Archiv für den Monat Oktober 2014

Bitte. Danke.

Ich halte mich ja meist aus allem raus. Aber das, was jetzt kommt, liegt mir am Herzen. Darum mache ich eine Ausnahme.
Es geht mal wieder um den Tourismus. Nein, um es nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen, ich habe nichts gegen Touristen. Wenn sie sich denn benehmen. Aber darum geht es nicht wirklich. Es geht darum, dass man direkt am Nordhafen – zwischen die schönen alten Bauten – einen vierstöckigen Betonklotz setzen will. Ferienappartments. Direkt vor eines von Kappelns Wahrzeichen, den Aaltürmen
Ein Betonklotz, der Kappelns wirklich wunderschöne Skyline richtig verschandeln wird.
Derzeit wurde wohl ein Baustopp erwirkt, aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.
Wer gerade mal zwei Minuten Zeit hat. Wir Kappelaner würden uns freuen, würde sich der Eine oder Andere finden, der sein Zeichen unter die Petition zum Erhalt von Kappelns Skyline setzt. Hier wird gerade eine Großbaustelle nach der Nächsten aufgemacht. Ich finde, es reicht. Wenn genug ist, ist genug, und dass es zu wenig Betten hier gibt, das halte ich für ein Gerücht. Und wenn ich da irre, ist das noch immer kein Grund. So!
Ach so. Man kann seine Unterschrift selbstverständlich anonymisieren, damit die eigene Persönlichkeit geschützt bleibt.

Sowas kommt auch von sowas

Auch nach über sechs Jahren, erfreue ich mich immer wieder daran, wie schön es doch ist, wieder einen Vierbeiner mein Eigen zu nennen. Der Hund hat derzeit jedoch Unarten entwickelt. Keine wirklich Fremden. Das Abführen von Verdautem war ja immer mal Thema. In der Stadt kacken, respektive eben dies zu verweigern (damals war das ungünstig, da der Kapitän mitten in der Landeshauptstadt wohnte) beispielsweise, war im ersten Neunmalklugen ein gern aufgegriffenes Thema. Derzeit kackt er nur noch an ganz bestimmten Stellen. Nun hat er sich (im Alter wird man ja schonmal stieselig) öffentliche Toiletten eingerichtet. Auf der kleinen Runde um den Blog Block, liegt Klo eins bei circa fünfzig Prozent der Strecke, Klo zwei bei siebzig, und Klo drei bei exakt neunundneunzig Prozent (und nein, Klo drei benutzt er nicht, wenn man so schlau ist zu meinen den Weg abkürzen zu müssen, indem man die Blogrunde andersherum geht …). Ist ja nicht so verkehrt. Außer, wenn der Hund nachts um kurz vor zwei Uhr vor dem Bett sitzt, mich (merkwürdig, dass man Hundeblicke spüren kann) anstarrt und leise vor sich hinwimmert.
Ich stellte mich drei bis vier Minuten schlafend, gab dann aber nach: „Was ist los? Musst du pischern (Pseudonym für kacken, weil es sich netter anhört, wenn man mit seinem Hund redet)?“ Der Hund bejahte meine Frage, indem er nun lauter jammerte und anfing vor dem Treppenansatz zu tanzen. Nun hätte ich ihn einfach in den Garten lassen können. Nachts um zwei ein durchaus verlockender Gedanke. Ob der neuesten Hundekackgewohnheiten, ging ich aber davon aus, dass ich schneller wieder im Bett bin, wenn ich zur nächstgelegenen (und egal, wie man das dreht, es ist Klo eins, wenn es denn richtig drückt) seiner öffentlichen Toiletten mit ihm laufe.
Et voila!
Schnell zurück und wieder ins noch warme Bett. So war der Plan. Doof nur, wenn frau nach diesem nächtlichen Hundetoilettengang hellwach ist. Hellwach, und mit einem hohlen Gefühl in der Magengegend bedacht.
Ein bis zwei Riegel Kinderschokolade, so dachte ich, würden helfen. Ätsch. Nach dem zweiten Riegel, wärmte ich die Reste des Mittagessen auf. Danach … und ich habe eigentlich nie derlei viele Süßigkeiten im Haus, aber die Arbeitskollegin bedachte mich vor zwei Wochen (so lange hält Süßes normalerweise bei mir!) mit einer Tüte Rocher, und der Kapitän ordnete aus Gründen seiner Sicherheit an, dass ich alles, was an Süßkram bei ihm rumliegt, mitzunehmen habe.
Nach also zwei Kinderriegeln, einer halben Portion Resteessen, einem Dreier Rocher, ein paar Schokobons, einem Stückchen Nougatmarzipan und einer heißen Milch mit Honig, bin ich satt bis zur Magenverschlussklappe. Was leider nicht dabei hilft, wieder einschlafen zu können. Also ich kann es nicht mehr, der Hund liegt derweil – alle Viere von sich gestreckt – schnarchend auf dem Rücken.
Selbst Schuld.
Wäre ich beim Kapitän geblieben, wie dieser vorgeschlagen hatte, würde ich jetzt tief und fest schlafen, denn dann wäre er mit dem Hund rausgegangen (der Kapitän hört nachts nämlich selbst imaginäre Mäuse husten, und hätte nach dem Erwachen durch Winseln nicht versucht, das Wimmern drei Minuten lang zu ignorieren), ohne, dass ich davon wach geworden wäre.
Sehen wir es positiv. Erstens passiert es äußerst selten, dass der Hund mich nachts rausjagt, und zweitens, kann ich jetzt mal schauen, wie einschläfernd die neu erworbene Möglichkeit fernzusehen so ist.

