Archiv für den Monat Januar 2016

Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zuhelfen wissen

Sagte ein Chef aus vergangenen Zeiten immer.
Ich war diese Woche im Harz unterwegs. Was ich da in meinem Zimmerchen, in einem wirklich sehrsehrsehr alten Haus sah … ich merkte schon beim Gehen in dem Raum, dass da irgendwas nicht im Lot war. Aber Fühlen uns Sehen sind dann doch zweierlei:

 

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Was für Köche gilt, gilt auch für andere Handgewerke.

Zurück in die Vergangenheit

Die Bilder von gestern waren eigentlich von vorgestern.
Gestern war das Wetter nämlich nicht mehr so grau. Naja, zumindest als sich gegen Nachmittag der Nebel endlich lichtete, zeigte sich die Sonne.
Um mal etwas anderes, als immer den laaangweiligen Strand zu zeigen, war in Maasholm. Am Hafen dort war ich nicht mehr, seit das Boot weg ist. Also seit über drei Jahren. Der Hund schien sich genau zu erinnern. „Bekannte Wege“, muss er gedacht haben. Zumindest verhielt er sich so. Als wir an der Werft ankamen, gab er Gas, um auf den Außensteg zu kommen. Er lief an den Ablegern vorbei, bis unser Steg kam, der zu unserem alten Liegeplatz führte. Er wollte zum Boot. Er wusste wirklich genau, wo er war. Tja, das Boot gibt es nicht mehr … aber schön ist und bleibt Maasholm, egal bei welchem Wetter.

 

Die historischen Kahnstellen, die liebe ich sehr.

Aus der Testküche

Wenn ich jetzt sagen würde, ich wüsste nicht, wie der Beutel in den Küchenschrank kam, wäre das schlicht gelogen. In einem Wahn von „na, ist im Angebot, kannst´ ja mal probieren“, packte ich ihn eigenhändig in den Einkaufswagen.
Heute, so ca. ein halbes Jahr später – ich hatte ihn längst vergessen – fiel er mir quasi vor die Füße, als ich nach etwas anderem suchte.
Nach Anleitung goss ich 350ml kochendes Wasser über den Beutelinhalt, der jetzt in einer Schüssel vor sich hinwartete. Zehn Minuten solle man das unansehnliche Irgendwas dann quellen lassen.
Nach diesen zehn Minuten streckte ich einen Finger in die Masse und probierte die noch immer undefinierbare Pampe, woraufhin ich noch mal die Verpackung unter die Lupe nahm. Keine Zusatzstoffe, keine Geschmacksverstärker oder sonstiges. Hatte man sich also schlicht versalzen. Was wohl Grund für den günstigen Preis war. Ansonsten schmeckte es nur nach Mehl.
Also Kommando: Pimp my … Grünkernbratling.
Zwei Möhren und einen halben Kohlrabi gerieben. Ein halbes Glas schwarze Oliven gehackt und eine Zwiebel, eine halbe Packung Kräuterfrischkäse dazu, zwei Handvoll geriebenen Almkäse und ein Ei.
Sieht jetzt fertiggebraten aus wie die Bescheißerfrikadellen, die ich für die Kinder immer gemacht habe, als sie auf Gemüseverweigerung waren. Ich traue mich aber nicht reinzubeißen.

Edit: Hab mich doch noch getraut. Wenn man genug Ketchup draufhaut (ohne schmeckt es nur nach warmer Mehlpampe, Grünkernmehl scheint alles andere zu Tode zu dominieren, und ich hätte mir die Schnippelorgie sparen können) gehts. Irgendwie. Irgendwas Warmes mit Ketchup eben.
Morgen kauf ich mir ein Steak.

Edit zwei: Der Hund hat das ihm angebotene Stück abgelehnt. Ist klar …

Deep Blue

Zwei Grad minus zeigte das Thermometer heute an. Gefühlt waren es mehr. Okay, nicht am Wasser unten, da stimmte die Angabe schon, aber oben im Windschatten waren es gefühlt gute zehn Grad. Nur mit Wolljacke drübergezogen, hab ich den ersten Terrassenkaffee des Jahres getrunken, und von dort aus weiter aufs Meer geschaut.
Sonne satt von Auf- bis Untergang. Die Seele freut sich.

Schlaflos begab ich mich nach Australien

Alter Schwede! Ich zappte mich durch die Kanäle, nachdem ich vom Bett aufs Sofa gewechselt hatte, um mich müde belallern zu lassen, und blieb beim Dschungelcamp hängen. Ist das schon wieder soweit, dass sich sogenannte Promis zum Vollhorst machen? Ich denke dasselbe, was ich immer denke, wenn ich bei C-Promi-Formaten hängenbleibe. Wer zum Geier sind die?
Gut, den Gunther, den kennt man einfach. Die große Dänin hatte es früher auch in die Schlagzeilen geschafft. Menderis kenne ich, denn ja, ich schaue gerne die Castings zu DSDS. Das amüsiert mich. Und ich muss gestehen, ich mag den Bengel. Der hat etwas, dass das Mutterherz berührt. Ich möchte ihn immer irgendwie beschützen.
Der Rest – obwohl den Rolf, den kennt unsere Generation auch, klar – ist mir nicht bekannt. Halt, Stop. Klar, die Elvers. Ich finde es schade, dass sie da mitmacht. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Dann frage ich mich, wie eklig so etwas sein kann. Menderes kippt sich Kuhpi runter, Gunther und Rolf Buschschweinsperma. Aha. Die Steigerung zu dem Ekelfaktor aber war der Kamelkopf. Ich bin ja nicht so ein Ih-Schreier, was Tierleichen angeht. Exmann: Schlachter. Und ich komme vom Dorf, da hat unsere Generation schlicht einen anderen Umgang gelernt. Tiere zu etwas anderem als zum Verzehr zu schlachten, und auch da sollte die Welt umdenken, finde ich jedoch mehr als fraglich. Okay, RTL wird das Kamel – hoffentlich – nicht extra für die Sendung geschlachtet haben, aber dieser Anblick, des Kopfes auf dem Tablet, auf dem sein Gehirn serviert wurde. Da kommt es dann auch mir hoch. Auch die angebrüteten Enteneier, die die Dänin und noch irgendeine Dame essen mussten … irgendwie abartig.
Blieb am Ende eine Frage, die sich mir stellte. Ab wann ist so ein Format aus ethischer Sicht nicht mehr vertretbar?
Und nochmal: Warum tun Menschen sich so was an?

