Archiv für den Monat September 2014

Haare machen Leute

Freitagnacht, Nacht der Komplimente … und das kann bisweilen schon mal aufbauend sein.

Am Wochenende war ich aus. Die Chefin hatte Geburtstag und in den einzigen Club im Städtchen geladen. Als ich ankam, stand ihr Mann auf dem Parkplatz. Ich stieg aus dem Wagen aus, ging auf ihn zu, und fragte, ob ich da stehenbleiben könnte, wo ich stand. Er sah mich mit einem dicken Fragezeichen auf der Stirn an, nickte aber, und meinte, dass das in Ordnung ist.

„Kann es sein, dass du mich nicht erkennst?“, fragte ich.
Er nickte. Mit den Worten „ich bin’s doch, Jane Blond“ wischte ich ihm die Fragezeichen von der Stirn. „Nein, ich hab dich echt nicht erkannt mit den Haaren …“, ließen mich in mich hineinschmunzeln.
Drinnen stand die Chefin, und sie schaute auch zweimal hin. „Boah, dich hätte ich auf der Straße nun nicht erkannt“, war erstmal alles, was sie sagte. Eine Sunde später kam sie auf mich zu und meinte: „Du siehst so toll aus … Richtig toll!“
Die Arbeitskollegin kam um die Ecke: „Wir haben gerade hinter deinem Rücken über dich geredet, und ich habe gesagt, dass du ja wohl sowas von geil aussiehst …“
Ich sah eigentlich aus wie immer, bis auf dass ich nicht im kleinen Schwarzen im Laden stehe. Was aber der eigentliche Grund für die allgemeine Verwirrung war, waren meine Haare. Lange blonde Locken, statt biederer praktischer Hochsteckfrisur, machen schon was her.

Vierundvierzig, aber da geht doch noch was. Es gibt schlechtere Erkenntnisse. 😉

Un/Sportliches

In einer Woche das gesamte Profil an den Pads abzulaufen, liegt nicht etwa an minderwertigem Material, sondern am täglichen laufen. Und meine Pads sind runter. Blank wie ein Babypöscher. Da ist nix mehr.
„Guck dir die Pads nicht an, lauf“, bekam ich zu hören und brachte kurz darauf ein wortwörtliches Fallbeispiel, dass blanke Pads irgendwie schon relevant sind, und keine Ausrede, für ein erhofftes Ausfallenlassen.
„Huch“, hieß es dann, „sauber abgerollt. Ich wollt noch rufen, dass du nicht auf die Hände fallen sollst. Chapeau.“ ***
War mein einige Jahre andauernder Ausflug in verschiedene Kampfkunst-Sportarten also doch nicht völlig unnütz. Denn der Satz, den ich machte, als ich mir den linken Stab (in Ermangelung jedweden Profils) zwischen die Beine schob, war nicht ohne.
Weil das so glimpflich ausging, durfte ich dann auch das ganze Wattsfeld umrunden, und schaffte es in persönlicher Bestzeit von nur siebzig Minuten, statt der vom Kapitän prognostizierten neunzig.
„Sind deine Beinchen gewachsen, oder woher kommt das Tempo?“, fragte der Kapitän, als ich an ihm vorbeizog und ihn abhängte. Was ich natürlich nicht tat, aber es liest sich irgendwie gut und schöner als der wahre Grund, warum er kurz zurückbleiben musste.
Das Nächste, was ich von ihm hörte, als er mich wieder eingeholt hatte, war ein lachendes: „Du siehst von hinten aus wie ein Heinzelmännchen, so wackelst du mit den Hüften und dem Kopf, und wie die Mütze dabei wippt …“
Wer den Schaden hat, musste noch nieundnimmernicht für den Spott sorgen.
Tja. Und damit das hier nicht zum Walking-Blog verkommt, und weil das ein guter Ausgleich sein soll, darf ich ab Mittwoch schwimmen gehen.
Die Frage nach „was hältst du eigentlich von Rudern oder Bogenschießen“ ließ ich einstweilen unbeantwortet im Raum stehen.

