Archiv für den Monat August 2014

Der Ideenglasideenklau

Es ist kein echter Diebstahl, weil Blondie quasi darum bittet, es ihr gleich zu tun.
Eine schöne Idee, wie ich finde. Bisweilen habe ich Langeweile – dass mir das mal passieren würde … – und ich überlege dann, was ich tun könnte. Sicher warten mehr als ein Projekt auf mich, aber wenn ich diese Art von Langeweile habe, habe ich meist nicht die Ruhe zum Kreativitäteln. Dann muss ich raus. Und wie das so ist, wenn man unruhig ist, fällt einem nicht ein, was man machen könnte. Langeweile ist nichts, was mir – aus Gründen – guttut.
Dabei gibt es so vieles, was ich im neuen Zuhause noch nicht gemacht habe. Ich war noch nicht in Haitabu beispielsweise. Und auch in Schloss Gottorf war ich letztmalig mit der Schulklasse, in die ich vor über einem viertel Jahrhundert ging. Damals fand ich es solala und alles, was uns Kinder interessierte, war die Moorleiche. Heute, da ich einen Bezug zu Angeln entwickle, wäre das sicher anders. Das fällt mir aber in solchen Momenten nicht ein. Beziehungsweise, ist das Rausmüssen dann so dringend, dass ich nicht die Muße habe, mich an den PC zu setzen, um mir den Weg rauszusuchen. Mich nach den Öffnungszeiten zu informieren und was weiß ich nicht noch alles.
Also muss ein Glas her, in das die Idee, und wie ich sie ohne Tamtam umsetzen kann , auf einen Zettel notiert reinkommt.
Mir steht nämlich nicht mein innerer Schweinehund im Weg, in solchen Momenten, sondern meine Unruhe.
Ins Glas greifen und sich selbst überraschen zu lassen. Find ich gut.
Eine der ersten Ideen wird sein, mir den Bestattungswald genauer anzusehen. Dort war ich gestern mit dem Hund. Eher aus pragmatischen Gründen, ohne zu wissen, was mich dort erwartet. Der Wald liegt nicht allzu weit weg, und ich dachte mir, dass wir bei den anhaltenden Regengüssen  dort gemütlicher und trockener spazieren gehen können. Ich fand dort einen zauberhaften Ort, der sich mir unvermittelt ins Herz gebohrt hat.

Ideengläser anlegen ist eine tolle Idee.

Warum ich immer wieder vor meinem eigenen Genius Angst habe

Fünf Minuten nach acht kam ich nach tagelanger Abwesenheit im eigenen Zuhause an.
Man möge sich bitte erinnern: Heute ist der richtige Montag. Der Montag, an dem der Elektriker mich mit einer neuen Kabelanschlussbuchse bedenken wollte.
Akt eins: Ich machte die vermeintliche alte Buchse an der falschen Wand aus. Das, was ich beim soweit-vorziehen-der-Regale-und-Schränke-dass-ich-dahinter-linsen-kann neulich sah, war nichts weiter, als eine gewöhnliche Steckdose. Anders geformt als die Restlichen und mich darum in die Irre führend.
Die Kabelanschlussbuchse, befindet sich – absolut unzugestellt – hinter der immer offen stehenden Stubentür, hinter die ich aus mir unerfindlichen Gründen nicht schaute.
Ist dann so.
Akt zwei: Der Elektriker kam um 8:10Uhr mit zwei Elektrikerkollegen und stürmte das Zwergenreihenhaus. Wenn hier mehr als zwei Personen im Flur stehen, ist geschlossen wegen Überfüllung. Meine Platzangst hielt nur kurz an, da zwei der Herren im Keller verschwanden. Einen hörte ich dann von unten hochrufen: „Hier müssen wir nicht rein. Wir müssen vom Trockenkeller aus nach oben bohren.“
Akt drei und Quintessenz: Der Trockenkeller ist nicht vom Keller aus begehbar. Er hat einen eigenen Zugang hinter dem Haus und befindet sich immer in einem ordungsgemäßen Zustand. Warum auch immer ist egal. Nicht egal ist jedoch die Frage, die sich mir nun stellt. Wofür zum Henker habe ich den Keller nun überhaupt sauber gemacht?
Und das alles für eine Kabelanschlussbuchse, die ich eh nicht nutze.
Ich bin stolz auf mich.

