Archiv der Kategorie: Argh!

Hauptsache es reimt sich

Oder wie ich durch die AfD anfing in VFersen zu denken.

Habt ihr es auch schon gelesen?
Das neue Programm der AfD.
Als wär damals nichts gewesen,
und Hitler brachte uns kein Weh.

Ich habs mir gestern angetan,
frei von jeweder Pietät,
der Muslime sein Fett abbekam.
Für mich wars eine fein Diät.

Danach wars das mit dem Hunger.
Hetze, Phrasen, Trug und Hass.
Moslems woll`n nur nutzlos lungern,
morden, meucheln, ist das krass?

Deutschsein soll man wieder lernen.
Schon die Kleinen in der Schule.
Stramme Kinder für Kasernen
Nix Genderkram nur über Schwule.

Wehrpflicht soll es wieder geben,
Grenzen zu und Sicherheit.
Deutsche nur für Deutschland leben,
an der Grenze schussbereit.

Frauen sollen Frauen werden,
hübsch mit Mann und Kind, Kind, Kind.
Stehen sie wieder hinter Herden,
man sich auf Wichtiges besinnt.

Ich glaube, ich erwähnte schon,
Deutschsein ist das Maß der Dinge.
Familie gehört auf den Thron,
und wenn man es denn erzwinge.

Abtreibung gehört abgeschafft
Dafür werden sie dann sorgen
der Deutsche nur für Deutschland rafft
Besser heute schon, als morgen.

Damit das und mehr auch werden kann
ein Schelm, der Böses dabei denkt,
gehen sie an das Grundgesetz ran,
damit sich eins ins andre renkt.

Was nicht passt, wird passend gemacht,
finden die Alternativen,
dafür wird gelogen, dass es kracht,
Fakenews sind die informativen.

Dazu, wer hätte das gedacht,
auch darum wollen sie g`winnen
wird Höckes G`schichtswende gemacht.
Das Gute sollen wir besinnen.

Schluss, aus, vorbei, die schlimme Mär,
Hitler, ja, doch, was denn weiter?
Doch Deutschland, nie nur böse wär,
Angela ist der arg Verleiter

Die Frau, die Deutschland hat verraten
ihr ahnt es, logisch ist es doch,
soll in der Hölle brutzeln, braten,
die blöde Kuh, das Arscheloch.

Ich könnte ewig weiterreimen,
wenn ich es denn können könnt,
doch gleiten die Worte zum Unfeinen,
das ist den Braunen nicht vergönnt.

Der Mut der Verzweiflung?

Ich kaufe gerne vor Ort ein, was ich vor Ort bekomme, weil ich finde, dass man das so machen sollte. Wenn es vor Ort aber drei bis viermal teurer ist als im Netz, komme ich in Versuchung. Ich ringe mich also durch, möchte etwas bestellen und grase ebay ab. Alle, ausnahmslos alle, die verkaufen, was ich begehre, versenden mit Hermes.
Ich aber stehe mit Hermes auf Kriegsfuß.
Das läuft immer gleich ab. Es liegt eine Benachrichtigung im Briefkasten, dass man da war, mich aber – ICH WAR JEDES MAL DEN GANZEN TAG ZUHAUSE, weil man schließlich eine Nachricht bekommt, dass dann und dann ein Paket kommt zwischen dann und dann – nicht erreichte. Oder ich lasse, ob der erhaltenen Lieferungsbestätigung, das Paket in den Hermes-Shop umleiten, wenn ich weiß, dass ich nicht zuhause bin. Wo es dann – oh Wunder – nicht ankommt. Zweieinhalb Wochen bin ich letztes Mal nahezu täglich brav zum Hermes-Shop gelaufen, bis es endlich auch dort lag. Drauf klebte ein Zettel: „WICHTIG! Auslieferung an den Paketshop ist dringend!“ Jaja, ich rief nämlich nach jedem erfolglosen Paketshopbesuch bei Hermes an. Schließlich haben die mich hingeschickt: „Morgen Nachmittag ist es bestimmt da!“
Manchmal passiert auch gar nichts. Keine Benachrichtigung im Briefkasten und nichts. Dann gucke ich, wenn ich denke, eine Woche sollte genug Zeit gewesen sein, in die Sendungsverfolgung und sehe was? Dass mein Paket – ohne, dass man versuchte es auszuliefern – auf dem Rückweg zum Absender ist.
Jedes Mal telefoniere ich dann mit Hermes, jedes Mal entschuldigt man sich. Letztes Mal hieß es, dass unser Hermesbote nun eine Nachschulung aufgedonnert bekäme. Die Liste meiner Beschwerden ist mittlerweile endlos. Die Damen und Herren am Telefon sind immer nett. Sie sehen die Wege meiner Pakete ein, und jedes Mal heißt es: „Ne, das geht so wirklich nicht.“ Ändern tut sich aber nichts.

