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Wenn man Menschen zum Weinen bringt, nur weil man ihnen das eine oder andere Persönliche von sich erzählt. Schwierig ist, das ein oder andere Vergangene mit anderen Augen sehen zu können, wenn so etwas passiert. Gut aber zu erfahren ist, dass die Menschheit am Ende noch nicht verroht ist und man hinter all der Professionalität den Menschen noch erkennt, dem Menschsein in dem Moment einfach wichtiger war.

Du pumpst 20 Minuten und wartest auf das erlösende Martinshorn. Zwischendurch merkst du, dass du etwas falsch machst; ihm kommt es sauer hoch, du hast den Magen aufgepumpt. Du drehst ihn auf die Seite, wischt ihm den Mund aus, drehst ihn zurück und machst weiter; den Nacken tiefer in den Rücken gedrückt. Dir ist egal, ob du seine Kotze im Mund hast. Dein Mann darf einfach nicht sterben und es liegt in deiner Hand. Das Martinshorn lässt auf sich warten. Deine Kraft ist eigentlich am Ende, aber du pumpst weiter. Und dann hörst du es, aber es ist keine Erlösung, wie du hofftest, weil du aktiv nichts mehr machen kannst. Du stehst daneben und siehst zu, wie drei Mann in deinem Wohnzimmer versuchen deinen Mann ins Leben zurückzuholen. Strom und Spritzen in seinen Körper jagen, sein Körper sich aufbäumt, wie man es aus dem Fernsehen kennt, nur schlimmer, weil real. Die siehst zu, wie sie auf seinem Brustkorb rumkloppen und du weißt dann, du warst zu zart, obwohl du gepumpt hast, so stark du eben konntest. Wenn nach weiteren 20 Minuten ein „Okay, wir haben ihn“ kommt und man samt Mann im RTW verschwindet … nicht um abzufahren, sondern um ihn zu stabilisieren, damit man überhaupt abfahren kann. Du sitzt dann auf der Treppe vor deinem Haus und siehst zu, wie der Wagen rhythmisch wackelt. Er wieder weg war. Du kannst nichts tun. Du stehst nur da und ahnst ganz leise, dass dies hier zu den Erlebnissen gehört, die dich nie wieder loslassen werden.
Seine letzten Worte waren „Schön, wenn der Schmerz nachlässt.“ Danach grunzte er nur noch. Der Arzt, bei dem er zwei Tage vorher war, hatte den ersten Herzinfarkt übersehen und diagnostizierte eine Zerrung in der Schulter. Das Novalgin war nicht was half. Der Schmerz, der halt einfach nachlässt, ein, zwei Sekunden bevor das Herz aufhört zu schlagen, der brachte die Erleichterung …

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