Archiv für den Monat Februar 2015

Rollisperre

Die Schattenseite meiner Trödelwut.
Mit Rollstühlen assoziiere ich mit Krankheit, Siechtum, Leid … Einmal aus Erfahrung, ja, aber ich kriege auch die Bilder von Kriegsversehrten nicht aus dem Kopf, die da drin gesessen/legen haben werden. Ich mag ihn nicht, Rollstühle hatte ich, reicht, ich will ihn loswerden. Ich kann dem nichts Schönes abgewinnen.
Ich habe das örtliche Sanitätshaus angerufen. Die wollen ihn nicht. Kein Platz und so. Klar, als Deko für die vielleicht auch makaber, aber einen Versuch war es wert. Nun habe ich ein Museum rausgesucht: Rollstuhlmuseum. Hoffentlich wollen die ihn haben. Sonst ebay.
Ich merke, dass mir ist egal ist, was damit passiert. Nur weg muss er …

Weg, weg, weg!

Knapp verpasst

Heute Nacht. Ein grelles Licht scheint mir mitten ins Gesicht, als würde jemand mit einer leuchtstarken Taschenlampe direkt vor mir stehen. Ich öffne die Augen. Da ist echt ein Licht, ein sehr helles Licht, aber niemand mit einer Taschenlampe, sondern draußen am Himmel. Der schlafverschleierte Verstand denkt: Hubschrauber mit Suchlicht? Der wachwerdendere Teil meint: den müsste ich dann hören können.
Wenn ich aber im Bett liege, kann ich nur den Himmel sehen. Keine Dächer, nichts sonstiges.
Hah!
Wollten die mich endlich entführen kommen, die Alfs, und haben mich nicht gefunden. Ich werde nurmehr mit brennender Kerze im Fenster schlafen. Besser ist das.

Einmal quer durch Deekelsen

Jedes Teil weniger im Speicher, heißt mehr Bewegungsfreiheit für mich. Darum führte ich Susi heute ihrer neuen Besitzerin zu. Susi ist ein Glückskind, sie darf absehbar auf Föhr leben. Für mich bedeutet ihr Umzug  Mehrraum, und dass ich ab sofort vor unnötigen Karzkaspern sicher bin.

Der Hund war nur mäßig erfreut, dass ich Susi – nicht ohne Grund – anschnallte, und er im Kofferraum liegen musste. Geriet ich doch nur wenige Minuten zuvor (ich war dabei den Kapitän beim Sport abzuliefern) in eine Verkehrskontrolle. „Fahrzeugpapiere und Führerschein, bitte“, sagte der Mann mit dem weißen Haupthaar. Ich fragte ihn, ob auch nur Ausweis reichen würde, da sonst nix dabei sei. Besser als nix, muss er gedacht haben. Gesagt hat er aber etwas anderes: „Der Wagen ist auch wirklich nicht geklaut?“ Ich sah ihn an, als wäre er vom Mars. „Wer bitte würde einen Smart klauen?“ – „In Hamburg“, klärte er mich auf, „ist das durchaus an der Tagesordnung.“ Man gut, dass wir nicht in Hamburg sind. Er ließ uns ziehen, ich lieferte den Kapitän ab, bog kurz vor der Kontrollstelle (der Mann mit der Kelle hatte schon wieder in meine Richtung gezeigt und zum Winken angesetzt) links ab, in Richtung Speicher.  Als ich Susi ordnungsgemäß verladen und angeschnallt hatte, war der Trupp Herren in Blau wieder weg. Was nichts zu sagen hat, denn ich musste einmal quer durch den Ort, und wenn sie an Punkt A abbauen, kann man sicher sein, dass sie an B, C, D oder E zu finden sind, und an drei der Punkte musste ich schließlich vorbei.  Ich wurde nicht mehr angehalten, was ich schade fand. Hatte ich mir doch so viel Mühe gegeben und sowas wie eine Susi auf dem Beifahrersitz, sehen die Blaumänner sicher nicht oft.

Statt laufen

Echt, da stand der Frühling so gut wie vor der Tür, und dann? Schneeregen seit heute Früh. Die Mittwochslaufdame rief mich auf der Arbeit an, ob ich nach der Schicht mitwolle. Ein paar Kilometerchen. Öhm. Also irgendwie. Ich ging lieber in den Speicher. Da ist es zwar auch nicht wärmer, aber trocken.

Fundstücke des Tages:

Wenn man Dinge dieser Art findet, kann man sich schon mal erschrecken, wenn Susi, respektive Susis Oberkörper hinter einem auf einem Tisch steht, und man aus dem Augenwinkel meint, da würde wirklich jemand stehen.
Ich verbannte sie nach dem zwölften Herzkasper ins Eck.

Ansonsten bin ich fast zufrieden.

Eine Inventur hab ich aber immer noch nicht gemacht … ich weiß nur eines: Man, ist das viel!

