Archiv für den Monat November 2014

Der heutige Strandlauf war ein Kampf. Gegenwind, durchgängig, mit einer Geschwindigkeit von (laut Internet) 68km/h. Gefühlt müssen das 100km/h gewesen sein. Wie ich sagte, hier gibts nur zweierlei Wind. Heute dann Sturm.
Unterhaltungen unterwegs mit der Arbeitskollegin waren nicht mal schreiend möglich. Wir verwendeten Handzeichen.
Beim Kaffee vorm Kamin hinterher, erzählte sie mir, dass ich in der Zeitung abgelichtet wurde. Man knipste mich, als ich das Foto hier aufnahm. Bin mir sicher, die Zeitung noch nicht weggeworfen zu haben. Aber das mit dem Sichersein, würde ich gerade nicht für bare Münze nehmen.
Leck mich am Arsch, bin ich im Eimer …

Glückstag

Auf einer Karte in meiner Küche steht: „Glück ist, wenn Katastrophen Pause machen.“ Ich mag diese Karte.
Kleine Katastrophen zählen nicht zu echten Katastrophen. Darum ist heute ein Glückstag.
Ich ging ins Bad, wo die Waschmaschine piepsend „habe fertig“ vermeldete. Ein Blick aufs Display zeigte 95 Grad an, was (ich hatte die Maschine nicht angestellt …) dazu führte, dass mein zweiter Blick direkt auf den gläsernen Einlass fiel, hinter welchem sich eines meiner Shirts fand. Viskose, Kategorie nicht billig und Lieblingsstücke. Den spitzen hysterischen Schrei, der sich in mir aufbaute, schluckte ich runter.

Tapferes Shirt, tapferes. Erstaunlich tapfer, und kein Bisschen aus der Form geraten.
An einem Pechtag hätte irgendein Teil mit Spitze oder so in der Kochwäsche gelegen.

Bitte. Danke!

Ich richte ja immer noch des Kapitäns Häuschen her. Ohne Hektik, weil sich solche Dinge poe a poe zusammenfügen müssen, damit es richtig rund wird. Nun habe ich ein Problem, bei dem ihr mir helfen könntet.
Das Büro ist so gut wie fertig. Kleinkram noch. Neuer alter Schreibtisch, neue alte Standuhr, neue alte Chaiselonge. Der Rest stammt aus dem Fundus. Soweit, so gut. Ist auch echt schön geworden. Richtig schön. Der Kapitän sagt immer, ich kann machen was ich will, ich soll das nur nicht zu mädchenhaft herrichten, und da kommen wir zu meinem Problem. Bisher ist es für ihn okay, wie ich es mache. Aber … ich habe mich in seine Chaiselonge verliebt. Ich werde die Tage mal ein Foto posten. Seid ihr dann wohl so nett, und sagt allesamt unisono, dass das Teil ganz klar reiner Mädchenkram ist? Wenn ihr wirklich überzeugend rüberkommt, will er sie vielleicht nicht mehr, und ich könnte sie dann erben.
Klingt für mich nach einem guten Plan. Ich zähl auf euch!

So!

Gestern. DVD-Abend. Irgendwas mit Tom Cruise.
„Die wurden nicht zufällig umgebracht“, sagte der Kapitän schon recht früh. „Nur einer sollte sterben, und damit man nicht drauf kommt, wurden eben fünf umgebracht. Es geht um das Bauunternehmen, und die Frau sollte getötet werden.“
Er hatte recht, ohne, dass es wirklich so offensichtlich war. Irgendwie reglementiert der Mann meinen Fernsehkonsum, und wenn ich dann schaue, erfahre ich das Ende am Anfang. Dabei hatte er den Film selbst noch nicht gesehen.
Oder neulich. Boxen.
„Ab ins Bett mit dir.“
„Ich bin nicht müde.“
„Doch, du hast Schlafatem.“
Hab ihr den Ausdruck schonmal gehört? Ich nicht, und sah ihn fragend an.
Seine Antwort war ein kehliges Geräusch, das entfernt an grunzende Schweine erinnert.
Als ob ich solche Geräusche von mir geben würde. Echt jetzt mal.
Heute Abend werde ich mir – ätsch – ganz alleine eine DVD ansehen. Mit oder ohne Schlafatem. Das hat er nun davon.