The sunny side of rain

 

Kaum, dass ich mein Loblied auf diesen Sommer gesungen hatte, pfiff Gott Petrus zu sich, und befand: „Der geht`s zu gut, dreh mal die Heizung runter, und den Hahn auf.“
Petrus, bekanntermaßen dem alten Sack sein Speichellecker, tat, wie ihm geheißen.
Sollen sie nur. Mir doch egal.
Denn ich weiß etwas, dass die nicht auf dem Plan haben. Touristen sind aus Zuckerwatte, und verstecken sich bei den aller kleinsten Anzeichen von Regen in ihren Ferienunterkünften.
Was nichts anderes heißt, als dass der Strand uns alleine gehört. Das erste Mal seit zwei Monaten also, befand ich das Sommerhundeverbot am Hausstrand für aufgehoben, und was soll ich sagen? Kein Schwein da.
Nur Möwen, der Hund, ich und jede Menge angeschwemmte Quallen.
Normalerweise dreht der Hund am Strand durch und zerrt Seegras, das aus Steinen wächst, umher, oder fängt Algen. Heute nicht. Heute drehte er zwar auch durch, aber ließ das Seegras links liegen. Dafür hat er das Quallenschreddern für sich entdeckt.
Irgendwie eklig, aber da ich ihm schon – aus ihm nach wie vor nicht verständlich zu machenden Gründen – die Wildschweinjagd verboten habe, ließ ich ihn schreddern.
Bis zu einem Punkt, und da muss ich sagen, dass ich schon stolz darauf bin, dass mein Hund horcht. Denn sonst hätte er jetzt Auapfoten. Feuerquallen schreddern ist doof.

Nass bis auf die Knochen, durchgefroren und mit steifen Knien, dafür aber glücklich und zufrieden, kamen wir wieder im Haus am Meer an.
Dieser Sommer hat mich mit den dunklen Jahreszeiten versöhnt. Der weichende Sommer nimmt außerdem die Touries mit, und bald gehört Angeln wieder den Angelitern. Alles eine Sache des Blickwinkels. Gelle?
In diesem Sinne: Gott und Petrus, die können mich mal.

Zwischenzeiten

„Bald bist du dran“, lächelte ich ihn heute früh an, nachdem ich barfuß den Pfau gefüttert hatte. Die Sonne schien, aber der lange Schatten auf der Terrasse sprach eine andere Sprache.
Die des Herbstes. Die Füße bekamen es zu spüren und brauchten eine halbe Stunde, um wieder auf Körpertemperatur zu kommen. Ich spürte, dass bald schon sehr bald sein wird.
Die Fliederbeeren zeigen sich nahezu reif. Die Brombeeren sind überreif. Die Spitzen der Bäume verlieren langsam aber sichtbar ihre Farbe. Die Äste der Obstbäume biegen sich schwer unter ihrer Last. Rote Äpfel leuchten weit. Die Rehe kommen nachts bis vor die Terrassentür. Die Pfauen werden ruhiger und ruhiger, die Enten langsam lauter. Winde werden zu Vorboten der Stürme.
Herbst eben. Viel zu früh, aber der Sommer hatte es dies Jahr nicht minder eilig.
Jetzt endlich, über eine Stunde später als noch vor kurzem, hat die Sonne sich um die Ecke gekämpft und die Bodenbretter der Terrasse trocknen. Brackwasser, Entengrütze, feuchtes Laub und Kamille. In meiner Nase werden Sommer und Herbst eins.
Ich nippte an meinem Kaffee und schaute auf das Meer, konnte es aber nicht sehen. Wo es sein müsste, ist noch immer nichts weiter, als ein Boote verschluckendes gleißendes Silber, das in meinen Augen beißt.
Der Kamin lächelt zurück, als ich mir einen zweiten Kaffee machen und an ihm vorbei gehe, und ich denke: „Heute noch nicht.“
Falls mich jemand suchen sollte. Ich bin am Meer. Den Restsommer huldigen.

„Wo geht es denn hier nach Dekelsen?“

Fragten mich gestern in der City zwei Damen um die sechzig.
Ich antwortete wahrheitsgemäß: „Sie sind hier in Dekelsen.“
„Nein, wir sind doch jetzt in Kappeln.“, sagte eine der Damen dann.
„Was in etwa dasselbe ist. Irgendein Filmemacher meinte wohl, dass Kappeln kein guter Ortsname sei und hat es umbenannt in Dekelsen“, klärte ich die beiden nun sichtbar enttäuschten Damen auf und wies auf das Schild an einem Haus ein paar Häuser weiter, auf dem da steht „Dekelsens Friseur“.
„Oh“, war alles, was man zur geplatzten Illusion noch zu sagen wusste.
„Und wo ist das Landarzthaus dann?“, versuchte die zweite Dame die Situation zu retten.
„Das ist nicht in Kappeln, das steht in Lindaunis.“
„Nein, der Landarzt wohnt doch in Dekelsen! In diesem wundervollen weißen Landhaus mit den grünen Fensterläden.“ Mittlerweile schienen die Damen nicht nur desillusioniert, sondern dachten auch, ich wolle sie auf den Arm nehmen.
„Im Fernsehen schon, aber in der Realität waren ja der Carpendale, der Quadflieg, oder wer da sonst noch den Mediziner gab, nie wirklich Arzt hier. Man hat sich aber für die Drehaufnahmen zur Serie großteils außerhalb Kappelns bewegt und einfach alle Drehorte Dekelsen zugeordnet.“