Es gab eine Ausnahme. Neulich hielt tatsächlich ein Hermesbus vor der Tür. Der Kapitän hat irgendwas Kleines und Ultraleichtes bestellt. Der Mann, der klingelte, war maximal einen Meter sechzig groß und wog nicht mehr als fünfzig Kilo. Ich bestelle immer schwere, teils sauschwere Sachen. Womit klar ist, warum der Mann mit der Auslieferung meiner Pakete überfordert ist, und gar nicht erst versucht, die auszuliefern.
Wird er jetzt ein 7,5kg-Paket ausliefern können? Das zweite Paket wäre leicht aber groß. Größer als der Hermesbote selbst. Man darf sich vorstellen, wie ich, während ich all das schreibe, übergeregt zitternd dasitze, mit den Zähnen klappere und dabei debil grinse.

Was mach ich nun? Ich traue mich nicht mehr, etwas zu bestellen, das mit Hermes geliefert wird. In den sauren Apfel beißen und das Dreifache bezahlen?
Ich brauch das doch so sehr, und am liebsten zeitnah …

Die Müllbeutelaffäre und andere Absurditäten

Noch etwas aus der Kategorie: So einen Scheiß kannst du dir nicht ausdenken.

Es war der Dienstag nach Weihnachten 2016. Frau Stiefdings räumte die Schmutzwäsche des alten Herrn zusammen. Jane Blond stand auf der anderen Seite des Bettes und hielt die Schmutzwäschetasche auf, während der alte Herr zwischen beiden am Fußende stand. Einiges hatte sich angesammelt. Mit dem letzten Pyjama zog Frau Stiefdings etwas Unerwartetes und nicht enden wollendes aus dem Schrank. Nach einigen Metern sah sie den alten Herrn an: „Was willst du denn damit, und wo hast du das her?“ „Das“, sagte der alte Herr, „hab ich der Putzfrau aus dem Putzwagen geklaut.“ Er grinste stolz wie breit. „Und was hast du damit vor?“ Der alte Herr wies – über alle Zweifel erhaben – mit der rechten Hand gen Fenster. Genauer gesagt zum dazugehörenden Oberlicht. Was Frau Stiefdings nicht wahrnahm. „Sag schon …“, hakte sie nach, während Jane Blond schon ahnte, wozu das Diebesgut dienen sollte.

„Die heben 160 Kilo“, erklärte der alte Herr sich, während er wieder zum Oberlicht wies. Zehn, neun, acht … Janes Schultern begannen zu beben und ihre Zunge hielt dem Biss, der verhindern sollte dass sie unangemessene Lachkrämpfe bekommt, kaum noch stand … sieben, sechs, fü und pling ging auch Frau Stiefdings ein Licht auf. „Du willst damit …?“ Jetzt wies sie zum Fenster. Jane Blond intervenierte hüstelnd: „Will er nicht. Paps, dir ist schon klar, dass die perforiert ist?“ fragte sie. „Ist sie nicht“, stänkerte der alte Herr gegenan. Jane nahm sich der Rolle Schwerlastmüllsäcke an und trennte erst einen, dann einen zweiten Sack mit nur zwei Fingern ab. Frau Stiefdings hing mittlerweile wiehernd über dem Bett und dem alten Herrn fiel, ob der Feststellung, dass 160 Kilo Tragkraft nichts bringen, wenn nach jedem Meter Plastik akute Reißgefahr besteht, nur ein flüchtiges „Oh“ aus dem Mund.

