Archiv für den Monat Juli 2015

Noch mehr Begegnungen

Heute früh, ich war eben mit dem Hund aus der Tür. Eine Dame mit bayrischen Dialekt und Hund sprach mich an:“ Wie komme ich denn am besten zum Aussichtsturm?“
Ich stutzte kurz, woraufhin sie anfing sich zu erklären: „Den Aussichtsturm suche ich, der mit den rot-weißen Streifen.“ Damit fiel der Groschen, und ich schickte sie auf den Strandweg zum Leuchtturm.
Selbst am Strand angekommen, waren da Mutter und Kind. Den beiden begegne ich seit ca. einer Woche jeden Morgen. „Sie haben sich da schmutzig gemacht“, sagte sie, und zeigte auf meine mit Farben beschmierte Hose. „Ja, ich weiß, ich bin am malern“, antwortete ich. Sie taxierte mich und ich sah ein Fragezeichen über ihr schweben.
„Nicht alle Menschen hier, sind Urlauber“, erklärte ich, „ein paar wohnen und arbeiten hier auch. Da zieht man sich für die Hunderunde nicht extra um, sondern läuft auch mal schlampig zum Strand.“
Sie lächelte: „Ja klar. Wenn man hier Urlaub macht, verliert man das Gefühl dafür, dass hier tatsächlich Menschen immer leben.“

That’s what it is.

Begegnungen

Da stehe ich nichtsahnend mit einer Kundin im Laden, und da fragt sie, ob sie meine Hand kurz haben könne. Ohne, dass ich – in meiner Verwirrtheit – irgendwie reagieren konnte, hatte sie meine linke Hand auch schon in ihrer. Besah sie sich, strich über den Ballen, und fragte mich, ob ich heilen könne.
Ich glaube, ich stotterte ein „Nein“ raus.
Ich könne das schon, meinte sie, wisse nur nicht wie. Sie würde die Tage noch einmal vorbeikommen, und meine Energie ausmessen. Dann drückte sie mir ihre Visitenkarte in die Hand. Halb auf englisch, halb auf thai. Dort ist auch ihr Wohnort, in Thailand. Sie ist nur auf Heimatbesuch hier.
Um zu wissen, was „Kanura-Reiki Master/Teacher“ heißt, muss man kein Fremdsprachengenie sein.
Es gibt Sachen, die beunruhigen mich dann schon ein kleines klitzekleines Bisschen.

Fundstück

„Du kannst Tausend Dinge richtig machen, sobald du eines falsch machst, bist du nichts mehr wert.“

Verfasser unbekannt, aber dumm ist/war er nicht. Geschichten, die das Leben schreibt.

Herzweh

Ich war heute in einer alten Villa. Alter Schwede …
Ein Ort, an dem die Zeit einfach stehengeblieben zu sein scheint. Was den Bewohnern zu verdanken ist. Statt alles auf neu zu trimmen, legten sie alte Wandmalereien frei, verschonten die Holzböden vor Schleifmaschinen, und richteten alles so her und ein, wie es zur Zeit der Villenerbauung gewesen sein wird. Ein Traum. Ich wollte mir Möbel ansehen, konnte meinen Blick aber nicht von der Eingangshalle abwenden. Der Blick nach oben. Genial. So schlicht, und doch so edel. Düster und doch einladend wohlig.
Und dann zeigte er mir das Bad. Alte Originale aus Frankreich; WC, Waschtisch, Wanne. Der Fußboden aus alten, polierten Ziegeln. Die Dusche ließ mir den Sabber aus dem Mund laufen, und die Badezimmertür … Dreieinhalb Meter hoch, eine Bürotür, aus einem alten Bahnhof in der Bretagne. Wie ich es liebe, wenn die Dinge eine Geschichte haben.
Auf dem Dachboden (den ich so roh, wie er da steht, als Wohnraum nutzen würde … ein Traum aus altem Holz) fand sich ein kleines Regal, das mitwollte. Irgendwas musste ich von dort dann doch einfach mitnehmen. Und die beiden Biedermeier Ohrensessel, in die ich mich schockverliebte, und die er mir zu einem sagenhaften Preis anbot … irgendwie war ich diesen kurzen Moment vernünftig, und lehnte ab.
Dumm nur, dass er mir seine Handynummer gab, falls ich es mir anders überlege. Er würde sie auch bringen, sagte er. Wie soll Frau da standhaft bleiben können?

