Archiv für den Monat November 2015

Serienjunkies

Ich bin in der Materie nicht drin. Wer hat das zu verantworten? Der Comicbuchautor oder ist das (oder heißt es ‚der‘) Comic gar nicht en Detail Grundlage zum Film, und der Drehbuchautor hat’s gemacht?

Man, ist das eine kranke und zugleich faszinierend spannende Scheiße! Und wieder heißt es nun ein Jahr warten; stöhnte ich ins Telefon. Der Ableger am anderen Ende der Leitung ließ sich davon überzeugen, dass es keine gute Idee ist, mir zu verraten wie es weitergeht.

Der Kapitän verkürzt uns die Zeit diesmal mit gefühlten 1000 Stunden Ablenkung, durch andere Serien. So viel, dass ich mich frage, warum ich heute von Game of Thrones nur zwei Folgen sehen durfte. Dabei hätte ich so gern …

Dazu hatten wir, zum Staffelende von The Walking Death, dieselbe Diskussion wie letztes Jahr. Ist es wirklich sinnvoll und wichtig – für den Fall der Fälle – ein Tomahawk im Haus zu haben. Ich finde ja, dass die vorhandene Spaltaxt im Zweifel reichen würde.

Männer …

Satz mit X

Ich wartete gestern in der Eckernförder Einkaufsstraße, während der Kapitän in einem der Läden damit beschäftigt war, mir eine sorgenfreie Zukunft zu verschaffen, als eine kleine Dame mit schwarzen Augen und dunklem Teint auf mich zukam, nach meinem Arm griff und fragte, ob sie mir die Zukunft voraussagen dürfe. Ich lehnte dankend ab. Was sie nicht davon abhielt, es trotzdem zu tun, während ihre rechte Hand weiter auf meinem linken Unterarm lag.

„Sie werden ein langes, glückliches Leben haben“, prophezeite sie mir.

Warum der zeitgleich ausgefüllte Lottoschein nun nicht gewann, kann nur darauf hinweisen, dass Wahrsagerinnen heuer nicht mehr das sind, was sie sein sollten …

Nachtgedanken

Russland kündigt an, von seinem Selbstverteidigungsrecht gebrauch zu machen. Frankreich schickt Bomber und erinnert Europa an seine vertraglich festgehaltene Pflicht zur Hilfe. Gut ausgebildete Armeen scheiterten im Irak, sodass ich meine eigenen Gedanken, kaum angedacht, gleich wieder anzweifle; ob Frankreich wohl die Legion aussenden wird … Zäher sind sie wohl, als der Ami, aber das Problem ist ja doch eher immer noch ein Geographisches. „Sie trugen seltsame Gewänder und irrten ziellos umher.“ Der Gegner hat einen zu guten Heimvorteil. Der böse Russe wird quasi über Nacht zum Verbündeten. 

Es ist wohl in der Tat so, dass diese Nacht in Paris, dieser Freitag der 13., mehr ändert, als wir noch wahrhaben wollen. Es ist Krieg. Nicht im eigenen Land, aber auch wir wurden, wie es im Bekennerschreiben zu den Parisattentaten steht, angegriffen. Sind involviert, ob wir wollen oder nicht … 

Nennt mich dumm, aber so leicht kommen wir aus der Nummer diesmal nicht raus. 

Wenn es dreimal klingelt …

… ist es meistens der Postmann.
Zwei Päckchen hielt er mir vor die Nase und sagte, ich würde nicht aussehen wie der Kapitän.
„Bin ich auch nicht, aber ich nehme das gerne.“
„Kriegen Sie aber nicht!“, sagte er dann.
Für den Kapitän persönlich. Postident und Ü18-Sendung und wasweißichnichtnoch.
Mein Einwand, dass ich ganz sicher schon volljährig sei, wischte er mit einem Wink beiseite. Vorschrift sei Vorschrift, und eigenhändige Annahme eben eigenhändige Annahme.
Und so zog er von dannen, mit meiner Serie.
Ich guck nur wenig fern. Fernsehen nervt. Und wenn ich mal gucke, kriege ich nur die Hälfte mit. Was auch passiert, wenn ich wirklich etwas gucken möchte. Ist halt nicht meins.
Darum werden Lieblingsserien zelebiert, ich darauf eingestimmt, und nur und ausschließlich staffelweise geguckt. So mit Handy lautlos, Erdnüssen und Schokolade. Wie sich das eben gehört, und dann werden drei, vier Teile am Stück geguckt. Oder auch mal fünf oder sechs.
Misfits war toll („Psyyych“ ist in unseren Sprachgebrauch übergegangen und wird benutzt, wenn eben Dinge Psyyych sind) und bei Heroes habe ich mich in Hiro Nakamura (dessen „geschaaaft“ inklusive Arme hochreißen dazu ich für mich übernommen habe) verliebt.
So hab ich dann auch endlich kürzlich erst Harry Potter als DVD (auch wenns keine Serie ist) kennen und schätzengelernt. Oh, das war ein sehr langes Wochenende …
Mein persönliches Highlight aller Serien aber ist The Walking Death.
Ich stand bei den letzten vier Staffeln mehr als einmal kurz vor einem Herzaussetzer. Als Maggie Hershel reanimierte bin ich sogar von Sofa aufgesprungen, raufte mir die Haare und stöhnte etwas wie: „Oh man! Lass das du doofe Kuh, der beißt dich gleich! Geh da weg … Tu das nicht!“
Das war vor etwas über einem Jahr. Seitdem warten wir auf Staffel fünf. Ein Jahr lang! Vorbestellt ist sie, seit man sie vorbestellen konnte. Und dann sagt der Postmann mir, dass er mir sie nicht geben dürfe.
Ich hier. Der Kapitän im benachbarten Ausland. Die Serie bei der Post, in der Hoffnung, dass der Abholungsberechtigte rechtzeitig genug erscheint, dass er sie noch abholen kann, ehe sie zurück an Amazon geschickt wird. Weil, wenn er das nicht schafft, ist die nächste Möglichkeit, die Serie sehen zu können erst Weihnachten. Das ist nämlich nicht wirklich meine, sondern unsere Serie, und die darf keiner von uns beiden allein gucken. Also ist der Gucktermin entweder nächste Woche oder erst Weihnachten. Falls – sollte der Kapitän es nicht schaffen sie abzuholen – Amazon es schafft sie nochmal so zu verschicken, dass der Kapitän auch da ist, um sie eigenhändig entgegen zu nehmen.
Postmänner sind blöde bürokratische Spaßverderber.

Ich habe die halbe Nacht vor dem Fernseher verbracht. Fassungslos ob der gezeigten Bilder, bin ich irgendwann auf dem Sofa eingeschlafen. Dementsprechend unausgeschlafen und verspannt bin ich heute Früh aufgewacht. Mein erster Griff war der zur Fernbedienung, der zweite der zum Tablet. Nachrichten. Input. Sehen, hören, lesen, was man nicht begreifen kann.
Die Zahl der Toten macht sprachlos. Die sinnlose Gewalt ist nicht begreifbar. Und als ob das alles nicht schlimm genug ist, lese ich Kommentare, die spontan bewirken, dass sich mir der Magen umdreht.
So etwas würde uns in unserem Land auch drohen, wenn wir weiter jeden und alles reinlassen. Und daran würde dann Frau Merkel Schuld haben. Bilder von Helmut Schmidt grassieren, mit verdrehten und aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, in denen er als jemand dargestellt wird, der längst die Grenzen dicht gemacht hätte und Flüchtlinge ihrem Schicksal überlassen hätte. Klar! Und er hätte Grenzposten mit Schießbefehl aufgestellt, oder was? Ganz, ganz sicher! Was ein Glück, dass er das nicht mehr mitbekommt.
Da wird ein eben Verstorberner post mortem vor den braunen Karren gespannt. Ein Verfechter für Europa! Für Weltoffenheit! Wie dumm können Menschen sein?! Das fand ich die letzten Tage schon schlimm, aber was soll ich mich aufregen.
Dass nun aber Gräueltaten, mit Ausmaßen wie jene in Paris, dazu genutzt werden, um Politik zu machen, davor zu warnen, dass uns derartiges auch blüht, wenn wir die Grenzen nicht zumachen …
Um Dieter Nuhr zu zitieren: Ich kann nicht ansatzweise so viel essen, wie ich gerade meine Kotzen zu müssen.
Flüchtlinge sind keine Terroristen! Flüchtlinge sind Menschen, die genau vor dem Wahnsinn fliehen, der letzte Nacht in Paris passierte.
Ich bin erschüttert. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Ich weine mit ihnen.
Und ich habe Angst. Nicht vor Flüchtlingen oder Terroristen (okay, vor Letzteren auch, aber die sind weiter weg, als mein Grund beängstigt zu sein), sondern vor Deutschen, vor „besorgten Bürgern“, die meinen dieselben Fehler machen zu müssen, wie unsere Vorfahren.

Schämt euch, so grausame Taten für eure Zwecke zu nutzen!