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Weihnachten mit Unbekannten

​Vier sah mich immer wieder fragend an. „Ich kann nichts dafür!“ war jedes Mal meine Antwort. „Ich bin die Älteste, aber nicht verantwortlich“, legte ich bisweilen nach. 

Das Chaos kann man sich nicht ausdenken. All die Zusammenhänge kann man nicht erfinden. Und trotzdem sind die Geschichten so absurd, dass man sie nicht oder nur sehr schwer für wahrhaftig halten kann. Sechs schlug vor, den Stoff in eine Soap zu packen und an einen der nervigen und gern Soaps zeigenden Sender zu verkaufen. In echt jetzt? Das würde selbst denen zu weit hergeholt sein. Ausnahmslos jeder würde sich fragen, welcher Vollhonk das miese Drehbuch dazu verbrochen hätte.

Wie ich nun zu Drei fand wurde bekakelt, und sich nun ein Teil ans andere fügt. Wie Vier vor Jahren zu Drei fand – Austauscheltern hatte sie bekommen und offensichtlich sehr gute -, und weitere Geschichten, über die keiner nienicht wirklich sprach, außer eben leise flüsternd hinter verschlossenen Türen, den Teppich nur minimal anhebend, damit ja nichts rausschlüpfen konnte, was dann freigelassen und unkontrollierbar durchs Haus und schwebte. Gott bewahre!

Ich schnitt ein anderes, vorab mit Drei am Telefon bekakeltes Thema an.“Ne“, sagte Drei, „das hab ich mich nicht getraut Vier zu erzählen, das mach du man.“ Vier sah zwischen Drei und mir hin und her. Ich erzählte und wieder sah Vier mich mit diesem ungläubig fragenden Blick an. Ich zuckte diesmal nur mit den Schultern: „War halt so.“

Ach ja. Hier stelle man sich einen tiefen Seufzer vor. Vier stand vor mir und ich sah Thea. Keiner von uns sieht aus wie Thea. Ich habe sie beobachtet. Unablässlich. Die Mimik, das Kartoffelnäschen, das Lachen. Als stünde Oma vor mir. Ich sehe Vier gerne an, sie sieht angenehm vertraut aus und … nach Zuhause, irgendwie.

Ein Ausflug zum Meer auf der anderen Seite. Gestern meinte die Nordsee es gut mit mir und blieb, obgleich ich auch da war. Und wie sie blieb! Laut tosend schlug sie an Land und der Wind war stark genug, dass man sich in ihn legen konnte. Genau mein Wetter.
Ein Essen beim überteuerten sylter Fischkönig an einem Tisch für sechs, für fünf von acht plus einem Ableger. 

Später, wir landeten bei Drei, stand Wein auf dem Tisch. Ich lehnte ab. Zuhause wartete ein Fall schlimmer Männergrippe und heute stand für mich ein langer Tag mit Frau Stiefdings und dem alten Herrn an, dessen Delir sich bei ihm sauwohl fühlt und darum meint noch ein Weilchen länger bleiben zu müssen. Sechs fuhr wie ich zeitiger ab, aber für Zwei wurde die Schlafcouch bezogen. Ich erinnere mich nicht daran, dass Zwei jemals Wein getrunken hätte und hoffe für ihn, dass der Katzerich heute früh nicht zu groß war. „Lass uns bald eine Pyjamaparty mit allen nachholen“, sagte Drei zum Abschied.
Ich freue mich darauf..

Der vermeintlich lange Tag heute war dann  erstaunlich kurzweilig und erheiternd. So erheiternd, dass Frau Stiefdings am späten Abend noch eine Nachricht schickte: „Was ist schwarz, perforiert und hebt 160 Kilo?“ 

Aber das ist eine komplett andere Geschichte …

Damit wäre Weihnachten dann auch wirklich gegessen

„13,03 €uro Nachzoll bekomme ich von dir“, sagte die Lieblingspostschaltertante, nachdem sie meinen Paketabholschein begutachtet hatte. Hätte ich da schon gewusst, was ich dafür bekommen sollte; der Zehner hätte nicht so arg an den Fingern geklebt.
2,2. In Worten: Zwei Komma zwei.
Was? Na, Kilogramm. Macht zweiundzwanzig Mal (umgerechnet in Standardtafeln) feinste Schokoladenparadiesschokolade. Elf verschiedene Sorten. Eine herrlicher anzusehen, als die andere. Ich würde sie glatt zum Kuscheln mit ins Bett nehmen wollen, gäbe das keine so schlimme Sauerei.

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Danke lieber Weihnachtsmann.
Ich bin dann mal … ahäm … beschäftigt.

