Archiv der Kategorie: Auf Reisen

Familiensache

Michel aus Lönneberga reiste einen Tag später zu unserem Geschwisterurlaub an. So sah ich mich an Tag eins alleine um, wurde von mir bis dahin Fremden eingesackt (man kann mir ja fast alles nachsagen, aber nicht, nicht kontaktfreudig zu sein), landete einen Ort weiter auf einem Metal-Open-Air-Festival (inklusive Stagediving und allem, was dazu gehört, was den Bruder, der eingefleischter Metalfan ist, dann doch ärgerte), und fand mich später bei einem schwulen Pärchen auf der Terrasse sitzend wieder.
Generell waren es wunderschöne Tage und ich habe einige sehr nette Menschen kennengelernt.
Als verwöhnter Mensch aber, der zuhause immer alles zu jeder Zeit bekommt (das geht dem Bruder auf seiner Seite der Ostsee ebenso), scheint es außerhalb der üblichen Tourismusgegenden schwer zu sein, an einem Montagabend irgendwo essen gehen zu können. „Ich sehe uns schon beim Restaurant zu den güldenen zwei Bögen sitzen“, seufzte der Bruder. Wobei sich vielevieleviele Schritte weiter tatsächlich noch ein ausgefuchster Italiener auftat, der das machte, was ich sagte: „Hätte ich hier ein Restaurant, würde ich montags den Laden aufmachen, und all das Geld verdienen, dass die anderen Gastros scheinbar nicht wollen.“
Dummerweise scheint es sich einzubürgern, dass, wann immer ich für mehrere Tage unterwegs bin, der Hund meint sich irgendwas einfangen zu müssen. April: Blut ausm Mund. Juni: Blut aus der Blase. Vorgestern: Hund läuft nur noch auf drei Beinen. Was die Tierärztin vor Ort glücklicherweise schnell beheben konnte.
Tolle Tage, die nach einer Wiederholung schreien.

Unterwegs

Ich habe gerade Johann beladen, und morgen geht es früh los. Muss ich denn schon wieder verreisen? Ich muss erstmal gar nichts, aber ich will. Leider wird es nicht Italien werden, weil sich das für die paar Tage, die ich frei habe, nicht lohnt. Aber als ich neulich dort war, hab ich mich ein wenig in die Harzregion verguckt. Darum ist das eine gute Alternative. Okay, richtig Harz wird es nicht, aber Vorharz, hinter den inmitten der sieben Berge werde ich landen. Von dort ist es nur ein Katzensprung bis in den Harz. Die Gastgeberin überlässt mir für ein paar Tage ihr ganzes Häuschen. Ich bin entzückt.

Der Kurzurlaub nach dem Kurzurlaub

Als Kind sah ich aus wie unser Vater, und mein Bruder, wie unsere Mutter.
Heute sehe ich aus, wie unsere Mutter mit Oma Theas Nase, und mein Bruder wie unser Vater. Keine Ahnung, wie man sich so verwachsen kann, aber es ist so.
Merkwürdigerweise ist das alles, was wir mitbekommen haben. Die Optik. Sonst sind wir komplett anders als „die Alten“, wie der Bruder sie immer nennt. Stolpert einer von uns darüber, dass er gerade charakterlich dem einen oder anderen Elternteil ähnelt, stößt es manchmal etwas sauer auf. Dem eigenen Selbst.
Je älter wir werden, umso mehr wachsen wir zu dem zusammen, was wir sind, aber erziehungsbedingt nie wirklich waren: Geschwister. Und gemeinsam schaffen wir langsam etwas Gutes.
Ich finde das ziemlich sehr sehr gut.

Eigentlich wollte ich aber etwas Anderes erzählen. Der Kurzurlaub ist zu Ende. Der Hund ist krank. Böser Verdacht anfänglich. Rattengiftvergiftung war die erste Vermutung. Dann lag der Fokus auf den Nieren. Am Ende sind es „nur“ die Zähne, und die Antibiose fängt an zu wirken. Nächste Woche irgendwann geht es dann zur Zahnsanierung auf den OP-Tisch.
Aber auch das wollte ich nicht erzählen, sondern, dass mein Urlaub ja noch gar nicht vorbei ist. Also fahre ich morgen, so es dem Hund weiterhin besser geht, zum Bruder an den Bodden.
Ick freu mir!

Einmal Mittelalter und zurück

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Das absolut Beeindruckendste und Schönste, was mir bisher an Kirche unterkam. Zumindet bei uns in Deutschland: Kloster Corvey.

