Archiv für den Monat August 2015

Mundraub, oder aus fremder Feder

Die letzten knapp zwei Jahre waren eine Zeit voller Wandel. Wandel in eine Richtung, in der ich mich sehen kann. Nicht perfekt, noch mit dem einen oder anderen Stolperstein und sicher nicht so voll Leichtigkeit, wie ich es gerne hätte, aber ich habe mich freigemacht. Ballast abgeworfen, von falschen Freunden getrennt und mich von der Meinung derer unabhängig gemacht, die es gut mit mir meinten, ohne dabei mich zu meinen..
Ich saß neulich genau hier, wo ich jetzt sitze, und überlegte, wie ich es in Worte fasse. Kurz, präzise, und doch allumfassend. Ich kann das nicht. Bei mir wird aus allem ein Roman.
Gestern Abend stolperte ich über folgendes. Danke Meryl Streep! Das ist, was es ist.

“Ich habe keine Geduld mehr für bestimmte Dinge. Nicht weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach nur, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, an dem ich keine Zeit mehr mit dem, was mir missfällt oder mir wehtut, verschwenden will. Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, für übertriebene Kritik und Forderungen jeder Art. Ich hab den Willen verloren, denen zu gefallen, die mich nicht mögen, die zu lieben die mich nicht lieben und die anzulächeln, die mich nicht anlachen wollen. Ich verschwende keine einzige Minute mehr an die, die lügen und manipulieren. Ich habe mich entschlossen nicht mehr mit Verstellung, Heuchelei, Unehrlichkeit und billigem Lob zu koexistieren. Ich toleriere weder selektive Gelehrsamkeit noch akademische Arroganz. Ich werde mich auch nie an den so beliebten Klatsch gewöhnen. Ich hasse Konflikte und Vergleiche. Ich glaube an eine Welt der Gegensätze und darum vermeide ich Menschen mit starren und unflexiblen Persönlichkeiten. In Freundschaften mag ich Mangel an Loyalität und Verrat nicht. Ich komme nicht klar mit solchen, die keine Komplimente oder ein Wort der Ermutigung geben können. Übertreibungen langweilen mich und ich habe Schwierigkeiten Menschen zu akzeptieren die keine Tiere mögen. Und obendrein habe ich keine Geduld für alle, die meine Geduld nicht verdienen.“
Meryl Streep

Da liegt was in der Luft

Als ich heute früh den ersten Kaffee kochte, eine frische Milch öffnete und aufschäumte, war noch alles gut. Jetzt, drei Stunden später, ein zweiter Kaffee. Milch sauer und Hund liegt zitternd unterm Sofa.

Gewitter.

Zeitlos

Ich habe keine Zeit.
Quasi gar keine.
Neben der Arbeit richte ich das Altholz her. Wenn ich weder arbeite, noch Altholz herrichte, bastle ich an der Kapitänsbude. Tue ich nichts von dem, ist irgendwo Trödel, auf dem ich weiteres Altholz oder Zubehör organisiere. Ich schlafe gedanklich mit einem Pinsel in der Hand ein, und streichle am Morgen – nach dem ich den Hund gekuschelt habe, ist klar – zuerst das zuletzt bearbeitete Stück.
Wenn ich schlafen sollte, recherchiere ich lieber, wie ich günstig an alte Originalstoffe komme (ein wirklich hoher Kostenfaktor sind alte Stoffe), und wenn ich arbeite, bin ich gedanklich wieder in Malerkleidung.
Und dann habe ich noch ein weiteres Problem. Ich habe keinen Platz. Der Schuppen ist voll von aufgearbeiteten Stühlen, und zwar nicht nur der vom Kapitän, sondern auch der, der Nachbarinnen, die mir dankenswerter Weise etwas Raum überließen.
Ich könnte anfangen zu verkaufen, aber irgendwie … ich bin noch nicht im Verkaufsmodus. Nicht, dass ich mich nicht trennen könnte, aber wann sollte ich mich noch darum kümmern können, wenn Tage nur vierundzwanzig Stunden haben? Außerdem bin ich ein denkbar schlechter Verkäufer.
Warum ich das dann alles tue? In erster Linie aus Liebe zum Alten. Mittlerweile bekomme ich Zuspruch ohne Ende, weil meine Sachen „einfach nur gut“ sind. Lob, von Menschen mit Ahnung, tut einfach gut und bestärkt mich in dem, was ich tue. Neulich schrieb mich ein Antikhändler an, ein studierter. Da wachse ich schonmal, wenn solche Menschen sagen, dass meine Sachen „toll sind und es klasse ist, wie ich scheinbar Unrettbares und Totgeglaubtes neu aufleben lasse. Klasse, weil sie anders sind, als das, was man sonst auf dem Markt findet. Nicht einfach nur shabby, sondern wirklich toll und anders. Individuell, das Alte hervorhebend …“
Das motiviert ungemein, sorgt aber auch dafür, dass die Tage noch kürzer werden, weil ich abends kein Ende finde, und morgens unausgeschlafen zur Arbeit gehe.
Ich brauche Zeit. Ganz dringend. Hat zufällig irgendjemand so circa fünf Stunden pro Tag über, die er/sie an mich abtreten würde?
Ich wäre aber auch für drei oder vier schon sehr dankbar.

