Archiv für den Monat Februar 2016

Zeitlos

Die letzten zwei Wochen waren vollgestopft. Drei Tankfüllungen haben wir verfahren, was in Kilometern circa 2100 sind. Für uns ist das ziemlich viel, zumal das Meiste davon eher noch unter Kurzstrecke lief. Heute habe ich darum einen eher arg unerholten Kapitän zum Flieger gebracht; auf dem Tisch vor mir steht nur eine einsame Kaffeetasse, und die nächsten Termine muss ich allein erledigen. Übermorgen wäre das einer im Mecklenburgischen, und tags drauf einen – zum Glück – quasi umme Ecke.
Dazu darf ich arbeitstechnisch die ab morgen im Krankenhaus weilende Arbeitskollegin für vier bis sechs Wochen vertreten, was mein Stundenkonto gut nach oben schraubt.
Es bleibt also noch ein kleines Bisschen ruhiger hier.

Unalt

Wenn ich mit den Geschwistern zusammen bin,  fühle ich mich deutlich jünger,  als das Alter,  auf das man kommt,  wenn man mein Geburtsjahr vom Gegenwärtigen abzieht.
Als der Bruder frech wurde („… ach ihr meint das Frauenlinks …“, und leider war er sogar im Recht), war mir, als hätte ich mich erst gestern, für ähnliches Verhalten seinerseits, auf seinen Brustkorb gesetzt und fies seine Oberarmmuskeln mit meinen Knien „beritten“ ***. Gestern, und nicht vor über dreißig Jahren …
Vielleicht ist es aber auch sein „red‘ keinen Scheiß“ als Antwort jedes Mal,  wenn ich sage,  dass ich alt werde.

*** Muskelreiten und Schwitzkasten war zwischen uns Geschwistern ein beliebtes Mittel die eigene
Meinung zu vertreten. Dafür haben wir uns aber nie wirklich geprügelt. Immerhin.
Kennt ihr das auch?

Kurze Einwürfe

Mehr ist gerade nicht drin. Wir sind viel unterwegs,  Herr Kapitän und ich.

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Gestern waren wir im Weserbergland. Nachdem wir morgens noch durch Övelgönne spaziert sind. Nett war’s.

Männer betreten selten den Laden,  in dem ich arbeite. Heute war einer dieser seltenen Momente und ich überlege noch, ob „in meinen Augen sehen Sie lustig aus“ in Bezug auf meine grünen Strümpfe ein Kompliment war,  oder eher nicht.

Schluss mit Lustig. 2016 sterben so viele meiner Helden 😦
Mach’s gut,  Lieblingserklärbär!

Zum Abend Essen gehen mit dem Größten der kleinen Brüder und der Mittleren der kleineren Schwestern. Wir sind viele …

Nächste Woche wird ruhiger, dann antworte ich auch wieder auf Kommentare.

Nachts, wenn alles schläft …

… seh ich zum Fenster raus.
Nicht,  dass ich für diesen Anblick aufstehen müsste. Nö. Ich liege,  den Kopf und die müden Knochen weich gebettet,  und der Mistkerl scheint mir durch die geschlossenen Lider. Was zur Folge hat,  dass meine Körperbehaarung zunimmt,  mir Eckzähne wachsen und meiner Kehle jaulende Laute entweichen.
In diesem Leben werden wir keine Freunde mehr.  Im nächsten Leben dann werde ich Meteorit. Rache und so.

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Arschloch des Tages

Ich stehe vorm Spiegel und begutachte das Objekt der Begierde.
„Hat ein bisschen was von Presswurst, oder?“
„Probier eine Nummer größer“, meint der Verkäufer daraufhin trocken.
Ich schaue auf theatralische Art geknickt zu Boden,  der Kapitän grinst unauffällig,  und der Verkäufer legt nach: „Ich schneid dir auch das Schild mit der Größenangaben raus… „

Sachen gibt’s!

Oder Smartphones für Dummies.

Mein Handy spinnt schon seit geraumer Zeit.
„Das nervt“, sprach der Kapitän bisweilen und meinte dann stets dazu: „Ich kauf  dir ein Neues!“
Wer  mich kennt,  weiß, dass das so einfach nicht ist.
Jetzt aber, nach einem guten Jahr iPhonenerverei, weigerte es sich am Ende auch noch,  mir Bescheid zu geben, wenn wer was von mir wollte. Der Lautsprecher hat das Zeitliche gesegnet. Was okay ist,  weil ich nicht zu den Menschen gehöre, die 24/7 erreichbar sein müssen. 
Da aber ohne Lautsprecher auch der Wecker nicht geht, wurde es nun doch irgendwie notwendig.
Und so stand ich in der Mobilfunkabteilung eines Elektromarkts,  und war vollumfänglich von der Auswahl überfordert. Irgendwann waren drei in der engeren Auswahl. Eine halbe Stunde Zehn Minuten weiter entschied ich mich – am Rande eines Nervenzusammenbruchs – nach der Haptik,  ließ mir ein Handy nebst passendes Schutzcase geben, und habe damit das Problem, weckerlos zu sein,  hinter mir gelassen.

Wie das so ist,  wenn man ein neues Spielzeug hat,  muss auch ich mir das von allen Seiten ganz genau ansehen. Und ich habe etwas – für mich – Eigenartiges entdeckt.
Auf dem Startdisplay ist ein schmaler Streifen zu sehen, in dem „sag: okay google“ zu lesen steht. Daneben ein abgebildetes Mikrophone, das man beim Sprechen gedrückt halten solle. Etwas,  das sich auch auf meinem Tablet finden lässt, was ich da aber immer ignorierte.
Hier jetzt nicht,  und ich hab dann gemacht, was in der Aufforderung zu lesen war, woraufhin google mich dann bat,  kundzutun,  was es für mich tun könne. In Ermangelung einer besseren Idee,  fiel mir der Hauptgrund ein,  der mich dazu bewegte,  dem Neukauf eines Handys zuzustimmen …
„Google, wecke mich morgen früh um sieben Uhr.“
Ich schaute danach aufs Display,  und mein Handy informierte mich darüber,  dass google meinen Wecker auf sieben Uhr gestellt habe,  und ich noch knappe acht Stunden schlafen könne.
Ist das zu fassen? Für mich ist das absolut nicht nachvollziehbar. Ich weiß nicht,  wie so was funktioniert, da hört mein Denkenkönnen auf.
Ich bin jetzt trotzdem gespannt,  ob der Wecker wirklich klingelt … Falls ja,  muss ich überlegen, was ich Google als Nächstes für mich tun lasse.

Lieber Herr Lenz,

falls ich Ihnen mit meiner Prognose neulich – oder in welcher Art auch immer – zunahe getreten sein sollte (die zweite Nacht fieser Frost, und schon morgens eben nach dem Aufstehen den Kamin anfeuern müssen, was ich den ganzen Winter nicht einmal musste, lässt diese Schlussfolgerung zu), möchte ich mich wirklich ganz ehrlich bei Ihnen entschuldigen.

Schuldbewusste Grüße, Ihre untergebene Jane Blond

PS: Den wundervollen Sonnenaufgang heute Morgen, sehe ich als Zeichen dafür, dass Sie mir nicht wirklich böse sind, sondern mich nur in meine Grenzen weisen wollten. Ich habe verstanden. Sie kommen, wenn Sie kommen wollen, und nicht, weil ich es sage.