Besserwisserei

Seit dem 15.02. diesen Jahres habe ich das Zwergenreihenhaus angemeldet. Es gab die eine oder andere Diskussion. Grund dafür: Fernsehen. Satelitenschüsseln sind verboten, Kabelfernsehen wollte ich nicht. Seh ich ja nicht ein … Für das Bisschen, was ich fernsehe auch noch doppelt und dreifach bezahlen? Also Antenne. Antennenempfang aber gibt es in ganz Kappeln nicht. „Hast du schon mal versucht, den Fernseher einfach an die Kabelbuchse anzuschließen?“, fragte el Capitano.  Hatte ich nicht, und bestand einfach weiterhin darauf, dass ich keine Kabelgebühren zu bezahlen bereit bin. So ging das eine ganze Weile, bis der Kapitän die Faxen dicke hatte, und gestern im Kabelshop in der Landeshauptstadt anhielt, woraufhin er mich gleich anrief und mir mitteilte: „Du hast eine Kabelgrundversorgung. Was ich dir die ganze Zeit schon sage. Ich muss ja schließlich auch mal Recht haben.“ Was auch immer er mit der letzten Bemerkung meinte … Er grub heute ein Antennenkabel aus seinem Fundus aus. Und was soll ich sagen? Er hatte „auch mal“ Recht.

Sachen gibts.

Sowas kommt von sowas

Jeden Dienstagnachmittag klingelt im Geschäft das Telefon. Die Arbeitskollegin begrüßt mich dann vom anderen Ende der Leitung aus mit ihrer piepsig, näselnden aber gleichermaßen lauten Stimme: „Gehen wir morgen laufen?“
Dabei dachte ich vor zwei Wochen, dass sie durch ist mit mir und meinem Bewegungsdrang. Was fragt sie mich auch, welche Strecke wir laufen wollen? Ich fand Arnis-rund eine gute Idee. Schöne Strecke. Durch Kappeln, raus gen Arnis (kleinste Stadt Deutschlands, mit nur eben über zweihundert Einwohnern), einmal Arnis umrunden und unten an der Schlei entlang wieder zurück.
Gut, ich war platt danach, aber die Arbeitskollegin, die könnte drei Tage nicht gehen. „Hattest du schon mal Schienbeinmuskelkater? Ohne funktionierende Schienbeine kann man nicht laufen!“, war in etwa das, was sie beim nächsten Aufeinandertreffen sagte. Was die Chefin zum Augenrollen animierte. Ich bin anhaltend der Meinung: Ich bin unschuldig!
Sie weiß noch nichts von ihrem Glück, die Arbeitskollegin. Aber ich denke, wir könnten morgen nochmal Arnis rund laufen, nachdem wir letzte Woche eine Strecke liefen, die sie aussuchte. Auch schön, so oberhalb der Ostsee entlang zu laufen, aber die Strecke ist schon eine Großigkeit kürzer und darum weniger effektiv, als meine.
Effektivität ist ja nun nicht unwichtig. Denn … Feststellung von heute, während ich mich vor der Arbeit durch den Kleiderschrank probierte: Keines meiner Winterkleider passt noch.
Ich glaube, ich bekomme Halsweh. Ich glaube, neue Winterkleider könnten helfen.

