimmbad vermuten. Die Schwimmhalle ist einzige Relikt, das die Schließung der Kaserne überlebt hat. Irgendwie traurig. Und irgendwie sieht man der Schwimmhalle ihre ursprüngliche Bestimmung auch an. Nicht mal der Schleiblick aus der Halle heraus ändert etwas daran, und auch nicht die vier Kunststoffpalmen, deren Anblick die Frage aufwarfen, ob es gewollt ist, dass die vertrocknet aussehen, und falls, warum?
Aber das ist ein anderes Thema. Wir waren also schwimmen, und ich bin tatsächlich einen ganzen Kilometer geschwommen. Was, wie ich finde, gar nicht so schlecht ist, wenn man bedenkt, dass ich Ewigkeiten nicht ernsthaft schwimmen war. Und ich sah nur halb so unsportlich aus, wie befürchtet. Glück gehabt.
Heute Früh … Nachdem ich den Rest der Woche mehr mit Arbeiten beschäftigt war, als mit laufen, hieß es heute genau wieder das.
7:05 Uhr betrat ich das Wohnzimmer. „Laufen?“, wurde ich dort lächelnd begrüßt.
Siehe oben. Ich schaute, wie ich immer schaue, wenn mir irgendwas nicht passt. Also nicht, dass ich nicht zum Schwedenwandern bereit gewesen wäre, aber ich war gerade noch mit dem Wachwerden beschäftigt. Ganze eineinhalb Stunden lang, und das ist eine für mich gute Zeit. Danach liefen wir dann. Respektive, walkten wir.
Es gibt etwas, das mich schon irgendwie in den Wahnsinn zu treiben weiß. Wenn wir unterwegs verschiedener Meinung sind, und el Capitano einfach einen Gang zulegt, und mein Gezeter in den immer kahler werdenden Ästen der Knicks verhallt und ich ihn nach nur drei Minuten nicht mal mehr mit einem Fernglas sehen könnte …
Scheiß Minderwuchs im Fahrwerk, sag ich euch. Halbleere Äste anmotzen schockt nicht. Ich denke darüber nach, ob Schuhe mit Platoeabsätzen oder Stelzen helfen könnten.

Weichgespült mit Tenor

Wann immer etwas im Städtchen los ist, hört man sie. Bisher – wie das so ist, wenn man in Eile ist – bekam ich sie nur am Rande mit. Nicht so letzten Sonntag.
Ich musste arbeiten, und sie stellten sich vor dem Geschäft direkt nebenan auf.
Die drei in Schwarz gekleideten Herren aus Minsk. Einer setzte sich auf einen Hocker, die Finger seiner Hände die Tasten seiner Ziehharmonika drückend. Die anderen Beiden gaben ihre Stimmen zum Besten. Und was für Stimmen. Die von ausgebildeten Kammer/Opernsängern, und sie sangen alte russische Weisen. Ich verstand kein Wort, und doch kroch mir jeder einzelne Ton unter die Haut. Über Stunden bäumten sich mir alle vorhandenen Härchen auf.
Als der Stabilere von ihnen sich dann noch anschickte, Ave Maria anzustimmen, hatte ich fertig. Ich stand an meinem Arbeitsplatz und flennte.
Ich wischte mir gerade das Augenpippi aus dem Gesicht, als eine Dame den Laden betrat, die auch dabei war Augenpippi wegzuwischen.
„Die Russen?“, fragte sie.
„Ja“, seufzte ich, „die Russen.“
Wir beteuerten einander, wie sehr uns die Musik berührte, und ich beneidete sie darum, dass sie eine CD von den Herren ergattern konnte. Ich leider nicht. Ich muss nun gucken, wann wieder etwas im Städtchen los ist, damit ich mir auch eine kaufen kann.
Selten hat mich etwas Musikalisches so berührt, wie diese Mischung aus Schifferklavier und Opernstimmen.

