Archiv für den Monat Juni 2015

Grüezi mit’einand

Ich hatte schon so viel von der Almwirtin gehört, dass ich sie unbedingt kennenlernen wollte.
Uns trennten aber etwas über 1000m Höhenunterschied. Für mich hieß das; ich musste etwas tun, dass ich unter normalen Umständen nicht tun würde. Seilbahn fahren.
Oh, Jesus, Maria und Josef. Ich hatte, so unten stehend, ja keine Ahnung, dass man von meinem Standpunkt aus, nur die Hälfte des Seilbahnwegs einsehen konnte. Wenn überhaupt.
Und dann das Schaukeln, wenn man über die Umleitungen fährt. Ich fragte den Kapitän, ob es in Ordnung wäre, würde ich mich erbrechen. Befolgte dann seinen Rat, es besser zu lassen. So von oben betrachtet (auf ca. halber Höhe, vorher konnte man nämlich nichts erkennen. Was vor allem daran lag, dass wir in einer Wolke steckten), sah mein Wohnwagen, der am Fuß der Seilbahn steht, aus wie eine Ameise.
Ich muss mich selbst loben. Ich war tapfer.
Und weil das irgendwie nicht genug für einen Tag war, kam ich auf die grundbescheuerte Idee, dass wir ja noch mit dem Wagen den Klausen hochfahren könnten. Ich Ahnungslose fühlte mich auf der sicheren Seite, solange ich im eigenen Auto sitzen konnte, und nicht wieder in die Seilbahn steigen musste.
Eine halbe Stunde sind wir direkt am Abgrund gefahren. Serpentinen eben. Kennt man ja. Aber solche, wie diese hier, nur aus dem Fernsehen. Der schiere Wahnsinn. Aber wenn man oben ist, weiß man, dass es sich lohnte, sich ein weiteres Mal selbst zu überwinden. Auf halber Strecke wäre ich nämlich gerne umgekehrt. Es ging nur nicht. Schmale, am Abgrund gebaute Straßen, bieten keine Wendemöglichkeiten.

Der Blick oben war der absolute Wahnsinn. Keine Ahnung warum, aber da sind doch tatsächlich überall kleine Ortschaften in den Berg gebaut. Ohne ersichtliche Zufahrten, mitten in die Almwiesen. Nichtmal mehr Seilbahnen stellen dort eine Grundversorgung dar. Wer da lebt, muss echt hart im Nehmen sein.

Generell muss ich eingestehen, dass ich die Schweiz völlig unterschätzt habe. Es ist toll hier. Die Menschen sind freundlich, gelassen und echt. Und die Schweizer Milchprodukte sind oberlecker. Ich überlege gerade, wie ich einen Jahresvorrat Joghurt haltbar bekommen könnte …

Mädchenbonus

Rrrrrrrt machte es, und nix ging mehr. Naja, nix stimmt nicht, aber der Kofferraum ging nicht mehr auf.
Der gute Mann von der Werkstatt meinte, dass das für 259+30,-€ zu beheben wäre.
Daraufhin wurde ein gelbgrünes Paar Frauenaugen groß, bekam diesen Schimmer, der Hilflosigkeit suggeriert, und es passierte, was passieren musste.
Der Mann an sich möchte sich als Held fühlen, und davon sind männliche Werkstattmenschen nicht ausgeschlossen. Er sah nach Links, und nach Rechts, beugte sich vor und flüsterte: „Ich zeige Ihnen jetzt was, das ich Ihnen gar nicht zeigen darf.“ Und gab dann die Ersatzteilnummer bei ebay ein, und siehe da: Statt 259+30,-€ waren es nur noch 24,95+30,-€.
Ich bedankte mich, übertrug ihm zehneinhalb meiner eigenen Kharmapunkte (der Kapitän meint immer, ich hätte so viele, dass es fast zum Kotzen ist … Also was soll’s?) und fuhr heim, um den Türaufmachmotor (so müssen Frauen reden, wenn sie sich hilflos geben) bei ebay zu bestellen.
Heute, drei Tage später, komme ich wieder an den Kofferraum. Ist das was schön!
Manchmal bin ich gerne ein Mädchen.

Ich war im Paradies

Fünf weitere Damen und ich waren gestern zum Trödeln in Dänemark. Wenn einer meint, ich sei schlimm, kennt er die anderen Damen nicht.
Im Gegensatz zu mir waren diese auch nicht von der Menge und der Vielfalt überfordert. Viel zu viel zu viel. Ich hätte mich totkaufen können, hätte ich mich zwischen all den Schätzen entscheiden können. Ich war so überfordert, dass ich nicht mal Fotos geschossen habe, obwohl ich die Kamera die ganze Zeit in der Hand hielt.
So durfte auch nur eine Kiste traumschöner, alter Milchflaschen mit, fünf Schüsseln und ein Fleischwolf. Ich suchte schon so lange einen, den man auch ohne hygienische Bedenken benutzen kann. Hach!

Schlimm ist, wenn man Gleichgesinnte gefunden hat. Die kleine Dame mit den braunem Haar war selten zu sehen, aber ihre Aufschreie, wenn sie wieder etwas fand, das mit musste, waren nicht zu überhören.
War das ein Spaß.
Der Kapitän weiß es noch nicht, aber Ende Juli muss er mit. Und dann wird richtig eingekauft. Teller und Töpfe und Lampen und was noch alles mit will.

Warum der Schruwe dem Fredi keinen Anhänger mehr leiht

Neulich auf’m Hof: Fredi ging zum Schruwe, um sich seinen Anhänger zu leihen. Der Schruwe aber brauchte den gerade selbst. Hätte ihn erst am Nachmittag verleihen können. Fredi aber brauchte ihn sofort, und ging zum Haus hinterm Hof, zum Weihnachtsmann (ich schwöre, der sieht wirklich so aus! Diese langen, reinweißen Locken, auf seinem Kopf und in seinem Gesicht, sehen aus wie gelegt), weil der auch einen Anhänger hatte, den er bisweilen verlieh.
Zehn Minuten später fuhr Fredi vom Hof, ohne Anhänger, und winkte aus dem Auto heraus, wie Queen Elisabeth es zu tun pflegt.
Nach weiteren fünfzehn Minuten kam Fredi wieder auf den Hof gefahren, stieg aus, kratzte sich am Kopf und fragte: „Als ich eben vom Hof fuhr, hatte ich da Anhänger hinter?“

Hatte er nicht, den hat er nämlich direkt beim Weihnachtsmann vorm Haus wieder verloren, ohne es zu bemerken.

Hab ich gelacht. Es gibt Menschen, die sind so herrlich verpeilt …

Schleswig Holstein – wir können alles, außer Fußball

Auch wenn ich es mir jetzt mit dem Mister, oben auf seiner Wolke verscherze: Es hätte so schön sein können. Der HSV und die Störche in einer Liga. Und es wäre auf beiden Seiten verdient gewesen. Man, war das nervenaufreibend … und die Überschrift eigentlich veraltet, nach einer Saison wie dieser.
Schade. Wirklich. Aber das ist Fußball. Da spielt man 90 Minuten auf ein Tor, und verliert am Ende doch. Oder gewinnt im Umkehrschluss unverdientermaßen.