Archiv für den Monat Januar 2017

Ähm.

Ungläubig schaue ich in die Welt hinaus. So einen Scheiß kannst du dir nicht ausdenken. Dass Trump die Staaten richtig aufmischen würde, war im Vorwege klar. Doch wie schnell er das macht, ist … ich würde fast sagen wollen: beeindruckend. Im negativen Sinn selbstredend. Eben über eine Woche im Amt, 11 Dekrete (im Kopf hab ich dabei seit Erdogan immer den Begriff Sekret) und einen – wie es derzeit aussieht – Verfassungsbruch. Hallo? Eine Ministerin wurde Erdogan-like entlassen, weil er ihre Kritik gemein fand, einen fünfjährigen Jungen hat man in Handschellen gelegt – die Aussage des Kasperkopfes, der für das Meerschweinchen spricht, ist der Oberhammer – und die Möglichkeit geschaffen, dass alternative Fakten mit der Wahrheit gleichgestellt sind. Ich warte gerade irgendwie darauf, dass sich das Ganze als Satire zu erkennen gibt. Denn bisweilen lache ich die letzten Tage wirklich darüber.
Spannend finde ich, wie die Welt auf Trump reagiert. Kroch ihn die Dame May erst in den Hintern, scheint auch sie einen schnellen Rückzieher zu machen. Doof aber auch, wenn der vermeindliche Freund und Postbrexitretter auch fies zu ihr und ihren EU-flüchtigen Insulanern ist.
Stark finde ich Kanadas Reaktion und dass auch große Konzerne wie Starbucks sich auflehnen.

Dooonaaald (so nennt Martin Schulz ihn, und ich frage mich, ob er Donald einfach nicht aussprechen kann, oder ob er das mit Fleiß macht) Teflon (das hab ich gestern so in den Nachrichten gehört und bin fast zusammengebrochen) das Meerschweinchen Trump. Echt jetzt? Wir wetten gerade, wie lange er sich hält. Oder geht irgendwer davon aus, dass Trump eine Amtszeit lang König der Welt spielen darf?
Die USA sind keine Türkei. Die Amis werden nicht zulassen, dass sie in eine Autokratie abrutschen. Werden sie doch nicht, oder? Ich bin doof, was deren Politik angeht und habe gerade nicht die Muße, mich schlau zu machen, aber es wird Möglichkeiten geben, einen amerikanischen Präsidenten des Amtes zu entheben. Wird es doch, oder?  Was weiß denn ich, jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen – und ich habe viel, eine bisweilen überbordende Fantasie – dass das nun vier Jahre so weitergeht. Ich bin da auch nicht bei den Thesen, die besagen, dass er bewusst überziehe, um zu zeigen, wie ernst er es meint, um sich später zu mäßigen. Der hat einfach einen Hackenschuss, das ist erst der Anfang.
Man kommt sich vor, wie in einer grottenschlechten Soap, und selten habe ich so häufig Nachrichten geschaut, wie derzeit. Der Schlechtfrisierte haut die Bolzen ja im Stundentakt raus. Man ist nur eben offline und geht einkaufen, und zack! Unfassbar.
Zwischendurch stelle ich mir gern vor, wie Obama kopfschüttelnd dumm dreinguckt. Wahrhaftig kann das alles nicht sein.
Aber für uns ist das – irgendwie – gut. Zumindest was das Dilemma mit der AfD angeht. Die, die reine Protestwähler und keine rechten Arschgeigen sind, werden ihr Kreuz jetzt sicher eher nochmal überdenken.  Dass uns ein ähnlich hirnverbrannter Mist blühen kann, kann selbst der Dümmste nicht verdrängen. Wie schnell man die Welt auf den Kopf stellen kann, sehen wir eindrucksvoll. Rechte Denke bringt rechte Taten, wenn man die Macht hat, sie auszuüben. So ein Kreuz ist schnell gemacht, aber lange bereut. Und eine AfD die derart hinter einem Björnernd Höcke steht … Echt jetzt?