Mein Vater. Wirklich, er kann gerade wieder gehen, gedenkt aus der Klinik (erster Stock plus Hochpaterre, wobei jede Etage eine Höhe von gut vier Metern hat) zu fliehen. Sich durchs Oberlicht quetschen will er und mit einer Rolle Müllbeutel abseilen. Jetzt erklärt sich auch, warum er vor drei Tagen auf der Fensterbank rumturnte, und mittels eines Rollatorsgriffs – den er hierfür eigen- wie einhändig zerlegt hatte – versuchte das Oberlicht auszuhebeln. In Anbetracht dessen, dass er sich tunlichst nicht die Knochen brechen oder anderweitig verletzten sollte (was auch Fensterbankturnereien ausschließen sollte), weil er unter keinen Umständen jemals wieder nakotisiert  werden darf, eine ebenso dumme Idee, wie die, die sein Bettnachbar Tage zuvor hatte, und die der gesamten Station drei Tage Telefonentzug einbrachte. Weil dieser bei der Polizei anrief und anzeigte, dass man ihn gegen seinen Willen festhalten und seiner Freiheit berauben würde. Ähm. Ja.

Es wird Zeit, dass man die falschen Medikamente aus dem alten Herrn geschlichen bekommt, sonst wird er uns echt noch verrückt und es geht ihm wie einem weiteren Bettnachbarn. Polizeiliche Meldeanschrift: Geschlossene Psychiatrie. In der der alte Herr nur ist, weil er sich im Delir selbst entlassen wollte, respektive im Halbstundentakt abhaute, was ihm – bei gelungener Flucht – ohne Wenn und Aber das Leben gekostet hätte. 

Nein, das alles ist wirklich nicht lustig. Und doch hab ich das bald vergangene Jahr selten einen so bösen Lachanfall bekommen wie an diesem Dienstag nach Weihnachten. Dass Frau Stiefdings, der es ebenso ging, uns heil nachhause brachte, ist rückblickend nicht selbstverständlich. Fahrt mal mit jemanden, der eine Stunde brüllend am Lenkrad sitzt, immer wieder dagegen schlägt, anhaltend „Müllbeutel“ kreischt und vor Lachtränen kaum mehr gucken kann.

PS: Nachdem Frau Stiefdings die unschlaue Idee hatte, die Rolle Müllsäcke bei den Schwestern abgeben zu wollen, was meiner Meinung nach zu entlarvenden Fragen hätte führen können, ließ ich das Korpus Delikte in meiner Tasche verschwinden … 

PPS: Ich kann ihn so gut verstehen. Wenn das Delir sich nur noch ein bis zwei Stunden am Tag zeigt, man den Rest des Tages als einzig Klarer zwischen echt Dauerverwirrten sitzt, wobei sich eine Dame – um die siebzig Jahre alt – im Stundentakt vollständig enkleidet und sich nackert über den Flurboden rollt, eine andere permanent ihren vor 25 Jahren verstorbenen Gatten ruft und sich lautstark mit ihm unterhält, wenn sie ihn gefunden hat, ein weiterer sich gern in die volle Windel greift und das, was er rausholt, an Mitpatienten verteilt … und das meinem Vater, den ich zeitlebens nie ohne Hemd und maßgeschneiderten Anzug – die er selbstredent auch hier trägt – sah … usw. usf. Ich würde auch Schwerlastmüllsackrollen klauen.

PPPS: Herr Dr. Katzentisch fand die Rollatorgriff-Oberlicht-Aushebelaktion, bei der sich der alte Herr dummerweise  erwischen ließ, wenig bis gar nicht lustig und interpretierte sie falsch. Es dauerte etwas, bis ich ihm begreiflich machen konnte, dass mein Vater sowas nicht (!) in verwirrten Momenten macht, sondern in gänzlich klaren. Er war immer irrational in seinem Tun und auf Konsequenzen scheißt er, solange ich ihn kenne. Je mehr man nein sagt, umso drängender strebt er ja an. Charaktereigenschaften halt. Anstrengende, sicher, aber kein Grund, ihn länger als unbedingt notwendig dort zu behalten. Außer ein schwieriger Charakter würde vor dem Amtsgericht als Wegsperrgrund eingeordnet werden.