Der frühe Vogel kann mich mal

Vier Uhr irgendwas. Die Enten im Schlossgraben haben ausgeschlafen, beginnen zu zetern und schlagen die Flügel laut vernehmbar aufs Wasser. Kurz vor fünf Uhr, die Pfauen stimmen mit ein. Abwechselnd rufen sie sich zu. Fünf Uhr noch irgendwas. Der Zeitungsbote hält vor dem Haus, steigt aus, der Motor seines Wagens läuft weiter, während der Bote knirschknirschknirsch einmal über den Kies zu den Briefkästem und zurück zu seinen Wagen geht. Ein Streufahrzeug fährt vorbei. Wieder schreit einer der Pfauen, die Enten antworten. Ich sehe zur Uhr, sechs ist es nun. Ich schreibe diesen dämlichen Eintrag, und überlege, während der Nachbar knirschknirschknirsch seine Zeitung holt, wo mein Handy liegt, damit ich den Wecker vorm Klingeln töten kann.
Schönen Mittwoch da draußen.

So was, kommt von sowas.

Wir haben es gestern tatsächlich geschafft die Berge aus Holz umzuschichten. Jedes Werkstück einmal von allen Seiten zu begutachten, und neu anzuordnen. Zumindest im Hauptteil des Speichers. Es gibt jetzt Gänge um jedes und zu jedem Möbel. Na ja, fast zu jedem. Immerhin.
In Gedanken setze ich die Puzzle neu zusammen. Unterteil von Schrank A fehlt, Kommode G könnte vom Stil her drunter passen. Stuhl C ist zu schön zum Wegwerfen, also wird das fordere Paar an kaputten Beinen von Stuhl W, dessen Rückenlehne im Alter von 125 Jahren das Zeitliche gesegnet hat, zu C transplantiert werden.
Sekretär Unikum fehlt ein Teil seines Aussatzes, aber auch hier hat sich in der Kürze der Zeit ein passender Spender finden lassen. Wo kein Fremdmaterial weiterverwendet werden kann, wird Stuhl zum Hocker, Buffet zu Kommode, oder Aufsatz T bekommt Füße und wird zum Halbschrank. So einfach geht das.
Was ich mit sechs Betten (komischerweise sind die immer, wirklich immer (!) komplett und unbeschädigt und brauchen somit kaum große Aufmerksamkeit) und fünf Truhen (die Ecke, in der die zusammengeschoben wurden, erinnert jetzt irgendwie an eine Sargtischlerei) soll, weiß ich nun auch nicht, aber sie sind eben da und fressen kein Brot. Ebenso wie der Rollstuhl, der mich, immer wenn ich ihn ansehe, an Heidis Freundin Klara erinnert. Ein abgefahrenes Teil. Ziemlich abgefahren!
Der Kapitän bekommt einige Möbel (Halden übernehmen ist ziemlich praktisch, wenn man gerade beim Einrichten ist), der große Standspiegel bat mich bei mir einziehen zu dürfen, und Susi (den Namen habe ich übernommen), eine sehr ansehnliche, nie alternde Kunststoffdame aus den Siebzigern mit Schaufenstererfahrung, wird wohl bei der Brötchengeberin landen.
Der Rest ist schlichtweg Arbeit für zwei Jahre, oder drei, oder so.
Manchmal wünsche ich mir ein weniger arbeitsintensives und platzraubendes Hobby, wie das Sammeln von Parfumflakons beispielsweise. Wobei mich das wahrscheinlich arg langweilen würde und ich am Ende Kopfweh vom Inhalt bekäme.
Das gestern dagegen hatte was von einer Schatzsuche mit allem drum und dran. „Oh, guck mal das hier …“, habe ich sicher um die zwanzig Mal gesagt. Wie oft ich irgendwelchen Hölzern fragend zuflüsterte, was für ein Schönes es denn sei, das hab‘ ich nicht mitgezählt. Hatschies dagegen schon und die hörte man genau 397 Mal.

Geiz ist nicht nur geil, Geiz ist manchmal echt doof

Wenn man etwas bei ebay zur Auktion freigibt, hat man als Anbieter ja bisweilen mal Pech.

Da kamen Dame und Herr an Tag eins der Auktion, um das angebotene Stück zu begutachten. Man wolle, so hieß es, auf dem Nachhauseweg kurz sinnieren, und so man sich dafür entscheidet, würde man den kurzen Weg wählen; man würde „sofort kaufen“.
Was aber passierte war, dass man ein Gebot von einem Euro abgab, und die Sofortkaufoption damit hinfällig war. Für sie, und für alle anderen auch.
Ich bin ja auch ein Schnäppchenjäger, das gebe ich gerne zu, aber ich lehne mich nicht aus dem Fenster vorher.
Bis kurz vor Ende der Auktion saßen die drauf. Für einen unterirdischen Preis. Und sowohl mich, als auch den Kapitän ärgerte es, dass die Beiden wohlmöglich billiger bekommen könnten, was sie eben billiger haben wollten. Wie gesagt, an sich nichts Verwerfliches, hätte man zuvor nicht so arg rumgetönt. Und der angesetzte Sofortkaufpreis war mehr als fair.
Kurz vor Schluss, wie das bei ebay eben so ist, ging es rund, und das Kapitän’sche Sofa ging für vierzig Prozent über Sofortkaufpreis weg. Insgeheim hoffe ich noch immer, dass die beiden Geizhälse, die tatsächlich bis zum Sofortkaufpreis mitgingen, im Kreis kotzen. Für mindestens eine Woche.