Die Sache mit der Wahrnehmung

Neulich, es war wohl vor zwei Wochen, waren wir in Kiel. Wir brauchten Fotos von der Nikolaikirche.
Da passierte etwas, das mich überraschte. Ich ging die drei Stufen zum Kircheneingang hoch, und wurde demütig. Nicht, dass ich nun gläubig geworden bin, manche Wunder passieren, andere sind eher unwahrscheinlich. Ne … Ich hatte mich so lange und intensiv mit Hinrich beschäftigt, dass er nicht wie eine Romanfigur anmutete, sondern wie eine real existierende Person, auf dessen Spuren ich nun tapste. Ich ging also die drei Stufen hoch, und dachte: Irre. Wir haben 2014. Das Haus ist so alt. Hinrich ist 1350 genau diese Stufen hochgestiegen, auf denen ich nun stehe.
Wenn Suggestion und Realität nicht mehr auseinanderzuhalten sind, hat man sich wirklich arg dolle mit einer Sache beschäftigt. Ist aber auch nicht unmöglich, dass ich einfach einen an der Marmel habe.

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Hundehaare
Kapitänshaare
Klappentext und Layout
Vorwort

Und nun höre ich bei einem Pott Tee noch ein Bisschen der Dame von nebenan zu, die mal wieder mindestens eine halbe Tonne Blei auf der Zunge hat, die Arme. Danach muss ich nur noch den Hund baden. Was immer sehr spaßig ist.
Fleißiges Lieschen, ich.
Fragt sich abschließend nur, wer nun die ganzen rumfliegenden Haare aus den Ritzen fegt.

Montag ist kein Freitag

Hundehaare schneiden, ist, bei allem, was der Vierbeiner Gutes davon trägt (er fühlt sich schlicht unwohl unter der Löwenmähne, dabei hat die noch nicht mal zwanzig Prozent der Länge erreicht, die möglich ist), so weiß er doch alle vier Monate zu demonstrieren, wie sehr ihm Fellschneiden auf den Keks geht. Das läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Morgens anfangen, Pause, mittags weitermachen, Pause, abends Endspurt inklusive Ölbad. Erzähl mal einem Hund, dass das viel schneller ginge, würde er nur stillhalten, und sich nichts nach zwanzig Minuten zusammenrollen, damit ich ja nicht da hinkomme, wo ich ran möchte.
Zwischendurch, so meinte el Capitano könne ich mich ja mal ums Layout kümmern, und mir Gedanken über den Klappentext machen. Mittwoch gibt es doch tatsächlich mal wieder ein Gespräch mit dem Verlagsmenschen. Was auch immer dabei rauskommen mag. Manche Dinge brauchen ja etwas länger, um am Ende gut zu werden …
Und so laufe ich heute zwischen Küchenarbeitsplatte, auf welcher das Kötertier beschnitten wird, und Schreibplatz hin und her. Wobei ich dann noch nicht eine Minute an der demonstrativ aufgebauten Nähmaschine gesessen habe.
Freie Tage sehen irgendwie anders aus, oder?
Ab Freitag habe ich vier Tage am Stück frei. Ick freu mir drauf.