PPPPS: Beweismittel A, die SLMSR

Damit wäre Weihnachten dann auch wirklich gegessen

„13,03 €uro Nachzoll bekomme ich von dir“, sagte die Lieblingspostschaltertante, nachdem sie meinen Paketabholschein begutachtet hatte. Hätte ich da schon gewusst, was ich dafür bekommen sollte; der Zehner hätte nicht so arg an den Fingern geklebt.
2,2. In Worten: Zwei Komma zwei.
Was? Na, Kilogramm. Macht zweiundzwanzig Mal (umgerechnet in Standardtafeln) feinste Schokoladenparadiesschokolade. Elf verschiedene Sorten. Eine herrlicher anzusehen, als die andere. Ich würde sie glatt zum Kuscheln mit ins Bett nehmen wollen, gäbe das keine so schlimme Sauerei.

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Danke lieber Weihnachtsmann.
Ich bin dann mal … ahäm … beschäftigt.

Schland den Schlandingern

Oder: ein Selbsttest. Bis an den Rand dessen, was erträglich ist.

Letztlich habe ich mich auf AfD-Seiten herumgetrieben. Neben mir auf dem Tisch, der Becher Kaffee, darunter ein KotzSpuckeimer.
Ich wollte wissen, wer diesen Kegelverein wählt. Ich schwöre: Es ist das nackte Grauen.
Deutsche, also richtig echte Deutsche, beschweren sich in schlechtem, also richtig schlechtem Deutsch darüber, dass man um die eigene Kultur, das Vaterland und die Muttersprache bange. Ich konstatiere: Das mit der Muttersprache kann so schwerwiegend nicht sein.
Wie steht es also um den Rest?
Aber das ist noch harmlos. AfD-Anhänger rufen zum Bürgerkrieg auf (kein Witz!). Man solle sich zu Tausenden vor dem Reichstag einfinden, diesen stürzen und Lynchjustiz sollte man eh wieder einführen. Merkel und Co gehörten an den Strick. Der Holocaust habe nie stattgefunden. Der Hooton-Plan erlebt eine Renaissance. Man beruft sich auf diese tatterige Greisin, die vor dem Gericht als „unbelehrbar“ eingestuft wurde, ehe sie wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung zehn Monate einsitzen musste. Die Dame stellt derzeit gerne Videos von sich ins Netz stellt, um für die neue „Volkspartei“ Werbung zu machen. Wahlweise dürfe man die NPD wählen.
Ich nenne hier keine Namen, und binde keine Links ein. Ihr müsst das einfach so glauben oder eigens einen Selbsttest machen.
Also weiter. Die Juden haben sich selbst vernichtet. Dazu, ich weiß ja nicht, ob ihr es wusstet: Die Erde ist doch eine Scheibe. Ne, das war was Anderes … Der zweite Weltkrieg wurde nicht von den Rechten, sondern von den Linken provoziert. Das „S“ in NSDAP stünde schließlich für „sozial“. Ich las, überlegte kurz, ob ich den Eimer zu meinen Füßen bräuchte – mein Kopf wollte derweil mit Gewalt auf die Tischplatte schlagen – und plötzlich ging mir ein Licht auf: Klar, das „D“ in DDR stand ja ganz in echt auch für Demokratie. Darum sind – logischerweise – die Linken und die Sozialdemokraten die Schuldigen und die Rechten die Guten. Wie da der Hooton-Plan reinpasst, habe ich am Ende nicht wirklich verstanden.
Der Kragen drohte mir zu platzen, als die AfD ein Bild von Willy Brandt vertonte, um ihm Worte in den Mund zu legen, die die AfD ins – ahäm – rechte Licht rücken sollten … Hallo? Wer war linker angesiedelt als the good old Herbert Frahm? Ich dachte, die Linken waren die pösen Puben. Andererseits. Wenn die Linken die echten Rechten waren, müssen die echten Rechten die Linken sein. Man kann einfach niemandem mehr trauen. Danke, Frau Merkel!
Sei es drum. Weiter im Text.
Nachdem ich so hier und da las (wer hat den Strochenvogel eigentlich auf die Menschheit losgelassen?), dachte ich mir: Sagste da mal was zu.
Beim Vogel flog ich im hohen Bogen raus. Dabei war nicht ich es, die unsachlich und beleidigend wurde. Auch egal. Irgendwo fand ich einen Gesprächspartner. Seines Zeichens Politiker bei der AfD Hamburg. Ich fragte – so rein interessehalber, und weil ich dachte, ich lasse die sogenannte Flüchtlingskrise mal außen vor -, wie man denn gedenkt, Inklusion einzudämmen und die Gleichstellung einzustampfen, ohne dabei gegen das Grundgesetz zu verstoßen. Und wie die AfD meint, die Renten retten zu können. Man verwies mich auf das Programm – das ich da schon, unter Zuhilfenahme des KotzSpuckeimers gelesen hatte, und in dem nichts dazu stand. Ich trieb es auf die Spitze und wiederholte meine Fragen, die wie folgt – nicht – beantwortet wurden:

