Archiv für den Monat Oktober 2015

Wenn einer eine Reise tut …

  

Ich habe ein neues Lieblingsland. Jaja, das wechselt halt mal … Aber es sind immer wieder die Däneländer, die mir – ob all der übellaunigen deutschen Touries – den Tag mit einem Lächeln und freundlichen Worten retten. Dass die Schweden ebenso reizend sind … Gut, die Dame aus dem „Löppies“ heute schien falschbeinig aus dem Bett gekommen zu sein, aber sonst gibt es lächelnde Menschen satt. Die sind so nett hier, dass die sogar für uns ganz alleine den Campingplatz, der regulär längst geschlossen hat, geöffnet haben. Auf dem Platz nebenan ist gerade ein Flüchtlingslager errichtet worden, und wir haben es überlebt. Ganz in echt. Keiner hat uns was getan … Wir haben nicht mal irgendwen zu Gesicht bekommen, weil diese armen Menschen froh sind, wenn sie erstmal durchatmen und einen Moment Ruhe haben dürfen. 

Spannend fand ich, und das wusste ich so nicht, dass Schweden bisher mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als als Deutschland. Komischerweise geht das ohne Pegida und Co-Mistdrecksgeschissgejammere. 

Tolles Land, tolle Leute. Und die Hälfte der Häuser hier sieht wirklich so aus, als würde Michel aus Lönneberga drin wohnen. Ich mag dies Ochsenblutrot!
Warum nur sind gerade die Deutschen so ein miesmuffeliges Volk? Im nächsten Leben werde ich Däneländer. Oder Schwede. Wahlweise ginge auch Holländer …

Achso, der nächste Urlaub ist auch schon verplant. Und das ganz ohne Diskussion. Ich so zum Kapitän: da fahren wir nächtens Jahr zusammen nochmal hin. Er so zu mir: okay. Das ging beinahe zu leicht … 

Von Doppelmoralisten, anderen, die es wenigstens versuchen und dem eigenen Denken

Es gibt Menschen, die sind gut zu Tieren.
Es gibt Menschen, die sind so gut zu Tieren, dass sie diese weltweit versuchen zu retten. Sie aus Tötungsstationen nach Deutschland holen. Find ich gut. Wirklich. Jedes Lebewesen ist es wert gerettet zu werden. Auch wenn ich mich manchmal wundere, dass Tiere dafür in deutschen Tierheimen sicher länger verbleiben. Was okay ist, denn sie werden in deutschen Tierheimen versorgt und es geht ihnen verhältnismäßig gut.
Wo ich dann aber nicht mehr hinterherkomme, ist, wenn diese Tierschützer, Tierfreunde, Tierretter sich, was Menschen anbelangt, deutlich rechts äußern. Tiere, die in Not sind retten und herholen ist ihre Lebensaufgabe, aber Menschen, die vor Mord und Totschlag fliehen im eigenen Land aufnehmen? Um Gottes Willen! Und dann wird argumentiert, was das Zeug hält. Die eigenen Kinder würden deswegen zurückstecken müssen. Man selbst auch. Und was das alles kostet. Und wo sollen die denn alle untergebracht werden.
In diesem Fall war das ein Mensch, der gut dasteht. Bestens situiert ist, wohlgemerkt.  Also kein wirklich schlechter Mensch.
Wenn Menschen aber anfangen, das Wohl von Tieren über das von Menschen zu stellen, dann komme ich an meine Grenzen. Ich kann es weder vom Intellekt her, noch auf Gefühlsebene nachvollziehen. Tiere retten, unbedingt, bei Menschen aber wird das große Herz dann klein? Da bin ich draußen …

Wo wir gerade beim Thema wohlsituiert sind. Ich habe den Schweiger, wie ich schon erwähnte, ja nie wirklich für voll genommen. Das hat sich geändert. Nicht nur wegen der Sache mit Honig im Kopf, so einfach kann man mich nicht von sich überzeugen, sondern weil er seinen Status, seinen Bekanntheitsgrad nutzt, um zu helfen. Selbst wenn es da dann auch Stimmen gibt, die meinen, dass er das nicht gerade in der Art tun sollte, und nicht mit den Menschen, die er sich ins Boot holte. Leute? Besser das als gar nichts tun. Ende.