Bauchflau

Als ich letztes Wochenende in Dänemark war, standen da Grenzposten an einer mobilen Absperrung. Schengender Abkommen ade. Das merkt man so wirklich erst, wenn man über Grenzen muss.
Alles, was wir uns in den letzten zwanzig Jahren erobert haben – und unbedingte Reisefreiheit empfinde ich als ein hohes Gut – ist arg am Wackeln.
Wenn ich Zäune sehe, wie die, die in Mazedonien errichtet werden, denke ich an den Mauerbau in der DDR. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“
Jaja.
Mir gefällt das alles nicht. Überhaupt nicht!
Und noch etwas. Mir tut uns Angie leid. Sie hat bei mir über das letzte Jahr hinweg viele Sympathiepunkte gesammelt; ob ihres Standings, und wie sie still arbeitet und deligiert, ohne Riesenwellen zu machen, oder sich zur Schau zu stellen, und am Ende den eigenen Kopf bewusst für ihre Überzeugung hinhält. Ich möchte nicht an ihrer Stelle stehen. Wenn ich überlege, spekuliere, was ein Herr Schröder an ihrer Stelle gemacht hätte. So viel Regen kann es gar nicht geben … Wer meint es besser machen zu können, wird am Ende nur ins Leere versprechen. Denn wirklich besser ist momentan nicht machbar. Außer, wir gehen alle einen Schritt nach rechts, und heben den richtigen Arm für Schmalspurbartträger, die uns vor allem, was fremd ist, schon schützen werden. Ob das aber besser wäre, lass ich mal dahingestellt sein.
Ich wünsche mir Zuspruch für Angie, auf dem bevorstehenden Gipfel. Und die Einsicht, dass Europa in solchen Zeiten zusammenstehen sollte, statt sich – buchstäblich – abzugrenzen, aus der abstrusen Angst heraus, dass einem zu viel abverlangt wird. Wer nur aus dem brüsseler Topf schöpfen will, ohne bereit ist zu geben, hat den Gedanken Europas nicht verstanden.
Ich bin sicher naiv, aber ich glaube am Ende noch immer an das Gute. Und dass es funktionieren kann, wenn wir uns selbst etwas infrage stellen. Egal was ist, und wie schwierig die Situation auch sein mag. Es geht uns schließlich gut, und ich habe keine Angst davor, dass man mir das, was ich habe, wegnehmen kann.

Oder um mal wieder den Herrn Kunze zu bemühen: „Wir sind nichts Besondres, hatten nur viel Glück. Auserwählte kriegen halt das größte Kuchenstück …“

Edit: Meine Einstellung ist nicht wirklich links. Aber auch – das dürfte mittlerweile klar sein – keinesfalls rechts.
Ich überlege darum geraume Zeit schon, den Blogtitel zu ändern. Was mehr oder minder ironisch gemeint war, stößt mir gerade etwas sauer auf.
Patriotismus ist nicht wirklich meins. Zumindest nicht so, wie es derzeit unterinterpretiert wird.

Noch mehr Graues

Trotzdem sind Hundhund und ich drei Stunden durch, respektive um die Birk gelatscht. Ein schöner, wie auch unwirklicher Ort, so roh, wie dort alles ist.

 

Saukalt war kein Ausdruck, für das, was ich empfand, das Licht war zum Fotografieren denkbar ungeeignet, und ich trug die denitiv falscheste Hose, die ich hätte tragen können. Ich hab mir relevante Körperteile abgefroren, und klappere seitdem vor dem Kamin kauernd vor mich hin.
Dafür aber, habe ich in all dem Grau das erste Grün im Unterholz entdeckt.

 


Wie ich sagte: Es wird Frühling, und wie man unschwer erkennen kann, steht die Brombeerernte quasi vor der Tür.

Herzlich Willkommen, Herr Lenz

Auch wenn es erst Mitte Februar ist und vielleicht etwas voreilig; ich glaube, der Frühling kommt.
Es hat gefroren letzte Nacht, aber der Himmel leuchtet strahlend blau. Das Meer glitzert, dass es in den Augen wehtut, und eine hauchdünne Wolkenschicht wabert über die Felder.
Es riecht nach jungem Grün, und die Pfauen, DER Indikator für Frühling, rufen.
So darf es sein, so soll es bleiben …