Nachtrag

Er so: „Mach doch bitte weiter.“
Ich so: „Nö!“
Er so: „Doch!“
Ich wieder: „Nö!“
Er dann so: „Doooohoooch!“
Ich dann: „Nö, warum sollte ich?“
Er: „Darum!“
Uswusf.

Ich erwähnte es in den Kommentaren hier, der Kapitän bohrt vor sich rum.
Es gibt tatsächlich Menschen, denen mein Blog gerade mal mehr bedeutet als mir selbst. Gut, 13 Jahre (in Worten dreizehn) bloggen wegzuwerfen ist selbstredend alles andere als leicht. Es ist sogar recht schwer. Aber ja, es ist und bleibt für mich gerade der einzig gangbare Weg. Der einzige, der sich ehrlich anfühlt.
Trotzdem hat der Kapitän mich – zwischen all dem Nö und Doch -, zumindest davon überzeugen können, wenigstens nicht alles zu löschen – „all die schönen Worte …“ -, sondern vielleicht nur zu pausieren, „ein halbes Jahr oder so“ (was ich persönlich nicht sehe), und das Blog – bittebittebitte – nicht zu löschen, sondern nur auf Eis zu legen.
Nur falls ihr euch wundert, wenn hier absehbar „privat“ an der Tür steht und nicht das „fjordgesabbel@wordpress.com ist nicht mehr erreichbar“ angezeigt wird. Kann ja sein, dass der eine oder andere meine Worte anzweifelt und das kontrollieren geht.
Allein der Kapitän hat Schuld! Ich habe mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt.
„Sicher. Mich nimmt dann am Ende keiner mehr für voll, oder wie?“
„Na, dann erklärste das halt noch kurz, bevor du den Laden abschließt.“
Was ich hiermit getan habe.
Wenn Starrsinn auf Starrsinn trifft, zieht am Ende: Der Klügere gibt nach.
Mein Entschluss steht fest, ich habe mir gestern lediglich ein Versprechen abnehmen lassen. Tja, im Zweifel habe ich in all den Jahren mit dem Kapitän eines gelernt: Er ist bisweilen der Weisere und weniger impulsive von uns beiden. Wobei das ein schon wohlüberlegter Schritt ist. Hätte ich impulsiv gehandelt, wäre ich dem spontanen Drang, den Löschbutton zu klicken, sofort gefolgt. Wortlos.
Kommenden Samstag ist also kein Abriss, sondern nur Torschluss. Nur damit es nicht heißt, die Frau kann man nicht ernst nehmen. Ich meine es ernst. Bierernst sogar!

Alles hat ein Ende

Es war einmal ein Blog. Ein Kleines, das groß und größer wurde. Zu groß für die Bloggerin. Es war für sie, als stünden ein paar hundert Menschen vor ihrem Haus und würden in die Fenster glotzen. So wurde das Blog zum Wanderblog, wann immer der Bloggerin die Menschen die in ihr Haus schauten zuviel wurden, zog sie um und fing von vorne an.
Im Halblokalpatriotischen hält sie sich stabil in Grenzen, die Zahl der Menschen, die sich die Nase an Jane Blonds Wohnzimmerfenster plattdrücken. Wären da nicht so Menschen wie C., deren Borderlinestörung sie veranlasst, mir seit vier Jahren mit bösesten Kommentaren erfolglos das Leben schwer machen zu wollen, könnte es sogar noch gemütlicher sein, weil ich mir die Moderationsschleife hätte sparen können. Dann hätten die Mäuse, wie es früher hier Sitte war, auf dem Tisch tanzen und sich mit sich alleine amüsieren können, wenn die Katze aus dem Haus war. Oder das Wissen, dass die ehemalige Mitbewohnerin auch nicht davon ablassen kann sich auf den neusten Stand zu bringen. Wenn sie es für sich braucht: Bitte. All das juckt mich persönlich am Ende aber herzlich wenig und hat mich in all diesen Jahren nicht bewegen können aufzuhören.
Wenn aber Menschen bewusst – über ein Hintertürchen, das vergessen wurde zu schließen – hierher finden, um sich still und heimlich umzusehen, sich Informationen holen, die sie aus welchen aus Gründen auch immer rein privat wissen/nutzen wollen – brauchen, Dinge, die sie rein gar nichts anzugehen haben, dann hört der Spaß irgendwann auf. Ein Blog ist immer ein zweischneidiges Schwert. Ja doch. Er ist nunmal öffentlich (wobei ich mittlerweile peinlich darauf achte, dass Menschen, die mich im realen Leben kennen hier nicht lesen) geführt und man gibt fremden Menschen gegenüber bisweilen auch zu viel Preis. Ja. Unangenehm wird es, wenn Dinge passieren, wie ich sie eben erwähnte. Bewusst heimliches Spionieren, aus was auch immer für Beweggründen, ist ein eklatanter Eingriff in meine ureigene Privatsphäre und eine unentschuldbare Grenzüberschreitung. Das fühlt sich ein Bisschen an, als wäre das Blog benutzt und vergewaltigt worden. Jaja, ein böser Vergleich für alle die, denen letzteres wirklich widerfuhr, aber eben so empfinde ich gerade. Mein Blog wurde benutzt, und ja, ich fühle mich persönlich benutzt. Das missfällt mir wirklich sehr.
Als ich mir dessen bewusst wurde, musste ich ein paar Tage darüber nachdenken, wie ich damit umgehe. Es für mich behalten? Darüber hinwegsehen? Still verschwinden? Ja, still verschwinden, das war der erste Gedanke, das erste Gefühl, aber das fände ich den Menschen gegenüber, die mich seit über einem Jahrzehnt begleiten, mir Blog für Blog folgten, unfair.

