Archiv für den Monat Juli 2016

Anhaltende Schuldgefühle

Das Buch vor dem Backman war das neue von Jonason. Jonas Jonason. Der in seinem „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ danach fragt, wie Menschen wohl zu ihrem Namen kommen. Zu so „komischen“ Namen, wie Jonas Jonason beispielsweise. Ich musste laut lachen. Seit über 28 Jahren suche ich nach einer Antwort auf diese Frage, und weiß noch immer nicht, wie ich mich da rausreden könnte.
Sollte mir irgendwann eine Erklärung dazu einfallen, werde ich zuerst den Sohn, und danach sofort den fragenden Jonason darüber informieren.

Unmoralisches

Ich bin verliebt. Schon seit geraumer Zeit eigentlich. Das begann vor zwei Jahren circa und war eine Zufallsbekanntschaft. Das zweite Treffen war bewusst, von beiden Seiten; wenn man es so sehen will. Er wollte mich, wie ich ihn. Auf das dritte Treffen jetzt fieberte ich ein ganzes Jahr hin, und dann war es wie Weihnachten. Plötzlich ist es da, und man ist völlig überfordert. Es soll ja alles passen, und Frau wirbelt umher: Kamin- und Kerzenschein sorgen hoffentlich für die nötige Stimmung, der Kaffee soll heimelige Düfte zaubern, Kissen und Decken müssen bereit liegen, und etwas Süßes anbei, schadet auch nie. Hach!
Aber es darf nicht sein. Frau verliebt sich nicht in verheiratete Männer, dreimal nicht in Väter.
Was aber tun, wenn ein Mann das Herz einer Frau eroberte? In diesem Fall wohl auf nächstes Jahr warten, wenn das neue Buch erscheint.
Frederik Backman, mein zweitliebster Lieblingsschriftsteller.
Ein Mann Namens Ove war wie ein Donnerschlag. Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid, traf mich mitten ins Herz, und jetzt: Britt-Marie war hier.
Der Mann schafft das, was nur wenigen gelingt. Er steigert sich von Roman zu Roman.
Manchmal mag ich es, diese leichten Sachen zu lesen. Wobei Backmans Bücher nur auf den ersten Blick leicht scheinen. Denn Backman hat die Gabe, schwierige Charaktere und traurige Geschichten in Worte zu packen, die so federleicht sind, dass sie einen zu tragen scheinen. Heilsame Bücher.

Hungerhilfe

Ich denke darüber nach, im Garten nach Würmern zu graben, und diese portioniert auf der Außenfensterbank bereitzustellen. Das Hungergebrüll kann einem ja das Herz brechen. Frau Schwalbe muss erschöpft sein, bei dem Pensum, das sie ablegt.

Krankenstand

Zur Abwechlung geht es mal nicht um den Hund. Auch nicht um mich.
Den Kapitän hat gestern die Hexe geschossen. Weils am Sinnvollsten ist, brachte ich ihn in die Stadt vor der dänischen Grenze ins Diakonische. Weil Johann auch seit dem Wochenende schlecht zu Fuß ist, und ich ohnehin endlos warten hätte müssen, brachte ich Johann dann auch gleich mal zum kurz-mal-ein-Auge-drauf-werfen. Ich betrat die Praxis und hinter dem Tresen saßen zwei männliche Sprechstundenhilfen. Man begrüßte mich gewohnt freundlich und fragte, was man für mich tun könne. „Johann ist krank.“ Beide Herren eilten um den Tresen herum um zu gucken, was dem Kleinen fehlt. Sie unterhielten sich kurz allein mit ihm. Wie Heilmacher an sich so sind, trauen sie keiner Diagnose von Laien. Johann wurde ins Sprechzimmer gebracht und auf die Liege gewuchtet. Er hatte in der Tat zwei schlimme Füße. Ich streichelte ihm sanft über die linke Augenbraue und flüsterte: „Mensch Johann, mach keinen Scheiß!“
Am Ende war alles gut, eine knappe Stunde hatte mein immer-mal-wieder-Held gepopelt, gebogen und geklopft und dann ging es wieder. Ein Bremsblech war verbogen, was Klappern verursachte, auf der Fahrerseite steckte ein Kiesel zwischen Bremsbacke und Bremsscheibe, was fürs schleifende Geräusch verantwortlich war.
Der Verkäufer, der mir anfänglich – ich schlenderte zwischen den zu verkaufenden Fahrzeugen umher, während Johann zwecks Diagnose probegefahren wurde – ein Auto verkaufen wollte, kam bei der Nachbesprechung dazu.  Ich winkte wieder ab und sagte: „Ich brauch keinen neuen, Johann wird überleben.“
Trotzdem setzte er sich dazu, und meinte: „Mal unter uns, wer den Tino einmal gefahren ist, egal wie alt die auch sind, wird schwer einen Ersatz finden, mit dem er glücklich ist. Das ist mit das Beste, was Nissan jemals gebaut hat!“
Ich muss das hier explizit erwähnen, weil ich genau das immer sage, wenn der Kapitän sich Autos ansieht. „Kauf dir einen Johann!“
Ich vergleiche Johann auch oft mit Herrn Kunze. Nicht der Schönste, aber der kann dafür echt was. Doof nur, dass man den nicht mehr baut, weil das heißt, es wird irgendwann auf einen anderen Wagen hinauslaufen. Aber ich bin guter Hoffnung, dass Johann noch lange Jahre leben wird.

