Archiv für den Monat November 2016

Nicht George!

Ich neulich so: „Waaah. Es gibt Montags keine lange Grey’s-Anatomie-Nacht mehr. Das darf nicht sein!“

Hatte ich mich doch – wenn auch sehr spät, weil ich gemeinhin keine Serien im TV gucke – im wahrsten Wortsinn verguckt. Ich liebe Grey’s Anatomie. Auch wenn ich das aus Gründen alleine gucken muss. Menschen, die im Krankenhaus arbeiten gucken sich keine Krankenhausserien an. Dreimal keine schnulzigen.

Das war an einem Montagabend.

Mittwoch darauf kam ein Paket. Die komplette Staffel. Der Kapitän hat sie heimlich bestellt.

Ich so: Waaah, ich liebe Grey’s Anatomie!

Vorgestern so: „Nein. George ist tot. Die haben George einfach sterben lassen. Ich hasse Grey’s Anatomie!“

Aber es kam noch schlimmer.  Ich musste ja nicht auf Staffel sechs warten. Nur die DVD wechseln. Es folgten zwei weitere Folgen über Georges Tod, die Folgen der Trauer und die Trauerphasen. 

War das ein Geflenne. Nicht wegen George. Und nein, das ist kein oberflächlich witziger Eintrag … Viel mehr, weil ich merkte, wie mich manches doch noch gefangen hält. Dazu die Sorge um den alten Herrn, der nur einen Tag vorher mit Verdacht auf einen weiteren Schlaganfall in die Klinik kam und der ohnehin keinen echten Lebenswillen mehr hat …

Das Leben geht weiter. Immer einfach weiter, egal, was es aus und mit uns macht. 

Probleme aus dem Paradies

Ich weiß, was ich mag, und was ich nicht mag. Ich hatte nie Probleme damit, mich für eine Schokolade zu entscheiden. Bock auf Schoki, kurz das Angebot sondieren, einpacken wonach mir war, bezahlen, und lange lebte das Zeug nie. Nun sendete der Kapitän mir, als er sich letztes Mal auf dem Heimweg befand, kurz vorm Einstieg in den Flieger folgendes Foto.

 
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Ich dann so: „Einpacken. Alles!“
Gut, alles war es dann nicht, aber es reichte, um mir mein Leben in Bezug auf Schokoladiges nachhaltig zu versauen.
Man kann in Deutschland Schweizer Schokolade kaufen. Sicher. Lind fand ich auch nie übel. Seitdem ich aber die aus dem Paradies hatte, schmeckt mir nichts anderes mehr. Ich sitze vor einer Tafel Irgendwasmiterdnüssen und könnte heulen. Dabei mochte ich die früher gerne. Also vor der Schokoladenparadiesschokolade.
Ganz schön frustrierend das ist.

Lieber Weihnachtsmann. Du weißt schon …

Am Ende steht alles unter dem Stern der Zufriedenheit

liebster-blog-award-2-post1Die liebe Sabine hat mich geadelt. Und weil Sabine es tat, mache ich das erste Mal – seit sage und schreibe zehn Jahren – eine Ausnahme und lasse mich adeln. Dankeschön.
Gar nicht so einfach zu beantworten diese Fragen, weil sehr persönlich. Aber ich habe mir Mühe gegeben.