Das ging noch etwas weiter so. Ich sagte nicht, was ich dachte. Was gewesen wäre: „Boah ey! Das einzig Gute, was der gebracht hat, sind Touristen (<-> wobei wir gleich beim Schlechten wären), die eine Wirtschaft beleben, die es sonst nicht gäbe. Wenn ich sehe, wie sich die Touristen vor dem Schild mit der Aufschrift „Die Landarztkneipe“, welche in Wirklichkeit das Hotel Aurora ist, fotografieren lassen, wie vorm schiefen Turm von Pisa oder vor der Chinesischen Mauer, bekomme ich spontan Fußpilz und Plaque.“ Nein, ich war nett. Ich erzählte ihnen, wie sie zum Tourismusbüro kommen und erklärte ihnen auch, warum sie dort hingehen sollten. Weil es dort das Prospekt „Auf den Spuren des Landarztes“ gibt, das sie zu den Orten führen könne, die sie sehen wollten.
Ich selbst weiß zwar, wie ich nach Lindaunis komme und war dort auch schon hier und da mal, aber Interesse daran, mir das Landarzthaus ansehen zu müssen, das hatte ich bisher nicht. Was ich so nicht sagte. Die Damen waren mittlerweile schon enttäuscht genug. „Ich kam noch nicht dazu …“, sagte ich, glaube ich, und wünschte ihnen abschließend viel Spaß bei ihrer Spurensuche.

Irgendwie fragwürdig, wenn Menschen Realität und Fiktion nicht auseinanderhalten können.

Der Landarzt, die zweitlangweiligstelebigste Arztserie im Deutschen Fernsehen.
Auch wenn ich mir nur zwei von dreihundert (oder so) Folgen angesehen habe (die Landschaftsaufnahmen sind echt klasse, aber inhaltlich …). Er gehört zu einem pseudohalblokalpatriotischen Leben – wie ich mittlerweile gelernt habe – dazu.
Wer für mich also gucken und hinterher meine Bildungslücken schließen mag: Bitteschön. Die aktuellen Sendetermine der Wiederundwiederundwiederwiederholungen findet ihr hier.

Sonne in der Nacht

Es gibt eine Sache, die mir zu hundert Prozent den Schlaf zu rauben weiß.
Wenn es hell ist. Egal ob es elektrisches Licht ist, das irgendwo brennt (ich habe mir schon überlegt, mir ein Schießdingens zu organisieren und die Laterne mit dem Bewegungsmelder abzuschießen, die – am Anfang des Laubengangs – direkt unter meinem Schlafzimmerfenster steht), oder das hier:

Und nicht nur mir. Der Hund schläft dann auch nicht. Was nur indirekt mit dem Mond zu tun hat. Das macht er auch so mal: Er steht bisweilen neben meinem Kopf auf dem Kissen und hypnotisiert mich. Oder, wenn ich auf dem Rücken liege, auf meiner Brust. Schwanzwedelnd. Was ich, wenn es dunkel ist, nicht sehen, aber, durch die durchs Wedeln übertragenen Vibrationen, spüren kann. Erstaunlich, was für ein Beben so ein kleiner Hund auslösen kann. Da hilft dann auch kein „Chewie, bitte! Jetzt nicht, es ist mitten in der Nacht“. Nö, da hilft nur ignorieren. Zeigt man sich nämlich wach, bittet das Tier jiepend um Beschäftigung. Uhrzeiten sind ihm egal.
Wenn zum Hund, der des Nächtens meint, es wäre Zeit aufzustehen, noch der Vollmond kommt, könnte ich zum Werwolf werden. Würde ich in dem Moment auf dem falschen Fuß erwischt werden. Wenn dann noch Mücken dazukommen, die nicht nur hungrig surren, sondern auch stechen, und man sich abwechselnd oder zeitgleich den linken Fußknöchel (Außenseite), das linke Handgelenk (Innenseite), den rechten Handrücken und die rechte Kniekehle kratzen oder an der Matratze schrubbern muss, dann …
Nein, ich habe letzte Nacht nicht geschlafen.