 

Nicht die besten Bilder, aber ich empfand es ohnehin schon fast als respektlos, in diesem Demut erzeugenden“Ambiente“ zu fotografieren. Da wollte ich nicht lange nach der passenden Einstellung suchen. Außerdem war ich nur fasziniert und glotze mir einen Wolf.
Das Bauwerk stammt wohl aus dem achten Jahrhundert. Ein karolingischer Bau. Die Einrichtung selbst dünkt mir aus dem Barock zu sein. Ich habe hier nicht richtig aufgepasst, kann mir aber nicht vorstellen, dass es im Mittelalter derart imposant zuging.
Lächelnd registierte ich, dass die dort verwendeten Farben den Meinen (ich töne die nicht nur selbst ab, wie ich es brauche, sondern mische die seit geraumer komplett selbst zusammen) gleichen, und sogar meine Art der Verarbeitung scheint der gleich zu sein, die die Restauratoren anwendeten. Etwas, dass mich ein kleines Stückchen wachsen lässt.

Oben, wo die Mönche einst studierten, lehrten und beteten, geht es weit weniger prunkvoll zu, als unten, wo die Herrschaft ihre Seele reinwaschen ließ.

 

Nichtsdestotrotz empfand ich den Teil ebenso beeindruckend. Auch wegen der ursprünglichen Wandmalereien. Oder das, was davon übrig ist.

Einfach nur ein Traum alter Baukunst und absolut zurecht Unesco Welterbe. Auch wenn ich erst dachte, ich höre falsch, als es hieß, dass man einen Euro Eintritt für die Kirche zu zahlen habe. Im Nachhinein ist das mehr als okay. Ich möchte nicht wissen, was für Unsummen die Instandhaltung verschlingt …

Schlamperei, elende!

Kurz vor der Abreise im Hotel anzurufen, macht schon Sinn. Ich wollte zwar nur die genaue Adresse (im Impressum der Website fehlt der Straßenname) erfragen, bekam aber zu hören, dass man mich angerufen haben will, um uns mitzuteilen, dass wir das Zimmer – trotz Buchungsbestätigung, doch nicht haben können. Mich hat niemand nicht angerufen. Geile Sache das, weil der Herr Kapitän schon fast da ist …
Wenigstens hat die Dame uns ein Zimmer in einem Hotel weiter besorgt.
Wenn Kurzurlaube so anfangen, können sie nur besser werden.
Bis die Tage!

Harntreibend und so

Ich kann neun Stunden am Stück arbeiten, ohne auch nur einmal müssen zu müssen.
Wehe aber – und ich habe keine Erklärung für dieses Phänomen – wehe, ich muss auf die Autobahn.
Ich gehe schon immer prohylaktisch vorher. Nutzt nix! Ich muss, sobald ich auf der Bahn bin, obgleich das physisch eigentlich unmöglich ist und selten wirklich lohnend.
Also Rastplatz raus, und püschern.
Weiterfahren und es dauert keine Stunde, bis die Blase wieder quengelt. Das war schon immer so, und passiert wirklich nur auf Langstrecke/Autobahn.
Also noch mal raus und püschern. Diese neumodischen Rasthoftoiletten sind irgendwie nicht meins. Obwohl ich diese automatische Klobrillenreinigung cool finde. Außer – wie heute – wenn ich mit runtergezogener Strumpfhose und hochgeschobenen Rock dastehe, mich setzen will, und das Klo just dann meint spülen zu müssen, woraufhin als nächstes ja diese Desinfektionsdüse ausfährt, und die Klobrille beginnt sich unter ihr zu drehen.
Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, kam mir aber so – Büx-under – wartend etwas dämlich vor.

 

Dann könnte ich mich wieder über unfähige Autofahrer echauffieren, belasse es aber mit dem Einwurf, dass bei Niederschlag jedweder Art, der Durchschnittsfahrer seine Restfahrfähigkeit verlieren zu scheint. So arg, dass LKW diese Volldeppen überholen müssen.

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Und dann war da noch das:

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Autobahnbaustelle zwischen Kaltenkirchen und Hamburg. Findet den Fehler …

BTW: Sind die Amies so bekloppt, wie man nach gestern meinen kann, dass sie sein müssen? Oder machen die nur Spaß? Und zeigen dem Trump am Wahltag eine lange Nase: „Drauf reingefallen!“
Und was ich noch unterwegs im Radio hörte: Die NPD will einführen, dass Kindergärten verpflichtet werden, Schweinefleisch auszutischen?
Ich weiß echt nicht, was ich nun bescheuerter finden soll.