Ich wollte mich von den Herren verabschieden und fragte, was ich zu zahlen hätte. „Passt schon“, sagte der eine, „Geht aufs Haus“, der andere. Die haben meinen Tag gemacht! Mal wieder …
So, und jetzt muss ich nur noch die Meldung bekommen, dass  der Kapitän auch mit einem blauen Auge davonkommt, und dann bin ich glücklich.
Daumen drücken ausdrücklich erwünscht.

Gebohrdingst

Er so: Das müsste mal neu.
Ich so: Das geht noch.
Er so: Wenn du meinst.
Nein, ich rede nicht vom Tablet. Obwohl das über einen ähnlichen Zeitraum Thema war. Wann immer wir einen Baumarkt betreten – was nicht selten der Fall ist – er so: „Bist du sicher, dass es keinen neuen Akkuschrauber braucht?“
Ich so: Siehe oben. Dabei ist dies Gerät das einzige, das weniger und weniger mit mir spielen will.
Ich habe eine gut ausgerüstete Werkstatt für eine Frau (ich hasse es, wenn ich mir irgendwo Werkzeuge oder Gerätschaften borgen muss, wodurch ich wirklich alles habe, was man für Holzbearbeitung braucht – alt zwar, aber zu neunzig Prozent funktionsfähig), und nenne sage und schreibe fünf Akkuschrauber mein Eigen, von denen einer zickiger ist als der andere. Von dem Paar Bosch kann ich mich schwer trennen. Ein gutes viertel Jahrhundert ist es alt, und wer so alt ist wie ich, weiß, dass die damals ein kleines Vermögen gekostet haben. Die funktionieren auch noch gut, nur gibt es die Akkus nicht mehr nachzukaufen. Ich hoffte da bisher auf ein Wunder. Die anderen sind Billigheimer, die ich im halbtoten Zustand sammle, weil bei dem einen das zickt, was bei dem anderen noch geht. Außerdem schmeißt kein Handwerker Bohrfutter weg, weil die wirklich immer dann kaputt gehen, wenn man keines in Reserve hat. Wodurch ich permanent am hin- und herbasteln bin, wenn es etwas zu Bohrschrauben gibt. Mein ehemaliger Chef sagte immer, und das habe ich zu meinem Motto gemacht: „Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen!“ Ich habe trotzdem beschlossen, sie jetzt doch zu beerdigen, ja, alle zusammen feierlich beizusetzen, denn der Kapitän war ohne mich im Baumarkt und so war keiner da, der hätte sagen können: „Das geht noch.“
Kennt ihr noch die Szene aus Krokodil Dundy?
„Das soll ein Messer sein?“ Dundy zieht breit grinsend seines: „DAS hier, das ist ein Messer!“
So darf man sich die Szene in der Küche vorstellen. Wobei ich mit leuchtenden Augen dastehe, wie sie kein Brilliant der Welt so hätte glänzen lassen können.
So sehr ich mich im Vorwege immer wehre, so geil finde ich später das Ergebnis. Jetzt muss ich nur was zum Schrauben finden.