*** Ich bin dem Kapitän mehr als einmal genau vor die Füße gefallen, in den letzten vier Jahren. Auf dem Boot ausgerutscht, die Treppe runtergefallen, und was Frau noch so bringt, wenn die Füße ihr nicht gehorchen. Sein Gesichtsausdruck ist es jedes Mal wert, hingefallen zu sein. ich schwöre.

Nivellierendes

Dienstag fiel das Wandern aus. Nein, kein Zeichen dafür, dass es einen Gott geben könnte. Vielmehr war ich nach Feierabend im eigenen Zuhause, um nach dem Rechten zu sehen. Ich hatte eben die Tür aufgeschlossen und wollte die Haustür hinter mir zuziehen … Wollte. Konjunktiv. Der Mechanismus des Sperrriegels hatte sich zwischen Aufschließen und Türzuziehenwollen verabschiedet, und war rausgesprungen. Die Tür ließ sich nicht mehr schließen. Also Plan B: Das Schloss rausfummeln und nicht zum Kapitän fahren sondern zuhause bleiben und darauf hoffen, des Nächtens nicht geklaut zu werden. Eine von Innen vor die Tür geschobene Truhe ersetzte einstweilen das Türschloss. Gestern hatte ich nämlich eh einen Termin mit den Gläsern aus dem Nachbarort, die mich mit einer neuen Haustür zu erfreuen gedachten. Der Schließmechanismus hat mich also nur in der allerletzten Minute verlassen.

Das war dann ein Tag Wanderpause. Umso mehr wurde ich gestern wieder traktiert. Manchmal läuft der Kapitän Schlangenlinien, weil er findet, dass ich nicht in seinem Windschatten laufen sollte. Berufsbedingt quälte er früher Menschen manchmal gerne. Auch wenn er diesen Menschenquälberuf schon viele Jahrzehnte nicht mehr ausübt, so ist das vielleicht der Grund, warum ich dann etwas mehr davon (Kopf hoch, nicht nachlassen, mehr Druck auf die Stäbe, Arme weiter vor …) abbekomme. Aber – das muss ich mal so gesagt werden, wie es ist – wenn man dafür mit Frühstück im Bett geweckt wird, ist das eine großartige Wiedergutmachung. Im Grunde ist er nämlich ein richtig Lieber. In echt!

Schrittlängendiskrepanz

Letzten Mittwoch habe ich den Kapitän abgeholt. Mittwoch war auch nichts weiter angesagt, als reden, und was so anfällt, wenn man sich wochenlang nicht gesehen hat. Und ich hatte einen Wunsch zu erfüllen. Selbstgemachte Hamburger wurden gewünscht. Saulecker die Dinger, um mich selbst mal zu loben. Mittwoch waren aber auch die schwedischen Wanderstäbe in der Post. Also: Donnerstag wandern. Freitag wandern. Samstag wandern. Sonntag wandern. Montag wandern. Meine einzige Wahl war/ist es, zu entscheiden, ob ich vor oder nach der Arbeit laufen möchte. Soweit, so okay. Dabei fällt jedoch ein Problem unter den nicht vorhandenen Teppich.

Es gibt eine Diskrepanz. Eine Schrittlängendiskrepanz. Wenn der Kapitän einen Schritt macht, muss ich anderthalb machen, um nicht völlig hinterm Feld herzuschleichen. Er ist zwar nur zwölf Zentimeter größer als ich, der Kapitän, aber ich bin ein sogenannter Sitzriese, mit deutlicher Unterlänge im Bereich des Fahrwerkes. Ein also angeborenes Manko. Wodurch ich ihm zu langsam bin. Oder er ist mir zu schnell. Wie auch immer …

„Nicht nachlassen … Bauch einziehen … Kopf hoch … Du wirst wieder langsamer …“, höre ich und sehe immer wieder auf die Füße. Seine und meine. Und seufze. Ich versuche es mit der althergebrachten und bewährten Neunmalklugenrethorik, indem ich darauf bestehe, dass ich mich dreiunddreißig Prozent mehr bewegen muss als der Kapitän, welcher mir daraufhin (während des Laufens … Weiß der Geier, woher er den Atem dafür hernimmt …) wissenschaftliche Vorträge über Kalorienverbrauch und den Zusammenhang zur Sauerstoffausnahme hält.