cats123
Die Festung Europa bauen?! Wie das, wenn man doch den Dexit will? Klingt ein Bisschen nach Groß-Deutschland. Hat aber noch immer nichts mit Nichts zu tun. Ebenso, wie Folgendes nur rein zufällig das Nomen zu dem ist, was der Herr, der hier offiziell für die AfD spricht, vor hat zu tun.

De·por·ta·ti·o̱n
Substantiv [die]
der Vorgang, dass einzelne Menschen oder ganze Volksgruppen aus ihrem Lebensraum zwangsweise an einen anderen Ort verschleppt werden.

Echt jetzt mal. Ich, als bekenndende Alitsche-S´-Dogma-Verachterin, bin alles, aber keine Frauenrechtlerin. Trotzdem, oder gerade deswegen: Wie viel Angst muss ein Mann vor Frauen haben …? Mal davon abgesehen, ist Deutschland, was die Frauenquote angeht, eines der Schlusslichter. Nochmal: Ich wollte nicht über Flüchtlinge sprechen, sondern über das AfD-Parteiprogramm, respektive die Fragen, die es aufwirft.

An anderer Stelle griff ich die Rentenfrage auch noch mal auf. Es kann ja nicht sein, dass AfD-Wähler die AfD wirklich nur ob ihrer „Flüchtlingspolitik“ wählen. Oder? Schließlich betont die Anhängerschaft ja gerne, wie sehr man hinter der AfD und ihrem ganzen Programm stünde.
De Facto hat die AfD null Plan, wie sie insbesondere die Rentenfrage angehen könnte, und hofft einfach, der Dummdeutsche würde das nicht merken und sie quasi „blind“ wählen.
Man habe, so schrieb mir Frau KePetrys Admin (den ich in den Tagen, da ich mitlas, nicht einmal eingreifen sah), das Schweizer Rentenmodell im Kopf und prüfe dessen Umsetzbarkeit. Ich erklärte dann freundlich aber mit faktisch fundamentiertem Halbwissen, warum das in Deutschland nicht funktionieren würde. Worauf man mich dann des Hauses verwies.
Und wie ich plötzlich vor verschlossener Türe stand, zeigte Facebook am … ahäm … rechten Rand Themen, die mich interessieren könnten. Der Oberfuzzi der NPD Meckpomm deklarierte dort ein Plagiat. Die AfD habe sein Programm Punkt für Punkt abgekupfert und sich nicht mal die Mühe gemacht, große Teile umzuschreiben, sondern habe diese eins zu eins übernommen.
Was tat ich dann? Richtig, ich las (im Eimer war noch etwas Platz) das Parteiprogramm der NDP. Was soll ich sagen? Die AfD hat abgeschrieben. Sechs, setzen!

Ich habe es gerade eben so überlebt. Und wenn ihr mal Bock auf richtig schlechte Laune habt, schaut euch an, wie und mit welchen Parolen die AfD gerade und insbesondere auf Facebook auf Rattenfang (und da nehme ich die Ratte wörtlich. Denn wer sich so benimmt, und Menschen anderer Herkunft derart verunglimpft, und jeden, der anderer Meinung ist, aufs Übelste diffamiert, ist für mich kein menschliches Wesen) geht.
Ich habe mich lange mit der Geschichte rund um das Dritte Reich befasst. Ich wollte vor vielen Jahren mal verstehen, wie das passieren konnte. Wirklich angekommen war das bei mir nicht. Jetzt aber, jetzt bekomme ich langsam ein Gefühl dafür. Es geht um nichts weiter, als Angst zu schüren. Das eint den Teil des „Volkes“, der sich ohnehin andauernd zurückgesetzt fühlt.

Ach so. Den Titel hab ich geklaut. Mit vorher Fragen selbstverständlich. Ich heiße ja nicht Frau KePetry.

Ihr müsst jetzt stark sein!

Ich komme nicht wieder.