  1. Wie fühlt sich Glück an?
    Gleich am Anfang eine so schwere Frage. Ich kann leichter den Umkehrschluss beantworten. Wann und warum bin ich glücklich. Da braucht es so viel nicht. Glücklich bin ich, wenn ich ganz bei mir bin. Wenn keine Fragen durch den Kopf schwirren, wenn es ruhig in mir ist. Wobei ich Glück wohl anders definiere als wohl die meisten Menschen. Glück ist für mich gleichgestellt mit Zufriedenheit. Wenn man es nicht gleichstellen kann, ist Zufriedenheit für mich gewichtiger als Glück.
  2. Warum?
    Du kannst Fragen fragen 😉
    Weil mich das Leben lehrte, dass es Wichtigeres gibt, als glücklich sein zu wollen. Man muss das Leben nehmen, wie es kommt. Dem Glück hinterherzujagen macht müde und unzufrieden. Glück ist nichts, was man erreichen kann. Es wird einem zuteil oder nicht. Wogegen man viel selbst dazu beitragen kann, um zufrieden zu sein.
  3. Wo warst du zuletzt am liebsten?
    Das ist einfach. Am Meer, Meer, Meer! Das war nie anders, das wird nie anders sein.
  4. Was war 2016 für dich?
    Ein Auf und ab, aufregend manchmal und bisweilen sogar richtig spannend aber auch sehr sehr anstrengend bis nervenzehrend. Ich habe neue Menschen kennengelernt. Ich habe mich neuen Aufgaben gestellt. Ich habe Mut bewiesen. Aber auch Schwächen aufgetan. Ich habe viele Kilometer auf Autobahnen verbracht. Ich war viel unterwegs. Ich war außergewöhnlich umtriebig und deswegen oft müde. Aber in erster Linie hat mich 2016 noch mehr Gleichmut gelehrt.
  5. Was wirst du mitnehmen, was hast du gelernt?
    Siehe oben. Noch mehr Gleichmut, und dass dies eine ziemlich coole Eigenschaft ist, die ich sehr zu schätzen lerne und mit der es sich wirklich leichter leben lässt. Mein Mantra des Jahres ist das Gelassenheitsgebet. Und es funktioniert. Okay, nicht immer, aber immer öfter.
  6. Was hältst du vom NaNoWriMo?
    Finde ich spannend. Was bekommt man zusammengeschrieben, wenn man sich wirklich nach Plan einen Monat lang hinsetzt und schreibt. Gute Aufgabe. Irgendwann nehme ich mir mal einen November lang Zeit um mitzumachen. Wobei ich denke, ich werde da an mir scheitern, was aber kein Grund sein darf, es nicht zu versuchen.
  7. Wie funktioniert Schreiben für dich?
    Ich bin kein Autor, sondern ein Schmierfink. Schreiben ist für mich laut denken. Schreiben heißt im Kopf Platz für Neues zu schaffen, und Dinge abhaken und loslassen zu können. Ich möchte mal nach Plan schreiben können, als Aufgabe. Siehe meine Antwort zu Frage sechs. Um nicht nur die Bedeutung des Schreibens für mich zu erkennen, sondern auch zu erfahren, wie es funktioniert. Das weiß ich nämlich nicht.
  8. Happy End oder realistische Sachlichkeit?
    Wtf ist ein Happy End? Also wähle ich Punkt zwei. So was von realistische Sachlichkeit hast du noch nicht gesehen.
  9. Worüber würdest du am liebsten alles wissen wollen?
    Das ändert sich. Gerade jetzt recherchiere ich wie doof einer Sache hinterher, über die ich alles wissen will. Dabei geht es um die Geschichte eines bestimmten Ortes, der für mich mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. (Das will ich nicht öffentlich machen, aber ich kann dir, Sabine, gern auf anderem Weg etwas dazu sagen). Es gab lange Jahre ein anderes Thema, das mich nicht losgelassen hat. Das dritte Reich und wie es dazu kommen konnte. Ich habe es nicht verstanden. Die letzte Zeit bin ich dem näher gekommen. Wir erleben es gerade wieder. Und Ursache ist was? In erster Linie – tada – Unzufriedenheit. Aus der Neid, Missgunst, Wut, Hass und Angst wächst. Wodurch mir mein Gleichmut noch wichtiger wird.
  10. Wenn du eine Sache ändern könntest – was wäre es?
    Ich würde den Menschen ihre Unzufriedenheit nehmen wollen. Ich würde sie verbieten. Ich würde sie ausmerzen. Andauernde Unzufriedenheit ist für mich der Kern allen Übels. Generell. Persönlich würde ich meine Schwächen anpacken wollen.
  1. Wenn du eine Sache bewahren könntest – was wäre es?
    Nein, das ist nun kein Widerspruch zu Antwort acht. Liebe würde ich bewahren wollen. Menschen ziehen sich so viel an Nebensächlichkeiten hoch, dass Liebe – keine partnerschaftliche, eher Nächstenliebe – zu kurz kommt und nicht mehr gelebt wird. Liebe macht die Seele warm und weich und das Innere zufrieden, demütig und … ah! … glücklich. Hab ich am Ende doch noch die Kurve gekriegt?

Und nun kommt die Sache mit dem Weiterreichen. Da muss ich passen. Einmal, weil ich weiß, dass viele es handhaben, wie ich eigentlich auch – sich nicht adeln lassen wollen – oder schon geadelt wurden. Wie Mitzi, an die ich sicher auch Fragen hätte, aber die Sabine sich schon schnappte. Ich habe da den Faden verloren.

