Archiv für den Monat Dezember 2014

Was geschah, bevor ich bemerkte, dass ich meinen eigenen Geburtstag vergessen habe

Während ich auf dem Sofa lümmelte, saß der Kapitän neben mir und klimperte auf seiner Klampfe. Der Hund begann derweil den ich-will-jetzt-sofort-Aufmerksamkeitsaffen zu machen. Sprang mir auf den Bauch. Tanzte auf den Hinterbeinen. Wühlte sich grunzend durch die Sofakissen. Winselte. Setzte diesen einen Blick auf, der keine Fragen offen lässt. Begann mit uns zu sprechen, wie er eben „spricht“, wenn er etwas will. Wir amüsierten uns, aber der Kapitän klimperte weiter, und ich hatte meinen Kaffee schließlich noch nicht aus. Prioritäten und so, denn der Hund war kurz zuvor erst draußen gewesen. Ich aber hatte den ersten Kaffee des Tages. Der Hund – völlig unbeeindruckt von der menschlichen Ignoranz, setzte sich vor dem Kapitän auf den Hintern, kam vorne hoch, und was machte er wohl? Strich mit seinen Vorderpfoten über die Saiten und spielte Gitarre. Mitnichten schön, aber er brachte durchaus Töne aus dem Instrument.
Ich ließ den Kaffee Kaffee sein, schnappte das Tier und wir gingen zum Strand. Wo mir dann einfiel, dass da ja noch was war.

Grünkohlmassaker

Ich habe mich „durchgesetzt“.
Während der Kapitän beim Einkaufen das Steak beliebäugelte, sagte ich: „Also ich hätte ja Bock auf Grünkohl. Aber du isst ja kein Schwein …“
Sein „Hm, warum eigentlich keinen Grünkohl?“, nutzte ich dann in Massen und nicht in Maßen aus und kochte, wonach mir schon so lange war. In Mengen, mit der man eine ganze Kompanie satt hätte bekommen können. Für zwei Tage dachte ich, und nochmal zwei Tage, und nochmal zwei Tage. Nach dem zweiten Mal zwei Tage nun (angefangen zwei vor Weihnachten), hab ich das Zeug noch immer nicht über.
Sachen gibts. Das kommt, wenn man jahrelang auf Entzug war. Dann ist es auch (im wahrsten Wortsinn) pupseinerlei, dass die ganze Hütte leicht kohlig müffelt.

Ich könnte sterben für karamellisierte Bratkartoffeln!

Von Backen auf Arschbacken

Ich bin ja – um mein alter Ego mal auszugraben – Frau Neunmalklug. Und so belehre ich derzeit jeden, der es wagt sich über das Wetter zu beschweren, wie folgt: „Hier wird nicht gejammert. Wir hatten einen so geilen Sommer, ein mildes Frühjahr und einen lauen Herbst. Wenn wir jetzt jammern, zeigt Petrus uns den Stinkefinger, und nächstes Jahr haben wir dann die Arschkarte.“
Damit verstummt jedes Wettergejammere zu hundert Prozent. Zumindest in meine Richtung.
Eben las ich nun, dass der eisige Winter noch bis nach Neujahr anhalten soll.
Häh? Was denn für’n eisiger Winter, bitte? Drei Tage haben wir es jetzt ganz knapp unter null Grad, und das nennt sich dann eisiger Winter? Beim Strandspaziergang heute (bei strahlendem Sonnenschein, ohne auch nur eine Miniwolke am Himmel) musste ich mir die Mütze vom Kopf und die Handschuhe von den Fingern reißen. Fünf Plusgrade waren es wohl.
Sollte Petrus nun also angepisst sein, ob des „eisigen Winters“ (ich komm da gar nicht mit zurecht, habt ihr einen Solchen?), werde ich rauskriegen, wer diesen Artikel geschrieben hat und ihm/r mal zeigen, was ein eisig ist.

Apropos Winter und lesen. Ich las vor zwei, drei Tagen einen Artikel, in dem berichtet wurde, dass Flüchtlinge aus dem noch höheren Norden hier gesichtet wurden. Der Elch kehrt zurück. Das finde ich ja wohl mal nur famos.

Apropos Elche. Diese plöde Lampe mit Bewegungsmelder, direkt unter meinem Schlafzimmerfenster! Irgendwann guckt man halt, welcher Idiot da umherschleicht, dass die Lampe die halbe Nacht leuchtet. Rehe sind es die mich nachts neuerdings wecken und sich darüber freuen, dass ich es mit dem letzten Grasschnitt nicht so ernstgenommen habe. Kein Witz! Rehe. Vielleicht aber sind das gar keine Rehe, sondern als Reh verkleidete Babyelche, oder so.
Egal. Selbst Rehe finde ich erstaunlich. Kappeln nennt sich schließlich Stadt.