 

 

Blödsinn. Aber mal im Ernst. Wir im ganz hohem Norden hatten ja keinen Sommer. Unsere Bäume, Wiesen und Sträucher hatten mehr als ausreichend Wasser und leuchten noch immer in saftigem Grün. Die hier südlich des Elbäquators nicht. Hier werden die Bäume langsam gelblich Rot. Hier herbstelt es!!! Zumindest von der Optik her. Bei den Temperaturen sieht das anders aus. Ne, das fange ich anders an … Erwähnte ich schon, dass wir im ganz hohem Norden keinen Sommer hatten? Nein? Dann tue ich es hiermit. Was der Grund ist, dass ich nicht bemerkte, dass meine, respektive Johanns Klimaanlage irgendwann zwischen dem letzten Sommer und heute den Geist aufgegeben hat.

Bei 35°C.

In Worten: Fünfunddreißig Grad Celsius. Acht Komma irgendwas Stunden Fahrzeit, statt der berechneten vier (ja, ich habe jeden verschissenen Stau mitgenommen. J.e.d.e.n!), und das ohne Klima. Das erinnerte mich sehr an unsere Tour durch die Toskana vor drei Jahren. Da war ich ähnlich gar. Durchaus angenehm, bis auf die Knochen warm zu sein, ja, ich mag dss. Aber der Hund … jede Tankstelle war unsere, und das sonst so wasserscheue Tier hat sich für jede Dusche aus der Gießkanne bedankt.

Essen, Schluck Wein, habe fertig. Und Brummifahrerarm in zartem Rot.

Al Bundy und die ewige 36

Eine geschätzte 42 Anfang zwanzig (ich nenne sie ob ihres Aussehens und ihres Sprachgebrauchs Chantalle-Jaqueline) betritt mir ihrem Liebsten (ich nenne ihn aus eben genannten Gründen Patrick-Pascal) den Laden. Patrick-Pascal steuert den Aufsteller mit den Abendkleidern an und haucht Chantalle-Jaqueline zu. „Ich will dich im Kleid sehen.“
Chantalle-Jaqueline fischt nach Konplimenten: „Sowas steht mir nicht. Warum wollen mich alle Kerle immer nur im Kleid sehen?“
Patrick-Pascal: „Dir steht alles, du bist meine Hammerbraut!“
Ich rolle kurz mit den Augen und überlege, ob die Anmerkung, was andere Kerle von ihr wollen, angemessen ist.
Chantalle-Jaqueline trägt nichts weiter als ein T-Shirt mit halben Arm, um das sie einen schwarzen Nietengürtel gebunden hat. Mindestens zwei Nummern zu klein ist das Shirt, Feuerwehrrot und der Spitzenrrand bedeckt nur mit Mühe und Not die Grotte des Verderbens den Stringtanga. Worin für sie der Unterschied zu einem echten Kleid besteht, erschließt sich mir nicht. Es wäre – meiner bescheidenen Meinung nach – ein Gewinn für sie und alle anderen Menschen.
Sie greift sich ein Kleid in Größe 36 (was sie nicht weiß, ich aber von der Kasse aus an dem roten Steckwürfel am Bügel erkenne). Ich schaffe es mit Mühe und Not zu ihr, ehe sie das Kleid zerstören anprobieren kann. „Das“, ich sammle allen notwendigen Charme „wird ein wenig zu klein sein“, sage ich und frage nach ihrer Größe. „38“, antwortet sie. Ich lächle und sage: „Dachte ich mir!“ Nehme ihr das Kleid ab und tausche es gegen eine 44, wissend, dass dieses Kleid eine Nummer kleiner ausfällt.
Es fehlen fünf Zentimeter, um den Reißverschluss schließen zu können.
Es reicht Chantalle-Jaquelines Meinung nach aber, um eindrucksvoll aufzuzeigen, dass ihr echte Kleidung nicht steht. Patrick-Pascal stimmt ihr zu, findet sie aber trotzdem „krass geil“. Ich zucke innerlich mit den Schultern, schaue auf die im Fenster ausgestellten Tassen und lese nickend: „Manchmal ist mein Job auch eine Art Dschungelprüfung.“

Ja ne, is klar!