Warum das Gleiche nicht dasselbe ist

hrk

Ich war zeitig da und hatte wieder den besten aller Plätze. Wieder direkt vor dem Flügel.
Vor einem Jahr, war es anders. Der Faden, der durchs Programm führte, war seichter. So man bei dem Herrn von seicht reden kann. Ein Programm, eine Show, aber an das Zeitgeschehen angepasst. Andere Lieder, andere Texte. Gestern Abend war er kritischer. Sprach von der NSAfD, von der er sich wünschen würde, sie abwählen zu können, so sie jemals an die Regierung käme. Er sprach von Hetze und Hass. Aber auch davon, dass sich ein dummes Volk halt leicht regieren ließe. Er watsche die Regierung ebenso ab, wie Volk und Völkchen. Alle bekamen ihr fett weg, wenn auch die Rechten das meiste. Auch ein gewisser Herr „John“ Trump aus den Vereinigten Staaten bekam das Meerschweinchen gefettet. Darum war die Stimmung anders als beim letzten Mal, aber trotzdem gut. Mir hat es gefallen, hatte ich doch gehofft, dass Kunze den Kunze gibt, seine aktuellen Gedanken einfließen lässt und nicht einfach nur plump das Programm abspult.
Zum Thema passend fehlte auch dies alte Stück nicht, das heute deutlich mehr Bedeutung hat, als 1999.

Für mich ist und bleibt HRK der Meister des Wortes. Das er zu biegen weiß, wie kaum ein zweiter. Wenn ich es nur ansatzweise so könnte … und wenn ich mir sein Pensum für dieses Jahr ansehe – zwei Alben, ein Buch, zwei parallel laufende Touren -; wann schläft der Mann?

Edit: Ergänzend dazu die Kritik aus der SHZ. Stimmig.

♥♥♥

Weil ich noch mal hin darf. Heute Abend.
Ist ja auch schon fast ein Jahr her.
Vor den Spaß aber, hat der Herrgott den Fleiß gesetzt. Einäugig fahren schockt nicht. Dreimal nicht, wenns auf der Fahrerseite düster ist.
Nur etwas über eine Stunde brauchte es, den Scheinwerfer auszubauen, die Birnen zu wechseln, und wieder einzubauen. Ich bin gut.
Rudolf, mach dir schon mal nackig, ich komme!

Ick freu mir grad nen Sieb an‘ Murs

Heute oder morgen sollte es kommen. Mein Weihnachtsgeschenk. Okay, mein Vorweihnachtsweihnachtsgeschenk. Denn wer Pakete entgegennimmt, muss halt auch gucken, ob darin alles heil ist, darum konnte ich mit dem Auspacken nicht bis Weihnachten warten. Das hat nuschtnix mit Neugier zu tun. Logisch, oder? Ich hatte ansatzweise eine Ahnung, was kommen würde. Da das Paket so schwer war, dass der Paketbote mich das Geschenk nicht tragen lassen wollte, war dann wirklich klar, was sich darin befand. Mein kleines Herz schlug schon vorm Auspacken so, dass das Gesicht gegenanlächeln musste, um nicht hyperventilieren zu müssen.
Böse Zungen sagen ja, man solle Männern keine Socken und Frauen keine Haushaltsgeräte schenken. Ich finde das doof. Einmal geht nichts über selbstgestrickte Socken, die ich auch an Männer gerne verschenke, zum anderen können Haushaltsgeräte auch richtig Freude bereiten. Vor allem, wenn sie deutlich älter sind als ich. So alt, wie der alte Herr.
Ich habe – wobei ich dies Jahr schon so teuer war, dass ich eigentlich davon ausging, dass Weihnachten vorbei ist – vom weltbesten Kapitän, die ultimative Küchenmaschine bekommen.
Eine mit Mix-und-rühr-und-knet-und-wolf-und-hack-und schnitzel-und-reib-und-wurstspritz-und-keksspritz-und-sonstwas-funktion. Massiv aus Guss. Alles außer dem Mixaufsatz, der ist aus Glas. Wer mich kennt, weiß, wie ich auf solche Sache abfahre.
Ich bin schockverliebt!
Die sieht nicht nur endgeil aus (und passt perfekt zu dem original Heißwasser-Übertischgerät von anno Duck, des neulich auch einziehen durfte), damit kann man Nüsse hacken – mit Schale (!) – und wenn es sein muss auch Beton mischen. Was ich äußerst praktisch finde.
Gegen meine Neue, ist die Kitchenaid ein Kinderspielzeug und der Thermomix ein besserer Handhobel. Jaha, man kann mit der Starmix nämlich auch kochen; wenn man das Glück hat, einen der raren Kochaufsätze zu bekommen. Mit Küchenmaschinen zu kochen, ist nämlich keine Erfindung von Vorwerk. Dazu gibt es auch einen Eismaschinenaufsatz, der aber auch nur recht selten zu bekommen ist. Aber auf den bin ich jetzt auch scharf.
Ich hätte mein neues Spielzeug gerne fotografiert. Aber ich muss es erst grundreinigen, auf Hochglanz polieren und ein bisschen beschmusen. Darum nur dies im Netz gefundene Werbebildchen ♥

s-l400

 