Nachbarschaftliches Part … äh … was weiß denn ich gerade

Wenn es nach mir geht, ginge ich Gesprächen mit dem Nachbarn aus dem Weg. Er hat mir zu komische Meinungen. Davon abgesehen, dass er mich für eine durchgeknallte Alternative hält … was wirklich Humbug ist … meint er, Krebs könnte am Ende doch ansteckend sein, und so. Warum er nichts darüber hören, lesen oder sehen mag, weil das schon ausreichen könnte.

Seine neueste Weisheit: Es ist zu warm für Winterreifen. Er meint, man müsse vor jedem Losfahren die Außentemperatur kontrollieren, und im Zweifel wieder die Sommerpuschen draufschrauben. Weil … was ist denn wohl, wenn man mit Winterreifen einen Unfall baut, und es hat dann über zehn Grad? Dann zahlt die Versicherung nachher nicht, weil sich die Plusgrade bei Winterreifen auf die Bremskraft auswirken. Und sowas weiß man ja schließlich! Davon gehen zumindest Versicherer aus.
Ähm. Ich erinnerte mich da an Toni, unseren ehemaligen Reifenfritzen. Fürs Reifenwechseln war ich zuständig. Ich fuhr also einen Tag mein Auto zum Reifentausch und am nächsten Tag das Nichtmeine.
Meine Reifen wurden immer kommentarlos gewechselt, kam ich jedoch mit des Misters Auto, gab Toni den verantwortungsvollen bis verängstigt wirkenden Lehrer. „Sag Chef, er nix schneller fahren als 190km/h damit“, wiederholte er mit italienischem Akzent mehrmals.
Zum Abschied hieß es wieder: „Nicht vergessen, Chef sagen, nix schneller als 190 fahren.“
Toni meinte es ernst, denn am Armaturenbrett klebte ein Postit für „Cheffe“ mit der Aufschrift: „190 Höchstgeschwindigkeit. Gefahr!“
Toni hatte Cheffe einst seinen S6 verkauft. Die Probefahrt fand auf dem Hockenheimring statt. Was vielleicht ein Grund sein für Tonis Übervorsichtigkeit gewesen sein mag. Nichtsdestotrotz: Ich bin mir sicher … Sehr, sehr sicher, dass Toni mich über andere, durch Winterreifen hervorgerufene Gefahren hingewiesen hätte. Mit oder ohne besondere Probefahrterlebnisse. Er mochte mich nämlich.
Aber das erkläre mal einem, der im strömenden Regen seinen Wagen auf dem Hof wäscht, und das mit ausgedachten Handhaben in der Seefahrt vergleicht. Wobei er mein: „Es gibt halt keine Waschstraßen für Segelyachten …“ ignorierte, während unter seinem Wetshirt fröstelnder Nippelalarm herrschte.
Oder einem, der seine Reifen sogar im Hochsommer warmfährt und die Bremsen einbremst. Japs. Bei jeder Fahrt fährt er Schlangenlinien bis weit außerhalb die Sichtweise hinaus, was immer wieder viele Fragezeichen aus meine Stirn wirft.
Oder einem, der nach jeder Heimkehr die Motorhaube seines noch sehr jungen Autos offen stehen lässt, weil er den für eine dreißig Jahre alte Kiste halten muss, die heißgelaufen ist und auskühlen muss.
Oder, oder, oder …

Die Schenkel meines Zwillings

Welche Frau träumt nicht davon? Oder würdet ihr euch nicht freuen, würde euch ein Mann – „der Mann“ – Unterwäsche schenken? Schwarz, pinkfarbend abgesetzt und sowas von figurbetonend, das habt ihr noch nicht gesehen.
Mir würde dies Glück jetzt (im zarten Alter von noch eben so vierundvierzig) erstmalig anheim, und (extra für Jule und alle sonst immer nach Bildmaterial lechzenden, geb ich dann mal wieder die Bridget Jones – wobei mir gerade auffällt, dass wir die gleichen Initialen haben, nur andersherum B.J./J.B.) lasse euch alle an meinen unsagbaren Glück teilhaben.

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Romantik ging doch irgendwie anders, oder? Zumindest mache ich nun wohl keine Winterlaufpause.
Wie ich sagte: Die Sache mit den schwedischen Wanderstäben wird eine längere Geschichte.
Btw: hab ich schon von den neuen Spikes erzählt? Zum um die Laufschuhe schnüren, damit ich beim übers Glatteis laufen nicht hinfallen kann, und die guten neuen Sloggilonglongs dadurch wohlmöglich ruiniere.
Ach ja.

Die 17 Hippies, die nur 12 sind, aber zu dreizehnt unterwegs waren, und die ich die 14 Hippies nenne

Dass ich in der Pumpe war, liegt wirklich schon ein viertel Jahrhundert zurück. In echt. Damals konnte man dort vor lauter Zigarettenrauch nicht weiter, als bis zum direkten Gegenüber schauen. Und es war nicht nur einfaches Nikotin, das damals in der Luft waberte.
Jetzt ist das anders. Da standen Samstag Altachtundsechziger (einige erwachsen geworden, andere weniger, und noch andere rochen einfach, als hätten sie sich seit seiner Zeit nicht mehr gewaschen – dazwischen ein Paar Kücken, denen man zu ihrem Musikgeschmack gratulieren darf) in künstlich erzeugtem Rauch. Qualm, der für die richtige Atmosphäre sorgen sollte.. „Ich fand das früher besser“, sagte der niemals nicht rauchende Kapitän. „Als man noch rauchen durfte, bekam man von all den anderen olfaktorischen Katastrophen nichts mit.“
Stimmt. Und ich rede nicht von Knoblauchfahnen, oder Achselschweiß. Das schaffe ich zu ignorieren. Nuttendiesel der Marke ultrabillig aber macht mir Kopfweh. Ein Unterschied zu früher. Ein anderer: Wo es früher Cola-Bacardi in Pappbechern gab, liefen Samstag Wein- und Biergläser umher. Sogar Milchkaffeetassen sah ich laufen. Mit Untertasse!
Ich beobachte gerne Menschen. Der Kapitän ist bei derlei Veranstaltungen immer zeitig unterwegs, was dafür sorgte, dass wir die begehrtesten Plätze bekamen. Die auf den am Rand des Saals – neben der Bühne -, gestapelten Paletten. Ein Platz, den man uns neidete. Der Lockenkopf vor uns, dessen Frisur an Marge Simpson erinnerte, versuchte sich drei Stunden lang am tötenden Blick. Ey. Hätte der vor mir gestanden, ohne, dass ich vier Palettenbreiten über ihm hätte stehen können, hätte ich nichts (!) sehen können.
Irgendwann war es vorbei mit Menschen beobachten, weil es dunkel wurde. Schade eigentlich, denn der Typ mit den halblangen und wilden Haaren, in Leinenhemd, grobe Holzfällercordhose – mit ledernen Beuteln und Taschen am Gürtel, und Lederweste gekleidet, dessen Tanz schon arg faszinierend war … Aber wegen dem waren wir ja nun nicht da, sondern wegen der Hippies.
Und das kann ich kurz machen. Es war nur geil. Saugeil.
Ich wollte noch zum Kapitän sagen: „Und jetzt lernst du für mich Schifferklavier, sonst mach ich den Groupie und brenne mit dem Typen auf der Bühne durch“, hatte aber die Antwort schon im Ohr („viel Spaß“) und schenkte es mir.
Ich steh voll auf Akkordeon und auf Männer, die dies Instrument beherrschen.