Verschenkte Tage

Vier Stunden hatte ich eingeplant, für den Kurztripp in die Landeshauptstadt. Eine hin, zwei beim Möbelschweden, eine zurück.
Auf der Hintour bin ich sage und schreibe 30km in einem urslangen Convoy hinter einem Trecker hergefahren. Dreißig Kilometer! Davon, dass man beizeiten rechts ranfahren, und den rückläufigen Verkehr durchlassen sollte, war dem Treckerfahrer offenbar nichts bekannt. Wie das so ist, mit den Geboten … und danach floss der Verkehr auch alles, aber nicht flüssig.
Bei Ikea selbst war irgendwas ausgebrochen, das anmuten lässt, dass es ab morgen nirgends auf der Welt mehr Möbel geben wird. Zur Info: ich brauchte nur einen Syphon. Mehr nicht. Klar, geht frau da nicht mit nur dem raus, was sie braucht, aber mal eben drei Vorratsgläser und zweimal Bettwäsche für den Kapitän einpacken, macht man ja im Vorbeigehen.
Den Syphon bekam ich nicht so leicht. Erst musste ich knapp eine Dreiviertelstunde an der Kasse anstehen. Wie oben erwähnt; wer jetzt noch Möbel braucht, hat schlicht P.e.c.h.
Es wird keine mehr geben. Nie, nie, nie wieder nicht.
Danach sollte ich meinen Syphon bekommen. Irgendwann danach. Denn die Schlange an der Warenausgabe war genauso lang, wie die zuvor an der Kasse.
Ich zapfte, die blaue Tasche mit den Einkäufen (inklusive Syphon) geschultert, zwei Zopfeis. Eines für mich, eines für den Vierbeiner, der in der Tiefgarage im Auto schlief.
Eineinhalb Stunden Rückfahrt, und unterwegs sah ich Kennzeichen von Orten, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt, aber kaum ein Einheimisches.
Als ob ich es geahnt habe. Sagte ich heute früh noch, dass der Tag durch ist, wenn ich mit Ikea fertig bin.
Ich habe Kopfweh, aber ich habe ihn, den Syphon, und ich kann morgen weiterbasteln, an der Kapitänskombüse.
Aus Neu mach Alt, und so …

Freud und Leid

Ich war gestern mal wieder Trödeln und freute mich auf dem Heimweg über den erstandenen kleinen Matrosen (keine Ahnung, seit wann ich es mit Puppen habe, aber seit die alte Jugendstildame vom Strand weg ist, und es nun sogar bis in die Zeitung schaffte …), als vor mir ein grüner Golf hart bremste. Als ich sah warum, stockte mir das Herz. Eine Katze lag wild zuckend auf der Straße. Der junge Golffahrer stieg kreidebleich aus, wollte das verletzte Tier aufsammeln, sie zum Tierarzt bringen, und noch bevor ich sagen konnte: lass sie liegen, sie stirbt, hörte das Tier auch schon auf zu zucken. Im Gesicht des jungen Mannes das nackte Entsetzen, mir liefen die Tränen und ich wusste nicht, wer mir mehr leidtat, das Kätzchen oder der schockierte Golffahrer …

Ich komm zu nix mehr, vor lauter Altholz …

Zumindest nicht zum Bloggen. Darum verbinde ich das Ganze mal wieder.
Es war einmal ein sehr sehr alter Stuhlrücken. Grau verwittert stand er oben im Speicher. Irgendwie, doch ja, war es Liebe auf den ersten Blick. Immer wieder mal nahm ich ihn vor, war aber noch uneins, wie ich ihm zum Weiterleben verhelfen würde.
Als ich neulich in den Altholzkisten etwas suchte, fand ich – welch ein Glück – seine Vorderbeine. Hier ist kurz ein Loblied auf meinen Antikfritzen angebracht, der all so’n ‚Kram‘ aufbewahrt hat. Ich stellte die Beinchen beiseite, und gleich noch dazu eine alte Schrankrückwand, eines längst verstorbenen Gründerzeitschrankes.
Ich schwöre, ich habe es versucht, ihn weiß zu machen, nachdem ich gemessen, gesägt und geschraubt hatte, was es zu messen, sägen und schrauben gab. Aber als ich gestern Abend von der Arbeit kam, und ihn so in Reinweiß auf der Terrasse stehen sah, griff ich wie ferngesteuert dann doch zum Blau.
Dazu kamen heute Polsterauflagen für Gartenstühle (ahäm), Inlettleinen aus der vorletzten Jahrhundertwende und et voila: