Schublade 3B

Ich neige dazu, zusammenzuzucken, wenn jemand in meiner Nähe sächselt. Ich kann mich da eines gewissen Schubladendenkens nicht verwehren. Ist so. Wobei mir klar ist, dass nicht alle Sachsen rechte Tropenköppe, Vollidioten oder sonstige Ekelpakete sind.
Vorgestern beim LIDL. Es fehlte Milch. Vor uns an der Kasse, eine sächsische Familie. Er sah schon unsympathisch aus. Hager und völlig harte Gesichtszüge. Sie wirkte resigniert devot und die Kinder – zwei Mädchen um die 10/12 Jahre – ebenso willenlos.
Frau lief noch schnell los, Geschirrspültaps holen. Zurück motzte ihr Mann sie an, dass sie noch welche hätten und sie die gefälligst wegbringen solle. Frau Sächsin war das sichtlich unangenehm, schien ein solches Benehmen aber zu kennen und folgte seiner Weisung wortlos und mit gesenktem Kopf.
An der Kasse dauerte es ewig. Die Kassierin rollte auch schon mit den Augen.
Dann nahm das Elend seinen Lauf. Es wurde – noch an der Kasse stehend – der Einkauf mit dem Kassenbon verglichen. Der Mann hatte jeden (!) Preis im Kopf. Tochter (die Ältere, sie wusste die Preise auch) meinte: „Die Müllermilch war in der Werbung zu 79Cent.“ Was ihr Vater mit einem „Die hat 0,99€ abgezogen“ bemängelte. Der Kotzbrocken Mann (ein weiterer Kunde – der direkt vor uns – wurde gerade seines Geldes erleichtert) sondierte laut weitere Fehlpreise: Melittakaffee zu fünf Euro irgendwas statt, wie in der Werbung – zu 4,89€.
Ich stellte mich so an die Kasse, dass offensichtlich war, dass ich ihn nicht vor mir reklamieren lassen wollte. Des Kapitäns Carotis puliserte empflindlich wie offensichtlich. Die Kassierin sah mir an, dass ich bereit war, meinen Kassenplatz gegen das unmögliche Benehmen eines meiner Lieblingsossis zu verteidigen und griff, sehend, dass er ansetzte sich zu beschweren, nach meiner Milch. Es piepste. Zu spät. Während ich den Einkauf in den Wagen zurücklegte, meckerte der Sachse weiter vor sich hin. Ich ging raus, während der Kapitän – kurz vorm explodieren – bezahlte. Die Frau an der Seite des Sachsens … echt jetzt? Die tat mir so leid. Wer einen solchen Kerl hat, kann sich gleich aufhängen. Ich sah den klassischen AfD-Wähler vor mir, der keinem etwas gönnt und seine Frau nicht als ebenbürtig ansieht. Ihr war das Ganze so peinlich. Während die Kinder gut eingenor… äh eingegesächselt zu sein schienen und es augenscheinlich nicht anders kannten.
Ich, im Auto sitzend: „Er hat alle Preise im Kopf und sie nach jedem Einkauf, den sie alleine tätigt, Rechenschaft abzulegen. Der kontrolliert auch das Wechselgeld und ich könnte wetten, dass das schon Ohrfeigen gab, wenn da ein Sonderangebot falsch gebont wurde und sie es nicht merkte.“ In 3B hatte auch der Kapitän den Arsch abgelegt.
Es gibt Menschen, bei denen ich nicht anders kann, als sie zu verschubladen.
Das … DAS sind meine Lieblingstouries. Und die Saison hat eben erst angefangen.