Ganz großes Kino! Und ich frage mich, welchen Hintergrund es wohl hatte, dass so große Stimmen im kleinen Kappeln landeten.

Kleines Fußdrama

Man, was taten mir letzte Woche die Barometerfüße weh. Tiefdruck sorgte dafür, dass irgendwie jeder Schuh plötzlich geschrumpft zu sein schien und selbst die sonst bequemsten Treter verursachten Schmerzen. Sogar die heiß geliebten Chucks, und das sollte etwas heißen.
Anpassungsfähigere Arbeits-Lauf-Sonstwasschuhe mussten also her, und um es vorweg zu nehmen: Ebensolche Schuhe wurden gekauft. Was in Kappeln nicht so ein Drama ist. Drei Schuhgeschäfte gibt es hier nur (plus einen Outdoorladen in dem es auch Schuhe gibt, plus ein Sportgeschäft, plus einem Schuhladen für Naturschuhe. Letzteren ließen wir aus, weil zu öko sollte es dann bitte doch nicht sein …). Ich mag es! Dass hier alles binnen weniger Minuten zu Fuß erreichbar ist, ohne dass man das Gefühl hat, in einer Stadt zu sein. So dauerte das Prozedere inklusive Fußweg und Kaffeepause nur gute zwei Stunden. Ich habe ohnehin keinen Schuhtick, was den Schuhkauf dazu generell recht kurz hält, aber  nichtsdestotrotz: Der Kapitän ist tapfer. Obgleich er es eigentlich war, der mich in die City schleifte, weil er das Fußdrama nicht mehr mit ansehen konnte.
Und ich, ich nenne nun Stresslessschuhe (sechs S!) von Rieker mein Eigen.
Meine Füße werden alt.

Schleiperlen. Heute: Sieseby

Dazu musste ich auf die andere Seite der Schlei. Schwansen.
Stichpunkte zu Sieseby, den Rest sagen die Bilder: Schlei, Fischerdorf, eine Kirche, ca. 40 Häuser, fast alle stehen unter Denkmalschutz.

Traumhaft! Wie eine Reise in die Vergangenheit. Die Siesebyer ziehen ihr Old-School-Ding voll durch.

Zurück ging es über Lindaunis. Was in sofern interessant ist, als dass man sich dort die einspurige Brücke über die Schlei mit dem Gegenverkehr und einem Zug teilt.

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Was nicht weiter schlimm ist, außer, dass immer zwei Parteien warten müssen und man auf Schienen fährt.
Weiter ging es zum heimischen Eisdealer. Ein kleines Dänensofteis für den Vierbeiner, ein großes für mich. Vom Eis gibt es kein Foto, aber von einem unserer Wahrzeichen. Äh, zweien.

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Zurück ins Auto und weiter zum Strand. Heute das Strandstück zwischen Hasselberg und Maasholm. Mehr Steine als sonstwas, aber auch nur schön.

Wir sind ewig gelatscht. Ich habe den ersten Sonnenbrand des Jahres. Der Hund liegt wie erschossen neben mir. Ich denke, er hatte zu viel Eis.

Der Vordäneländer erscheint mir etwas unordentlich. Fahrräder parken neben Booten. Zumindest sorgt er dafür, dass die Mülltonnen nicht umkippen, indem er sie eingräbt. Immerhin.

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Ansonsten ist der gemeine Vordäneländer eher unorthodox. Geschlafen wird dort, wo er müde ist. Nur ein Beispiel von circa fünfzig Wanderwegdünenschläfern.

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Und weil es hier nur sehr wenig, und dann auch nur sehr kleine Museen gibt, macht man seine Kunst eben selbst.
Was auch immer das darstellen soll, ich mag es.

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Und nun tue ich es dem Hund gleich. Mir tun die Füße weh. Und der zart rote Nacken. Ich werde einschlafen mit dem Gedanken, dass das echt dekadent ist. Man sollte sich schämen, da zu wohnen, wo andere Urlaub machen.