Stromausfall

Hier, heute. Passend, wo ich gerade Blackout lese.
Nichts geht mehr. Nicht nur keine Musik, kein TV, kein Internet, auch das Essen bleibt kalt. Das greift aber noch weiter, was ich so nicht bedacht habe. Egal ob Klospülung, Duschen, das Verderben von Lebensmitteln ohne Kühlung. Fällt der Strom generell aus, bricht das System zusammen. Die Kommunikation. Keine Nachrichten, kein Radio. Man sitzt – also nicht ich, aber in dem Roman – quasi nicht nur im Dunkel, sondern bekommt auch keine Informationen, warum das so ist. Und das nicht nur über ein paar Stunden hinweg.
Eine Atomkrise droht, weil Reaktoren nicht mehr gekühlt werden können. Geld wird zwar unwichtig, weil man es nicht mehr ausgeben kann, die Geschäfte geschlossen bleiben ohne Stromversorgung, aber der Run auf die Banken beginnt trotzdem, weil man – spätestens nach drei Tagen ohne Strom – in Panik verfällt. Geld aber gibt es nur noch rationiert, wie Trinkwasser.
Die Menschen flüchten an Orte, an denen zumindest geheizt werden kann, es „gute, alte Öfen“ gibt. Schwer zu erreichen diese Orte, so ganz ohne Benzin. Wo dann auch keine Straßenbahn und kein Zug mehr fährt, und die allerwenigsten ein Pferdefuhrwerk nebst Antrieb im Stall stehen haben.
Aufgrund dessen, dass das „Geschäft“ nicht mehr in die Kanalisation abgeführt wird, drohen Seuchen. Menschen werden aus ihren Wohnungen evakuiert.

Bevor ich das Buch las (es immer noch lese), hätte ich mir über die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls keine Gedanken gemacht. Heute schon. Zum Glück war der Spuk hier nach einer Viertelstunde vorbei. War ich doch schon kurz vorm Verdursten, und aufs Klo musste ich auch ganz dringend 😉

Morgen ist leider auch noch ein Tag: Irgendwie hatte ich von meiner Depression mehr erwartet

Da hab ich aber auch etwas anderes erwartet. Zumindest den schlechten Rezensionen nach.
Von wegen, Herr Katze würde Depressionen ins Lächerliche ziehen, und alle (Stichwort Alkoholismus) Erkrankten über einen Kamm scheren. Vorzüglich beschreibt er das, was eine Depression ausmacht. Was das ist, weiß man als Betroffener und muss es eigentlich nicht lesen. Aber als Angehöriger, oder jemand, der mit depressiven Menschen zu tun hat, und nicht begreift, was sie ausmacht, mit einem macht. Für diese Menschen ist das ein wirklich gutes Buch, weil Herr Katze kein Blatt vor den Mund nimmt. Sicher nimmt er sich bisweilen selbst auf die Schippe, aber gerade das macht das Buch für mich aus. Kein Mensch ist der Welt Mittelpunkt, und da muss man sich selbst auch nicht so wichtig, dass es darauf hinausliefe. Ich finde eine gewisse Selbstironie immer sympathisch. Zynismus ist manchmal eine gute Waffe gegen die Depression.
Besonders gut finde ich, dass es kein unterschwelliger Ratgeber ist, sondern wirklich nur ein Selbsterleben – teils lyrisch – umschrieben wird. Bisweilen böse sarkastisch, aber auch in die Abgründe blicken lassend, die eine Depression einem schaufelt. Wer noch immer denkt, man bekommt den Arsch nicht hoch, weil man sich nicht genug anstrengt, wird auch vielleicht auch dem Lesen einen solchen Buches denken: Das sei eine Kopfsache. Aber im Allgemeinen kann es sicher Verständnis schaffen. Irgendwann las ich irgendwo einen Satz, der sich eingebrannt hat: Depressionen sind wie ein Schlaganfall an der Seele. Genau die Auswirkungen werden hier ungeschönt umschrieben.
Dazu bricht Herr Katze für sich das Tabu: Darüber spricht man nicht. Denn das tut er. Nicht nur im Buch, dessen Entstehung ist wohl nur eine Konsequenz.
Und damit hat er mich. Tabus kann man nur von Innen heraus aufweichen, in dem man in die Offensive geht. Gut gemacht, Herr Katze.
Gutes Buch!