Gral Nummer drei

Der erste Gral wurde gefunden, von Frau Fjonka. Ich muss nur noch hinfahren und abgreifen, was da ist. Danke nochmal dafür.
Dann suche ich seit geraumer Zeit nach einem bestimmten Spülbecken. Schlicht, weiß, rund, Solitärstück aus Emaille. Hier ist die Lösung noch fern, wobei ich das nie als Problem gesehen hätte. Als ich zeitgleich wieder etwas suchen musste. Einen Mechaniker, der meine Weihnachtsgeschenk wartet. Nicht, dass die nicht liefe, das tut sie sehr wohl. Aber nach über siebzig Jahren (in denen sie vermutlich nienicht gewartet wurde), dachte ich, dass besser besser ist. Also einmal das komplette Programm. Kohlestifte tauschen, Keilriemen auch, Motor reinigen und durchfetten, fertig. Son Kram eben, den man den Kaffeemaschinen hier auch bisweilen angedeihen lässt, damit sie länger halten. Die Wartung dieser Maschinen kostet um die 150,-€ und dafür jemanden zu finden ist nicht schwer. Die holen die Geräte sogar zuhause ab.
So dachte ich, dass ich für meine Starmix auch jemanden fände. Der Kapitän suchte (er ist der Recherchespezie für Problemfälle – bei der Spüle aber gab er auch auf) und fand sogar einen Elektrohandel in der Nähe, der auf seiner Webseite damit warb, antike Haushaltsgeräte zu reparieren. Reparieren und warten, da ist für mich kein Unterschied. Ich also angerufen und bekam zu hören: „Also ehrlich gesagt, haben wir das noch nicht gemacht.“
Wohl aber angeboten! Vielleicht in der Hoffnung, dass man damit die Seite füllen könnte, ohne es auch tun zu müssen, weil eh keiner danach fragt.
„Das ist ja auch eine Kostenfrage“, sagte die Dame weiter, „und wie viel Geld man in ein so altes Gerät stecken will.“
Die kommt sicher aus der Thermomixfraktion, wo man dann eben Neues gegen Neues austauscht, weil das Vorvorjahresmodell lange überholt ist.
Hallo? Einmal aufbereitet hält die nochmal siebzig Jahre!
Ich telefonierte mich sukzessive weiter gen Süden und landete am Ende im tiefsten Württemberg. Ein deutlich älterer Herr (mit vierzigjähriger Erfahrung hierin) lachte überaus freundlich ins Telefon, als ich meinte, dass ich vor Ort keinen finden würde. Er badensete so vor sich hin, dass ich kaum etwas verstand und dachte, ich hätte mich verwählt und wäre in Bayern gelandet. „Schickense ma das Maschinchen nunder. In zwo Daach hab´sch de uffbereitet un schick ich se Ihrna z`rück, dann hammense de in drei Daach wiada dehaim.“
Was ich am Ende verstand, war, dass er einer der Wenigen ist, der diese alten Maschinen noch aufbereitet und er die aus dem ganzen Land geschickt bekommt.
Da hätte ich im Umkreis ja lange suchen können. Jetzt muss ich nur noch gucken, dass ich einen Karton finde, der groß und stabil genug ist. Und ich den zweiten Gral finde, bevor ich einen vierten suchen muss.

Well done?

Kann mir mal jemand die Welt erklären?
Putin spielt in Syrien seit Jahren mit Krieg, warnte Amerika davor, „einseitig“ einzugreifen und quakt nun rum, dass Trumps Angriff das Verhältnis zwischen Russland und den USA signifikant zerstört habe, weil Trump nicht auf ihn hörte.
Putin darf also machen, was er will, und alle anderen müssen zusehen. Egal ob es um die Krim geht, oder um Syrien.
Ich kann all das nicht verstehen.
Als Trump vor zwei Tagen ankündigte, er würde im Zweifel im Alleingang reagieren, und alle Politologen und Journalisten sich einig waren, dass Trump nur Schaum schlägt, dachte ich noch “ … da wäre ich mir nicht so sicher.“
Immerhin hat er bisher versucht zu halten, was er ankündigte.
Nein, Trump ist mir kein Mµ sympathischer. Sein Standing zeigt nur, wie gefährlich er wirklich ist. Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass ich denke (fühle), dass es Zeit wurde einzugreifen. Sechs Jahre Diplomatieversuche Assad betreffend haben genau was gebracht?
Wenn Narzisten sich an Narzisten messen und Größenwahnsinnige sich mit Größenwahnsinnigen anlegen. Hm.
Oder wie Jule schrieb: „Bleibt zu hoffen, dass Putin die Füße stillhält.“
Es ist ein zweischneidiges Schwert; aber macht sich der Westen nicht mitschuldig (noch mitschuldiger), wenn er weiter nur zusieht? Wir alle nur weiter zusehen. Deutschland eingeschlossen.
Ich weiß nicht, was ich denken soll. Die Bilder der Folgen des Giftgasangriffs machen so wütend, traurig und hilflos. Wer kann am Ende noch sagen, was richtig und was falsch ist?
Ich bin froh die nächsten Tag weg von Fernseher und Internet zu sein. Nichts reden, nichts hören, nichts sehen.