Mittlerweile bringe ich es auf Tag zehn, elf oder sogar zwölf, den ich nahezu komplett damit verschwende, mir einen Wolf zu googlen und mir Blasen ans Ohr zu telefonieren. Dieser Eintrag zeigt auf, wie ich abseits des virtuellen Lebens Ähnliches erlebte und wie lange ich schon suche.
Dabei möchte ich gar nichts Unmögliches. Nur einen althergebrachten Baustoff mit dem schlichten Namen Weißfeinkalk.
„Wat woll`nse?“ ist zu neunzig Prozent die Antwort auf meine Frage, ob ich das bei dem jeweiligen Gesprächspartner beziehen könnte.
„W.e.i.ß.f.e.i.n.k.a.l.k.!“
Ich beginne dem Fachpersonal auf Nachfrage zu erklären, was das ist. Branntkalk. Untergelöschter Kalk. Calciumoxid.
Was ich damit wollen würde. Sumpfkalk herstellen.
„Man nimmt heute doch Calciumhydrat!“
Ich möchte – bitte, danke – kein Calciumhydrat. Ich möchte Weißfeinkalk. Schlicht und ergreifend einfaches CaO! Sicher kann man mit Hydrat auch putzen, aber keine Farben herstellen. Letzteres gedenke ich hauptsächlich zu tun. Kein Sumpfkalk, keine selbstgemachte Kalkfarbe.
Irgendwer wollte mir dann fertigen Sumpfkalk verkaufen. Zehn Liter zu 40,-€.
Ich öffne kurz den implantierten Taschenrechner im obersten Stockwerk. Zwei Säcke Branntkalk gemahlen zu je fünfzehn Euro, ergeben eine Menge von 250 Litern Sumpfkalk. Ich lehne dankend ab, nachdem ich die Summe 1,2 Euro für zehn Liter selbst gemachten Sumpfkalk ablas.
Eine Gewinnspanne von sage und schreibe 38,8 Euro auf zehn Liter für nix. Außer, dass man das Zeug einmal mit Wasser ansetzen und dann sechs Wochen irgendwo parken (sumpfen lassen) muss. Daraus könnte man ein Geschäft machen, wenn man denn an Weißfeinkalk kommt.
Nächste Telefonnummer: Raab Karcher. Eine nette Dame meldet sich am Telefon.
Ich antworte (O-Ton): „Schönen guten Tag. Mein Name ist Jane Blond, ich bin die Verzweiflung pur, und wünsche mir – bitte, bitte, bitte -, dass Sie mir helfen können.“
Ein glockenklares Lachen dringt in mein Ohr.
Mir ist nicht zum Lachen, aber das behalte ich für mich.
Ich erkläre mein Begehren und die Dame erinnert sich. Erst kürzlich hatte sie dasselbe Problem. Ein Herr brauchte auch das, was ich jetzt von ihr wollte.
„Das kriegen Sie nicht mehr so einfach, weil man damit böse Sachen basteln kann!“
Ich versicherte ihr, dass ich nur ein Stückchen Wand verputzen, und aus dem Rest so hochwertige Farbe herstellen zu gedenke, wie man sie nirgends zu kaufen bekommt. Nutschnix anderes damit zu tun gedenke.
Irgendwo, 1200km weiter, in einem schweizerischen Kanton, hatte ich mittlerweile den Kapitän wild gemacht. Er durchforstete google und fand viele viele Kalkgruben, aber nur einen Anbieter, der auch 25kg-Säcke verkauft und (!) versendet.
Ich hüpfte höchst beglückt auf der Couch hoch und runter, wie Heidi Kabel es einst tat, beim sonntäglichen Ohnsorgtheater.
13,30€ pro Sack. Ein Schnäppchen! Freiverkäuflich und ohne einen Nachweis darüber erbringen zu müssen, dass ich wirklich nur Gutes im Schilde führe.
Ich lege zwei Säcke in den Warenkorb und gehe weiter zum Versand. Schreie innerlich wie auch real auf. 33,-€ Versandkosten. Pro Sack! What the fuck?!
Ich werfe einen Blick ins Impressum, überlege kurz, ob ich vier Säcke kaufen, und die persönlich im Württembergischen abholen soll. Das käme mich an Spritkosten nämlich deutlich günstiger. Ich mag nicht mehr.

Tbc.