Über „Gott“ und die Welt

Ich würde ja gerne Rumseiern. Mich über den Baron echauffieren, der die Felder kalkte, nachdem er die Gerste eingefahren hatte, was mir irgendwie arg früh dünkte. Okay, wo kein Sommer … ich könnte darüber schimpfen, dass sich der Kalk durchs ganze Haus zieht und sich überall legt. Schlimmer als der schlimmste Baustaub. Es sieht aus, als hätte ich Wochen kein Staub gewischt. Dass das Auto nicht mehr grün, sondern weiß ist. Dass der Vollmond das bisschen Schlaf, das mir der Baron bei der Nachtschicht auf dem Feld nicht nehmen konnte, boykottierte. Dass die Schalben zwar süß (das ist zu putzig, wie Frau Schwalbes Kopf oberhalb der Gardine wippt) aber unartig sind, und auch nichts weiter als Dreck machen. Dass ich das Radio Tag und Nacht laufen haben muss, damit die Tiere kapieren, dass sie nicht allein hier leben. Frau Schwalbe kriegt sonst nämlich immer einen hysterischen Anfall, wenn ich das Büro betrete … Neulich wagte ich es nur kurz aus dem Badezimmerfenster zu spähen und wurde von einem halben Dutzend (die scheinen sich bei Gefahr zusammenzurotten) angegriffen. Dass das Wetter nach zwei fantastischen Tagen (okay, ich schrieb ja, dass mir ein Paar reicht) wieder kippt. Dass es so feucht ist im Haus, dass jetzt in jedem Raum ein Luftentfeuchter steht. Der Kamin brannte trotz der Wärme täglich, weil wirklich alles klamm war.
Aber nein, ich mag mich darüber nicht aufregen. Auch nicht über die Deppen von der AfD, denn die sind Kleinvieh, wenn man sieht, was gerade in der Welt passiert. Die spinnen doch alle völlig. Erdogan vorneweg. Der ist dermaßen größenwahnsinnig, dass ich ihn mit dem Hitolf Adler vergleichen mag. Von wegen Putschversuch. Fragt mich, und ich erzähle euch meine These: Das war fingiert. Der hat sich eine Handvoll Leute genommen, die sollten das Militär aufwiegeln, einen Putsch anleieren, und darum weiß er auch genau, wo er jetzt zu suchen hat, um Leute zu inhaftieren. Wie sonst konnte er nach wenigen Tagen x zehntausend Lehrer, Professoren und Co. absetzen? Soll er doch die Todesstrafe wieder einführen. Kommt er wenigstens mit Sicherheit nicht in die EU. Soll er doch die Grenzen öffnen und alle in die EU schieben. Was man ihm nicht zahlt, dass er das nicht tut, kann man dann hierfür verwenden. Nein, ich korrigiere! Das ist der Mut der Verzweiflung, wenn ich sage: Soll er doch. Es gibt Dinge, die gehen gar nicht, wozu die Todesstrafe gehört. Aber er wird sich von niemanden abhalten lassen. Wer glaubt, dass Erdogan den Ausnahmezustand jemals wieder aufheben wird, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Die türkische Demokratie ist tot. Und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, meint der Trump, dass er Erdogans Handeln gut findet. Von seinen sonstigen Aussagen mal abgesehen, das mit der Nato finde ich gefährlich.
Vor fünfzwanzig – dreißig Jahren hörte man viel von Trump, weil er damals der reichste Mann der Welt war, und die Boulevardpresse (die musste ich berufsbedingt lesen) es wichtig genug fand, andauernd über ihn zu berichten. Ich empfand ihn immer als dummen Proletarier. Dummheit ist gefährlich, Dummheit in Verbindung mit Macht, ist richtig scheiße.  In welch dummen Kreisen er sich bewegt, hat seine Madame ja gut zur Schau gestellt.
Tja, und dann sitze ich da und frage mich, warum man letztzeitig nichts mehr von Putin hört. Es gibt offensichtlich immer einen, der noch böser ist.
Das wird absehbar knallen. Irgendwer von den Idioten wird mit der Macht nicht umgehen können und einen Krieg anzetteln. Was Trump vom Natobündnis hält, hat er kundgetan, und dass man immer einen Grund findet, um in den Krieg zu ziehen, hat Bush Junior der Welt bewiesen. Denn wenn es keinen Grund gibt, erfindet man einen. Das macht mir Angst.

Ich bin echt pappensatt und könnte im Kreis kotzen. Kann mir irgendwer den Fernseher klauen? Bitte!

Neumodischen Schiet

Es ist ja nicht so, dass ich keine Ausweichmöglichkeiten hätte. So ersetzt das Handy letztzeitig das zickende Tablet. Was den Vorteil hat, dass ich viel weniger surfe. Ich bin da flexibel.
Aber den Kapitän stören zickende Gerätschaften. Wodurch ich jetzt – nach einigem Gezicke meinerseits, wobei ich froh bin keine Gerätschaft zu sein, die man austauscht – ein neues Tablet mein Eigen nenne.
Gar nicht lange her, dass ich mich darüber wunderte, was mein Handy alles über mich weiß. Das jetzt aber übertrifft alles!

Big Brother is wachting me.

Ich so: anmeld. Nichts weiter, nur: anmeld: und zackbummpeng sind alle Daten, die auf meinem alten Tablet waren, wie von Zauberhand auf dem neuen. Inklusive Einstellungen, Apps, Alben und Desktopfoto. Dazu das komplette Telefonbuch aus meinem Handy und Teile der Alben darauf.
What the fuck?
Es gibt Dinge, die sind zu hoch für meinen flachen Kopf.
Aber eines habe ich daraus gelernt. Wie es aussieht, kann jeder, der meine Zugangsdaten hat, sich alles ziehen, was ich auf Handy und Tablet gespeichert habe. Und nein, ich habe nichts (!) im Drive gespeichert … Ich geh dann mal Passwörter wechseln.