Keine Sorge, es geht mir gut. Nur endet die Show hier.
Ich möchte euch für die vielen Jahre Danke sagen. Für euer Feedback und auch mal fürs um die Ecke denken helfen. Ich werde euch vermissen und das meine ich ernst, denn nicht ich, sondern ihr habt das Blog mit Leben gefüllt, wo ich nur Worte fallen ließ.

PS: Es gibt seit einiger Zeit – was einige wissen – ein obergeheimes Geheimprojektblog, das zwar nur für die Dauer des obergeheimen Geheimprojektes geführt werden wird, in dem man mich aber für diesen Zeitrahmen begleiten kann, wenn man denn will. Wer fragt, dem wird – so ich ihn von hier kenne und identifizieren kann – sicher geholfen werden. Und ihr, die ich ausschließen will: Ihr könnt googlen bis euch der Arsch abfällt, ihr werdet ihn nicht finden. Andere Namen, keine Zusammenhänge, nichts, was auf Jane Blond oder el Captiano auch nur im entferntesten hinweist.

Ich lasse das noch eine Woche so stehen, dann lösche ich das Blog komplett.
In diesem Sinne, gehabt euch wohl und Küsschen, Jane.

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Das Video aus dem letzten Beitrag. Eigentlich hätte ich es in diesem Eintrag einfügen müssen. Denn Mann eins war es, der einen Autounfall hatte. Beim Zweiten gab es kein Blut, aber die Situation in der Klinik war am Ende dieselbe. Einmal mit, einmal ohne Blut.
Es war Ende der Neunziger, als ich auf Kai wartete. Er war immer pünktlich. Ich hatte gleich ein ungutes Gefühl, als er mich nicht wie abgemacht abholte … das passte nicht zu ihm.
Es war ein Betrunkener, der ihm reingefahren war. Er hatte keine Chance. Ich wollte ihn nochmal sehen, aber man ließ mich nicht. Er sah zu schlimm aus. „Sie würden ihn nicht erkennen“, hieß es. Zwei Wochen später saß ich in seinem Auto. Die Polizei hatte angerufen, dass der Wagen freigebenen ist, und ich die persönlichen Sachen aus dem Wagen holen kann. Alles war voll getrocknetem Blut. Ich musste die ganze Zeit auf den Cowboystiefel starren, der unter dem Gaspedal festklemmte. Er ließ sich nicht einen Millimeter bewegen, und ich fragte mich, wie man seinen Fuß da rausbekommen hat. Ich stellte mir die Situation vor, wie er in seinem Wagen gefangen saß und wollte schreien. Das Autodach gab es nicht mehr, es war aufgerollt wie der Deckel einer Sardinendose. Hätte er überlebt, dann ohne Beine, querschnittsgelähmt und schwerem Hirnschaden.

Beim Zweiten hatte ich mir anfangs oft gewünscht, sie hätten es auch nicht geschafft ihn zurückzuholen. Es war für ihn immer eine Horrorvorstellung ein Pflegefall zu werden. „Lass das nicht zu …“ sagte er irgendwann mal, als wir eine Doku über häusliche Pflege gesehen hatten, “ … wenn ich auch nur den kleinen Finger bewegen kann, bring ich es selbst zu ende.“ Dass er ein Pflegefall werden würde, war schnell klar. Er wachte nicht aus dem künstlichen Koma aus. Als er nach Ewigkeiten langsam ansprechbar wurde – macht wacht nicht aus einem langen Koma auf, wie man es aus dem Fernsehen kennt – , war er nicht mehr er. Pflegefall Stufe III +H. Diagnose: Zustand nach Vorderwandinfarkt/Reanimation, Hypoxischer Hirnschaden. Es dauerte lange, bis er sich die „einfachsten“ Fähigkeiten zurück erarbeiten konnte, wie schlucken beispielsweise. Nach fünf Jahren häuslicher Pflege starb er.