Ihr seht; ich habe es schwer. Ich möchte hier aber eigentlich nur darauf hinweisen, dass ich Muskelkater habe und mittlerweile mit drei Körnerkissen (eines bekam ich gestern vom Kapitän dazu geschenkt) ins Bett gehe. Nochmal: ich bin nicht unsportlich. Echt nicht! Und doch … Eine mögliche Besserung der Muskelschmerzen ist nicht in Sicht. Was heißt, dass ich nicht weiß, wann wir in den Hochseilgarten gehen werden können. Solange mir alles wehtut, wird es ein fruchtloses Unterfangen sein, mich x Meter oberhalb des Erdbodens auf Seiltänzerseilen entlanghangeln zu wollen. Ich muss nochmal über diese wünsch-dir-was-Sache nachdenken. Ich hatte den richtigen Riecher. Die Stäbe sollten mehr als einmal benutzt werden und sie haben nach nur einer Woche quasi null Profil mehr auf den Pads.

Schicksalsergebene Grüße von der Küste, Jane Blond.

Ähm

Nachdem der Kapitän aufgegeben hat, mich zum Laufen zu bewegen (ist ja auch blöd, wenn er nicht vorankommt, weil ich alle zweihundert Meter mit Seitenstechen stehenbleiben muss … Und nein, ich bin nicht unsportlich, nur laufen … Ach, lassen wir das), jetzt etwas Neues aus der Rubrik „Wünsch dir was“, oder so.

Entweder hat der Kapitän das falsch verstanden, oder ich. Ich wünschte mir bisher nur diese Eintagesaktivität, die nach seiner Heimkehr kommenden Mittwoch erfüllt werden wird. Ich Er kaufte mir, nach dem einen oder anderen erfüllten Wunsch meinerseits, nun schwedische Wanderstäbe. Ich kenne ihn. Die werde ich öfter als einmal benutzen müssen.

Irgendwie und überhaupt …

Noch mehr Widersprüchliches

Wir spielen seit einiger Zeit „Wünsch dir was“.
Ein tolles Spiel, wenn auch es etwas unausgewogen momentan, weil ich  nur wenige Wünsche habe. Nun aber habe ich mir vor ein, zwei Wochen etwas gewünscht, und irgendwie habe ich mich heute, nachdem ich mir im Internet Fotos von der wunscherfüllenden Örtlichkeit angesehen habe, gefragt, ob ich noch alle Latten am Zaun habe.
Ich habe Höhenangst. Obwohl das der falsche Ausdruck ist. Es ist eher eine Fallangst. Das ist mit dem Einzug haltenden Alter besser geworden ist. Als Kind aber konnte ich nicht mal über Brücken gehen. Oma Thea ignorierte gerne meine Angst, und zog mich darüber schimpfend, dass ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehrte, von einem zum anderen Ende der alten Holstenbrücke in Kiel. Eine Brücke, die ich mit jeder Faser meines Kinderherzens gehasst und gleichermaßen gefürchtet habe.
Wie gesagt, das ist deutlich besser geworden, wenn auch das flaue Gefühl aus der Kindheit immer noch da ist, so weiß der Verstand heute, dass Brückengeländer nicht einfach abfallen und mich mit sich in die Tiefe reißen. Als Kind jedoch, war ich mir sicher, dass genau das passieren wird.
Trotzdem oder gerade deswegen (?) … warum, in Dreiteufelsnamen, möchte ich unbedingt dort hin? Wann immer wir da vorbeifahren, spreche ich es sogar, ohne darüber nachzudenken, aus: „Da will ich rein“. Und zwar nicht, um mir das Treiben anzuschauen, sondern um mitzumachen.
Und – wie schon erwähnt – dann schaue ich mir vorhin die Fotos an, und denke laut: „Scheiße!“
Was Kindern (!) auf den Bildern ein Lachen ins Gesicht zaubert, macht mir schweißnasse Händchen.
Nächste Woche kommt der Kapitän wieder. Der für die Erfüllung des Wunsches zuständig ist, und der mein Leben retten wird, wenn es denn gerettet werden muss.