Apropos Wildtiere in Städten. Neulich war da die Wildsau (in Größe eines Elefanten!!!) die genau mittig auf einer vierspurigen Straße mitten in Eckernförde stand. Völlig unbeeindruckt vom Verkehr. Hab ich mich verjagt. So im Smart sitzend, ist man da schnell auf Augenhöhe … Sie sah ein, dass ich sie unmöglich mitnehmen konnte.
Aber zurück zum Wetter und den Elchen. Wenn es also eisige Winter braucht, um Elche herzubekommen. Bitte. Aber ich denke ja eher, dass die kommen, weil es hier wärmer ist. So warm, dass sogar die Pfauen wieder auf dem Pfauenbaum schlafen. Das tun sie im Winter nicht!

Apropos Strandspaziergang. Ich geh da so und drömmel för mi hin, da hör ich im Vorbeigehen (das Wetter lockte den Wintertourismus an M.E.I.N.E.N. Strand …) wie einer einen anderen nach dem Datum fragte.
Habe ich nicht – ernsthaft! – meinen eigenen Geburtstag vergessen? Hätte ich mal aufs Handy geschaut und die Glückwünsche gelesen, wäre mir das vorher aufgefallen. Ich also zurück zum Kapitän und ihm erstmal eine Szene gemacht. Er hat es nämlich auch vergessen. Sowas passiert, wenn Frau ihr Geburtstagsgeschenk schon zu Weihnachten weghat.
Echt. Dabei sinniere ich seit Wochen darüber, den Zenit bald zu überschreiten …

Oh, du Fröhliche …

Besinnliche Weihnacht. So richtig mich Extremcouching, aber … einer eher sehr unweihnachtlichen DVD. Vor gut zwei Wochen brachte die Posttante sie, und der Kapitän schlich seitdem um sie herum. „Man könnte das auch vorher gucken …“
Aber nein, es sollte heute sein, respektive heute beginnen. Die dritte Staffel von The Walking Death.
Manche Filme sind zurecht mit FDK18 gekennzeichnet.
Das Kissen lag auf meinem Bauch griffbereit. Musste ich es vors Gesicht halten, sah ich zum Kapitän rüber und schaute selbst erst dann wieder in die Glotze, wenn seine Gesichtsmuskulatur sich entspannt hatte. Von jeder Menge Syntaxfehlern mal abgesehen, ist das … na ja. Ich sprang zwischendurch vom Sofa und rannte wild umher. „Och nö … muss das sein … das ist ja obereklig … warum macht man sowas denn nur … so doof können Menschen nur in Filmen sein“, dabei stammelnd.
Als ich mich wieder setzen konnte, fragte ich leise, ob wir nicht normales Fernsehen schauen könnten. Es würde doch sicher etwas Besinnliches laufen. Irgendwas wirklich Weihnachtliches. Meinetwegen auch etwas Romantisches. Irgendwas, wo keine Zombies umherlaufen und Menschen laut schmatzend und glupschend Fleisch aus dem Körper beißen. Und wenn es Carmen Nebel wäre! Mir Latte.
Konnten wir nicht. Das Weihnachtsprogramm stand schließlich lange fest, und – vorgewarnt durch Staffel eins und zwei – ich hätte mein Veto rechtzeitig einlegen müssen.
Das Schlimme ist auch, dass ich mir die ganze Zeit vorstelle, wie das in den Szenen stinken muss. Meine Nase spielte mir Streiche der olfaktorischen Art. Ich meinte, es riechen zu können.
Nach drei Stunden war die erste DVD buchstäblich gegessen. Ich stopfte alles in den Mund, was rein ging. Kauen baut Spannungen ab. Oder so.
Ich sah den Hund an: „Wehe, dir kommt nachher in Sinn nochmal rauszumüssen. Vergiss es Freundchen! Das wird ausgeschwitzt, oder du musst in die Küche kacken!“
Es ist hier dunkel wie im Bärenarsch, und auch ohne vorher Ekelgruselkram angeschaut zu haben bisweilen ungemütlich draußen.
An weihnachtliches Gefühlsgedusel war hier also nicht zu denken, und da uns an den nächsten zwei Weihnachtsabenden noch gute acht Stunden Leichenfledderei bevorstehen, wird es weiterhin wenig besinnlich werden.
Ich hoffe, ihr habt es kuscheliger,
Liest man mich nicht mehr, hat der Hund auf meine Ansage gepfiffen und ich wurde Opfer von streunenden Beißern, weil ich ihn sicher nicht in die Küche kacken lassen werde.

Sinnloses

Was mir nicht begreiflich zu machen ist, ist, warum in Deutschland das Kupieren von Ruten verboten ist, aber das Wegzüchten von Schnauzen nicht.
Der Hund der Nachbarin ist gestorben. Mit nicht mal zwei Jahren. Erstickt am eigenen Gaumensegel.
Manchmal kann ich echt nicht so viel essen, wie ich meine kotzen zu müssen.