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Wenn man Menschen zum Weinen bringt, nur weil man ihnen das eine oder andere Persönliche von sich erzählt. Schwierig ist, das ein oder andere Vergangene mit anderen Augen sehen zu können, wenn so etwas passiert. Gut aber zu erfahren ist, dass die Menschheit am Ende noch nicht verroht ist und man hinter all der Professionalität den Menschen noch erkennt, dem Menschsein in dem Moment einfach wichtiger war.

Du pumpst 20 Minuten und wartest auf das erlösende Martinshorn. Zwischendurch merkst du, dass du etwas falsch machst; ihm kommt es sauer hoch, du hast den Magen aufgepumpt. Du drehst ihn auf die Seite, wischt ihm den Mund aus, drehst ihn zurück und machst weiter; den Nacken tiefer in den Rücken gedrückt. Dir ist egal, ob du seine Kotze im Mund hast. Dein Mann darf einfach nicht sterben und es liegt in deiner Hand. Das Martinshorn lässt auf sich warten. Deine Kraft ist eigentlich am Ende, aber du pumpst weiter. Und dann hörst du es, aber es ist keine Erlösung, wie du hofftest, weil du aktiv nichts mehr machen kannst. Du stehst daneben und siehst zu, wie drei Mann in deinem Wohnzimmer versuchen deinen Mann ins Leben zurückzuholen. Strom und Spritzen in seinen Körper jagen, sein Körper sich aufbäumt, wie man es aus dem Fernsehen kennt, nur schlimmer, weil real. Die siehst zu, wie sie auf seinem Brustkorb rumkloppen und du weißt dann, du warst zu zart, obwohl du gepumpt hast, so stark du eben konntest. Wenn nach weiteren 20 Minuten ein „Okay, wir haben ihn“ kommt und man samt Mann im RTW verschwindet … nicht um abzufahren, sondern um ihn zu stabilisieren, damit man überhaupt abfahren kann. Du sitzt dann auf der Treppe vor deinem Haus und siehst zu, wie der Wagen rhythmisch wackelt. Er wieder weg war. Du kannst nichts tun. Du stehst nur da und ahnst ganz leise, dass dies hier zu den Erlebnissen gehört, die dich nie wieder loslassen werden.
Seine letzten Worte waren „Schön, wenn der Schmerz nachlässt.“ Danach grunzte er nur noch. Der Arzt, bei dem er zwei Tage vorher war, hatte den ersten Herzinfarkt übersehen und diagnostizierte eine Zerrung in der Schulter. Das Novalgin war nicht was half. Der Schmerz, der halt einfach nachlässt, ein, zwei Sekunden bevor das Herz aufhört zu schlagen, der brachte die Erleichterung …

Schublade 3B

Ich neige dazu, zusammenzuzucken, wenn jemand in meiner Nähe sächselt. Ich kann mich da eines gewissen Schubladendenkens nicht verwehren. Ist so. Wobei mir klar ist, dass nicht alle Sachsen rechte Tropenköppe, Vollidioten oder sonstige Ekelpakete sind.
Vorgestern beim LIDL. Es fehlte Milch. Vor uns an der Kasse, eine sächsische Familie. Er sah schon unsympathisch aus. Hager und völlig harte Gesichtszüge. Sie wirkte resigniert devot und die Kinder – zwei Mädchen um die 10/12 Jahre – ebenso willenlos.
Frau lief noch schnell los, Geschirrspültaps holen. Zurück motzte ihr Mann sie an, dass sie noch welche hätten und sie die gefälligst wegbringen solle. Frau Sächsin war das sichtlich unangenehm, schien ein solches Benehmen aber zu kennen und folgte seiner Weisung wortlos und mit gesenktem Kopf.
An der Kasse dauerte es ewig. Die Kassierin rollte auch schon mit den Augen.
Dann nahm das Elend seinen Lauf. Es wurde – noch an der Kasse stehend – der Einkauf mit dem Kassenbon verglichen. Der Mann hatte jeden (!) Preis im Kopf. Tochter (die Ältere, sie wusste die Preise auch) meinte: „Die Müllermilch war in der Werbung zu 79Cent.“ Was ihr Vater mit einem „Die hat 0,99€ abgezogen“ bemängelte. Der Kotzbrocken Mann (ein weiterer Kunde – der direkt vor uns – wurde gerade seines Geldes erleichtert) sondierte laut weitere Fehlpreise: Melittakaffee zu fünf Euro irgendwas statt, wie in der Werbung – zu 4,89€.
Ich stellte mich so an die Kasse, dass offensichtlich war, dass ich ihn nicht vor mir reklamieren lassen wollte. Des Kapitäns Carotis puliserte empflindlich wie offensichtlich. Die Kassierin sah mir an, dass ich bereit war, meinen Kassenplatz gegen das unmögliche Benehmen eines meiner Lieblingsossis zu verteidigen und griff, sehend, dass er ansetzte sich zu beschweren, nach meiner Milch. Es piepste. Zu spät. Während ich den Einkauf in den Wagen zurücklegte, meckerte der Sachse weiter vor sich hin. Ich ging raus, während der Kapitän – kurz vorm explodieren – bezahlte. Die Frau an der Seite des Sachsens … echt jetzt? Die tat mir so leid. Wer einen solchen Kerl hat, kann sich gleich aufhängen. Ich sah den klassischen AfD-Wähler vor mir, der keinem etwas gönnt und seine Frau nicht als ebenbürtig ansieht. Ihr war das Ganze so peinlich. Während die Kinder gut eingenor… äh eingegesächselt zu sein schienen und es augenscheinlich nicht anders kannten.
Ich, im Auto sitzend: „Er hat alle Preise im Kopf und sie nach jedem Einkauf, den sie alleine tätigt, Rechenschaft abzulegen. Der kontrolliert auch das Wechselgeld und ich könnte wetten, dass das schon Ohrfeigen gab, wenn da ein Sonderangebot falsch gebont wurde und sie es nicht merkte.“ In 3B hatte auch der Kapitän den Arsch abgelegt.
Es gibt Menschen, bei denen ich nicht anders kann, als sie zu verschubladen.
Das … DAS sind meine Lieblingstouries. Und die Saison hat eben erst angefangen.