Hochseilgarten Altenhof

Ich habe echt nicht mehr alle Latten am Zaun, dass ich mir nicht einfach etwas nur Schönes gewünscht habe. Obwohl ein Teil in mir sich sogar darauf freut. Der andere Teil aber macht sich währenddessen in die Hose.

Widersprüchliches

Bis zu meinem sechsten Lebensjahr und meiner folgenden Einschulung, war mir nicht bewusst, dass es andere Menschen als uns gab. Menschen, die einmal wöchentlich zur Bibelstunde gehen, und zweimal wöchentlich in den Königreichssaal. Essen hatte eine Währung. Für einen vollen Magen musste ich beten. Und während andere Kinder Weihnachtsgedichte übten, lernte ich die zehn Gebote, und was sonst noch Sinnlosesvolles in der Bibel* steht. Ich kannte es nicht anders.
Dazu kannte ich etwas Anderes nicht anders. Dass man Wasser predigte, jedoch Wein soff. Was in der Konsequenz dazu führte, dass ich schnell für mich erkannte, dass es einen Gott nicht geben kann, und er Menschen nur als Alibi dient.
Mit 14 Jahren, und meinem damit endlich erreichten Anrecht auf Glaubensfreiheit, teilte ich der Familie meine Alibitheorie mit, und erklärte, dass Jehova mich mal da kann, wo die Sonne nicht hinkommt. Daran änderte sich auch nichts, als man mich vor den Ältestenrat** setzte, um mich eines Besseren zu belehren. Ich war als Kind schon scheiße, und wo kein Hirn ist, kann man halt auch keines waschen. Praktisch.
Wir waren durch miteinander, der alte Sack oben und ich.
Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Umso erstaunlicher ist, dass ich bei unten folgendem Lied tief berührt werde, weil ich Billy Preston (RIP) jedes Wort glaube, von dem, was er da singt, und dass es mich zu berühren weiß. Warum auch immer.
Aber von vorne.
Es war Sylvester 2003 oder 2004, als der Mister und ich uns einen Ruhigen machten, und das taten, was wir Sylvester immer wieder gerne taten. Auf einem der dritten Programme (ich meine, es ist der WDR), laufen dann alljährlich Konzerte, der besonderen Klasse, und wir freuten uns schon Tage vorher genau darauf.
Wir schalteten rein, und ich sah Eric Clapton in alt, und neben ihn stand doch wahrhaftig der junge George Harrison. What the fuck ging da vor sich? Die Kamera schwenkte und ich erkannte the who is who der internationalen Musikstars der vergangenen vierzig Jahre. Hatte man den knabenhaften George technisch ins Bild geschnitten, und – bei dem Aufgebot an Weltstars wäre das nicht ausgeschlossen gewesen – sollte Elvis der Nächste sein, der die Bühne betritt?
Dann sah ich Ringo Star. Die Kamera schwenkte weiter nach rechts: Paul McCartney. Zusammen auf einer Bühne, in einer Zeit, in der sie sich so gar nicht lieb hatten? Wie ging das? Hielt ich damals den Teufel (an den ich eigentlich auch nicht glaubte, aber egal) für den, der seine Finger im Spiel gehabt haben musste, weiß ich heute, das Eric – the Guitarman – Clapton dies Wunder wieauchimmer bewirkte. Heute weiß ich auch – und das wurde mir schon nach den ersten Momenten des Konzertes bewusst – dass da nicht George stand, sondern Dhany Harrison, der seinen Vater nicht nur aus dem Gesicht, sondern auch aus dessen Seele geschnitten zu sein scheint.
Großartig! War der sich manifestierende Gedanke.
Ich versank in dem, was ich hörte und wippte auf der Couch sitzend vor mich hin. Ungläubig, über das, was ich zu hören und spüren meinte. Die Energie, die diese Menschen verströmten.
Und dann passierte es.
Eric und Dhany spielten die ersten Griffs zu „my sweet lord“ an, die Anderen setzten nach, die Kamera schwenkte auf den hinter einem Keyboard sitzenden Billy Preston, und ich musste lachen und weinen gleichermaßen. Weinen, weil ich Billy jedes Wort glaubte. Ich spürte, dass sein „I really want to see you, really want to be with you. Really want to see you Lord, but it takes so long, my Lord“ aus tiefstem Herzen kam. Ich musste lachen ob des Mannes mit ohne Haare, der heftig wippend und sein Ding lebend mit seinem Tamborin eins wurde.
Das Publikum schien ob der von den Musikern ausgehenden (unglaublichen) Energie zu einem warmen Ding zu verschmelzen.
Ich wippte mit dem Mann mit ohne Haare (ich weiß bis heute nicht, wer das ist) im Takt und bemerkte nicht mal, dass der Mister verschwunden war. Er war aufgestanden, um sein Laptop zu holen. Er kannte mich und wusste „Ich komm ja eh nicht daran vorbei, ihr die DVD zum Konzert kaufen zu müssen“ und tat es stante pede.
Gefühlte tausend Mal habe ich diese DVD laufen lassen (Dolby Surround ist dabei wichtig, sonst kommt nur die Hälfte der Energie dahinter an, was ich bemerkte, als eines Tages das digitale Verbindungskabel einen Knick hatte und verstarb), und jedes Mal passiert an der nun folgenden Stelle dasselbe. Ich muss heulen. Alle anderen Versionen des Liedes sind schön, aber heulen muss ich nur bei Billy Preston und den All-Stars***.
Ach ja …