Well done, auch wenns noch besser geht

Letztes Jahr ist mir die Festplatte in die Luft geflogen. Das kam nicht von jetzt auf gleich, sondern schleichend. Am Ende – kurz bevor das System totaly Game over anzeigte – funktionierte nurmehr der Arbeitsspeicher. Auch der eher schlecht als recht. Und wie das so ist … von Außen betrachtet war das mit Ansage, nur ich sah es nicht kommen. Dachte ich doch, so ein System wäre belastbar genug, um unbedingt für mehr als einen arbeiten zu können. Man soll das Denken eben nicht ohne Grund den Pferden überlassen. So what? Shit happens, but life goes on. Zehn Wochen lang wurde das System überholt. Es bekam ein neues Case, es bekam neuen Input, es wurde eine besser funktionierende Virensoftware installiert, und die Firewall wurde so eingestellt, dass auch wirklich kein nicht systemrelevanter Müll mehr eindringen kann. Unfertig das Ganze. Hier und da besteht weiterhin Nachbesserungsbedarf, aber nach einem Jahr einfachen und normalen Gebrauchs, kann ich ein Fazit ziehen:
2014 ein weitaus kleineres Arschgesicht als sein Vorgänger, und ich bin gespannt, was sein Nachfolger so bereit hält.
Ich habe mir eines vorgenommen. Vorsatz, oder so. Es gilt, noch etwas besser auf das System zu achten. Kann ja nicht schaden.

Kneipen für Beginners

Ist Kneipen mit Schuhen eigentlich ebenso gesund, wie ohne?

Es ist ja so, dass es sich am Wellenkamm am besten laufen lässt. Außer wenn vorher Ostwind herrschte, dann ist der Sand auch weiter oben schön komprimiert.
Wars heute nicht, darum lief ich – wiedermal – in direkter Wassernähe. Und – wiedermal – schon bald erwischte mich die nächstbeste Welle. Die Mittwochsdame neben mir nahm es (mich mittlerweile kennend) mit einem Lächeln hin.
Ich schwöre feierlich: Das Wasser war nicht kalt! Naja. Zumindest war es so warm, dass ich die sechs Strandkilometer weiter im Wasser lief. E.r.f.r.i.s.c.h.e.n.d. Irgendwie. Hätte ich die Schuhe nicht tragen müssen – was sich doof macht, wenn man eh schon in jeder Hand einen schwedischen Wanderstab hält -, ich wäre barfuß gelaufen.
So durchnässte Schuhe haben einen entscheidenden Vorteil. Ich musste den Rest des Weges keinen Pfützen ausweichen, wie die Laufbegleitung es musste.
Sollte ich mir diesen Winter – wider Erwarten – eine Erkältung einfangen, fresse ich einen Besen.

Pfauennews

Ich habe eine Geschenkidee für den Nachbarn.
Ohropax!
Es wintert, und somit ist es ruhig hier. Auch was die Pfauen angeht.
Sie kommen noch fast täglich, aber da sie eben ruhig geworden sind, bekommt man es eher selten mit. Warum dann die Ohropax für den Nachbarn? Der nächste Frühling kommt bestimmt!

„Die Hennen kommen, wirf schnell eine Handvoll Futter nach“, rief ich vorhin von oben runter, als ich sah, dass die Tiere wie auf eine Perlenkette gefädelt angelaufen kamen.
Ich dachte, es wären die vier Hennen aber weit gefehlt, Frau Schlau.
Es war nur eine der Althennen, die mit ihrer Brut das Buffet stürmte. Man, sind die groß geworden!
Und das Beste ist; man kann sie endlich bestimmen. Zwei Hähne und eine Henne!
Plus drei Althähne (und wer weiß, was die anderen Hennen zurechtgebracht haben), wird das nächste Jahr richtig laut.

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Auch wenn es für viele nicht nachvollziehbar ist. Mir können es gar nicht genug „lärmende“ Pfauenjungs sein.
Ich freu mich echt!

Dingdong

Es gibt so Dinge, die brennen sich ein. Wie das Ticktack von Oma Theas alter Wanduhr. Ein eher hässliches Teil, aber eine Kindheitserinnerung, die sich – nebst auslösenden Gefühlen (zuhause zu sein) – eingebrannt hat.
Wir Kinder mussten immer Mittagsstunde machen, ob wir müde waren, oder nicht. Denn Oma Thea war schließlich müde, und wollte ihre Ruhe haben. Da kannte Oma keine Freunde. Das Geticktacke war das, worauf ich mich dann konzentrierte, und es war immer so, dass es mich einschläferte. Es war das Letzte, was ich vorm Einschlafen wahrnahm, und das Erste, was ich beim Aufwachen hörte.
Ticktack, ticktack, ticktack.
Der Kapitän hat neuerdings auch zwei Ticktackuhren. Eine im neu hergerichteten Arbeitszimmer, eine in der Küche. Wann immer ich nun die die Chaiselounge (noch habe ich sie ihm nicht abschwatzen können) belagere, passiert, was als Kind passierte. Ich werde müde. Wenn ich nun – zugegeben, das ist eher selten – im eigenen Haus war, fehlte es. Was zu tun war, war klar. Ich brauchte eine Ticktackuhr.
Et voila:

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Solltet ihr euch jemals so etwas kaufen; die Uhr nie nicht links aufziehen! Den Gong interessiert es nämlich einen Scheißdreck, ob es ein Uhr am Mittag ist, oder ein Uhr nachts, und das Geläut der hiesigen Kirchturmuhr ist, gegen den Krach, den so kleine Teile machen können, ein Witz!