Archiv für den Monat Juni 2014

Noch mehr Nackerte

PS: Man achtet mittlerweile … warumauchimmer … darauf, ob Nachbarswagen vor der Tür stehen. Wenn nicht, kann man eigentlich sicher sein, nichts zu sehen zu bekommen, was man nicht sehen will. Eigentlich.
PPS: Der mit Yukon war der überm Zaun Hängende.
PPPS: Unpassende Anreden wurden zensiert.
PPPS: Passen Sie also auf, wenn Sie in Angeln einen Strandparkplatz aufsuchen. Sollte der Strandparkplatzwärter nackerich sein, könnten Sie sich in unsere Nähe befinden und sind herzlich auf einen Kaffee eingeladen.

Scheiß Wattsfeld

Oder :Halblastenesel².
Seit geraumer Zeit denke ich über die Anschaffung eines Drahtesels nach. Ich bin da bekanntermaßen ja anders unterwegs. Generell meine ich. Ich mag keine neuen Dinge. Und wenn es sich denn nicht vermeiden lässt, dass man etwas anschaffen muss, dann muss es auch passen. Erste Priorität bei Drahteselanschaffungsüberlegungen: Der Hund muss gut und sicher transportiert werden. Alldieweil Havaneser alles sind, aber nicht lauffreudig genug, dass man mit ihnen neben dem Rad laufend Angeln erkunden könnte.
Das Wunschrad: ein altes Lastenfahrrad. So ein richtig schön Altes. Was die Dinger kosten erwähne ich lieber nicht.
Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen und klickte mich – mal wieder – durch ebays Kleinanzeigen, und da sah ich es. Sofort habe ich das Handy zur Hand genommen, die Nummer von der Angebotsseite abgetippt und per SMS gefragt, ob der eben gesehene Drahtesel noch zu haben ist. Erstaunt war ich, als ich umgehend Antwort bekam. Konnte da noch einer nicht schlafen, oder habe ich ihn geweckt? Kann passieren …

Heute Früh habe ich dem Kapitän das Haben-will-Stück umgehend vor die Nase gehalten, und wie er so ist: „Zieh dich an, da fahren wir gleich hin.“
Das passte den darüber informierten Anbieter und wir fuhren. Zu zweit nebst Hund im Kleinstkleinwagen. Ist klar. Der Kapitän unkte, als ich laut darüber nachdachte, ob das Eselchen auch wirklich in so einem guten Zustand sein mag, wie die Fotos mir glauben machen wollten. „Das ist Stahl. Wenns echt rostig sein sollte, schleifst du das ab, grundierst, lackierst es rosa und gut ist es.“
Ich sah ertappt verlegen auf meine Füße, während Monsieur laut lachte: „Ich wusste es. I.C.H. W.U.S.S.T.E. E.S.!“ Dann faselte er noch was, von wegen, dass ich nun nicht erröten müsse und so.
Quackelkram. Ich doch nicht.
Wir kamen an und trafen auf einen Mann, dessen erste Frage war: „Wie? Damit?“
Wir zuckten synchron mit den Schultern. Erst mal anschauen. So war der Plan. Wir schauten und mein kleines Herz setzte kurz aus, um dann zwei Stolperschläge zu machen.
Als ich grinsend von der Probefahrt kam …
Soweit, so gut. Wie aber, bekommt man das Runde in das Eckige?
Ich mache es kurz: Ein Sechsundzwanziger Fahrrad passt in einen Smart. Aber wenn es drin ist, der Kapitän nicht mehr. Also fuhr ich alleine zurück und ließ den Kapitän in Flensburg stehen, fuhr zu ihm nach hause, entlud dort – den beobachtenden Blick des Nachbarn in meinem Rücken spürend – das Wägelchen, setzte mich wieder in Selbiges, brachte die vierunddreißig Kilometer noch einmal hinter mich, sammelte el Capitano ein, fuhr zurück, entlud Mann und Hund, nahm das Eselchen, und fuhr damit los. Ziellos … und fand mich irgendwann auf des Kapitäns Joggingstrecke wieder. Brachte diese hinter mich, kam wieder im Haus am Meer an, setzte mich zu den Herren und sagte das, was der Kapitän alle zwei Tage sagt: „Scheiß Wattsfeld. Scheiß Wind.“
Ich wollte es wissen, denn wir hatten kurz zuvor eine kleine Diskussion darüber, wie sinnvoll es ist, sich ein fünfunddreißig Jahre altes und schweres Halblastenrad ohne Gangschaltung, made in der DDR, zu kaufen, wenn man für eine ähnliche Marge ein Rad aus Alu mit soundso vielen Gängen haben kann.
Ich sag mal so. Ich bin gefühlte hundert Jahre nicht Fahrrad gefahren. Wenn ich das Wattsfeld ungeübt und ohne Gangschaltung schaffen würde … mit mächtig Gegenwind, ohne anhalten und ohne bergauf schieben zu müssen.
Hah! Geschafft.
Leute, Leute. Ich sehe mich schon. Vorne und hinten bekorbt und mit Strohhut bedeckelt auf einem ros… nein, es wird nicht rosa. Versprochen. Aber über den Strohhut, über den denke ich ernsthaft nach.
Nun warte ich noch darauf, dass der Nachbar etwas zu meiner Neuerrungenschaft zu sagen hat. Er ist nämlich der mein-Rad-wiegt-null-Kilo-und-mein-Rad-kann-alles-Mountainbiker mit einer halben Trillion Gängen am ultramodernen Rad.
Das aber kann noch dauern. Allein der Anblick meines altertümlichen Gefährts wird ihn halb zu Tode erschrocken haben. Davon muss er sich erstmal erholen. Denke ich.