Öhm.

Ich wollte heute früh den Neuen bestücken. Kofferraumwannen und meine Notlösung gegen unbequeme Sitze. Ich glaube, ich erwähnte es schon, das ist das Manko bei dem Wagen. Ohne Notlösung nichts für Rückenkranke.
Und ich wollte zur Tankstelle fahren. Mein Autokaufberater hatte mich gestern angerufen und gesagt: „Mutter, mach bitte Luft drauf. Der Wagen steht seit drei Monaten, du hast innen einen Standplatten. Vorne 2,6, hinten 2,5 bar und damit fährst du dann 500 Kilometer, bevor du den Druck wieder rausnimmst.“
Ich ging also autoschlüsseldrückenderweise über den Hof.
Nichts. Ich drückte nochmal und nochmal und nochmal.
Nichts, nichts, nicht.
Während ich manuell aufschloss, ahnte ich böses. Also startete ich den Wagen, respektive wollte ich ihn starten.
Tot.
Glücklicherweise war ein Mann in der Nähe, Der Nachbar, der nur ein Wochenendnachbar ist. Zufall sei dank, dass er sich an einem Donnerstag hier rumtrieb.
Nein, ein Starthilfekabel hatte er nicht, aber ein Powerpack.
Nun saßen zwei Doofe da und mussten erstmal die Batterie suchen, die sich am Ende im Fußraum des Beifahrersitzes fand.
Rot auf Plus, Schwarz auf Masse, das war das Einzige, was wir beide wussten.
Nichts passierte. Ich dann so: „Ich meine mich zu erinnern, dass man zwei Minuten warten soll, ehe man startet.“
So stand es am Ende auch in der Betriebsanleitung, nutze aber nichts, weil das – voll gelandene – Powerpack den Diesel nicht beeindrucken konnte.
Während der Nachbar überlegte, sah er etwas nicht Unrelevantes: „Glimmt deine Parkleuchte?“
Ich so: „Nö“
Er so: „Doch, guck doch mal.“
Sie glimmte.
Ich den Blinkgeber hoch und runter und hoch und runter. Es tat sich nichts, das linke Parklicht glimmte weiter bescheiden vor sich hin.
Ich so: P.A.N.I.K.!
Fehler in der Elektrik, gleich bekomme ich noch einen Kabelbrand oder so.
Also den ExLieblingsautoverkäufer angerufen und erzählt.
Er so: „Du musst Licht angelassen haben.“
Ich so: „Neiheinen. Das Parklicht brennt aber und geht nicht aus.“
Er so: „Dann guck, dass du den ankriegst, und wenn das weiter so ist, bring ihn her.“
Zum „guck, dass du den ankriegst“ rief ich beim ADAC an.
Eine Frauenstimme: „Guten Tag, hier ist der ADAC, mein Name ist Frau Dingens, was kann ich für Sie tun?“
Ich so: „Mein Name ist Jane Blond, ich bin betrübt, und Sie können bitte mein Auto bitte wieder zum Laufen bringen.“
Der Gelbe Engel ließ nicht lange auf sich warten und begrüßte mich mit den Worten: „Na, was hast du kaputt gemacht?“ (In echt, hier wird man generell geduzt und so getan, als kenne man sich tausend Jahre)
„Gar nichts, er springt nicht an und das Standlicht glimmt, obwohl ich schon hundert Mal den Blinkgeber betätigt habe.“
Er sah das Auto an, dann mich, dann wieder das Auto, tätschelte milde lächelnd meine Schulter und sprach: „Das kriegen wir wieder hin.“ Er winkte mich gen Fahrersitz: „Guck mal -> der Kleine hier hat das Standlicht da und nicht am Blinkgeber.“
Müde ließ ich meine Stirn gegen das Auto sinken, und fand das Ganze erst nicht mehr peinlich, als er sagte: „Ich fahre andauernd raus, weil genau das vielen passiert, die einen Wagen dieser Marke zum Ersten mal fahren. Da, wo bei allen anderen Autos LICHT AUS ist, ist hier das Parklicht.“
Was ich nicht mal hätte wissen könne, hätte ich drauf geschaut, weil die Symbole nicht zu erkennen, weil abgegrabbelt sind. Ist klar, näh?
To do jetzt: Den ExLieblingsautoverkäufer anrufen und mich – aus Gründen – entschuldigen, und ihn dann anmeckern, warum er mir das am Telefon nicht gesagt hat, als ich sagte „Das Parklicht geht nicht aus, egal, wie oft ich den Blinkheber betätige.“
Zum Vertragshändler fahren und das Radio entcodetisieren und versuchen die Uhr wieder auf mitteleuropäische Zeit zu bringen. Wie auch immer das geht.
Achja, und Luft „drauftun“ muss ich auch noch.
Man, man, man.