Wie mich das Fernsehen faltenfrei machte

Ich habe mich heute, während des Mittagessens, zur Abwechslung mal durchs TV-Programm gezappt. Genau im richtigen Moment blieb ich in irgendeinem mittäglichen Magazin eines Privatsenders hängen, welches gerade von einer absoluten Sensation zu berichten wusste.
Transversale Applikation mit Hyaloron.
Also Botox für Arme und Spritzenphobiker. Das Gesicht wird gereinigt und entschuppt, dann reines Hyaloron aufgetragenen und das wird mit einem kleinen Druckluftstrahler (in Größe eines Dremels) unter die Haut gedrückt.
Ich traue dem Fernsehen ja nicht, aber das Ergebnis sah wirklich nicht schlecht aus nach nur einer Behandlung. Nach Vieren ist diese abgeschlossen und Frau zwanzig Jahre jünger.
Ich überlege, ob ich mir einen Werkstattkompressor zulege, und ob die Nachbarn sich wohl beschweren würden, würde ich mir damit allabendlich die Antifaltencreme durch die Poren hindurch unter die Haut blasen. Was im kleinen funktioniert, muss schließlich auch im großen klappen. Und schneller.

Die blinde Gräfin Zornig

Ich kam Samstag nach Hause und fand im Briefkasten ein Schreiben, auf dem da stand: „Bitte seien Sie am Montag zwischen 8Uhr und 18Uhr Zuhause, oder sorgen Sie unbedingt (!) dafür, dass wir Zugang zu Ihrem Wohnraum haben.“ So in etwa lautete die an mich adressierte Information.
Es sollen, stand weiter in dem Schrieb, die Strippen fürs Kabelfernsehen erneuert werden. „Bitte räumen Sie“, las ich dann, „den Bereich um die Kabelanschlussbuchse großräumig frei und machen Sie die Wände im Keller frei zugängig.“
Seit circa drei Wochen buddeln die hier rum und ziehen neue Erdkabel. Es ist also nicht so, dass die das erst seit Freitag wissen, dass sie früher oder später unbedingt in mein Haus wollen. Tolltolltoll also, wenn man zwei Tage vorher Bescheid bekommt, dass man u.n.b.e.d.i.n.g.t. (das stand da echt – unbedingt – und ich fragte mich, was wohl passiert, wenn ich – hah! – nicht da sein würde) am Montag Zuhause zu sein hat.
Als Erstes – ich nutze sie nämlich nicht – suchte ich diese verfickte Kabelanschlussbuchse, um überhaupt eine Übersicht zu bekommen, welche Wand freizuräumen ist. Ich fand sie hinter einem der beiden Bücherregale und beschloss, dass ich das Regal Montagfrüh – also heute – geschwind zur Seite schieben würde. In meinen Augen ist eine Bücherregalbreite in Relation zu einer Kabelanschlussbuchse großräumig genug. Selbst dann, wenn der Weg vom Keller zur Kabelanschlussbuchse eher darauf hindeutet, dass man die ganze Wand freigeräumt haben möchte. Eine logische Schlussfolgerung, die ich zu ignorieren versuche. Am Ende werde ich mich mit meiner Haarfarbe entschuldigen.
Ein mich versichernder Blick in den Keller zeigte, dass die Wände weiträumig genug frei sind. Zumindest sehe ich das so, weil ich nicht weiß, welche Wand. Ich habe acht davon im Keller und man erwartet doch wohl kaum, dass ich alle freiräume. Ich befand jedoch, dass der Spinnwebenbefall (ich wohne erst ein halbes Jahr hier und dann so etwas) doch mehr ist, als ich für zeigbar halte. Also flugs Weben wegwedeln, eben mit dem Staublappen über die Regale und Schränke wischen (wenn schon, denn schon), ausfegen und fertig. Dabei selbstredent darüber schimpfend, was für eine Frechheit es ist, mich nur zwei Tage vorher zu informieren. Wäre nicht Samstagnachmittag gewesen, ich hätte den Elektriker angerufen und durchs Telefon gezogen.
Heute, am Montag, bin ich dankbar dafür, dass vor zwei Tagen Samstag war, und der Elektriker somit nicht erreichbar.
Mit Brille wäre das nicht passiert. Nicht, dass ich keine Brille hätte (mittlerweile verteilen sich sieben Lesehilfen im Zwergenreihenhaus), aber ich habe mich so geärgert über die gelesene Frechheit, dass ich keine Lust hatte, noch deutlicher lesen zu können, dass man mich – so kurzfristig – Montag meinte ans Haus binden zu müssen.
Montag, den 18.August. Wie ich nach getaner Kellergrundreinigung und darauf folgendem nochmaligen Lesen mit Brille erkannte.
Eigentlich ist es eine Frechheit, so Dioptrien2,5-unfreundliche Briefe zu verschicken und davon auszugehen, dass frau ihre Lesebrille zur Hand hat.