Sommersonnenwendenachtsonnenhimmel

Linke Seite. Rechte Seite. Links, rechts, Bauch, Rücken und zurück.
Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere. Nahm wieder das Kindle zur Hand und tauchte kurz ab, ehe die Augen erneut zufielen. Und zackbummpeng. Wieder vorbei. Wieder abtauchen und zurück, zum Zackbummpeng. Wieder wälzte ich mich hin und her. Wieder und wieder und wieder. Schlaflos in Vordäneland. Kann mal einer das Licht ausmachen? Bitte.
Es war zu hell und der Blick aus dem Schlafzimmerfenster zeigte um ein Uhr irgendwas diesen Himmel.


In Angeln ist Mittsommer also ein bis zwei Tage später. Und wenn Schlafen nicht geht, schaut man eben aus dem Fenster. So oft kriegt man schließlich nicht so eine  nächtliche Sommersonnenwende zu sehen. Ich kann mich genau genommen nicht daran erinnern, etwas in der Art schon mal gesehen zu haben.
Heute Morgen bin ich dann auch quer im Bett liegend aufgewacht. Richtig quer. Füße nebst halbe Schienbeine außerhalb des Bettes. Keine Ahnung wo ich war.
Den Rest wird Kaffee richten müssen.

Bank mit Meerblick

Als ich hier einzog, stand sie schon da. Im Garten. Drauf gesessen hat sicher Jahre niemand. Morsch, morscher, am morschesten. So morsch, dass man mit den Fingern Löcher ins Holz bohren konnte. Aber das Eiserne war noch intakt. Aus alt und kaputt, mach neu und schön. „Das mach ich bei dir fertig“, informierte ich den Kapitän.
Gesagt, das Eiserne ins Auto geschmissen, getan.
Konnte ich denn ahnen, dass er das fertige Werkstück konfisziert?
Sie würde so schön unter den Apfelbaum passen und als der Freundesfreund vorgestern zu Besuch war, saß dieser das gute Stück ein und murmelte, den Blick gen Ostsee gerichtet, immer ein und denselben Satz in seinen Bart: „Was eine Weite … waaaas eine Weite.“ Was el Capitano als Totschlagargument aus dem Ärmel zog, damit die Bank bleiben kann, wo sie ist.


Jane Blond. Für einen kurzen Moment Besitzerin einer schönen alten neu hergerichteten Bank. Immerhin.

An de Woterkant

Nachdem ich von Stränden wie dem in Schönhagen eher enttäuscht war (explizit der wurde mir als der Strand überhaupt angepriesen, und man beschwor mich, dorthin zu fahren …), setzte ich meine Strandentdeckungsexkursion wie schon erwähnt auf Angelner Seite der Ostsee fort.
Von hinten nach vorn quasi.
Sackgassen auf vordäneländisch. Da wo es nicht mehr weiter geht, ist hier nicht etwa Ende. Wenn man denn ein Amphicar sein Eigen nennt. Wenn nicht muss man bis an die Wasserkante fahren und umsteigen.

Steinberghaff, oder: Griechenland für Arme.

Das mit der Sackgasse wiederholt sich nur eine Querstraße … äh, ein Kaff weiter. Ohrfeldhaff. Wo die Straße aufhört, fängt der Steg an. Passt.