Wer das ganze Konzert online sehen mag. Bitte schön, hier entlang. Es lohnt sich auf jeden Fall.

*Die Bibel der Zeugen ist bis auf die Benennung Gottes durch Jehova mit dem neuen Testament übereinstimmend, wird eben nur anders ausgelegt.

** Im Halbkreis aufgestellte Tische, an denen die Männer saßen, die bei den Zeugen Wort – und Tatenführend sind, in der Mitte ein Stuhl, auf dem eine jugendliche Jane Blond saß, auf die eingeredet wurde, und der erklärt wurde, dass sie nur vom Weltlichen verblendet sei und sich das wieder läge, würde sie nur an Jehova festhalten.

*** Eine All-Star-Band mit Eric Clapton, Dhani Harrison, Jeff Lynne, Albert Lee, Andy Fairweather-Low, Marc Mann (alle: Gitarre), Dave Bronze (E-Bass), Billy Preston, Gary Brooker, Chris Stainton (alle: Keyboards), Jim Horn, Tom Scott (beide: Saxophon), Ray Cooper (Perkussion), Jim Capaldi, Jim Keltner, Henry Spinetti (alle: Schlagzeug) sowie Tessa Niles und Katie Kissoon (Hintergrundgesang) wurde nach einigen Stücken verstärkt durch Ringo Starr (Schlagzeug), der wiederum Paul McCartney (Gitarre, Ukulele, Keyboard) ankündigte. Für einzelne Stücke stießen zudem Klaus Voormann (E-Bass), Jools Holland (Keyboards) und Sam Brown (Lead- und Hintergrundgesang) hinzu. Als Leadsänger der Stammband traten abwechselnd Eric Clapton, Jeff Lynne, Gary Brooker, Billy Preston, Ringo Starr, Paul McCartney und Sam Brown in Erscheinung. Eigenständige Auftritte hatten Tom Petty & The Heartbreakers, verstärkt durch Jeff Lynne, sowie Joe Brown und seine Band, verstärkt durch Andy Fairweather-Low.
[Quelle: wikipedia.de]

Home sweet home

Naja. Nicht wirklich Zuhause, sondern dreihundert Meter weiter, hinterm Hausstrand, in Falshöft.
Auf die Gefahr hin, die Leserschaft mit Strandfotos irgendwann zu nerven. Dieser Fotoeintrag erfolgt auf Wunsch eines einzelnen Herrn.