Normal. Irgendwie …

Immer, wenn ich lange Strecken mit dem Auto fahre, und Stunden auf der Autobahn verbringe, schreibe ich in Gedanken Blogeinträge.
Freut euch darüber, dass ich das nur in Gedanken tue, denn andernfalls, wäre das ein über die gesamte Fahrzeit dauernder Diskurs darüber, dass ein Großteil derer, die sich auf unseren Straßen bewegen dürfen, eine Nachschulung bräuchten, oder ihnen ohne Weiteres der Führerschein entzogen gehört.
Ich könnte mich stundenlang echauffieren.
Warum fährt man mit 120km/h auf dem linken Fahrstreifen, wenn der rechte frei ist? Warum achtet man nicht darauf, dass man – ganz vielleicht – Menschen behindert, oder gar nötigt, wenn man sich weigert den linken Fahrstreifen zu verlassen? Das Gleiche gilt für das Benutzen der Mittelspur. Oder noch schlimmer, wenn man mit 120km/h jemanden überholen will, der mit 118km/h auf der Mittelspur rumgurkt, wobei die rechte Spur selbstredent frei ist. Das Rechtsfahrgebot wird beinahe vollumfänglich ignoriert. Ich beobachte das seit vielen Jahren. Versuche da eine Täterschicht auszumachen, indem ich mir die Menschen hinter dem Steuer ansehe. Frauen, Männer. Junge und alte Fahrer. Mit oder ohne Hut. Zu dicht an der Frontscheibe klebend, oder entspannt auf die Mittelkonsole gelehnt. Es gibt ihn nicht, den Täter. Auf unseren Straßen herrscht Anarchie.
Du kannst auf der rechten Spur angefahren kommen, die ist leer. Und dann fährt irgendein Trottel grundlos in der Mitte, und du musst über seine Fahrspur hinweg nach links wechseln, um ihn überholen zu können/dürfen, um dann, wenn du an ihm vorbei bist, wieder seine Spur zu passieren, um rechts weiter zu fahren. Mich würde das, wäre ich der auf der Mittelspur, irritieren. Ich würde spätestens jetzt wachwerden und mir meiner Schuld bewusst sein. Aber Pustekuchen.
Oder: Reißverschlussverfahren. Ich kriege die Krise, wenn ich ein Schild sehe, das darauf hinweist, dass sich die Straße in eineinhalb Kilometern verjüngt. Sofort setzen bestimmt siebzig Prozent der Autofahrer den Blinker, rücken über und bremsen dich aus, statt am Ende einzufädeln. Ohne Sinn und Verstand, und der rückläufige Verkehr stockt. Staus vor allen vor Autobahnbaustellen sind hausgemachtes Elend.
Besonders gut sind die, die am Ende eines Beschleunigungsstreifen stehen bleiben, weil sie es auf diesem nicht schafften auf die Bahn einzufädeln. Ja Leute, das macht Sinn, aus dem Stand dann in die nächste Lücke fahren zu wollen. Dass das strickt verboten ist, und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit teuer wird, und die Fahrerlaubnis kosten kann, scheint nicht allgemein bekannt zu sein. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, wovon ich erzählen würde, könnte ich während der Fahrt schreiben.
So geht das über Stunden hinweg. Ich „schreibe“ und „schreibe“ und „schreibe“. Erzähle gedanklich von dem Golf3fahrer, der sich mit einem Porsche auf der ganz linken Spur ein Rennen liefern will, respektive ihn auf albernste Weise blockiert, und darüber und wie schrecklich doof ich das finde. Ich freue mich über den überaus entspannten Ferrariefahrer vor mir, der es einfach nicht nötig hat, zu zeigen, was er offensichtlich tun könnte. Ärgere mich über den Fiatfahrer vor mir, der den nach links blinkenden LKW anhupt, statt die Spur zu wechseln, was ihm in dem Moment gefahrlos möglich gewesen wäre. Das Schild, dass das LKW-Überholverbot nach ewigen Kilometern aufgehoben ist, dürfte auch er gesehen haben. Aber nein, der scheiß Brummifahrer, der! Ich nicke dem Audifahrer bestätigend zu, der – demonstrativ belehren wollend – immer wieder auf die rechte Spur einfädelt, wenn er links die Mitte überholt hat, und dies wiederholt und wiederholt. Finde den Typ in seinem SLK blöde, der meint, die Bahn gehöre ihm allein, und drängeln sei sein ihm angeborenes Recht. Ach, ich könnte ewig weitererzählen.

Dann sitze ich abends im Hotelrestaurant und höre dem Gespräch am Nachbartisch – zwangsläufig – zu, wo sich drei Herren genau darüber ereifern. „Bei uns in Holland“, höre ich einen Mann mit entsprechenden Akzent sagen, „muss man ab fünfundfünfzig Jahren alle fünf Jahre zur Fahrtüchtigkeitskontrolle“.

Und dann stolpere ich eben im Internet darüber:

http://www.spiegel.de/video/autofahrer-blockiert-feuerwehrauto-video-1528646.html

Nein, es wundert und schockiert mich in keiner Weise.