Nächster Halt war Wackerballig und ich befand mich in einer anderen Temperaturzone. Fuhr ich bis hierher ‚oben ohne‘, war ich nach diesem Strandbesuch satt. Scheiße, war das kalt und windig. Komischerweise nur dort und das erklärt, warum hier falsch herum Fallschirm geflogen wird.
Ziemlich cooler Sport, die Jungs hatten offensichtlich ihren Spaß, und ich überlegte kurz, was so eine Ausrüstung wohl kosten mag …

… aber auch das ist Wackerballig Strand:

Kurzer Abstecher in die Geltinger Birk. Dort war es zwar nur noch leicht windig, aber ich war durchgefroren und blieb darum ich nur kurz … Ich wollte ja ohnehin Strände erkunden, und keine Naturschutzgebiete. Apropos. Die Geltinger Birk ist ein Förderprojekt der Europäischen Union. Zu recht, wie ich finde.

Nächster Halt: Falshöft. Dort findet man den Hundestrand. Toll … mag man denken, aber der Strand ist dermaßen steinig, dass selbst Hunde da nicht ins Wasser gehen mögen.
Immer nett anzusehen aber ist der Leuchtturm. Ich mag Leuchttürme. Sie sind und bleiben für mich ein Symbol von Freiheit …


In Falshöft bin ich öfter. Geht man vom Hausstrand entlang gen Norden, läuft man gute fünfzehn Minuten dorthin. Immer ein schöner Spaziergang. Einmal ging ich „außenrum“ zurück. Was keine wirklich gute Idee war. Ein Teil des Rückwegs musste ich über abgesoffene Felder laufen. Was insbesondere der Hund ätzend fand. Mimöschen, und so. Das Ganze dauerte dann auch gute zwei Stunden und der Kapitän war drauf und dran eine Vermisstenanzeige aufzugeben.

Gestern dann war ich wieder am Hausstrand. Und nein … es ist kein Privatstrand. Leider nicht, und doch sah es am 23. Juni um 15:00 dort genau wie folgt aus:

Keiner da. Außer mir. Dieser Zustand dauerte eine knappe Stunde, ehe ein Tourietrio nebst Vierbeiner auftauchten, vom schönen weißen Sandstrand schwärmten, den man vorfand, und alsbald den Hund mithilfe von Treibholzstücken ins Wasser scheuchte. Kurz war ich in Versuchung darauf hinzuweisen, dass auch hier (leider) Sommerhundeverbot besteht, aber ich bin ja bekanntermaßen eine Nette.

Wenn dann noch die Sonne über dem Gut wie folgt untergeht …

… ich schwöre: Zu realisieren, dass das alles jeden Tag da ist und auch da bleiben wird … ich kann es noch nicht festmachen, das Gefühl derzeit. Entweder lebe ich im Dauerurlaubmodus, oder ich entwickle tatsächlich ein Gefühl von Heimat. Wahrscheinlich ist es noch irgendwas dazwischen … und so bleibt am Ende nur noch eines zu sagen:

Hinterrücks, oder so

Der Kapitän hat, neben der Ornithologie, ein neues Hobby. Mich im Schlaf zu fotografieren. Diese Fotos sind ausnahmslos der Zensur zum Opfer gefallen.
Ich bin ja eigen, was Fotos von mir angeht. Folgendes lasse ich aber mal so durchgehen.
Nicht dass einer denkt, wir küssen uns. Das läuft hier unter: „Lass‘ mal riechen, was du gegessen hast.“

Was der Kapitän kann, kann ich aber auch. Hinterrücks fotografieren, und ich präsentiere: El Capitano (wie mir justamente auffällt … Mann passt sich farblich an …), den Pentecost und auf der Sofalehne den Finsten, der sich mittlerweile auch bei geöffneter Terrassentür zusammenreißen kann.

Auf zwanzig Zentimeter lässt Gaylord den Kapitän mittlerweile an sich ran. Ohne, dass Letzterer viel dazutun musste, außer das übliche Puttputtputten und sich ansonsten neutral zu verhalten.
Aug‘ in Aug‘, respektive Aug‘ in Handylinse.

Ziemlich cool das.