Apropos Schulz. Vor gut einem Jahr haben wir zuhause darüber diskutiert, wer denn sonst noch so Kanzler könnte, und wir meinten einstimmig, dass St. Martin (guter Slogan, werter Spiegel, doofer Untertitel) das könnte. Dass die SPD das ebenso sieht, fand ich dann auch nicht verwunderlich. Das war keine Sturzgeburt, sondern wohl eher eine logische Schlussfolgerung.
So wird auch in Deutschland gerade einiges in Aufruhr gebracht. Wobei ich da echt nicht weiß, wen ich denn nun wählen soll. Ich hätte vor Martin Schulz‘ Kandidatur gedacht, dass am Ende nur Angie ginge. Aus ganz einfachen Gründen, denn ich war nie so wirklich bei ihr (was sich 2015 etwas legte). Wir brauchen eine starke Führungspartei. Es nutzt niemandem was, wenn die Stimmen auf viele kleine Parteien verteilt sind und die AfD auch nur in Ansätzen die Chance bekommt in der Opposition mitzumischen. Die Linken sind für mich mit das Sarah (bei der kriege ich echt Plaque) unwählbar, auch wenn mir der Gysi mittlerweile nahezu gut gefällt. Die FDP … sie könnten einem fast leid tun … und Grüne würde ich allein aus Bock in hundert Jahren nicht wählen. Um stark gegen den Rechtsruck zu sein/bleiben, bleibt also nur SPD oder CDU. Aber das ist nur meine unwissende, der schlicht-Blondschen Logik entsprungenden Meinung …

Edit: Einen sehr guten Kommentar dazu findet man hier.

Brille? Fielmann …

Das meine ich sogar ernst. Mit einem kaum zu übertreffenden Aufwand wird dort die fehlende Sehkraft beäugt und vermessen. Dann – okay, das war weniger gut – wird das mühselig erarbeitete Ergebnis verschlampt, wofür man sich entschuldigte. Es folgen mehrere SMS, dass man das nun gerichtet hätte und ich die Ersatzaugen abholen könnte.

Das taten wir heute. Ich probierte Brille eins und runzelte die Stirn. Bei Brille zwei war.meine Reaktion ebenso verhalten. „Also dahinten gehts“ fuchtelte ich durch den Raum, „da in der Ecke auch noch, aber wenn ich Sie ansehe“, sagte ich zu der freundlichen Brillenverkäuferin, „wird mir schlecht.“ Ich bemerkte meinen Faupax sofort und entschuldigte mich. Die Dame sah schließlich nach allem aus, aber nicht nach einem Brechmittel. „Ist schon okay“, sagte sie, „ich bin das gewohnt, auch wenn es bisher immer nur hieß, dass ich unscharf sei …“

Tja. Und nun muss ich das Brillentragen neu üben. Irgendwer hat mir quasi über Nacht rechts dreißig Prozent Sehkraft geraubt. Passiert wenn man älter wird und aus dem Alter, dass man für Nasenfahrräder gehänselt wird, bin ich deutlich raus. Alles okay also. Jetzt muss nur noch mein Gehirn lernen das Teil zu akzeptieren und mir nicht länger als nötig vorgaukeln, dass der Hubschrauber, der mich sonst nur nach dem zweitem Glas Wein heimsucht, im Anflug ist …

Achtung: Brechmittel

Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre … dachte ich neulich noch, als ich mitbekam, dass Frauke Petry tatsächlich eine Neujahrsansprache im Kanzlerinnenstil gehalten und veröffentlicht hat – was man erstmal bringen muss … Oder als der schmalzköpfige und nasenbehaarte Gauland mal wieder erklärte, dass die AfD gerne Lügen verbreite und das zur Parteiphilosphie gehöre. Das sogenannte Strategiepapier. Schließlich würde man Unwahrheiten ja früher oder später geraderücken und sie damit als Provokation deklarieren. Provokationen, egal ob wahr oder nicht, seien die Hauptmittel, zu denen die AfD greifen würde, um Ziele durchzusetzen. Wobei ich das schon traurig fand, weil diese Schlumpflinge Menschen bewusst verarschen, und diese Menschen das auch noch toll finden. Folgendes aber finde ich nun wirklich nicht mehr zum Lachen.

Nachdem die AfD schon Zitate Helmut Schmidts und des erzlinken Willy Brandts für sich nutzte, gehen die Arschmaden noch einen Schritt weiter und missbrauchen (und verhöhnen damit) jetzt eiskalt KZ-Opfer hierfür. Wohl wissend, wie absurd das ist.

Unfassbar. Die letzten Wochen ohne oder mit nur sehr wenig Internet taten mir deutlich besser.

Edit: Ich habe den Screen im Original hier in meinem Blog nicht ertragen können und mir erlaubt ihn mit einem persönlichen Statement zu versehen. So ist es besser.