Und nun lese ich noch etwas, von einem Menschen, die ich ebenso wenig auf dem Zettel hatte, weil mich ihre Musik nie erreichte, und ich darum mit ihr nichts anzufangen wusste. Zumal mich Menschen irritieren, die ihr Privates so in die Öffentlich trugen, wie eben Sarah Connor es tat.
Und nun das hier … Sie bekommt dafür von mir einen großen Sack voll Sympathiepluspunkte, und hätte ich den Raum und die Mittel, würde ich es ihr gleichtun.

Ich bin weder links noch rechts, noch schwarz oder rot. Aber ich muss hier einfach mal – wenn ich mich denn schon moralisch-politisch gebe – unsere Mutti der Nation lobend in Schutz nehmen. Weil sie keine Angst mehr vor Machtverlust hat, und einfach macht, was sie meint tun zu müssen; nur ihrem Gewissen folgt, und sich eben nirgends mehr reindrücken lässt. Und ernsthaft … was haben wir denn für eine Alternative? Wenn uns nicht das letzte Bisschen Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Zäune errichten, oder gar Mauern bauen, damit ja kein Flüchtling mehr reinkommt? Bewaffnete Grenzpatrouillen aufstellen? Wohlmöglich mit Schießbefehl, weil es sonst ja keinen Sinn machen würde, da sich Menschen, die auf der Flucht sind, nicht allein davon abhalten lassen, dass man ihnen sagt: „Du kümmst hier nit rein!“
Ich mag unser Land, und ich finde es gut, dass es keine Grenzen mehr gibt. Dass wir mehr und mehr eins werden in Europa. Auch wenn viele europäische Staaten das in Krisenzeiten anders sehen, und meinen, sie könnten ihr eigenes Ding machen.
Wie Mutter schon immer sagte, wenn ich meinte, dass andere dieses oder jenes ja auch dürften oder machen würden: „Springst du auch vom Hochhaus, weil andere es tun?“
Wäre der olle Neuexkettenraucher heute noch Kanzler … dann würde vielen Mäulern rechtzeitig die Klappe gestopft werden. Der war nicht so zärtlich im Umgang mit Kritikern, wie uns Angie es ist.

Bevor ich mich in Rage schreibe, ende ich mit einer selbstgewonnen Weisheit aus Zwölfunddreißigplusdrei Lebensjahren: In schwierigen Zeiten war schon immer und überall der Weg das Ziel.

Spontaneität

„Sag mal, was hältst du davon, spontan nach Schweden zu fahren?“
So stand es in der whatsapp.
Weil mein Urlaub zufälligerweise in ihren fällt, und wir das, was wir eigentlich machen wollten, auch tun können, wenn wir keinen Urlaub haben.
Noch bezweifle ich allerdings, dass wir es bis dorthin schaffen, weil wir schon in Däneland so viele Anlaufpunkte haben, dass der Wagen schneller voll sein wird, als wir gucken können, und es nicht nur ums Trödeln geht, sondern auch darum, ohne Hetzen einfach eine gute Zeit zu haben.
Aufgeregt ich bin. Packen ich muss.

Apropos Film

Manchmal darf es auch Film statt Buch sein. Filme, die für sich allein derart überragend dastehen, dass ich nichts vermisse, und denke, dass kein Buch der Welt es hätte besser rüberbringen können.
Der deutsche Film entwickelt sich, wie sich die deutschsprachige Musik entwickelt hat. Ich halte Til Schweiger durchaus nicht für einen überragenden Schauspieler. Wenn ich an den Tatort mit ihm denke, wird mir anders. Aber in Kokowääh mochte ich ihn sehen. Oder in Barfuß. Was er aber, wie ich finde, kann, ist Regie führen. Man mag auch darüber, dass er für seine Filme gerne seine Tochter mit ins Boot nimmt, denken, was man mag. Ich denke dazu, dass, wenn nicht Emma spielen würde, es ein anderes Kind täte, und darum ist es für mich egal. Zumal die Lüdde ihren Spaß zu haben scheint.