Auf ein Bierchen

Wir sahen uns fragend an, als wir neben dem Haus eine Autotüre klappen hörten, der Kapitän und ich. Die Straße entlang des Schlossgrabens, ist … nein, keine Landstraße, das Ding nennt sich Ortsverbindungsstraße, und da hält normalerweise keiner. Gar nie passiert das. Es sei denn, man muss wegen Enten- und/oder Pfauenverkehr anhalten. Aber dann klappen keine Türen. Dann vernimmt man höchstens mal ein verzweifeltes Huphuphupen.
Wir hatten uns noch nicht zu Ende angesehen, da hing er auch schon über dem Zaun und fragte: „Wohnt ihr hier, oder macht ihr Urlaub?“
„Wohnen“. Manchmal ist der Kapitän halt wenigsilbig unterwegs. Dafür war der am Zaun Hängende es nicht und stellte sich kurzerhand als Hannes vor, ehe er anmerkte, wie gut man es hat, hier wohnen zu können. Er wies aufs nächste Dorf und sagte, dort würde er wohnen. Aber nur im Winter, denn nun in der Saison macht er den Strandparkplatzwächter, und als solcher darf man direkt am Strand wohnen.
Mein Neid war kurz mit ihm. Diese fünf Minuten nicht zum Strand runtergehen zu müssen, sondern direkt … Tür auf und in den warmen Sand fallen …
Er riss mich aus meinen Gedanken, der Hannes, indem er weiter redete. „Nein, gebadet hab ich noch nicht“, waren meine nächsten Worte. „Ist mir noch zu kalt die Ostsee“, ergänzte ich.
Der Kapitän legte seine Zweisilbigkeit ab und erklärte, dass er nie unter neunzehn Grad Wassertemperatur reingehen würde. Für Outsider: die Ostsee hat selten bis gar nicht mehr.
„Ich war viele Jahre in Kanada …“
Hannes ließ uns an seinen Erinnerungen teilhaben. „… und in Kanada. Ja, da muss man halt bei zwei Grad in den Yukon, ob man will oder nicht.“
Nö, würde ich nicht wollen. Dann lieber stinken.
Irgendwann lud Hannes uns auf ein Bierchen in seine Sommerbude ein und verabschiedete sich, um ungefähr fünfzehn Minuten später wieder überm Zaun zu hängen: „Habt ihr zufällig eine Stichsäge, die ihr mir drei Minuten leihen könnt?“
Hatten wir. Und ich schwöre, bei allem, was mir heilig ist. Er stieg in sein Auto, drehte um, fuhr gen Sommerbude und war nur zweieinhalb Minuten später wieder da, um die Säge zurückzubringen.
„Waren nur zwei Schnitte zu machen …“, antwortete er meinem verwunderten Blick.
Worauf ich eigentlich hinaus will, ist etwas anderes. Was wir hier schon an Einladungen auf „ein Bierchen“ oder „einen Schluck“ bekommen haben … Kontaktscheue kann man dem angeliter Vordäneländer nicht vorwerfen. Nun trinken wir aber nicht. Mir zieht es mittlerweile nach nur einem Alster die Schuhe aus (seitdem kauft der Kapitän mir Alkoholfreies, und ich könnte schwören, dass ich sogar davon düsig werde) und der Kapitän selbst schafft auch nicht mehr als anderthalb. Was uns bisher davon abgehalten hat Einladungen anzunehmen, denn wenn man Bier verniedlicht. Und Schluck ist irgendwie auch. Hm. Ich weiß nicht so recht. Ich denke, wir würden uns ins Bodenlose blamieren.

Pssst!

Ruhige Tage, gefüllt mit Faulenzereien jedweder Art, liegen hinter mir. Neben der einen oder anderen Basteleinheit. Überstunden abbummeln ist toll. Sich derweil in dem Haus am Meer einnisten können, um die freie Zeit zu genießen, noch toller. Viel Ruhe, etwas Strände vergleichen. Strand ist eben nicht gleich Strand … Ich war auf schwansener Seite der Schlei unterwegs, aber nur kurz. Feststellung: Touriestrände. Gepflasterte Deiche, Strände mit Hunde-verboten-Schildern, damit der karibikweiße feine Kies ja nicht beschmutzt wird, und der Hinweis, dass man diese hundefreie Zone nur gegen Gebühr betreten darf. Alles glatt und sauber und Frau von Makeln.
Gut, schön anzusehen sind sie, die aufgehübschten Strände, aber … ich mag das nicht. Die Strände meiner Kindheit waren voll von Dünen, in denen man sich verstecken konnte, und hatten mit den gestern besuchten Stränden nichts gemein. Dafür der Hausstrand, und die Strände drum herum. Ich brach deswegen die Schwansen-Expedition ab und klapperte die Strände auf der Angelner Seite ab. In Wackerballig (der Strand für die Sportlichen) war ich, und in Steinberghaff. Ich war in der Geltinger Birk (kein Strand, sondern ein traumhaftes Naturschutzgebiet) in Ohrfeldhaff und in Falshöft. Feststellung Part II: Es gibt keine schöneren Strände, als die in der Geltinger Bucht. Fotos habe ich auch gemacht, aber die kriege ich nicht von der Cam aufs Tablet und so muss das Angeben warten, bis ich wieder am Laptop sitze.
Bis dahin bin ich mal weg. Am Hausstrand. Mit der Gewissheit nicht auf nackerte Nachbarn zu treffen, weil kein Nachbarauto auf’m Hof = Nachbarn weggefahren.