Über „Gott“ und die Welt

Ich würde ja gerne Rumseiern. Mich über den Baron echauffieren, der die Felder kalkte, nachdem er die Gerste eingefahren hatte, was mir irgendwie arg früh dünkte. Okay, wo kein Sommer … ich könnte darüber schimpfen, dass sich der Kalk durchs ganze Haus zieht und sich überall legt. Schlimmer als der schlimmste Baustaub. Es sieht aus, als hätte ich Wochen kein Staub gewischt. Dass das Auto nicht mehr grün, sondern weiß ist. Dass der Vollmond das bisschen Schlaf, das mir der Baron bei der Nachtschicht auf dem Feld nicht nehmen konnte, boykottierte. Dass die Schalben zwar süß (das ist zu putzig, wie Frau Schwalbes Kopf oberhalb der Gardine wippt) aber unartig sind, und auch nichts weiter als Dreck machen. Dass ich das Radio Tag und Nacht laufen haben muss, damit die Tiere kapieren, dass sie nicht allein hier leben. Frau Schwalbe kriegt sonst nämlich immer einen hysterischen Anfall, wenn ich das Büro betrete … Neulich wagte ich es nur kurz aus dem Badezimmerfenster zu spähen und wurde von einem halben Dutzend (die scheinen sich bei Gefahr zusammenzurotten) angegriffen. Dass das Wetter nach zwei fantastischen Tagen (okay, ich schrieb ja, dass mir ein Paar reicht) wieder kippt. Dass es so feucht ist im Haus, dass jetzt in jedem Raum ein Luftentfeuchter steht. Der Kamin brannte trotz der Wärme täglich, weil wirklich alles klamm war.
Aber nein, ich mag mich darüber nicht aufregen. Auch nicht über die Deppen von der AfD, denn die sind Kleinvieh, wenn man sieht, was gerade in der Welt passiert. Die spinnen doch alle völlig. Erdogan vorneweg. Der ist dermaßen größenwahnsinnig, dass ich ihn mit dem Hitolf Adler vergleichen mag. Von wegen Putschversuch. Fragt mich, und ich erzähle euch meine These: Das war fingiert. Der hat sich eine Handvoll Leute genommen, die sollten das Militär aufwiegeln, einen Putsch anleieren, und darum weiß er auch genau, wo er jetzt zu suchen hat, um Leute zu inhaftieren. Wie sonst konnte er nach wenigen Tagen x zehntausend Lehrer, Professoren und Co. absetzen? Soll er doch die Todesstrafe wieder einführen. Kommt er wenigstens mit Sicherheit nicht in die EU. Soll er doch die Grenzen öffnen und alle in die EU schieben. Was man ihm nicht zahlt, dass er das nicht tut, kann man dann hierfür verwenden. Nein, ich korrigiere! Das ist der Mut der Verzweiflung, wenn ich sage: Soll er doch. Es gibt Dinge, die gehen gar nicht, wozu die Todesstrafe gehört. Aber er wird sich von niemanden abhalten lassen. Wer glaubt, dass Erdogan den Ausnahmezustand jemals wieder aufheben wird, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Die türkische Demokratie ist tot. Und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, meint der Trump, dass er Erdogans Handeln gut findet. Von seinen sonstigen Aussagen mal abgesehen, das mit der Nato finde ich gefährlich.
Vor fünfzwanzig – dreißig Jahren hörte man viel von Trump, weil er damals der reichste Mann der Welt war, und die Boulevardpresse (die musste ich berufsbedingt lesen) es wichtig genug fand, andauernd über ihn zu berichten. Ich empfand ihn immer als dummen Proletarier. Dummheit ist gefährlich, Dummheit in Verbindung mit Macht, ist richtig scheiße.  In welch dummen Kreisen er sich bewegt, hat seine Madame ja gut zur Schau gestellt.
Tja, und dann sitze ich da und frage mich, warum man letztzeitig nichts mehr von Putin hört. Es gibt offensichtlich immer einen, der noch böser ist.
Das wird absehbar knallen. Irgendwer von den Idioten wird mit der Macht nicht umgehen können und einen Krieg anzetteln. Was Trump vom Natobündnis hält, hat er kundgetan, und dass man immer einen Grund findet, um in den Krieg zu ziehen, hat Bush Junior der Welt bewiesen. Denn wenn es keinen Grund gibt, erfindet man einen. Das macht mir Angst.

Ich bin echt pappensatt und könnte im Kreis kotzen. Kann mir irgendwer den Fernseher klauen? Bitte!