Hat irgendwer die letzten Bilder aus Syrien gesehen?
Wenn nicht, lasst das auch. Ich habe gestern mit mir gerungen, ob ich mir das ansehe, dachte dann aber, dass man das aushalten können muss, schließlich haben die Menschen dort auch keine andere Wahl, als es auszuhalten.
Jetzt werde ich sie nicht wieder los.

Auf der Suche nach dem heiligen Gral

Oder wie ich mich dem Frustshoppen hingeben wollte und nicht konnte.

Hab ich die letzten vier Jahre irgendwas verpasst, oder hat Birkenstock (oder Papillio oder Betula) die Produktion schöner Latschen eingestellt? Ich suche mir einen Wolf. Real wie virtuell.
Entweder einfarbig oder wenn bunt, nur für Kinderfüße.
Sowas hätte ich gerne, oder sowas. Meinetwegen auch die, die oder die oder die.
Bilder gibt es genug, aber folgt man ihnen, heißt es: ausverkauft. Meine sind echt richtig tot …birkis
… und ich gucke schon seit fast einem Jahr immer mal wieder. Nix. Nur noch einfarbig langweiliger Kram. Ein paar Bunte fand ich. In den USA, für sauteuer. Ich bin bestürzt!
Btw: Wenn jemand zufällig ein Paar Birkenstock Kay Waldorf und Statler liegen hat und sie nicht trägt. Ich würde sie in Obhut nehmen.
Echt jetzt mal. Ich kaufe die schon immer alle paar Jahre. Ich hatte noch nie Probleme. Was ist da bitte los?

Der frühe Vogel kann mich mal

Frühst bin ich los, um das neue Gefährt anzumelden.
Nur kurz nach der regulären Öffnungszeit fand ich mich auf dem Parkplatz der Zulassungsstelle ein. Innerlich stöhnte ich schon auf, weil der Parkplatz schon zu so früher Stunde komplett überlaufen war. Vor dem Eingang standen rund dreißig rauchende Menschen. Zu gut gelaunt für Wartende. Die Tür war zu. Ich drehte mich schulterzuckend um.
„Wir haben heute Betriebsversammlung, da haben Sie aber Pech.“
Ich bin ja der Meinung, dass man derlei Informationen auch auf der Webseite kundtun könnte. „Man“ will das auch getan haben. Sagen mir zwei Damen kopfnickenderweise.
„Dann wäre ich nicht hier. Ich habe nämlich geguckt. Da steht nichts!“
Was man mir nicht glauben wollte. Ich habe eben nochmal geguckt. Nein, ich bin nicht blind, da steht nichts.
Ich dachte dann, dass ich halt zum Ableger an der Förde fahre.
Gesagt, getan. Der Parkplatz war gähnend leer und man darf raten, warum.
Die Flensburger waren allesamt in Schleswig, zur gemeinsamen Betriebsversammlung. Ist klar!
Also rief ich den Lieblingsautoverkäufer an und kam mir etwas dämlich vor, weil ich ihn gestern angerufen hatte, dass er mir den Neuen bitte startklar machen möge zu heute Mittag und ich ganz sicher komme.
„Ich kann den Wagen nicht holen heute. Ich kriege ihn nicht angemeldet, die haben alle zu“, sagte ich.
Der Lieblingsautoverkäufer tat kurz das, was ich die ganze Zeit hätte tun wollen. Er stöhnte ein: „Ne, näh?“
Er ist nicht ohne Grund der Lieblingsautoverkäufer. Morgen Früh fahre ich nochmal los zur Anmeldestelle. Abholen kann ich den Wagen nämlich erst abends zwischen halb acht, acht.
„Ich bleibe gerne länger für dich.“
Wenigstens was.
PS: Johann scheint mir doch böse zu sein. Als ich eben auf den Hof fuhr, grummelte irgendwas an den Bremsen. Das hörte sich nicht gut an.