Die Saison ist zwar offiziell noch nicht ganz zu Ende, aber die leeren Strände sind Vorboten der einkehrenden Ruhe. Das ist gut so.
Der Geruch von Algen und Brackwasser liegt schwer in der Luft. Ab und an weht einem eine Prise Kamille in dir Nase. Die Lippen schmecken nach Salz, wie nur im Herbst nach Salz schmecken.
Irgendwer hat ein Paar Kinderschuhe vergessen. Die Besitzer werden schon abgereist sein. Stumme Zeugen von viel zu viel Trouble.
Der Hund ist glücklich seine Strände wiederzuhaben.
Ich auch.

Donnerwetter

„Ich habe keine Lust mehr. Dies ewige Runter, und unten tun sie, als seien sie aus Zuckerwatte und meiden uns. Dann warten dass man verdampft und wieder aufsteigt und beim nächsten Mal wieder runter und wieder wird man weggescheibenwischert und abgeschirmt. Ich mag nicht mehr. Ich streike.“
Der kleine Regentropfen stampfe bockig mit seinem rechten Fuß auf.
„Doof, das“, pflichtete die Schneeflocke bei, „aber zumindest kennst du keine Minusgrade. Dich spickt man nicht  mit Möhren und mit Eierkohle. Du wirst nicht durch schmutzige Erde gerollt. Dir rückt man nicht mit Salz und Asche auf den Leib. Du landest, wenn du Glück hast, sogar im Meer. Pah! Ich kenne Meere, wie das Mittelmeer, nur vom Hörensagen.“
„“Pappelapapp!“ Der Donner schlug mit beiden Fäusten so auf den Tisch, dass die Wände bebten. „Mag sein, ihr seid nicht die Beliebtesten, aber euch fürchtet man wenigstens nicht.“ Er blickte gen Blitz, der zuckend in der Ecke saß. „Der da. Der da drüben, den wähnen sie immer bei mir und vor dem haben sie Schiss. Also auch vor mir. Hunde die bellen, beißen nicht. Aber das mach den Menschen mal klar.“
Der Blitz schmollte beleidigt aus seiner Ecke: „Als ob ich etwas dafür kann. Ich habe meine Enden eben nicht unter Kontrolle. Meint ihr etwa, es ist toll, weltweit so gefürchtet zu sein?“
„Sonne müsste man sein!“ Gevatter Wind blähte sich auf, fiel wieder in sich zusammen und riss dabei die halbe Kaffeetafel um. „Seht ihr? Und darum mag mich auch keiner.“
„Sonne müsste man sein. Sonne müsste man sein …“, äffte eben diese den Wind nach. „Mir ist zu warm. Ich habe einen Sonnenbrand. Ich kann die Hitze nicht ertragen. Ich bekomme Hitzepickel. Neuerdings soll ich verantwortlich für Hautkrebs sein. Pah! Als ob die da unten das nicht selbst verbockt haben …“ Die Sonne wirkte genervt und verzog sich hinter den Wolken.
„Jaja, mach nur“, resignierte der kleine Regentropfen sah auf die Uhr. Bald würde er also wieder fallen müssen.
Die Wolke, in der der Tropfen mit seinen Tropfenfreunden saß, brachte sich in Position und wurde dunkler und dunkler. „Gleich ist es soweit. Gleich fällt die Wolke wieder auseinander und zack … weg bin ich.“
Der Nebel dünstete schweigend vor sich hin.
Der Hagel dagegen rollte knallend und knatternd über den Boden, holte tief Luft und … flüsterte: „Mir tun sie leid. Ich tue Ihnen weh und mache Beulen in ihre Autos, und das ist echt nicht nett.“
Petrus betrat den Raum und sah in maulende Gesichter. Er ahnte: „Wieder die alte Leier?“ Das betretene Schweigen hatte sich im Zimmer geirrt und war mit Petrus eingetreten.
„Wie oft denn noch?“, Petrus echauffierte sich, „ihr seid doch fein raus. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wer für all das immer die Schuld bekommt? Habt ihr? Und? Petrus hier blabla, Petrus da blabla. Egal, wen ich schicke, es ist immer falsch. Ich mache auch nur meinen Job, und egal wen ich runterschicke, es ist falsch. Schuld, meine Lieben, Schuld haben die Menschen, weil sie nie mit dem zufrieden sind, was sie bekommen.