Unverhofft kommt gar nicht so oft, aber wenn … dann!

Alles, was Masten hat, hat eine magische Anziehungskraft auf mich.
Unter ihnen ist meine Seelenheimat. Dieses leichte Schaukeln, wenn man das Boot festgezurrt hat. Das Klappern der Wanten. Das beruhigende „Plong“, wenn das Wasser leise gegen den Rumpf klopft. Wie die Luft unter Deck feucht und schwer wird, wenn man den Wasserkessel anmacht, um sich einen Kaffee zu kochen … Wie ich das vermisse und oft werde ich wehmütig, wenn ich am Hafen entlang spaziere. Das tue ich fast jeden Tag. Mal freiwillig mit dem Hund. Mal, weil es eben mein Arbeitsweg ist.
Heute wurde ich auf dem Nachhauseweg dann überrascht. Hatte ich gestern die Klassiker um eine Nasenlänge verpasst, lag da heute Großsegler an Großsegler.
Was für ein Bild. Von der Arbeit aus zum Hafen sind es drei Minuten.
Mein Nachhauseweg, eine (jaja, ich wusste nicht, dass die da liegen, sonst hätte ich die Cam dabei gehabt!) Handyfotolovestory:

Vom letzten Foto an, sind es dann noch mal drei Minuten, und ich bin Zuhause. Von oben, aus dem Bad, kann ich sie noch sehen, die Spitzen einiger Masten der ganz großen Pötte.
„Willste da mitfahren?“, fragte der Kapitän, als ich ihm die Bilder auf sein Handy schickte. Hach! Sicher wäre noch irgendwo Platz, ich bin ja nicht so groß und bei Hand gegen Koje, da geht immer was. Aber das spare ich mir für die nächste Kieler Woche auf.
Vorfreude ist bekanntlich die beste Freude.

Ich schätze mich wirklich glücklich, da sein zu dürfen, wo ich bin, und bin dankbar für all das hier. Auch für den Kapitän, der immer genau weiß, wozu ich Lust hätte.

Doppelt passend

Das erste echte Buch, das ich las, war Eric Malpass‘ „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“. Ich war wohl acht oder neun Jahre alt, auf Ferienbesuch bei Oma Thea und ich lag mit Malpass in ihrer Stube (Oma Thea und Opa Richard hatten getrennte Stuben, schliefen aber in einem Schlafzimmer) auf dem großgemusterten, groben Verlourssofa mit einem Muster, das man in den Siebzigern mehr an Wänden, als auf Sitzmöbeln fand. Mein Sessel jetzt Zuhause hat ein ähnliches Muster, nur ist meiner schwarz-weiß und nicht braun-beige, wie ihre Garnitur war. Aber das nur als unwichtige Zusatzinformation und auch nur, weil ich es gerade feststelle.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Bevor Gaylord Pentecost wach wird, denn es ist ihm herzlich egal ist, dass der Rest der Familie eigentlich gerne länger schlafen möchte. Er nervt so lange, bis alle wach sind.

Der Kapitän tauft ja nun nach und nach alle Federviecher um sich herum. Nachdem die Spechte jetzt die Namen Redhat und Whisler tragen dürfen, bekam ich gestern Abend eine Whatsapp-Nachricht: „Der schwule Pfau heißt Gaylord.“

So. Gaylord also. Gut. Aber irgendwie fand ich das allein zu sehr auf seine offensichtliche sexuelle Ausrichtung weisend und somit beschloss ich, dass ich meinem kleinen Kindheitshelden auch noch flux seinen Nachnamen klaue.
Gaylord Pentecost, das passt im doppelten Sinn. Denn der kleine Herr Pfau ist nicht nur schwul, er nimmt auch ebenso wenig Rücksicht auf das Schlafbedürnis seines Umfeldes, wie der kleine Gaylord. Wenn der Herr Pfau wach ist, haben es alle anderen auch zu sein. So toll und schön das mit den Pfauen ist, länger als bis sechs Uhr schlafen ist nicht mehr drin. Punkt. Es wird gehupt, getrötet und gerufen und geschrien, dass Taube hörend werden.

Also darf ich vorstellen: Gaylord Pentecost.

Der Unscharfe im Hintergrund ist Gaylord, ist klar. Amadeus wollte nur endlich auch mal wieder mit auf ein Foto.