Die Ruhe nach dem Sturm

Ein dreifach Hoch auf die Bäderregelung, die besagt, dass Jane Blond in den Monaten 11 – 4 auch so etwas wie Wochenende hat, weil Sonntagsarbeit außerhalb der Saison verboten ist.
Es ist schon arg ruhig geworden. Außer ein paar radfahrenden Touries, bei denen man sich fragt, wie sie einen Führerschein haben machen können. Sie rügten uns, weil wir auf der, ihrer Meinung nach, falschen Straßenseite liefen. „Musst du auf der Straße gehen, musst du der Gefahr ins Auge sehen“, haben zumindest wir Dorfkinder schon in der Schule gelernt. Was willst machen? Touries buchen halt all inclusive, und das beinhaltet auch, dass sie Recht haben, egal, ob das dann auch wirklich so ist oder nur in ihrer ureigenen Wahrnehmung.
Da muss man es Hunden gleichtun. Einmal schütteln und weitergehen. Was leicht fällt, weil es nurmehr die Nachzügler derer sind, die Angeln überschwemmten.
Ich für meinen Teil freue mich auf die noch ruhiger werdenden Tage, freie Sonntage, und ein Bisschen auch auf die Vorweihnachtszeit, weil Kappeln dann ziemlich schön geschmückt ist, und die Ruhe dann, etwas von echter Ruhe hat, weil man nicht mehr von Touriemassen totgetrampelt zu werden droht.
Jaha! Ich denke sogar ernsthaft darüber nach, dies Jahr mal wieder Weihnachten ins eigene Haus zu holen, und das soll etwas heißen …

Verdammt lang her, verdammt lang, verdammt lang her …

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich die letzten Jahre vom Mister geträumt hätte. Zumindest nicht von dem Mister, der nicht krank, gebrechlich und schwer behindert war.
Heute Nacht aber stand er mit verbundenen Augen (in körperlich bester Verfassung, kein Spargeltarzan, wie zuletzt, kein ausgemergelter Körper, sondern einer, der vor Kraft strotzte. Sein Haar war voll und seine Locken kringelten sich wild in alle Richtungen, glänzten dabei gesund und kräftig, statt matt und stumpf, ob der ganzen Medikamente, am Kopf zu kleben … Ein Bild, das kein regloses Foto ist, und das mich in diesem bewegtem Bildern der letzten Nacht anfasst. Scheiße, hatte der Mann eine unglaubliche Kraft … auch in seiner Stimme, die ich aus den letzten Jahren nurmehr flüsternd in Erinnerung habe, Kraft, die letzte Nacht in jeder kleinen Bewegung zu erkennen, in jedem Ton hören zu war. Wie früher, als alle verstummten, wenn er seine Stimme erhob …) auf dem Tisch, und polterte, wie er eben polterte, wenn irgendwas nicht so lief, wie er es wollte, ob das Ganze nicht schneller ginge. Um ihn herum standen viele Menschen, die ich nicht kannte. Sie standen hinter den um den Tisch aufgereihten Stühlen. Eine Handvoll von ihnen saß. Der Tisch war schmal, aber dafür sehr lang, und es müssen mindestens fünfzig Menschen an ihm Platz gefunden haben. Der Mister stand also auf dem Tisch und trug seine Jacke. Die Jacke, die er sich in Miami, im Hard-Rock-Cafe gekauft hatte, und trotz der Affenhitze dort, anzog und damit durch die Gegend lief. Die Jacke, die ich, neben seinen Uhren und der Rah-Band-CD, als Einziges aufbewahrt habe. Er war umzingelt von mir Fremden und sollte nicht überrascht werden, oder so, sondern es ging dabei um mich. Ich stand abseits und sollte etwas beweisen, wusste aber nicht was. Eine Mutprobe. Irgendein Beweis. Irgendwas hatte ich zu tun, wusste aber nicht was, und zog mich, weil mir der Trouble zu groß war, zurück. Soweit, dass ich den Mister noch sehen und hören konnte, aber von den Menschen um ihn herum nicht mehr gesehen wurde. Unfähig zu erkennen, was von mir erwartet wurde.
Manche Träume sind unglaublich real. Dieser war es. Und auch, wenn ich mich seit dem Erwachen frage, was ich hätte tun sollen, und mich dieser Traum verwirrt, so ist da etwas Anderes, etwas viel Wichtigeres … ich habe ihn noch einmal sehen und hören dürfen, wie er war, bevor …

Ein Bild, das ich mir selbst kaum mehr in Erinnerung rufen konnte.