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Das Video aus dem letzten Beitrag. Eigentlich hätte ich es in diesem Eintrag einfügen müssen. Denn Mann eins war es, der einen Autounfall hatte. Beim Zweiten gab es kein Blut, aber die Situation in der Klinik war am Ende dieselbe. Einmal mit, einmal ohne Blut.
Es war Ende der Neunziger, als ich auf Kai wartete. Er war immer pünktlich. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl, als er mich nicht wie abgemacht abholte … das passte nicht zu ihm.
Es war ein Betrunkener, der ihm reingefahren war. Er hatte keine Chance. Ich wollte ihn nochmal sehen, aber man ließ mich nicht. Er sah zu schlimm aus. „Sie würden ihn nicht erkennen“, hieß es. Zwei Wochen später saß ich in seinem Auto. Die Polizei hatte angerufen, dass der Wagen freigebenen ist, und ich die persönlichen Sachen aus dem Wagen holen kann. Alles war voll getrocknetem Blut. Ich musste die ganze Zeit auf den Cowboystiefel starren, der unter dem Gaspedal festklemmte. Er ließ sich nicht einen Millimeter bewegen, und ich fragte mich, wie man seinen Fuß da rausbekommen hat. Ich stellte mir die Situation vor, wie er in seinem Wagen gefangen saß und wollte schreien. Das Autodach gab es nicht mehr, es war aufgerollt wie der Deckel einer Sardinendose. Hätte er überlebt, dann ohne Beine, querschnittsgelähmt und schwerem Hirnschaden.

Beim Zweiten hatte ich mir anfangs oft gewünscht, sie hätten es auch nicht geschafft ihn zurückzuholen. Es war für ihn immer eine Horrorvorstellung ein Pflegefall zu werden. „Lass das nicht zu …“ sagte er irgendwann mal, als wir eine Doku über häusliche Pflege gesehen hatten, “ … wenn ich auch nur den kleinen Finger bewegen kann, bring ich es selbst zu ende.“ Dass er ein Pflegefall werden würde, war schnell klar. Er wachte nicht aus dem künstlichen Koma aus. Als er nach Ewigkeiten langsam ansprechbar wurde – macht wacht nicht aus einem langen Koma auf, wie man es aus dem Fernsehen kennt – , war er nicht mehr er. Pflegefall Stufe III +H. Diagnose: Zustand nach Vorderwandinfarkt/Reanimation, Hypoxischer Hirnschaden. Es dauerte lange, bis er sich die „einfachsten“ Fähigkeiten zurück erarbeiten konnte, wie schlucken beispielsweise. Nach fünf Jahren häuslicher Pflege starb er.

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4 Gedanken zu „..

  1. Fjonka

    Ich habe auch schonmal Dinge aus so einem Auto (des besten Freundes) holen müssen.
    Irgendwann dann das schlechte Gewissen, erleichtert zu sein, daß er es – unter diesen Umständen – NICHT geschafft hatte. Alles so Erfahrungen, die es nicht gebraucht hätte.
    Ja. Grausam.
    Lese die letzten Beiträge grad gesammelt. Bin froh, daß Du solche Menschen um Dich hast. Braucht man, in solchen Momenten natürlich, aber eigentlich immer 🙂

    Antwort
  2. Mitzi Irsaj

    Es gibt Beiträge, die kann ich nicht kommentieren. Alles was ich darunter schreiben würde, klänge platt, anmaßend oder dumm. Ich bin nicht gut darin. Deshalb lese ich sie still.
    (Fast)
    Erlebnisse die man niemanden wünscht.

    Antwort

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