Übrigens steht die Villa zum Verkauf. Ich werde Samstag Lotto spielen gehen. Besser ist das.

Zur rechten Zeit das falsche Wort

Ich war so stolz gestern. Ich bewundere seit geraumer Zeit die Bilder einer tollen Fotografin. Für mich ist sie the Godmother of shabby. Immer wieder berührt sie mich mit ihren Fotos. Keiner kann Altes so in Szene setzen, wie sie. Finde ich.
Und was passiert gestern? Sie schickt mir ein Mail, und schreibt, wie toll sie die Dame am Strand findet und dass sie gerne die Bilder hätte, als Postkarte, zum immer wieder Ansehen.
Ich antwortete, dass das machbar ist, und ich mich sehr freue, dass sie meine Damenbinden haben mag.
Es lebe die Wortverschlimmbesserung des Ipads.

Hab ich hinterher lachen müssen …

Baywatching

Ich finde, dass wir einen der schönsten Strände überhaupt haben. Naturstrand, ab vom Schuss. Kein Verkehrslärm, nichts. Man verirrt sich da nicht zufällig hin. Ich weiß nicht, ob den Gästen wirklich der gepflasterte Deich lieber ist, wie man ihn auf Schwansener Seite findet, und ein Strandkorb für sie zum Urlaub dazu gehören muss. Oder ob es daran liegt, dass unserer Strand eben so ab vom Schuss ist, und darum schlichtweg nicht gefunden wird. Er ist jedenfalls weit weniger frequentiert, als die auf Tourismus gemünzten Strände weiter unten. Keine Eisbude, nichts. Eine nur kleine, durch wenige Schwimmbojen ausgezeichete, Badestelle. Das DLRG-Büdchen hinterm Strand schien mir immer nur Tarnung zu sein, mit dem Hintergedanken, dass etwaige Badegäste, die sich hierher verirren, vorsichtiger sind, wenn sie das Gefühl haben, sie könnten beobachtet werden.
Heute nun das:

Ein Anblick, an den es sich zu gewöhnen gilt.
Jaja. Da stand immer einer. Einer aus Holz, der versetzt in den Dünen aufgebaut war und so kaum auffiel. Aber … und jetzt kommts … nie besetzt war. Zumindest habe ich da nie jemanden gesehen, und ich bin oft da. Sehr oft!
Fraglich bleibt, ob rotgekleidete Traumkörper da ab sofort ihr Unwesen treiben, oder der neue Drahtige vielleicht auch nur Deko ist.

Die Schattenseite des Sommers

Ich habe mir so etwas wie eine Bikinifigur für dies Jahr abgeschminkt. Für nächstes Jahr muss ich mir überlegen, wie ich den bösartigen Däneneisverkäuferinnen entrinnen kann.
Letztes Jahr hatte ich mich geweigert, mir das Eis schenken zu lassen. Klappte auch irgendwie. Dies Jahr haben sie den Spieß umgedreht, und weigern sich Geld anzunehmen. Geld, das ich auf dem Tresen liegenlasse, wird mir zurückgebracht.
Hole ich mir dann kein Eis, weil es mir ab einem gewissen Punkt unangenehm ist, bringen sie mir welches in den Laden.
Und das Alleralleraschlimmste: Die haben seit diesem Jahr Karamellsoße im Sortiment. Wer mich kennt, weiß, wie schwer ich der widerstehen kann.