Man wird sich denken können, auf welchen Film ich hinaus will …

Lieber Dieter Hallervorden, ich nehme alles zurück, was ich jemals über Sie gedacht habe. Ich habe mich geirrt. Danke, für Ihre grandiose Leistung in diesem Film. Sie haben mich berührt. Und danke auch an Til Schweiger dafür, dass er Emma und Dieter das Geschehen hat zeigen lassen und selbst eher nur eine Nebenrolle spielte. Und danke generell für diesen Film, den ich sicher öfter als nur dieses eine Mal anschauen werde.
Ich habe einen neuen Lieblingsfilm.
Leute, Leute, Leute! Honig im Kopf. Was für ein Film! Wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt, weil es von Tränen erstickt wird, oder man, während man versucht die die Sicht störenden Tränen wegzuwischen, zeitgleich laut lachen muss. Ein Film, der irgendwie in kein Genre passt. Für ein Drama zu komisch, für eine Komödie zu traurig und für eine Tragikkomödie zu unterhaltsam.
Der einzige Nachteil war, dass ich ihn allein sehen musste. Obwohl es kein wirklicher Nachteil ist. Der Kapitän würde, wenn ich es denn wollen würde, sich sogar den Untergang der Titanic mit mir ansehen. Was ich sicher nienicht werde wollen. Es gibt Filme, die gehen bei mir echt nicht … Aber hier galt: keine traurigen Filme im Urlaub.
Er weiß man nicht, was er verpasst hat. Selbst Schuld!
Es mag natürlich möglich sein, dass ich bei Honig im Kopf mehr geheult habe als andere. Das Gefühl zu kennen, dass ein Mensch, den du liebst, dich nicht erkennt … Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man auch ohne dies kalt bleibt und nicht eine einzige Träne verdrückt.
Egal, was man von Til Schweiger hält, und welche Vorurteile man gegen den Herrn Hallervorden hegt: Der Film ist unbedingt sehenswert. Wirklich großes Kino!

„Ich bin sowas von im Arsch“

Das ist der erste Satz im Roman „der Marsianer“ und damit hatte der Autor mich auch schon. Viel wissenschaftliches Gedöns zwischendurch, aber der Humor des Erzählers machte das wett, und ohne das wissenschafltiche Drumherum geht das Buch auch nicht auf. Mir gefiel es jedenfalls. Gestern waren wir im Kino.
Das Paar hinter uns … Sie wollte eigentlich den zweiten Teil von fuck you Goethe sehen, da es den aber nicht gab (unser Kino hat nur einen Saal), gab es eben auch für sie den Marsianer. Was ihre männliche, offensichtlich aus Dänemark stammende Begleitung freute. „Das Buch war klasse“, sagte er, „auch wenn es Schwächen hatte im wissenschaftlichen Bereich.“ Ich drehte mich um und sagte, dass ich es eigentlich sehr gut recherchiert fand, aber auch keine Ahnung davon hätte, da ich es bisher nicht bis zum Mars geschafft habe. Er auch nicht, aber dafür ist er Chemiker. So denn. Wieder was dazu gelernt.
Das ist am Ende ja immer so eine Sache, wenn man sich einen Film ansieht, und das Buch kennt. Die Verfilmung vom Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand, kann man beispielsweise mit einem Wort zusammenfassen: grottig!
Gut, 3D hätte der Marsianer wirklich nicht gebraucht. Diese Brillen sind nur unbequem. Egal. Ansonsten bin ich hin- und hergerissen. Einerseits war es eine kurzweilige und gute Unterhaltung, und meine Bilder im Kopf vom Lesen des Buches wurden zur Abwechslung mal nicht zerstört, sondern teilweise sogar eins zu eins umgesetzt, andererseits aber fehlt doch wieder so viel, dass ich einmal mehr finde, dass Lesen besser ist, als Filme anzusehen …

Jane Blond, Trendsetter. Oder so …

Es gibt sie selten, aber es gibt sie. Touries mit ohne schlechte Laune. Wie die ältere Dame, nach eigener Aussage 76 Jahre alt und aus Rheinland Pfalz stammend. Was sie ob ihrer Aussprache eigentlich nicht hätte erwähnen müssen. Was eine Klappe …
Ihre ersten Worte zu mir, nachdem sie den Laden betreten hatte und gleich nach meinem Arm griff: „Na sagen’se mal bitte, was sehen sie denn schweinegeil aus?!“
Der Kapitän hat Schuld. Er weiß was ich mag, und so stand ich in Krachledener und quietschgrünen Stiefel hinterm Tresen. Morgens fragte ich ihn noch: „Meinste nicht, dass das too mutch für den Laden ist?“ Aber er verneinte und das Kompliment der älteren Dame war nicht das erste\letzte des Tages für mein Outfit.
Ein Herr aus Bayern merkte an: „Ne, was ist das schee!“, der Eisprinz meinte, dass ich wirklch alles tragen könne, ohne dass es dämlich aussieht, und dreimal musste ich zu Stift und Zettel greifen, um den Hersteller meiner Stiefel aufzuschreiben. Es wird bald viele grüne Stiefel in und um Kappeln geben … mit oder ohne Krachlederne.