Eingeborenengespräche

„Die sind doch bekloppt, die Touristen“, sagte die ehemalige Nachbarin des Kapitäns, die nun meine Nachbarin ist (Angeln ist eben noch etwas kleiner, als die Welt), und begründete ihre Meinung auch gleich: „Die bestellen voll die fetten Fischplatten und schlagen sich bei vierzig Grad den Wamps voll, das geht gar nicht.“
Der Kapitän vermutet nun, dass sein ganzes Dorf, nur noch aus Touristen besteht. „Ich glaube …“, sagte er, „ich glaube, dass alle Eingeboren ihre Betten für die Touries geräumt haben, und die nun allesamt auf Matratzen in den Schulturnhallen schlafen.“ ***

Finde ich so abwegig nicht, seine These. Denn so viele Ferienwohnungen, wie es hier Touristen hat, gibt es in ganz Deutschland nicht. Mittlerweile sind es so viele, dass das mobile Internet allerorts nurmehr in vorsintflutlicher Geschwindigkeit läuft, äh, schleicht. Egal welches Netz, nichts geht mehr. Außer mitten in der Nacht, wenn der gemeine Tourist den fetten Fisch versucht zu verdauen.

Mein Abendessen war eine Däneneistüte. Was auch sonst …
Und Dienstag bekomme ich von der Lieblingsdäneneisdealerin das echte dänische Lakritz mitgebracht. Das Zeug, das das Eis fünfzig Cent teurer macht, und nicht angeboten wird Vorort, weil es den Touristen zu teuer ist.
Mir nicht. Ich bezahle ja eh nur die Hälfte.
Meine Däneneisdealerin war heute außerdem so nett, meinen Ruf öffentlich wiederherzustellen. Sie brüllte quer über die Straße: „Ich bleibe heute bis 19Uhr und zwar nur für dich, damit du endlich dein erstes Eis des Jahres bekommst.“ Was ihre Art der Wiedergutmachung ist, weil sie mich ja vor dem Kapitän als Stammgast outete. Irgendein bayowarischer Tourie nahm mir die Antwort aus dem Mund: „Das ist sehr großmütig.“
Fand ich auch.

*** Edit: Ich bekam eben eine Whatsappnachricht zu diesem Eintrag „du hast die Klingler vergessen!“

Stimmt. Also das geht für gewöhnlich so. Man hört das Knirschen der Kieselsteine, mit den der Hof belegt ist. Dann klingelt es. Ein Mann mittleren Alters öffnet und dann kommt es: „Wie komme ich denn zu diesemoderjenen Strand?“ Der Mann mittleren Alters antwortet dann: „Weiß ich nicht.“
„Ach, Sie machen auch Urlaub hier?“ (Der Tourie, der nicht denkt, ganz Angeln bestünde einzig aus anderen Touries, klingelt also b.e.w.u.s.s.t. bei Eingeborenen Sturm)
„Nein. Ich. Wohne. Hier.!“
„Aber, aber dann müssen Sie doch wissen, wo dieser oder jener Strand ist!“
Mal davon abgesehen, dass wir erst zugewandert sind und wirklich nicht jeden Strand kennen, ist es irgendwie dreist. Schließt man dann wortlos die Tür, ist man ein unfreundlicher Arsch. Mag im ersten Moment so erscheinen, aber die Masse der Vorkommnisse macht es. Wird man über den Zaun gefragt, fallen die Antworten schon etwas freundlicher aus, auch wenn die Touristen dann nicht unbedingt dort ankommen, wo sie ursprünglich hin wollten (die wissen es nicht besser. Strand A ist doch viel schöner, als Strand B). Das an der Tür läuten jedoch … Ich denke darüber nach, ein Schild anzubringen (schließlich gehört das Haus am Meer die nächsten Wochen mir allein, weil der Kapitän unterwegs ist): „Hier ist KEINE Touristeninformation. Bitte fahren Sie in die nächste Stadt und kaufen sich eine Radwanderkarte bei Leuten, die für Informationen, wie Sie sie umsonst haben möchten, bezahlt werden.“