Solange es nicht die AfD oder sonstwas Rechtes ist, die das in ihrem Wahlprogramm aufnimmt, würde ich jede Partei wählen, die Fahrtüchtigkeitskontrollen für Deutschland fordert! Aber nicht erst ab einem Alter von fünfundfünfzig Jahren (siehe oben, die Feststellung zu meiner ureigenen Studie), sondern ab Führerscheinerwerb.

Ich: Mutmaßliche Zechprellerin

Oder: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben!
Es begab sich, dass ich letzte Woche in einem Harzer Hotel eincheckte. Ich war Umwege gefahren und hatte Abstecher gemacht. War also ziemlich müde, besorgte mir nur noch etwas Essbares, sah mir kurz die nähere Umgebung im Schein der Laternen an, und ging bald ins Bett. Tags drauf war ich früh unterwegs. Nur schnell gefrühstückt, den Hund geschnappt und los. Drei Tage Kurzurlaub sind ja nicht die meiste Zeit, also wollte ich jede Minute ins Erkunden stecken.
Gegen Nachmittag, ich war gerade wieder auf dem Zimmer, rief der Kapitän mich an. Die Wirtin habe ihn morgens angerufen, erzählte er, weil ich abgereist sei. So glaubte sie. Ohne zu bezahlen und mit dem Zimmerschlüssel im Gepäck. Wobei der Schlüssel ihre größte Sorge war. Man kommt damit nämlich, über einen im Schlüsselanhänger eingebauten Chip, auch ins verschlossene Hotel.
Ich ging runter zur Rezeption, nachdem der Kapitän und ich austelefoniert hatten. Frau Wirtin stand dort und machte wasauchimmer.
„Darf ich mich bei Ihnen entschuldigen, für den Schrecken, den Sie meinetwegen hatten?“, fragte ich.
Sie sah mich an und lachte laut auf. Das Problem hatte sich ja zwischenzeitlich geklärt.
Ihre Tochter kam früh zu ihr nach unten und erzählte ihr, dass mein Zimmer unbewohnt aussah, ich also sang- und klanglos abgereist sein musste. Alles war ordentlich (ja, so hab ich es nunmal gern), und auch meine Reisetasche (ein Blick in den Schrank hätte gereicht, um das Gegenteil festzustellen) war fort. Das auf dem Nachtisch liegende Handyladekabel und das Waschzeug im Bad, hatte man in der Hysterie dem Schrecken übersehen. Also ging Frau Wirtin mit ihrer Tochter gemeinsam nach oben. Das Zimmer sah für nun für beide Damen verlassen aus. Ich musste also die Zeche geprellt haben. Soviel stand fest.
Wieder unten kramte sie in ihren „Akten“ (sie zeigte mir, als sie mir davon erzählte, etwas verschämt den Karton mit ihrer Zettelwirtschaft). Da stand auf „meinem Zettel“ blau auf weiß, dass ich nur eine Nacht bleiben würde. Die Tochter hatte die Reservierung entgegengenommen. „Jaja, nur für eine Nacht“, bestätigte diese am Morgen wohl auch unter Nachdruck.
Der Steuerberater des Hauses, der mir morgens vor dem Hotel begegnet sein muss (ich erinnere das nicht), stand derweil bei den Damen und ärgerte sich darüber, dass er sich mein KFZ-Kennzeichen nicht gemerkt hatte. Wo er sich doch immer alle Kennzeichen merken würde, aber mein Hund habe ihn abgelenkt, weil er ihn angebellt hatte. Er meinte auch gesehen zu haben, dass ich nur den Hund und eine Kamera, jedoch keinerlei Gepäck dabei gehabt hatte. Eine Aussage, die man nicht weiter beachtete. Denn schließlich war das Zimmer leer!
Man diskutierte aufgeregt hin und her. Und kam dann auf die Idee, die Nummer des Herrn anzurufen, der das Zimmer reserviert hatte: Den Kapitän.
Woraufhin sich dann rausstellte, dass man meine Reservierung einfach falsch notiert hatte. Frau Wirtin erinnerte sich jetzt nämlich daran, dass sie das Telefonat zwischen dem Kapitän und ihrer Tochter mitbekommen hatte, und dass es da wirklich um mehr als eine Übernachtung ging.
Ich musste lachen, entschuldigte mich nochmal, auch für meinen Ordnungssinn, und fragte, ob ich trotz des Schreckens etwas Warmes zu essen bekommen könnte. Sie entschuldigte sich bei mir und ärgerte sich noch bei meiner (wirklichen) Abreise über einen Fehler, der ihr so noch nie passiert sei.

Ich glaube, Frau Wirtin vergisst mich so schnell nicht.