Wer Lust hat, darf sich gerne Sabines Fragen mitnehmen. Die finde ich nämlich klug gewählt.

Putzmusik

Nach den ersten Takten, die aus den Lautsprechern drängen, stelle ich die Musik lauter. Der Hund weiß, was kommt. Ich singe laut mit, wobei er dann gemeinhin guckt, als möchte er zum Wolf werden. Ich hole tief Luft, um den zweiten Refrain in die Welt zu brüllen. Ja, brüllen, denn singen kann man das, was ich tue, nicht nennen.
„So if you think you know how to love me, and you think you know what I need, and if you really, really want …“, ereifere ich mich, als das Handy piepst. Ich schaue kurz drauf. Die Tochter möchte etwas. Eine Sprachnachricht. Ich drehe das Radio leise und höre die Nachricht ab. Musik höre ich und Chris Norman singt in mein Ohr: „So if you think you know how to love me, and you think you know what I need, and if you really, really want …“ Ich antworte was vom selben Sender, von Hühnerpelle und Augenpippi und dass das beim Autofahren nicht gut kommt. Die Tochter antwortet, dass sie auch fährt und im Wagen gerade Putzmusik abfeiert.
Kennt ihr das? Putzmusik ist etwas, dass man vererbt, dass sich nach Zuhause anfühlt und das Herz warm macht. Nicht nur meins.

Nachtwanderung

Ein ganz normaler Hunde-Strandspaziergang war das. Eigentlich. Wäre da – zurück am Auto – nicht die leere Jackentasche gewesen. Ich suchte noch da, wo ich den Kackibeutel aus der Tasche gezogen hatte. Irgendwo musste dieser halbe Autoschlüssel ja sein, und wann anders, als beim Tüte-rausziehen, hätte ich ihn verloren haben sollen?
Nichts zu finden.
Ich sah den Hund an und zuckte mit den Schultern. Mussten wir die 45 Minuten Fußweg am Strand längs wohl laufen müssen. Es dämmerte zügig. Als ich im Haus am Meer ankam, war es dunkle Nacht. „Ihr ward aber lange unterwegs“, sagte der Kapitän. Ich erklärte die Misere, schnappte Autoschlüssel Nummer zwei und das Handy – ich brauchte die darin befindliche Taschenlampe -, weil, wenn es hier dunkel ist, ist es dunkel.
Ganz Kavalier, fragte Herr Kapitän, ob er mitkommen solle. „Lass man, Dummheit muss bestraft werden und mich klaut keiner.“
Also wieder runter zum Strand und dort entlang zurück gen Falshöft, wo Johann mutterseelenallein auf mich wartete. 45 Minuten durch bärenärschige Dunkelheit.
Wie ich so latschte, schoss mir durch den Kopf, dass es sehr wohl eine dumme Idee war, den Weg am Wasser zurückzulaufen. Wir schreiben Jahr drei der Wildschweinplage, und die treiben sich da gerne rum. Kein Mensch möchte Wildschweinen im dunkeln begegnen, dreimal nicht am Strand, wo es keine Bäume gibt, auf die man flüchten könnte. Mein Puls beschleunigte sich parallel zu meinen Schritten. Irgendwann sah ich das Notlicht des Leuchtturms. Endlich. Das Rascheln des Reets und der Seegräser hinter und neben mir. War das nur der Wind, oder vielleicht doch ein Schwein? Oder schlimmer noch: Frank N Furter …
Ich schreibe, also hab ich es überlebt. Oder wie der Ex immer sagte: „Der/die ist so blöd, den/die beißen nicht mal die Schweine.“

Ironie des Schicksals

Oder: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Neulich auf der Autobahn.
Er so: „Du fährst wirklich sehr gut …“
So denkt er zumindest, seit ich ihm durch meine Fahrkünste hier das Leben rettete. Das Aber jedoch stand deutlich zwischen uns auf der Mittelkonsole, waberte hin und her und war drauf und dran die Handbremse zu ziehen.
Also ich so: „Aber?“
Darauf er so: „Aber immer auf meiner persönlichen Wohlfühlgrenze, gern auch darüber hinweg.“
Ich drosselte die Geschwindigkeit auf unterhalb seiner Wohlfühlgrenze.

Wen von uns beiden hat man tags drauf wohl geblitzdingst? Das zweite Mal in diesem Jahr …