Gral Nummer drei

Der erste Gral wurde gefunden, von Frau Fjonka. Ich muss nur noch hinfahren und abgreifen, was da ist. Danke nochmal dafür.
Dann suche ich seit geraumer Zeit nach einem bestimmten Spülbecken. Schlicht, weiß, rund, Solitärstück aus Emaille. Hier ist die Lösung noch fern, wobei ich das nie als Problem gesehen hätte. Als ich zeitgleich wieder etwas suchen musste. Einen Mechaniker, der meine Weihnachtsgeschenk wartet. Nicht, dass die nicht liefe, das tut sie sehr wohl. Aber nach über siebzig Jahren (in denen sie vermutlich nienicht gewartet wurde), dachte ich, dass besser besser ist. Also einmal das komplette Programm. Kohlestifte tauschen, Keilriemen auch, Motor reinigen und durchfetten, fertig. Son Kram eben, den man den Kaffeemaschinen hier auch bisweilen angedeihen lässt, damit sie länger halten. Die Wartung dieser Maschinen kostet um die 150,-€ und dafür jemanden zu finden ist nicht schwer. Die holen die Geräte sogar zuhause ab.
So dachte ich, dass ich für meine Starmix auch jemanden fände. Der Kapitän suchte (er ist der Recherchespezie für Problemfälle – bei der Spüle aber gab er auch auf) und fand sogar einen Elektrohandel in der Nähe, der auf seiner Webseite damit warb, antike Haushaltsgeräte zu reparieren. Reparieren und warten, da ist für mich kein Unterschied. Ich also angerufen und bekam zu hören: „Also ehrlich gesagt, haben wir das noch nicht gemacht.“
Wohl aber angeboten! Vielleicht in der Hoffnung, dass man damit die Seite füllen könnte, ohne es auch tun zu müssen, weil eh keiner danach fragt.
„Das ist ja auch eine Kostenfrage“, sagte die Dame weiter, „und wie viel Geld man in ein so altes Gerät stecken will.“
Die kommt sicher aus der Thermomixfraktion, wo man dann eben Neues gegen Neues austauscht, weil das Vorvorjahresmodell lange überholt ist.
Hallo? Einmal aufbereitet hält die nochmal siebzig Jahre!
Ich telefonierte mich sukzessive weiter gen Süden und landete am Ende im tiefsten Württemberg. Ein deutlich älterer Herr (mit vierzigjähriger Erfahrung hierin) lachte überaus freundlich ins Telefon, als ich meinte, dass ich vor Ort keinen finden würde. Er badensete so vor sich hin, dass ich kaum etwas verstand und dachte, ich hätte mich verwählt und wäre in Bayern gelandet. „Schickense ma das Maschinchen nunder. In zwo Daach hab´sch de uffbereitet un schick ich se Ihrna z`rück, dann hammense de in drei Daach wiada dehaim.“
Was ich am Ende verstand, war, dass er einer der Wenigen ist, der diese alten Maschinen noch aufbereitet und er die aus dem ganzen Land geschickt bekommt.
Da hätte ich im Umkreis ja lange suchen können. Jetzt muss ich nur noch gucken, dass ich einen Karton finde, der groß und stabil genug ist. Und ich den zweiten Gral finde, bevor ich einen vierten suchen muss.