Der verschwundene Jahr

Hab ich mich eben verjagt. Mir fehlt ein Jahr. Naja, kein ganzes, aber sieben Monate, zwei Wochen und ein Tag. Aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund, war ich für mich seit meinem letzten Geburtstag zwölfunddreißigplusfünf, statt, wie es richtig ist, zwölfunddreißigplusvier Jahre alt.  Nachdem der erste Schreck verflog – Alzheimer? Realitätsverlust? Allgemeine Verschiebung des Raum-Zeit-Kontinuum? – sehe ich es als Geschenk. Plus 257 nicht einkalkulierte Tage Lebenszeit.
Läuft bei mir.

Unterwegs

Ich habe gerade Johann beladen, und morgen geht es früh los. Muss ich denn schon wieder verreisen? Ich muss erstmal gar nichts, aber ich will. Leider wird es nicht Italien werden, weil sich das für die paar Tage, die ich frei habe, nicht lohnt. Aber als ich neulich dort war, hab ich mich ein wenig in die Harzregion verguckt. Darum ist das eine gute Alternative. Okay, richtig Harz wird es nicht, aber Vorharz, hinter den inmitten der sieben Berge werde ich landen. Von dort ist es nur ein Katzensprung bis in den Harz. Die Gastgeberin überlässt mir für ein paar Tage ihr ganzes Häuschen. Ich bin entzückt.

Gebohrdingst

Er so: Das müsste mal neu.
Ich so: Das geht noch.
Er so: Wenn du meinst.
Nein, ich rede nicht vom Tablet. Obwohl das über einen ähnlichen Zeitraum Thema war. Wann immer wir einen Baumarkt betreten – was nicht selten der Fall ist – er so: „Bist du sicher, dass es keinen neuen Akkuschrauber braucht?“
Ich so: Siehe oben. Dabei ist dies Gerät das einzige, das weniger und weniger mit mir spielen will.
Ich habe eine gut ausgerüstete Werkstatt für eine Frau (ich hasse es, wenn ich mir irgendwo Werkzeuge oder Gerätschaften borgen muss, wodurch ich wirklich alles habe, was man für Holzbearbeitung braucht – alt zwar, aber zu neunzig Prozent funktionsfähig), und nenne sage und schreibe fünf Akkuschrauber mein Eigen, von denen einer zickiger ist als der andere. Von dem Paar Bosch kann ich mich schwer trennen. Ein gutes viertel Jahrhundert ist es alt, und wer so alt ist wie ich, weiß, dass die damals ein kleines Vermögen gekostet haben. Die funktionieren auch noch gut, nur gibt es die Akkus nicht mehr nachzukaufen. Ich hoffte da bisher auf ein Wunder. Die anderen sind Billigheimer, die ich im halbtoten Zustand sammle, weil bei dem einen das zickt, was bei dem anderen noch geht. Außerdem schmeißt kein Handwerker Bohrfutter weg, weil die wirklich immer dann kaputt gehen, wenn man keines in Reserve hat. Wodurch ich permanent am hin- und herbasteln bin, wenn es etwas zu Bohrschrauben gibt. Mein ehemaliger Chef sagte immer, und das habe ich zu meinem Motto gemacht: „Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen!“ Ich habe trotzdem beschlossen, sie jetzt doch zu beerdigen, ja, alle zusammen feierlich beizusetzen, denn der Kapitän war ohne mich im Baumarkt und so war keiner da, der hätte sagen können: „Das geht noch.“
Kennt ihr noch die Szene aus Krokodil Dundy?
„Das soll ein Messer sein?“ Dundy zieht breit grinsend seines: „DAS hier, das ist ein Messer!“
So darf man sich die Szene in der Küche vorstellen. Wobei ich mit leuchtenden Augen dastehe, wie sie kein Brilliant der Welt so hätte glänzen lassen können.
So sehr ich mich im Vorwege immer wehre, so geil finde ich später das Ergebnis. Jetzt muss ich nur was zum Schrauben finden.