Wenn der Kreis sich schließt

Wir sehen uns als Bereicherung. Jeder den anderen. Wie selbstverständlich fällt „mein Bruder – meine Schwester“. Nichts fühlt sich fremd an. Heute fährt Drei zu Sieben, die letztes Mal nicht dabei war und deshalb vor sich hinsäuerte und sich den Status eines Einzelkindes aneignen wollte. Ich hatte Zwei die Planung überlassen und irgendwie dachte er nicht an Sieben. Wobei er auch fast Fünf vergessen hätte, von der ich eigentlich dachte, dass sie Sieben mitbringt. Bei so vielen Geschwistern kann es schon mal passieren, dass man einen vergisst. Im Februar fahre ich wieder zu Drei und lerne dann auch ihre Mutter kennen. Wobei ich die eigentlich schon kenne, auch wenn ich damals erst sieben Jahre alt war. Sie war besorgt, ich könnte ihr „irgendwas“ verübeln. Mitnichten, sie war arg jung und naiv. Da kann man dem Charme – von dem er immer Unmengen hatte – des alten Herrn schonmal erliegen. Was noch merkwürdig ist, ist das „Papa“ von Drei, wenn wir über den alten Herrn reden. Rede ich doch seit jeher vom alten Herrn und tue mich mit dem Papa im allgemeinen schwer, war er doch selten als eben solcher da. Für niemanden nicht, auch für Drei nicht. Nachdem wir (fast) alle kreuz und quer durch Deutschland gezogen waren, sind wir großteils wieder im hohen Norden gelandet (ich habe sogar vor gut zehn Jahren in Dreis unmittelbarer Nachbarschaft gewohnt …) und haben es nicht weiter als anderthalb Stunden Fahrzeit, um den anderen zu sehen. Zwei und Vier ausgenommen, aber die sind wie ich schmerzbefreit, was längere Autofahrten angeht.

Die Ähnlichkeiten sind frappant, was das Ganze noch spannender macht. Die große Frage – was haben die Gene zu verantworten, die Veranlagung in diesen, was die Erziehung – zeigt klar, dass man Gene nicht unterschätzen sollte. Zwei und Vier sind wie eins, und Drei und ich ähneln uns ebenso in unserem Denken und unserem Sein. Drei hat auch diesen nahezu unerschütterlichen Gleichmut, ist weder nachtragend noch rachsüchtig und ist darauf bedacht, einfach nur in Ruhe zu leben, wobei sie ihr Gegenüber auch sein lassen kann, ohne es zu werten. Während Zwei und Vier die mit den „Flausen“ sind, die gerne „ihr eigenes Ding“ machen. Was sie eindeutig vom alten Herrn haben, wenn auch anders und reflektierter als dieser dabei. Auch Sieben ist so, aber ohne die Fähigkeit des Reflektierens. Wobei Fünf und Sechs viel Zickigkeit von ihrer Mutter haben und Acht hier auch außenvor ist, weil er eine komplett andere Erziehung hatte und einfach nur ein mildes Wesen hat, wie seine Mutter. Nichtsdestotrotz ist das Wir-Gefühl bei allen da. Nach einem Monat jetzt, kann ich sagen, dass mir tatsächlich eine Last weggefallen ist. Verfickte vierzig Jahre hatte ich das Gefühl, das da was fehlt. Die Komplettierung – und dann noch in dieser durchweg positiven Art – ist, als würde sich der Kreis endlich wirklich schließen und der Familie als solches eine Chance geben. Etwas, das sich verdammt gut anfühlt. Wir sind nicht nur viele, wir werden ganz langsam ein echtes Wir. Eine Familie zu haben (außer der selbst gegründeten) ist doch nicht so uncool, wie ich immer dachte. Patchwork vom Feinsten.

… die Taschen voller Glas

Wir waren gestern Abend noch kurz am Strand, um zu gucken, ob sie wirklich im Anmarscht war. War sie. Während zwanzig Kilometer Luftlinie weiter alles absoff, hat die Sturmflut bei uns nur etwas an der Warft geknabbert. Einen guten halben Meter hat die See sich geholt. Immerhin. Naja, und den Sandstrand. Heute früh guckte ich, was vom Sturme übrig blieb. Jede Menge Meerglas und Hühnergötter. Meine Jacke wog schwer.

Minus drei grad waren es, die sich durch den scharfen Ostwind wie minus zehn oder noch weniger anfühlten. Die Kamera, deren Akku voll war, zeigte ob der Kälte ein leeres Akku an, und auch das Handy fror sich schnell in den roten Bereich. Also gibt es nur das an Bildern, was die bittere Kälte zuließ.

Ah. Vergessen. Also besser spät als nie: Ein tolles 2017 für euch. Möge es werden, wie ihr es braucht.